Bruderschaft

Autor Rüdiger Etzold
Veröffentlichungsdatum 1973
Veröffentlicht in Gute Fahrt
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Test: VW 412 75/85 PS

Der VW 412 wird jetzt mit 75 und 85 PS angeboten. Beide Triebwerke haben den gleichgroßen 1,8-Liter-Hubraum, die Gemischzufuhr erfolgt nunmehr wieder über Doppelvergaser. Aufgrund der niedrigeren Verdichtung kommt der schwächere VW 412 mit Normalbenzin aus. Die GUTE FAHRT hat beide Modelle eingehend gefahren und berichtet, welche Fahrleistungen die unterschiedlich motorisierten VW 412 entwickeln und welche Version der bessere Kauf ist.

Nachdem die Produktion des VW 1600 eingestellt worden ist und der Käfer für dieses Modell keine Alternative bietet, bleibt dem Freund des Heckmotors nur noch der VW 412, dessen steiqende Verkaufszahlen signalisieren, daß das Konzept mit dem Motor im Heck noch immer gefragt ist. Da inzwischen neben dem VW K 70 auch der Passat mit Frontantrieb ins Programm aufgenommen wurde, deutet alles darauf hin, daß auch zukünftige Autoentwicklungen des VW-Werkes den Motor vorn tragen. Schon aus Gründen rationeller Fertigung wird man dieses Konzept vorantreiben. Schließlich schafft erst das Baukastensystem die Voraussetzungen dafür, daß auch in Zukunft Autos noch zu annehmbaren Konditionen angeboten werden können.

Der erste neue VW, der von diesem Konzept profitiert, ist der im Frühjahr präsente VW-Sportwagen. Dieses Modell wird neben dem Passat-Motor verschiedene Baugruppen aufweisen, die sich schon in einem anderen VW-Modell als besonders gut und standfest erwiesen haben. Ohnehin ist es ein unnötiger Luxus, für jedes neue Automodell in der Konstruktion wieder bei Null anzufangen, wenn es Positionen beim Vorgängermodell gab, die sich als besonders brauchbar herausgestellt haben.

Das ist auch der Grund, wenn viele Autofahrer dem VW 1600 nachtrauern, dessen Kleid zwar in die Jahre gekommen war, dessen Technik jedoch einen so hohen Reifegrad erreicht hatte, daß viele Käufer auch weiterhin das etwas angejahrte Äußere in Kauf genommen hätten. Schon heute werden unter der Hand Anschriften jener VW-Handler gehandelt, die auf ihrem Hof noch einen neuen VW 1600 Variant stehen haben. Und das VW-Werk würde liebend gern den VW 1600, zumindest das Variantmodell, weiterbauen, wenn es für dieses Modell noch Produktionskapazitäten frei hätte. Deshalb ist die Entscheidung der Wolfsburger begrüßenswert, den VW 412 auch mit einem 75-PS-Motor anzubieten, der sich bei geringeren Fahrleistungen mit preisgünstigerem Normalbenzin begnügt.

Zum neuen Modell jahr gab es beim VW 412 an den äußeren Konturen keine Änderungen.

Zum neuen Modell jahr gab es beim VW 412 an den äußeren Konturen keine Änderungen.

Der VW 412, der für die kommenden Jahre noch fester Bestandteil des Wolfsburger Programms bleibt, wird wohl aie letzte Limousine dieser Größenordnung mit Heckmotor bleiben. Selbst die Firma Porsche, die geradezu das Synonym für Luftkühlung und Heckmotor ist, wendet sich von diesen Konstruktionsprinzipien ab. Zweifellos wurde diese Entscheidung durch den Porsche Carrera erleichtert, der mit seinen 210 PS aufgezeigt hat, daß ein schnelles Heckmotorfahrzeug nur unter großem technischem Aufwand zum Geradeauslauf gezwungen werden kann.

Der neue Porsche (Serienbeginn in etwa drei Jahren) wird deshalb den wassergekühlten Motor vorn tragen, zum besseren Lastausgleich wandert jedoch das Getriebe zur Hinterachse. Motor und Getriebe verbindet eine Stange, die den Durchmesser eines Besenstiels hat.

Daß sich ein Wagen, der gezogen wird, kursstabiler verhält als jener, der geschoben wird, offenbart schon der häusliche Teewagen, der nur dann die Spur sauber einhält, wenn man ihn zieht.

