Black Power

Autor Rüdiger Etzold
Veröffentlichungsdatum 1975
Veröffentlicht in Gute Fahrt
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Wie man den Golf schneller macht.

Von 50 auf 100 PS

Die Freunde leistungsgesteigerter Autos dokumentieren das Besondere ihres Wagens neuerdings durch unauffälliges Äußeres. Schwarz ist wieder in. Diese Farbe, eigentlich nur noch für Behörden- und Bestattungs- fahrzeuge im Programm, erfreut sich zunehmender Beliebtheit, so daß der eingeweihte Autofahrer längst weiß: Hier kommt ein ganz schneller Golf.

Das Golf-Tuning ist jedoch nicht einfach. Denn während beim Käfermotor jede von Tunern vorgenommene Änderung zwangsläufig zu einer Leistungssteigerung führte, zeigen sich die neuen wassergekühlten Volkswagenmotoren trotz Anwendung aller ehernen Tuningmaßnahmen äußerst spröde: Sie honorieren den Arbeitsaufwand mitunter nicht mit dem erhofften Leistungszuwachs.

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Daß die bekannten Tuningmaßnahmen bei den Golf-und Sciroccomotoren nicht wie gewünscht anschlagen, hat im wesentlichen zwei Gründe: Zum einen sind die VW-Motoren in ihrer Grundausführung leistungsmäßig schon ziemlich ausgeschöpft, so daß für eine weitere Leistungssteigerung verschiedene sinnvoll aufeinander abgestimmte Maßnahmen notwendig sind, und zum anderen reicht das Wissen und die Ausrüstung mancher Tuner nicht aus, die Eigenarten der Motoren aufzuspüren und leistungssteigernd zu nutzen. Bislang haben die meisten Tuner nach dem Prinzip des Gänsemästens gearbeitet, das bei den Drosselmotoren des Käfers goldrichtig war: Die Füllung wurde verbessert, die Frischgaszufuhr angehoben. Es wurde hineingestopft, was nur eben ging. Inzwischen zeigt sich, vor allem bei den wassergekühlten VW-Motoren, daß diese Maßnahme nicht ausreicht. Denn wenn man auf der Vergaserseite kräftig hineinstopft, muß auf der anderen Seite für zügigen Abgang gesorgt werden. Sonst bleiben die teuer erstandenen PS im Auspuff hängen.

Daß 100 PS in einem anderen Wagen nicht 100 PS bleiben müssen, ließ manche Werkstatt beinah vom Glauben abfallen und auf technisches Hexenwerk schließen. Nachdem mit aller Sorgfalt einige 100 PS-Motoren aus dem Audi 80 in den Scirocco verpflanzt waren, zeigte sich schon bei den ersten Ausfahrten, daß ein auf diese Art getunter Scirocco kaum mehr als die 85-PS-Ausführung bot.

Vielen Tuning-Werkstätten fehlt und fehlte es zunächst beim Umgang mit den neuen Motoren an der subtilen technischen Kenntnis, die das Volkswagenwerk zwar bieten könnte, jedoch in aller Regel wie ein Staatsgeheimnis behandelt.

Aber auch Wolfsburg kommt nicht ganz umhin, für die Sportfahrerkundschaft etwas anzubieten. Schließlich gibt es viele junge Leute, die auf Geschicklichkeitsturnieren, bei Bergrennen und Rallyes bislang den NSU TTS gefahren haben. Dieses Modell wird nicht mehr produziert, die Sportfreunde brauchen dringend Ersatz, und wenn möglich, dann natürlich aus dem VW-Pro-gramm. Hier sind besonders leichte, kurze und leistungsfähige Modelle anzutreffen. Neben dem Golf und dem Scirocco bieten sich der Audi 50 und seine künftige Volkswagen-Version an, welche letztere sich durch besonders geringes Eigengewicht auszeichnen. Alle diese Wagen, sofern sie auch noch getunt und für ihren speziellen Einsatzzweck vorbereitet werden, sind bei Sportveranstaltungen vorzügliche Chancen sicher.

Ausgangsbasis für das Tuning der neuen Volkswagen sind die Golf- und Scirocco-Triebwerke, die in drei Leistungsklassen zur Verfügung stehen: 50 PS aus 1100 ccm, 70 und 85 PS aus 1 500 ccm.

