Käfer-Zubehör

Autor Rüdiger Etzold
Veröffentlichungsdatum 1995
Veröffentlicht in Unveröffentlicht
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Für Arm, Bein und Brust –
das Zubehör im Käfer

Ob in Russland, Amerika oder in Europa: Wenn die Autofahrer zum Lenkrad greifen, hatten mehrere Millionen die Lenkradhülle »AVUS« in der Hand. »Das ist unser absoluter Renner«, weiß Karl Meier zu berichten. Das war nicht immer so, denn als Karl Meier, bekannter unter dem Namenskürzel »KAMEI«, aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrte, war er zwar wieder in der Autostadt Wolfsburg zu Hause, doch sein Arbeitsplatz war weggebombt.

»Schon 1939«, so erinnert sich Karl Meier, »ging ich nach Wolfsburg«. Damals war er noch Techniker bei Opel in Rüsselsheim. Doch das neue Volkswagenprojekt faszinierte ihn, sodass er – wie viele andere »Opelianer« – kurzerhand nach Wolfsburg umzog.

Unter Kales, einem Mitarbeiter Porsches, war Karl Meier in der Karosserieabteilung tätig. Und noch heute ist er stolz darauf, das er die Einstellungsnummer 24 des Volkswagenwerkes besitzt.

Karl Meier war also im Volkswagenwerk ein Mann der ersten Stunde, der eigentlich wegen des Personenwagens nach Wolfsburg ging, dann jedoch vornehmlich Kübel- und Schwimmwagen fertig stellte. Kurz vor Kriegsende wurde Karl Meier noch auf den Flugzeugbau umgeschult, doch blieb das nur eine kurze Episode in seiner Tätigkeit als engagierter Karosseriemann. Denn gleich nach dem Krieg konnte er, wenn auch in anderer Position, in seinem angestammten Beruf weitermachen. In Wolfsburg hatte sich inzwischen Heinrich Schwen mit einem kleinen Karosserie-Reparatur- und Aufbau-Betrieb selbständig gemacht.

Schwen war viele Jahre im Volkswagenwerk Schulungsleiter, er schrieb unter anderem ein Drehbuch für einen Schulungsfilm über Schwimm- und Kübelwagen. Durch seine langjährige Verbindung mit dem Volkswagenwerk hatte er einen guten Draht zu Stellen, die ihn mit Volkswagenteilen versorgten.

In diesem Betrieb konnte Karl Meier seine Karosseriebauerfähigkeiten voll einsetzen, denn es galt, aus Alt- und Neuteilen fahrfertige Fahrzeuge herzustellen. Gefragt waren 1947, als der Betrieb mit der Fertigung begann, vor allem Nutzfahrzeuge.

Deshalb wurde ein Gitterrahmen auf die Käfer-Plattform geschweißt und anschließend mit Blechplatten bestückt. Es entstanden in Wolfsburg die ersten Nachkriegs-Pick-ups und Kastenwagen, die unter anderem von den örtlichen Bäckern in Wolfsburg geordert wurden.

Schwen beschäftigte in jenen Jahren rund 20Mitarbeiter und fertigte etwa 20 bis 30 Käfer-Nutzfahrzeuge, die über das normale Händlernetz vertrieben wurden und deren Verkauf selbst in der Schweiz problemlos über die Bühne ging. Bei Schwen wurden seinerzeit auch die ersten Käfer-Rennwagen für Kuhnke und Petermax Müller gefertigt. Die kleine Firma hatte einen engen Stamm guter Mitarbeiter, die noch aus einem Stück Blech mit Hammer und Holzbock jede gewünschte Form herstellen konnten.

So war es auch nicht verwunderlich, das bei Schwen eines der ersten Käfer-Coupes entstand. Geldgeber war Peter Lorenz, der durch den Verkauf verschiedener Grundstücke über ausreichende Geldmittel verfügte.

Coupé von Peter Lorenz

Coupé von Peter Lorenz

Für das Coupe zertrennte Karl Meier einen vorhandenen Käfer der Länge nach und verbreiterte ihn um 12 Zentimeter. Gleichzeitig wurden Dach und Front wie auch die Heckpartie völlig neu gestaltet. Wobei man teilweise die vorhandene Form beibehielt und gleichzeitig neue Blechstücke einsetzte, so dass ein völlig neues Coupé entstand, bei dem man eine geteilte Frontscheibe verwirklichte, aber auf die Trittbretter verzichtete. Außerdem verwirklichte Karl Meier in dem Coupe erstmals nach seinen Vorschlägen gut geformte Sitze, die er Körperformsitze taufte. Von dem Coupe, dem ein Hauch eines Porsche 356 anhaftete, sind insgesamt nur zwei Stück gefertigt worden.