Das zweite konstruktive Handicap eines Heckmotorwagens liegt in der Achslastverteilung, die zwangsläufig dazu führt, daß starker Seitenwind den Wagen vom geraden Strich abhält. Technisch gesehen ist das immer dann der Fall, wenn Windangriffspunkt (die Techniker betrachten den Seitenwind als eine Kraft, die nur in einem Punkt angreift) und Wagenschwerpunkt weit auseinanderliegen. Und da der Windangriffspunkt stets vor der Fahrzeugmitte liegt, ist es verständlich, daß sich ein Wagen mit vornliegendem Schwerpunkt (Motor vorn) kursstabiler verhält.

Gegen diese beiden Naturgesetze muß der VW 412 ankämpfen, beziehungsweise mit konstruktiven Maßnahmen dahin gebracht werden, daß er ein kultiviertes Fahrverhalten einhält. Zweifellos ist das den VW-Technikern beim 412 bravourös gelungen, denn der Geradeauslauf muß kaum nachreguliert werden. Und ein Gegenlenken bei Seitenwind ist nur dann notwendig, wenn starke Böen den Wagen packen. In aller Regel spürt man also von den negativen Einflüssen des Heckmotors nur sehr wenig, profitiert ,edoch von dem großen Plus, das ein Wagen mit Heckmotor nun einmal hat: die antriebsbelastete Hinterachse.

Es nützt der schönste und teuerste Wagen wenig, wenn man auf verschneiter Piste nicht vorankommt. Daß dieser Gesichtspunkt für viele Autofahrer kaufentscheidend ist, zeigt sich gerade in diesen Wochen, nachdem die Produktion des 1600er ausgelaufen ist und die Neukäufer in der Überzahl zum VW 412 umsteigen. Erleichtert wird ihr Entschluß durch das preiswertere 75-PS-412-Modell, das die gleichen Vorzüge der großen VW-Limousine aufweist, jedoch im Unterhalt nicht wesentlich teurer als der 1600er ist. Das 75-PS-Modell paßt also derzeit recht gut in die Landschaft, zumal wir ohnehin am Wendepunkt des Automobils angelangt sind: Das Fahren in seiner schönsten Form macht nur noch wenig Freude, wenn aufgrund überfüllter Straßen im Mopedtempo dahingekrochen wird.

Der VW-412-Motor ist jetzt wieder mit zwei Vergasern (Solex 40 PDS IT) ausgerüstet, die auf kurzen Ansaugrohren sitzen und die Zylinder auf kürzestem Weg mit Kraftstoffluftgemisch beschicken.

Der VW-412-Motor ist jetzt wieder mit zwei Vergasern (Solex 40 PDS IT) ausgerüstet, die auf kurzen Ansaugrohren sitzen und die Zylinder auf kürzestem Weg mit Kraftstoffluftgemisch beschicken.

Bislang konnte man beim Käufer immer wieder durch einige PS mehr neue Kaufanreize schaffen. Inzwischen ist Geschwindigkeit kein Privileg gehobener Autoklassen mehr, und Sportlichkeit verkauft sich zunehmend schlechter; denn die Entfaltungsmöglichkeiten eines Schnellfahrers werden auf natürliche Weise abgebremst: 18 Millionen Personenwagen, die in der Bundesrepublik zugelassen sind, sorgen automatisch für eine Reduzierung möglicher Dauer-Höchstgeschwindigkeiten.

Der VW 412 hat nie den Anspruch eines sportlichen Wagens erhoben. Er zählt nicht zu den Modellen, die den sportlich-aggressiven Fahrer formen. Sein Image wird durch solide Verarbeitung, lange Lebensdauer und stabile Konstruktion geprägt. Ob man in Zukunft, auch bei VW, noch Autos solch stabiler Art fertigt, wird erst die Zukunft zeigen.

Die neuen Leistungsstufen

Mit einem Leergewicht von 1080 kg zählt der VW 412 nicht gerade zum Leichtgewicht seiner Klasse. Es ist deshalb nur von Vorteil, wenn der Wagen von einer großvolumigen Maschine angetrieben wird. Großer Hubraum ist gleichbedeutend mit hohem Motordrehmoment. Zwar erhöht sich das Drehmoment auch mit zunehmender Motordrehzahl (bis zu einem Maximum), doch ist es um so höher, je größer die Kolbenfläche ist.