Die beiden letztgenannten Motoren sind weitgehend identisch und zudem eng verwandt mit den Passatmotoren und den bis zu 100 PS leistenden Triebwerken des Audi 80. Hier läßt sich eine gesteigerte Leistungsausbeute durch Kombination einzelner Teile relativ leicht erzielen. Die Kleinere 50-PS-Maschine indes ist eine Neuentwicklung, die kaum verwandtschaftliche Beziehungen zu den stärkeren Golf- und Sciroccomotoren aufweist. Dennoch läßt sich auch dieser Motor verhältnismäßig einfach aufpäppeln, denn es gibt einen etwas stärkeren Zwillingsbruder, der seine Arbeit im Audi 50 GL verrichtet.

Zu allen Versuchen der Leistungssteigerung ist natürlich zu sagen, daß der Segen der Technischen Überwachungsvereine noch nicht garantiert werden kann. Die Entwicklung ist noch zu frisch und zu neu, sie hat in die Merkblätter des TÜV noch keinen Eingang gefunden. Zwar sind, verstreut übers Bundesgebiet. schon einige Einzelabnahmen vorgenommen worden. Aber es gibt noch keinerlei Freibrief für das Tuning an Golf und Scirocco. Wer hier Hand anlegen will, sei deshalb dringend darauf hingewiesen, sich zuvor mit dem örtlichen TÜV ins Benehmen zu setzen und die Aussichten für eine Genehmigung eventueller Änderungen auszuhandeln. Wir können zur Zeit lediglich hinweisen auf das, was technisch möglich ist.

                                                                      Von 50 auf 53,5 PS

Theo Decker entwickelt für den Golf einen Schalldämpfer, der seitlich unterhalb der Tür angebracht wird. Die TÜV-Abnahme fehlt noch.

Theo Decker entwickelt für den Golf einen Schalldämpfer, der seitlich unterhalb der Tür angebracht wird. Die TÜV-Abnahme fehlt noch.

Eine recht unaufwendige und dennoch ertragreiche Potenzsteigerung wird beim Golf durch die Amputation des sehr eigenwillig geschwungenen Auspuffendrohres möglich. Geschwungen ist das Rohr nicht aufgrund einer Techniker-Eingebung, sondern auf Wunsch des TÜV. Man glaubte, auf diese Weise die Abgase am Eindringen ins Wageninnere bei offenstehender Heckklappe hindern zu müssen. Inzwischen ist experimentell erwiesen. daß dies nicht nötig ist, so daß die TÜV-Windung sicherlich bald gestreckt werden dürfte.

Wer schon einen Golf besitzt, könnte deshalb gleich zur Säge greifen und die Schlängelei abschneiden. Schon sind 0.5 PS gewonnen. Damit läßt sich natürlich noch kein Staat machen, doch sollte die Summe der preiswert erarbeiteten PS nicht verachtet werden. Deshalb wollen wir gleich ein weiteres halbes PS servieren. Es verbirgt sich im Luftfilterunterteil – allerdings fast nur im Winter.

Je nach Außentemperatur wird nämlich die Verbrennungsluft für den Motor gemixt. Und zwar muß die angesaugte Luft um so wärmer sein, je kälter die Außentemperaturen sind. Je wärmer jedoch die angesaugte Luft ist, desto schlechter ist der Füllungsgrad der Zylinder mit Kraftstoffluftgemisch, und desto schlechter ist auch die Motorleistung.

Ein halbes PS läßt sich beim Golf im Winter gewinnen, wenn man den Thermostat ausbaut, der unten im Luftfilterunterteil sitzt.

Ein halbes PS läßt sich beim Golf im Winter gewinnen, wenn man den Thermostat ausbaut, der unten im Luftfilterunterteil sitzt.

Für mehr Leistung baut man also im Winter (im Sommer steht die Regelklappe praktisch immer auf) Thermostat und Regelklappe (im Luftfilterunterteil) aus und freut sich über ein zusätzlich gewonnenes halbes PS.

Wahrscheinlich ärgert man sich dann allerdings auch über einen schlechten Rundlauf des Motors während der Warmlaufphase, da dem Motor ja nur kalte Ansaugluft zugeführt wird. In diesem Fall verzichtet man auf das halbe PS und kauft aus dem Audi-Ersatz-teillager gleich drei dazu.

Da die Aufstockung um rund 3 PS noch innerhalb der Toleranz liegt, wird die Versicherungsgesellschaft nicht geschädigt, und auch der TÜV dürfte gegen den Umbau kaum Einwände erheben.

