Das rollende Etagenbett

Autor Rüdiger Etzold
Veröffentlichungsdatum 1973
Veröffentlicht in Gute Fahrt
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Die beste Neuerung beim Campingbus seit Jahren: Jetzt hat er zwei riesige Doppelliegen.

Der VW Bus, von vielen als der beste VW gepriesen, hat als wandelnder Schlafwagen etliche Verbesserungen erhalten, die ihn noch attraktiver machen. Bislang wurde die Konstruktion der Inneneinrichtung vornehmlich von der Firma Westfalia durchgeführt. Jetzt haben Profis aus Wolfsburg das Zepter übernommen und den Bus freizeitgerechter hergerichtet. Der beste Einfall des Techniker-Teams: Der Campingwagen hat zwei echte Doppelliegen. Das Etagenbett, auf Dachniveau eingerichtet, ist so breit wie eine französische Lotterliege und so lang wie ein deutsches Normbett.

Das Besondere an der Etagenliege: sie ist sekundenschnell aufgebaut. Nach dem Entriegeln wird das Kunststoffdach einfach hochgeschwenkt und die eine Hälfte des Bettes nach vorn ausgefahren. Schon ist das Lager gerichtet. Tagsüber wird der schwenkbare Teil des Bettes zurückgefahren, denn nur dann kann man im Bus aufrecht stehen. Hinterdem zurückgeschwenkten Betteil läßt sich mühelos das gesamte Bettzeug verstauen.

Durch den großen Schwenkwinkel des Daches hat der Etagenbewohner ausreichend Bewegungsfreiheit, überdies lassen sich drei große Luftklappen in der Stoffbespannung öffnen. Gegen Moskitos, Fliegen und ähnliches Ungeziefer schützen engmaschige Netze.

Selbst im Winter, so Konstrukteur Duckstein, kann man auf der oberen Etage ohne Schlafsack angenehm schlafen. Eine neue Unterflurheizung macht es möglich. Sie ist vorn im Eingang im Bodenblech eingelassen und beansprucht dadurch keinen Lebensraum. Gespeist wird die Heizung mit Gas, das in zwei großen Flaschen im Innern des Busses untergebracht wird. Die Heizung ist also von Benzin, Strom und Batterie unabhängig.

1973-12_Das rollende Etagenbett-1Im Unterstübchen, dem Wohn-, Schlaf- und Kochraum, gelang es durch geschickte Detailverbesserungen ebenso, den Komfort zu erhöhen. Mag dies auf den ersten Blick auch nicht der Fall sein, denn die Sitzpolster wurden dünner. Allerdings nicht aus Soarsamkeit, sondern weil die Passagiere während der Fahrt immer mit den Füßen in der Luft baumelten. Jetzt hat der Durch-schnitts-Mitteleuropäer auch während der Fahrt im Campingbus Boden unter den Füßen. Neben der Abflachung der Polster fällt sofort der wohnliche Charakter im neu eingerichteten Bus auf: Ein durchgehender Teppich (auf sandigen und matschigen Campingplätzen nicht so schön) und verkleidete Gardinenleisten unterstreichen die behagliche Atmosphäre.

1973-12_Das rollende Etagenbett-2Das untere Bett, 1,90 m lang und 1,40 m breit, wird nach gewohnter Manier durch Umklappen der Sitzbank einfach und schnell eingerichtet.

Zum Interieur, das von Westfalia in verschiedenen Variationen angeboten wird, gehören Tisch, Kleiderschrank, Spüle und Gasherd. Spüle (mit elektrischer Wasserpumpe) und Herd haben beim neuen Bus die Plätze gewechselt. Jetzt bleibt der Durchgang zum Fahrerhaus frei, und die Campingfrau kann auch draußen kochen. Natürlich ist im Bus auch noch Platz für einen 45-Liter-Kühlschrank und zwei große Gasflaschen.