Grundsätzlich gehört die Drehmomentangabe zwar zu den Motor-technischen Angaben, doch schaut der Autofahrer für gewöhnlich nur auf die PS. Aber gerade ein hohes Drehmoment sorgt für einen elastischen Motor, der nur wenig Schaltarbeit verlangt, jedoch jederzeit die Kraft freimacht, die man zum zügigen Vorankommen an Steigungen oder mit Wohnwagen benötigt. In diesem Punkt sind uns die Amerikaner um Längen voraus. So hat zum Beispiel der Chevrolet Camero (RS) bei einer Motorleistung von 110 PS und einem Hubraum von 4093 ccm ein maximales Drehmoment von 256 Nm (25,6 mkp) bei einer Motordrehzahl von 1600 U/min. Der fast gleichstarke BMW 520 (115 PS) – mit einem Hubraum von 1990 ccm — kommt auf ein Motordrehmoment von 145 Nm (14,5 mkp) bei 3700 U/min.

Nun darf man beim Drehmoment nicht nur die maximale Spitze betrachten, wichtiger ist ein hohes Drehmoment über einen großen Drehzahlbereich. Und hier schneidet der neue 1,8-Liter-Motor/85 PS des VW 412 nicht schlecht ab. Das Drehmoment (maximal 138 Nm bei 3400 U/min) von 130 Nm (13,0 mkp) ist über einen Drehzahlbereich von 2200 bis 4600 U/min vorhanden und gibt dem Motor jene Elastizität, die bei dieser Wagengröße angebracht ist. Positiv wirkt sich der große Hubraum auch beim 75-PS-Modell aus, denn hier sinkt zwar die Motorleistung um 10 PS, das maximale Drehmoment jedoch nur von 138 Nm auf 132 Nm.

Vorteile: Vergaser oder Einspritzer?

Zwar sah der Spiegel (Nr. 20/ 73) schon das Ende des Vergasers nahen, doch just im gleichen Zeitraum rüstete Wolfsburg den VW 412 wieder auf Vergaser um. Was im ersten Augenblick wie ein technischer Salto mortale aussieht, entpuppt sich freilich als wirtschaftliche Entscheidung: Die Vergaser-Techniker von Solex haben sich aufgrund der elektronischen Einspritzung kräftig ins Zeug gelegt und können heute Vergaser anbieten, die den Abgas-Normen entsprechen. Dennoch liegen sie im Preis unter den Kosten für eine Einspritzung, die auch jetzt noch nicht völlig aus dem 412-Programm gestrichen wurde; Nordamerikas strenge Abgasgesetze werden mit der neuen Bosch-Elektronic-Einspritzung erfüllt.

Versorgt wird das hiesige 1,8-Liter-Triebwerk über zwei 40 PDSIT-Solex-Vergaser, die auf kurzen Ansaugrohren ruhen und das Gemisch auf kürzestem Weg in die Doppelkanalzylinderköpfe zwingen. Beide Motorversionen haben übrigens die gleichen Vergaser, die sich nur in der Düsenabstimmung voneinander unterscheiden.

Und der einzige technische Unterschied beider Triebwerke besteht nur in der Verdichtung. Wer also später mal aus seinem 75-PS-Motor 10 PS mehr gewinnen will, muß nur die Zylinderköpfe abdrehen und die Düsen der Vergaser auswechseln. Wesentlicher schwieriger und teurer wird es, wenn der 1,7-Liter-Einspritzer auf 1,8-Liter-Hubraum mit Vergaser umgebaut werden soll. Technisch ist dieses Vorhaben ohne weiteres möglich. Allerdings muß dazu der Motor völlig zerlegt werden, das Gehäuse für die größeren Zylinder aufgebohrt und neben den Zylindern, Kolben und Zylinderköpfen sind auch noch die Vergaser zu kaufen. Das wird zweifellos ein so teures Vergnügen, daß sich der Umbau nicht lohnt.

Technische Daten VW412 75/85 PS
Motor: Luftgekühlter Vierzylinder-Viertakt-Boxermotor. Hubraum 1,8 Liter. Zweivergaseranlage (Solex 40 PDSIT). Zylinderbohrung X Kolbenhub 93X66 mm, Hauptstromölfilter. 75-PS-Motor: Leistung 55 kW (75 PS) bei 5000 U/min, Verdichtung 7,8 (Normalbenzin). Maximales Drehmoment 132 Nm (13,2 mkp) bei 3400 U/min. 85-PS-Motor: Leistung 63 kW (85 PS) bei 5000 U/min, Verdichtung 8,6 (Superbenzin).  Maximales Drehmoment 138 Nm (13,8 mkp). Elektrische Anlage: 12-Volt-Anlage, Batterie 45 Ah, Drehstromgenerator 55 A, Leistung ca. 770 Watt.