Man nehme also den Abgaskrümmer (Nr. 052 207 065 F) vom Audi 50 GL, dazu das passende Aus-puff-Hosenrohr (Nr. 861 253 101 N), beides zusammen für rund 80 DM, und schon kann der Motor freier atmen.

Von 53 auf 60 PS

Gute drei PS mehr lassen sich beim 50- und 70-PS-Golf erzielen, wenn man das Auspuff-Hosenrohr und den dazugehörigen Krümmer montiert.

Gute drei PS mehr lassen sich beim 50- und 70-PS-Golf erzielen, wenn man das Auspuff-Hosenrohr und den dazugehörigen Krümmer montiert.

Zu dieser Leistungsstufe sind unbedingt die oben beschriebenen Maßnahmen notwendig. Außerdem muß die Verdichtung mit vier Kolben vom Audi 50 GL von 8,3 auf 9,3 erhöht werden, so daß hinfort Superbenzin getankt werden muß. Beim Golf mit 60 PS dürfte die Höchstgeschwindigkeit bei 150 km/h liegen (Serie 140 km/h), und die Be

schleunigung von 0 auf 100 km/h müßte sich gegenüber dem Serienzustand um eine Sekunde verbessern.

Die Kosten für dieses Tuningpaket setzen sich folgendermaßen zusammen: 80 DM für Abgasrohr und Abgaskrümmer, ca. 350 DM für vier Kolben.

Ein neuer Vergaser ist nicht notwendig, doch muß der alte, wie auch der Zündverteiler, der höheren Lei-stung( Audi 50 GL) angepaßt werden.

Zu den Ersatzteilpreisen ist natürlich noch der Arbeitslohn hinzuzurechnen, so daß trotz Verwendung von Original-Ersatzteilen der Umbau nicht eben billig kommt.

Eine weitere Leistungssteigerung des 50 PS-Motors für den Privatgebrauch ist wenig sinnvoll, da es ja schon serienmäßig den Golf mit 70 PS zu kaufen gibt.

Von 50 auf 110 PS

Dieser Sprung mag gewaltig erscheinen, doch wer in der Gruppe 2 als Sportfahrer konkurrenzfähig sein will, muß aus 100 ccm gut 10 PS herausholen. Zumindest will die Tuningfirma Schrick (Auftraggeber Nothelle) innerhalb von drei Monaten das Triebwerk von 50 auf echte 110 PS bringen. Die Arbeit ist insofern etwas diffizil, da bei Gruppe-2-Fahrzeugen der Hubraum nicht vergrößert werden darf. So bleiben zum Schnellermachen nur eine Änderung der Verdichtung, des Zylinderkopfs und der Nockenwelle. Man wird die Verdichtung auf mindestens 11:1 anheben. die Brennräume sauber bearbeiten, die Ventile vergrößern und eine scharfe Nockenwelle montieren. Für ordentliche Füllung der Zylinder soll eine mechanische Einspritzanlage sorgen. In drei Monaten soll solch ein Audi 50 mit 110 PS sein Debüt geben, der Preis für das Sportgerät steht schon jetzt fest: stattliche 25 000 DM.

 

                                                                      Von 70 auf 85 PS

Bei diesem Abgaskrümmer werden die Abgase aller vier Zylinder in ein Abgasrohr geleitet. Das Rohr wirkt wie eine Motordrossel.

Bei diesem Abgaskrümmer werden die Abgase aller vier Zylinder in ein Abgasrohr geleitet. Das Rohr wirkt wie eine Motordrossel.

Serienmäßig werden 85 PS im Scirocco angeboten, so daß die nachträgliche Leistungssteigerung im Golf keine Schwierigkeiten bereitet. Man muß beim GolfKauf nur die 70-PS-Version (1 500 ccm) bestellen, damit zur weiteren Leistungsentfaltung Serienteile genutzt werden können. Aus dem Ersatzteillager werden vom 85-PS-Scirocco vier Kolben benötigt, mit denen die Verdichtung auf 9,7 angehoben wird. Außerdem sind der oben schon erwähnte neue Abgaskrümmer sowie das geteilte Abgashosenrohr unbedingt erforderlich. Schon diese beiden Teile bringen allein rund 3 PS. Teuerstes Stück dieses Tuningpaketes ist der ebenfalls erforderliche Doppelregistervergaser (mit Ansaugkrümmer) vom 85-PS-Scirocco, der als Ersatzteil rund 500 DM kostet. Je später das doppelte Abgasrohr im Schalldämpfer mündet, desto geringer ist die Gefahr, daß die PS in der Abgasanlage hängen bleiben.