Weitere Annehmlichkeiten erhält, wer mehr Geld investiert. So gibt es für den Bus schon ab Werk eine Klimaanlage und einen zusammenfaltbaren Ersatzreifen, der weniger Platz einnimmt und unter der Spüle verstaut werden kann. Dieser Faltreifen ist besonders vorteilhaft, weil vorn am Bug kein Reserverad mehr angebracht werden darf und im Heck ein zusätzlicher Kleiderschrank gewonnen wird, in dem sonst das Reserverad ruht.

Allerdings gilt dies in Amerika nur bedingt, denn die Camper in Übersee bevorzugen das eigene Chemikalienklosett, das sich im Bus nur unter der Spüle verstauen läßt.

Mit der neuen, verbesserten Buseinrichtung hoffen die Wolfsburger, daß der Campinywagen auch in der Bundesrepublik mehr Freunde findet, denn 80 Prozent der Produktion (insgesamt wurden bislang 150000 hergestellt) gehen immer noch nach Übersee.

Natürlich kann man den Schlafbus auch etwas preiswerter haben, wenn man ihn nur mit dem großen Aufstelldach und der oberen Doppelliege bestellt und die Inneneinrichtung selber herstellt. Fertige Pläne zur Herstellung des Mobiliars gibt es preiswert zu kaufen. Nähere Einzelheiten über die Selbstbau-Programme stehen auf Seite 52.

Daß der Bus als rollendes Schlafmobil immer mehr Anhänger findet, ist nicht zuletzt auf die Erhöhung der Motorleistung zurückzuführen, die es erlaubt, mit Pkw-Geschwindigkeit über die Autobahn zu eilen. Zwei Motoren stehen für den Bus zur Auswahl: Das 1,6-Liter-Triebwerk mit 50 PS (Spitze 112 km/h) und das 1,8-Liter-Triebwerk mit 68 PS (Spitze 129 km/h). Bei ständig voll ausgelastetem Wagen ist natürlich der 1,8-Liter-Motor vorzuziehen, dessen kräftiges Drehmoment (132 Nm bei 3000 U/min) dem Wagen die notwendige Elastizität verleiht und hohe Durchschnittsgeschwindigkeiten erlaubt. Zwar hat der 1,8-Liter-Motor gegenüber dem Vorgän-dermodell (1,7 Liter) nur 2 PS mehr, doch gelang es, durch geschickte Wahl der Nok-kenwelle und einer neuen Auslegung der einzelnen Gangstufen, die Motorkennung dem Antrieb harmonisch anzugleichen. Ein Verweilen bei zu hohen Drehzahlen im 4. Gang ist nun nicht mehr möglich, überdies wurden bei dem starken Busmotor natriumgefüllte Auslaßventilschäfte vorgesehen, die besonders hitzebeständig sind und durch einen um 6 mm gekürzten Schaft die Temperatur an den Ventilführungen um 15° C senken.

Der Benzinverbrauch ist natürlich stark von der Auslastung (Gesamtgewicht 2250 kg) und der Geschwindigkeit abhängig, da die hohe Stirn des Wagens den Luftwiderstand kräftig anhebt. Beide Motoren kommen mit Normalbenzin aus, im Mittel verbraucht das 50-PS-Triebwerk 14 1/100 km, und beim 68-PS-Triebwerk muß man mit 15,5 1/100 km rechnen.

Die Westfalia-Einrichtung .Düsseldorf“: (1) Polstersitzbank hinten; (2) Polster auf dem Motorraum; (4) Polstersitzbank; (5) schwenkbarer Tisch; (7) Hok-ker; (8) Vorratsschrank mit 5O-I-Kühlbox, Gaskocher und Schubfach; (10) Waschregal mit Klapptisch, Spülschrank, 26-l-Wassertank, Staufach, unteres Fach für „Faltreserverad'; (15) Hängeschrank;  '17) Kleiderschrank hinten links; ,20) Kopf keil bzw. Rückenlehne.