Fahrwerk: Einzelradaufhängung und Schraubenfedern an beiden Achsen.  Hydraulische Stoßdämpfer. Federbein-Vorderachse mit Stabilisator.  Schräglenker-Hinterachse mit Radführung durch Dreieckschwingen,
Drehstabstabilisator. Antrieb durch Doppelgelenkwellen. Zweikreis-Bremssystem, vorn Scheibenbremsen. 5-Zoll-Räder mit Gürtelreifen 155 SR 15 auf 4’/ 2 J-15-Felgen. 

Abmessungen: Länge/Breite/Höhe, mm: 4555/l675/1475.Radstand2500 mm. Wendekreis 11,8 m. 3,5 Lenkradumdrehungen von Anschlag zu Anschlag. Kofferrauminhalt 550 Liter. Tankinhalt 50 Liter. 

Gewichte: Eigengewicht 1080 kg, Nutzlast 450 kg. Zulässiges Gesamtgewicht 1530 kg. Anhängelast ungebremst/gebremst: 500/900 kg. Zulässige Dachlast 75 kg.

Meßwerte VW 412 75 PS VW412S 85 PS VW412E 80 PS

Beschleunigung von:

0 auf 60 km/h  6,5 sec  5.5    sec
0 auf 80 km/h 10.7 sec 8.6    sec   9,8 sec
0 auf 100 km/h 16.8 sec 13.7    sec 14,8 sec
0 auf 120 km/h 26,2 sec 20.7 sec 22,2 sec

Elastizität (Beschleunigung Im 4. Gang ab 40 km/h):

40 bis 60 km/h  9,1 sec  7,7 sec
40 bis 80 km/h 18,3 sec 15,3 sec
40 bis 100 km/h  28,2 sec  23,0 sec 24,6 sec

Höchstgeschwindigkeit

150 km/h 159 km/h 156 km/h

Benzinverbrauch bei konstanter Geschwindigkeit:

60 km/h  7,2 I  7,0 I  6.2 
80 km/h 8.6 I 8,2 I l7,1 I
100 km/h 9.8 I 9.6 I 8.0 I
120 km/h 10,8 l 11.0 I 9.4 I
140 km/h 13,7 l 13,3 l 12,2 I
bei Höchstgeschwindigkeit 16,3 l 16.1 l 16,0 l

Benzinverbrauch Im Durchschnitt:

ca. 12,5 1 ca. 13 1 12,5 I

Grundpreis (DM)

10150,- 10300,-

Jahressteuer (DM)

260,- 260,- 246,-

Jahreshaftpflicht(Großstadt, 100%, Deckung 1 Mio)

759,- 818,— 818,-

Daß der VW412 mit dem hubraumgroßen Motor an Elastizität und Höchstgeschwindigkeit zugenommen hat, unterstreichen die gemessenen Fahrleistungen, die in der Beschleunigung die Werksangaben klar übertreffen und bei der Höchstgeschwindigkeit offenbaren, daß hier gesunde PS vorhanden sind. So läuft das 75-PS-Modell, wie vom Werk angegeben, in der Spitze 150 km/h und der größere Bruder schafft knappe 160 (Werksangabe 158 km/h). Eine Geschwindigkeit, die bei diesem Motor aufgrund der richtigen Getriebeabstufung, ständig eingesetzt werden darf. Gegenüber dem früheren Einspritzmotor gelangt das Kraftstoffluftgemisch durch kurze Ansaugrohre direkt in die Zylinder. Dennoch zeigten sich in den Übergängen geringe Differenzen: Beim Einspritzer ist die Gasannahme um Nuancen sauberer und elastischer. Sicherlich wird man beim 85-PS-Modell, wir fuhren ein Vorserienmodell, den einen oder anderen Düsenquerschnitt noch verändern. Denn beim 75-PS-Modell war die Vergaserabstimmung schon optimal: Der Motor nahm spontan Gas an und leitete die Gasübergänge sauber ein. Im Benzinverbrauch, der natürlich sehr stark vom Fahrstil abhängt, werden sich bei beiden Modellen keine großen Unterschiede einstellen. Im Mittel dürften die Vergasermotoren zwischen 12 und 13 Liter auf 100 km benötigen. Der Unterschied liegt vor allem im Preis; denn während sich das 75-PS-Modell mit Normalbenzin begnügt, benötigt der 85-PS-412 Super.

Das Fahrwerk ist richtig ausgelegt

Schon zum vergangenen Modelljahr hatten die Wolfsburger Techniker das VW-412-Fahr-werk überarbeitet. Die sanfte Dämpfung wich einer etwas strammeren Ausführung, die den Aufbau insgesamt beruhigte, ohne daß beim Fahrkomfort Einbußen auftraten. Nickschwingungen, wie sie aufgrund des langen Vorbaues auftraten, kennt der VW 412 nicht mehr.