Nachdem die Währungsreform 1948 das Wirtschaftsleben praktisch über Nacht völlig umkrempelte, gab es bei der Firma Schwen die ersten Probleme. Denn inzwischen hatte VW-Chef Nordhoff das Ruder im Volkswagenwerk übernommen, und er sorgte dafür, »dass den Bastlern da draußen das Handwerk gelegt wurde«.

Schwen, der die ersten Käfer nach dem Krieg für den freien Markt angeboten hatte, fehlte plötzlich der Nachschub an Käfer-Fahrgestellen. Damit war der jungen Firma die Existenzgrundlage entzogen, und sie musste 1949 den Betrieb einstellen. Das war wiederum Glück für Karl Meier, denn nun musste er sich entscheiden, wie es beruflich weitergehen sollte. Er entschied sich für das freie

Unternehmertum. Zwei Umstände halfen ihm dabei. Denn zum einen konnte er fast kostenlos eine ausgebrannte Halle mieten und zum anderen hatte die Firma Schwen eine Baracke voller Käfer-Sitzgarnituren hinterlassen. Die kaufte Karl Meier auf, strich die Gestelle neu an und polsterte sie mit neuem Stoff auf. Daran konnte sich Sohn Klaus noch genau erinnern, denn er musste nach Schulschluss die Gestelle streichen. Und Sohn Uwe weiß zu berichten, dass die fertigen Sitzgestelle mit dem Stoff-Design »Pfeffer und Salz« bezogen wurden. Die Erinnerung ist ihm so deutlich geblieben, da beide Söhne seinerzeit in selbstgeschneiderten Pfeffer- und Salz-Kombinationen zur Schule schritten. Die Sitze wurden von VW-Händlern aufgekauft, die ihrerseits wieder damit alte Käfer aufmöbelten.

Das Geschäft mit den aufmöblierten Sitzgarnituren lief hervorragend, doch irgendwann waren sie aufgebraucht, und Vater Meier dachte angestrengt über neues Käfer-Zubehör nach. Da sich der Dreimann-Betrieb schon auf die Fertigung und Garnierung von Sitzbezügen verstand, wurde als nächstes Produkt die Herstellung von Schonbezügen aufgenommen. Über mangelnden Verkauf musste sich die junge Firma Meier nicht beklagen, denn jeder neue Käfer wurde seinerzeit gleich mit Schonbezügen versehen, um beim Wiederverkauf – ohne Schonbezüge – einen gepflegten Eindruck zu vermitteln. »Die Schonbezüge«, so Sohn Klaus Meier, »wurden uns aus den Händen gerissen. Und da wir sie auch gleich montierten, standen vor unserem Betrieb täglich fast immer 15 Volkswagen.«

Inzwischen hatten auch andere Firmen das Geschäft mit den Schonbezügen entdeckt, und da sie aufgrund größerer Stückzahlen preiswerter produzierten, konnte Mutter Meier die Nähmaschine in die Ecke stellen, und Vater Meier musste sich ein neues Produkt für den Käfer einfallen lassen. Er hat, man darf es schon vorwegnehmen, auch die weiteren 30 Jahre seines Schaffens ausschließlich nur an Produkte gedacht, die für den Käfer bekömmlich waren.

1950 rollten schon 100000 Volkswagen auf unseren Straßen, sodass sich der Verkauf zusätzlichen Zubehörs lohnte. Ein weiteres Produkt, welches Karl Meier für den Käfer einfiel und das sich auch in eine Serie umsetzen ließ, war die Abdeckung für den hinteren Kofferraum. Dadurch wurden nicht nur die Blicke in denselben verwehrt, sondern auch die Geräusche des kernigen, luftgekühlten Triebwerks gemindert. Zudem erlaubte eine zusätzliche Klappe in der Klappe einen leichten Zugang zum Kofferraum.

Nachdem die Klappe für den hinteren Kofferraum vom Markt gut aufgenommen worden war, gab es für Karl Meier kein Halten mehr. Kaum ein Platz im Käfer, den er nicht für sich beziehungsweise für ein praktisches Zubehör zu nutzen wusste.

Dieses Coupe wurde 1949 unter der Leitung von Karl Meier bei Schwen in Wolfsburg gefertigt.  Nur die Kotflügel erinnern noch an den Käfer.

Dieses Coupe wurde 1949 unter der Leitung
von Karl Meier bei Schwen in Wolfsburg
gefertigt.

Nur die Kotflügel erinnern noch an den Käfer.

Nur die Kotflügel erinnern noch an den Käfer.