Die Westfalia-Einrichtung .Düsseldorf“: (1) Polstersitzbank hinten; (2) Polster auf dem Motorraum; (4) Polstersitzbank; (5) schwenkbarer Tisch; (7) Hok-ker; (8) Vorratsschrank mit 5O-I-Kühlbox, Gaskocher und Schubfach; (10) Waschregal mit Klapptisch, Spülschrank, 26-l-Wassertank, Staufach, unteres Fach für „Faltreserverad'; (15) Hängeschrank; (’17) Kleiderschrank hinten links; ,20) Kopf keil bzw. Rückenlehne.

Dieser, im Vergleich zu einem Pkw, doch etwas hohe Benzinverbrauch, schreckt natürlich einige Käufer ab, den Bus grundsätzlich als Personenwagen zu benutzen. Fahrleistungen (Spitze knapp 130 km/h) und Fahreigenschaften entsprechen Personenwagen-Niveau. Die direkte Lenkung und die saubere Radführung an beiden Achsen sorgen in Verbindung mit Gürtelreifen, die beim 1,8-Liter-Modell serienmäßig sind, zu einem sicheren Fahrgefühl, das in keiner Situation geschmälert wird. Grundsätzlich wünschenswert ist der beim 1,8 Liter serienmäßige Bremsverstärker wie auch ein verbesserter Fahrersitz. Ohne Zweifel hat man auf dem Hochsitz im Bus eine hervorragende Übersicht, doch könnte das Gestühl in seiner Auslegung ruhig nach Pkw-Art gestaltet werden. Dazu gehört auch ein größerer Verstellbereich der Rückenlehne.

Mit diesem Bus kann man ohne Zimmerreservierung jederzeit mit der Reise beginnen. Und sollte einmal der Campingplatz überfüllt sein, darf man nach dem Bundesfernstraßengesetz auch auf einem Auto-Rastplatz oder, noch einfacher, am Straßenrand im Ort für eine Nacht cam-pieren. Empfehlenswert ist dafür das eigene Chemikalienklosett. Kostenpunkt: 76,59 DM.    Hans-Rüdiger Etzold

Die Kosten

Der Kauf eines VW-Campingwagens ist eine recht anstrengende Angelegenheit, weil es unterschiedliche Einrichtungen gibt und diese nur mit verschiedenen Mehrausstattungen kombiniert werden können – oder nicht. Selbst wer das richtige Prospektmaterial besitzt, benötigt zur richtigen Auswahl noch einen geschulten VW-Verkäufer. Wir haben hier die Grundpreise für einen VW-Campingwagen zusammengestellt:

VW-Kombi, 1,6 l/50-PS-Motor: 10 525,- DM

Aufpreis für 1,8 I/68-PS-Motor einschließlich Bremskraftverstärker und Gürtelreifen: 735,— DM

Aufpreis für Dachausschnitt und Verstärkungen: 377,-DM

Aufsteildach einschließlich Doppelbett: 1.137,55 DM

Außerdem sind folgende Mehrausstattungen zwangsläufig:

M 161 Aufnahmen für Kopfstützen: 16,— DM

M 181 verchromte Radkappen und Scheinwerferringe: 24,— DM

M 511 Schalttafelpolsterung: 49,— DM

M 191 Unterflurbleche 70,— DM

Hinzu kommen beim Kauf einer Westfalia-Einrichtung noch die Kosten für die Innen- und Außenlackierung.

Die Camping-Einrichtung .Düsseldorf” (nähere Einzelheiten auf Seite 51) kostet in der Grundausstattung 2 930,40 DM, mit Aufstelldach 3.962,70 DM; einschließlich Kühlschrank und Heizung 5.115,99 DM

1,6 l/50 PS 1,8 l/68 PS
Steuer 231 DM 260 DM
Versicherung (7-Sitzer, Großstadt, 100% 770 DM 968 DM