Das moderne 412-Fahrwerk, mit Federbeinen an der Vorderachse und Schraubenfedern an der Hinterachse, sorgt in der großen Heckmotor-Limousine für ein sicheres Fahrgefühl, das nur dann geringe Einbußen erfährt, wenn der Wagen von starken Windböen gepackt wird und durch Gegenlenken auf geradem Kurs gehalten werden muß. Stabilisierend wirkt sich auf das Fahrverhalten ohne Zweifel ein voller Front-Kofferraum aus, der den Wagenschwerpunkt mehr nach vorn verlagert und dadurch Windangriffspunkt und Wagenschwerpunkt einander näherbringt. Bei vielen anderen Fahrzeugmodellen (mit Heckkofferraum) stellt sich gerade in diesem Punkt das Gegenteil ein, so daß sich dann das Fahrverhalten wesentlich verschlechtert.

Alles in allem hat der VW412 ein harmonisch abgestimmtes Fahrwerk, dessen große, gürtelbereiften Räder Unebenheiten der Straße willig schlucken und eine dem Fahrzeug entsprechende komfortable Federungscharakteristik bieten. Im Winter, auf schneebedeckter Fahrbahn, ist der VW 412 mit seiner durch Getriebe und Motor belasteten Hinterachse natürlich nicht zu schlagen. Selbst ein Fronttriebler, der ja auch die Antriebsachse durch den Motor belastet hat, kann hier nicht mit dem Heckmotorfahrzeug konkurrieren.

Eine Ausstattung für gehobene Ansprüche

Natürlich gibt es auch für den VW 412 eine Menge Zubehör, das zusätzlich bezahlt werden muß, doch kann dieses VW-Modell schon in der Grundausstattung mit viel sinnvollen Extras aufwarten, die das Fahren angenehmer gestalten. So zählt zur Serienausstattung unter anderem ein zweistufiges Frischluftgebläse, ein Scheibenwischer mit Kurzwischgang sowie Vordersitze mit praktischer Höhenverstellung.

Serienmäßig ist auch die elektronisch geregelte Benzinheizung, die, mit einer Schaltuhr versehen, zu einer echten Standheizung wird. Ein Komfort, der bei diesem VW-Modell nur mit 68 DM Aufpreis für die Schaltuhr zu bezahlen ist, ansonsten einschließlich Benzinheizung rund 540 DM kostet.

Das Interieur entspricht dem Charakter des Wagens, die Qualität der Sitzstoffe ist ausgezeichnet, die dezenten Farben passen sich der freundlichen Innenraumatmosphäre harmonisch an. Auf den breiten Vordersitzen können es sich selbst schwergewichtige Personen einrichten, Platz ist auch für die hinteren Sitzbänkler ausreichend vorhanden. Und was sich schon beim Käfer als richtig erwies und beim VW 1600 wie auch beim VW 412 beibehalten wurde, sind die gut ablesbaren Rundinstrumente, der leicht zu handhabende Mittelschalthebel und schließlich auch der richtig postierte Handbremsgriff. An der Innenraumgestaltung und der soliden Verarbeitung gibt es im VW412 nichts zu kritisieren.

Ein Modell — viele Variationen

Der VW 412 — das ist praktisch ein vollständiges Programm, mit dem sich viele Käuferwünsche befriedigen lassen. Nicht nur, daß jetzt zwei Motorversionen angeboten werden, auch in der Ausstattung bleibt kaum ein Wunsch unerfüllt: Da gibt es natürlich eine L-Ausstattung, wahlweise vier Türen, getönte Fensterscheiben und sogar eine Klimaanlage. Man bekommt den VW 412 mit einer sauber abgestimmten Vollautomatic oder schließlich auch als Variant. Gerade dieses Modell wird sicherlich, nachdem es den VW 1600 nicht mehr gibt, die Position des VW 412 kräftig stärken.

Wer jedoch aus wirtschaftlichen Überlegungen zum 75-PS-412 greift, sollte beim Variant das 85-PS-Triebwerk vorziehen. Vor allem dann, wenn der Wagen ständig vollgepackt wird, sind die 10 PS mehr gut eingesetzt. Und viel teurer werden sie in der Anschaffung auch nicht: pro PS nur 15 DM. Wo gibt es das heute noch?

Hans-Rüdiger Etzold