Zur Zeit sind verschiedene Tuner dabei, einen 85-PS-Umrüst-Bausatz zusammenzustellen und ein Abgasgutachten zu erlangen. Es kostet etwa 6 000 DM und wird voraussichtlich nur das bestätigen, was im Scirocco schon gemessen wurde. Dennoch, der TÜV ist immer dabei, ohne seinen Segen geht im Tuninggeschäft fast gar nichts mehr. Für den kompletten Motorumbau berechnet Autohaus Nordstadt (VW-Händler in Hannover) 1 665 DM. Ein Preis, der nicht zu hoch gegriffen ist, wenn man bedenkt, daß der Vergaser allein schon 500 DM kostet und die komplette Maschine zum Umbau zerlegt werden muß.

Bei leistungsgesteigerten Golf-Motoren sollte das Abgasrohr einen Durchmesser von mindestens 45 mm haben, das Endrohr sollte gerade sein.

Bei leistungsgesteigerten Golf-Motoren sollte das Abgasrohr einen Durchmesser von mindestens 45 mm haben, das Endrohr sollte gerade sein.

Einfacher und preiswerter wäre es natürlich, man könnte den Golf gleich mit 85 PS ordern. Diese Möglichkeit ist von VW derzeit nicht vorgesehen, so daß man seinem Händler nicht gram sein sollte, wenn er den Wunsch nicht erfüllen kann.

Von 85 auf 100 PS

Erstaunlicherweise hat sich noch kein bekannter Tuner daran gewagt, den 85-PS-1 500-ccm-Motor mit herkömmlich handwerklichen Mitteln zu tunen. Das ist insofern auch verständlich, da ja zu vernünftigem Preis das 100-PS-1600-ccm-Trieb-werk vom Audi 80 GT zur Verfügung steht. Außerdem erfordert es hohen Aufwand und viel technisches Geschick, aus 85 echte 100 PS zu machen. Wie man weiß, hat der 85-PS-Motor – wie alle neuen VW-Motoren – die Nockenwelle oben im Zylinderkopf. Zwischen Ventil und Nokken sitzt beim 85-PS-Triebwerk nur der sogenannte Tassenstößel, der einerseits hohe Drehzahlen erlaubt, andererseits aber auch die Form des Nockens begrenzt. Um höhere Drehzahlen und damit höhere Leistung zu erzielen, würde eine Nokkenwelle mit großer Überschneidung (Einlaßventil öffnet, bevor das Auslaßventil schließt) benötigt. Außerdem sollte der Nocken stark ausladend sein, um das Ventil für gute Zylinderfüllung weit aufstoßen zu können.

Bei leistungsgesteigerten Golf-Motoren sollte das Abgasrohr einen Durchmesser von mindestens 45 mm haben, das Endrohr sollte gerade sein.

Bei leistungsgesteigerten Golf-Motoren sollte das Abgasrohr einen Durchmesser von mindestens 45 mm haben, das Endrohr sollte gerade sein.

Starke Überschneidung und großer Hub bedingen eine ganz bestimmte Nockenform, die jedoch beim 85-PS-Motor ihre Grenze an dem im Durchmesser nicht sehr großen Tassenstößei findet. Ein zu scharfer Nokken würde förmlich gegen den Tassenstößel schlagen. In diesem Punkt ist übrigens die Verwendung von Schlepphebeln (wie beim 50-PS-Golf) günstiger. Dennoch läßt sich die Nokkenwelle des 85-PS-Motors noch etwas anspitzen, so daß – bei gleichzeitiger Vornahme verschiedener anderer Arbeiten – vermutlich über 100 PS realisierbar sind. Zur Zeit allerdings ist eine solche Nockenwelle noch nicht auf dem Markt, doch Versuchsmotoren laufen schon. Neben der Nockenwelle müssen zuätzlich die Kanäle und die Brennräume im Zylinderkopf bearbeitet werden. Notwendig ist auch ein im Lufttrichter vergrößerter Scirocco-Registervergaser sowie ein angepaßter Luftfilter und Zündverteiler. Von ganz entscheidender Bedeutung für die Leistungsverbesserung ist eine abgestimmte Abgasanlage. Sinnvollerweise übernimmt man die wesentlichen Teile vom Audi 80 GT. Noch besser wäre sogar ein echter Doppelrohrschalldämpfer, da die besten Tuningmaßnahmen von einer schlechten Abgasanlage schnell zunichte gemacht werden können.