Die Sitze wurden nach den Vorstellungen von Karl Meier geformt. Er nannte sie »Körperformsitze«

Die Sitze wurden nach den Vorstellungen von Karl Meier geformt. Er nannte sie »Körperformsitze«

Das Coupe war 12 Zentimeter breiter als der Käfer und besaß keine Trittbretter mehr.

Das Coupe war 12 Zentimeter breiter als der Käfer und besaß keine Trittbretter mehr.

 

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Diesen Pick-up Käfer entwickelte Karl Meier 1950 in Wolfsburg.

Diesen Pick-up Käfer entwickelte Karl Meier 1950 in Wolfsburg.

Käfer-Styling von Karl aus dem Jahr 1953.

Käfer-Styling von Karl aus dem Jahr 1953.

Die erste Werkstatt von Karl Meier in Wolfsburg. Als Blickfang für die Kunden diente ein Cabrio.

Die erste Werkstatt von Karl Meier in Wolfsburg. Als Blickfang für die Kunden
diente ein Cabrio.

Kamei-Ablage mit elastischem Rahmen und Benzinhahn-Verlängerung.

Kamei-Ablage mit elastischem Rahmen und Benzinhahn-Verlängerung.

Kamei-Kofferraumabdeckung mit Schachtöffnung aus dem Jahr 1952.

Kamei-Kofferraumabdeckung mit Schachtöffnung aus dem Jahr 1952.

Ein Platz für den Hut, entwickelt 1958 von Karl Meier.

Ein Platz für den Hut, entwickelt 1958 von Karl Meier.

Kamei-Ablagen aus den fünfziger Jahren: Lenkradhülle  »Tigerfell«, Picknickablagetisch, Sicherheitsablagefach , Benzinhahnverlängerung und ein  Abfallkorb.

Kamei-Ablagen aus den fünfziger Jahren: Lenkradhülle
»Tigerfell«, Picknickablagetisch, Sicherheitsablagefach , Benzinhahnverlängerung und ein Abfallkorb.

Da man im Käfer schon immer unter beengten Verhältnissen auskommen musste, versuchte Karl Meier mit seinen Produkten Ordnung zu schaffen und den Komfort für Fahrer und Beifahrer zu erhöhen.

Nach der Ablage unterhalb der Armaturentafel, die es wiederum erforderlich machte, dass der Kraftstoffhahn verlängert wurde, widmete sich Karl Meier verstärkt »Nacken, Arm, Fuß», wie es in einem Anzeigentext hieß. Wo immer noch ein Plätzchen frei war, schuf Karl Meier ein neues Produkt: Ein Kissen für den Nacken, das Knie oder den Arm. Und wenn alle Glieder geschützt waren, sorgte Karl Meier für den Schutz der Kokosmatte, die im Bereich der Fußauflage schnell durchscheuerte. Damit verbunden war gleichzeitig eine Platte, die nicht nur die Gasrolleverdeckte, sondern auch für einen angenehmeren Bewegungsablauf beim Gasgeben sorgte.

Um zu prüfen, wie ein neues Produkt ankam, schickte Karl Meier seine Söhne mit einem Stoß Werbezettel auf die werkseigenen VW-Parkplätze, um unter jedem Scheibenwischer eine entsprechende Offerte zu hinterlassen. Wenn dann die Nachfrage durch die Werksangehörigen einsetzte, hatte das neue Produkt seine Feuertaufe bestanden.

Vieles, was sich Meier im Lauf der Jahre für den Käfer oder den Fahrer ausgedacht hatte, wurde Jahre später offiziell im Käfer eingebaut. So zum Beispiel die Gasplatte anstelle der Gasrolle. Oder die Abdeckung für den hinteren Kofferraum, die Nackenstütze, Fersenbretter oder ein schlichter Einsatz für das kleine Handschuhfach, den das VW-Werk erst in seinem 1303 Käfer verwirklichte. Und wenn Karl Meier alle Plätze im Käfer belegt hatte, dann fiel ihm auch noch etwas für die Außenhaut ein, wie zum Beispiel eine Manschette, die das Vereisen des Türschlosses verhindern sollte.

Es gab von Kamei für den Käfer eine »Nachthaube« oder auch eine »Schlafeinrichtung«, mit der man als Käfer-Besitzer laut Pressetext »jeder Situation gewachsen war«.

Natürlich gab es von Kamei auch Produkte, die vom Markt nicht angenommen wurden. 1953 fuhr Karl Meier voller Stolz mit seinem Käfer zum Genfer Auto-Salon. Schon damals waren er und ein junger Flugzeugingenieur zu der Überzeugung gekommen, dass sich der Käfer mit einem Spoiler  besser fahren ließ.

Mit Kameis Hilfe wurde alles abgestützt: Kopf, Arm, Knie und Wade.