Wie Versuche angedeutet haben, ließe sich das Triebwerk in der Leistung durch größere Einlaßventile noch auf rund 115 PS steigern. Für weiteren Schub, etwa 10 PS, könnten zwei Solex 40-DDH-Vergaser sorgen. Um aber tatsächlich echte 125 PS zu erzielen, sind aufwendige und recht teure Versuche notwendig, die die meisten Tuner nicht durchführen können. Sie halten sich lieber gleich an den 100-PS-Audi-80-GT-Motor, der sich nach leichter Bearbeitung des Gehäuses auch in Golf oder Scirocco einhängen läßt.

Von 100 auf 100 PS

Die Überschrift klingt paradox, doch hat die Praxis inzwischen gezeigt, daß der 100-PS-Audi-Motor im Golf oder Scirocco kräftig an Leistung verliert Schuld daran ist nicht der Quereinbau, sondern der Vergaser und die Abgasanlage. Sofern der 100-PS-Motor in den Golf eingebaut werden soll, werden einige Teile vom 85-PS-Scirocco-Motor benötigt: Abgaskrümmer, Ansaugkrümmer, Ölwanne (Ölansaugrohr muß verlängert werden) und Registervergaser.

Der Vergaser ist erforderlich, da der Audi-Vergaser für den Quereinbau (Schwimmerkammer liegt auf der falschen Seite) nicht geeignet ist. Beim Scirocco-Vergaser ist wiederum der Lufttrichter etwas zu klein, so daß einige Tuner diesen aufbohren. Grundsätzlich wäre es erfreulich. wenn Solex einen auf diesen Motor abgestimmten Vergaser anbieten würde.

Serienmäßig bleiben Nokkenwellen- und Kurbeltrieb, ausgewechselt werden muß in jedem Fall die Abgasanlage. Manche Werkstatt hat beim Motorumbau einfach die Anlage vom 85-PS-Scirocco-Motor übernommen und damit eine regelrechte Motordrossel eingebaut. Zur Zeit scheint es am sinnvollsten zu sein, man übernimmt die Audi-80-GT-Anlage neuester Ausführung.

Theo Decker ist dabei, einen völlig neuen Schalldämpfer zur Serienreife zu bringen; Autohaus Nordstadt arbeitet mit zwei langen, getrennten Rohren, die erst ziemlich spät in den Schalldämpfer münden. Beide Anlagen bieten allerdings noch nicht das Optimum, wie sich bei Testfahrten zeigte.

Über die Kosten für den Motorumbau gibt es noch keine Preisvorstellungen, doch kostet schon der nackte 100-PS-Motorblock 3200 DM. Hinzu kommen die Kosten für Vergaser. Ansaugkrümmer, Abgasanlage und Arbeitslohn. Und dann hat auch der TÜV noch ein Wörtchen mitzureden, denn zur Zeit hat noch kein Tuner ein Abgasgutachten. Gefahren haben wir dennoch zwei 100-PS-Golf, die von Theo Decker und von Autohaus Nordstadt hergerichtet wurden.

Wie schnell ein Golf mit 100 PS sein müßte, ergibt sich aus den Daten des Audi 80 GT. Nach Werksangabe muß dieser eine Spitze von 175 km/h erreichen und eine Beschleunigung von 0 auf 100 km “h in 10,2 sec. Da jedoch der Golf leichter ist und eine andere Form hat, müßte er mit 100 PS etwa 185 km“h schnell sein und die Hunderter-Marke nach etwa 9,5 Sekunden hinter sich lassen. Beide Testwagen erzielten diese Werte nicht (Decker-Golf: 172 km/h, 0 bis 100 km/h in 11,7 sec; Nordstadt-Golf: 178 km/h. 0 bis 100 km/h in 10.0 sec). Hierbei wirkte sich bei beiden Wagen die qroße Bereifung (185/70 HR 13) negativ aus. Der vierte Gang ist dann einfach zu lang übersetzt.

Es ist aber nicht nur die Getriebe-Übersetzung, die nicht optimal abgestimmt ist. Vergaser und Abgasanlage warten ebenfalls auf den letzten Schliff. Viel Zeit, den 100-PS-Golf zu verbessern, bleibt den Tunern nicht, denn harte Konkurrenz steht ins Haus: Es könnte sein, daß VW mit einem eigenen 100-PS-Tuningpaket auf den Markt kommt.

Hans-Rüdiger Etzold