Mit Kameis Hilfe wurde alles abgestützt: Kopf, Arm, Knie und Wade.

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»Mit der Schlafeinrichtung von Kamei (1955) sind Sie jeder Situation gewachsen.«

»Mit der Schlafeinrichtung von Kamei (1955) sind Sie jeder Situation gewachsen.«

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Begehrtes Zubehör in den sechziger Jahren für den Käfer: Der Dachgepäckträger und die Schutzhaube für das Autodach.

Begehrtes Zubehör in den sechziger Jahren für den Käfer: Der Dachgepäckträger und die Schutzhaube für das Autodach.

Fußablage für den Fahrer und Fußstütze für den Beifahrer von Kamei aus dem Jahr 1952.

Fußablage für den Fahrer und Fußstütze für den Beifahrer von Kamei aus dem Jahr 1952.

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Fersenbretter mit Luftaustrittregelung und Matten- sowie Schuhschoner einschließlich Gasplatte (1956).

Fersenbretter mit Luftaustrittregelung und Matten- sowie Schuhschoner einschließlich Gasplatte (1956).

1953 präsentierte Karl Meier auf dem Genfer Salon sein »Tiefensteuer« für den Käfer. Es ging nicht in Serie.

1953 präsentierte Karl Meier auf dem Genfer Salon sein »Tiefensteuer« für den Käfer. Es ging nicht in Serie.

Nebelscheinwerfer und Starktonhörner von Bosch.

Nebelscheinwerfer und Starktonhörner von Bosch.

Einbau-Blinkleuchten für den nachträglichen Einbau von Bosch.

Einbau-Blinkleuchten für den nachträglichen Einbau von Bosch.

Behr-Auto-Quirl: »Wer Ihn kennt, mag ihn nicht mehr missen.«

Behr-Auto-Quirl: »Wer Ihn kennt, mag ihn nicht mehr missen.«

Die Blumenvase durfte im Käfer nicht fehlen. Sie wurde von den verschiedensten Herstellern in Stahl, Glas und Keramik hergestellt.

Die Blumenvase durfte im Käfer nicht fehlen. Sie wurde von den verschiedensten Herstellern in Stahl, Glas und Keramik hergestellt.

Hella bot zum Preis von 36 D-Mark Nebelscheinwerfer einschließlich der erforderlichen Stoßstangenhörner an.

Hella bot zum Preis von 36 D-Mark Nebelscheinwerfer einschließlich der erforderlichen Stoßstangenhörner an.

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Die Autoradios waren in den fünfziger Jahren recht sperrig und erforderten viel Platz.

Die Autoradios waren in den fünfziger Jahren recht sperrig und erforderten viel Platz.

Klemm-Außenspiegel für die vordere Haube.

Klemm-Außenspiegel für die vordere Haube.

Helphos Suchscheinwerfer.

Helphos Suchscheinwerfer.

Schäferkralle für das Abziehen der Radkappen.

Schäferkralle für das Abziehen der Radkappen.

»Schenk-Kunststoff-Aschenbecher ist eine kleine Sensation. Keine Bohrlöcher und Schrauben.«

»Schenk-Kunststoff-Aschenbecher ist eine kleine Sensation. Keine Bohrlöcher und Schrauben.«

Dehne Auto-Sicherung durch arretierbaren Schalthebel und Ingenia Lenk- und Zündschloss.

Dehne Auto-Sicherung durch arretierbaren Schalthebel und Ingenia Lenk- und Zündschloss.

Peilstäbe zum leichteren Einparken.

Peilstäbe zum leichteren Einparken.

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Nachdem die Rammstoßstangen 1955 für die USA Vorschrift geworden waren, wurden sie hierzulande von vielen Käfer-Besitzern nachträglich montiert.

Nachdem die Rammstoßstangen 1955 für die USA Vorschrift geworden waren, wurden sie hierzulande von vielen Käfer-Besitzern nachträglich montiert.

Ein Gepäcknetz unter dem Dach für leichtere Gegenstände.

Ein Gepäcknetz unter dem Dach für leichtere Gegenstände.

Beliebt: Scheinwerferblenden, deren Verwendung wegen erhöhter Verletzungsgefahr der Fußgänger in den sechziger Jahren verboten wurde.

Beliebt: Scheinwerferblenden, deren Verwendung wegen erhöhter Verletzungsgefahr der Fußgänger in den sechziger Jahren verboten wurde.

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Chromzierrat in jeder Form: Auspuffblenden, Steinschlagecken, Radzierringe, Zierleisten.

Chromzierrat in jeder Form: Auspuffblenden, Steinschlagecken, Radzierringe, Zierleisten.

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 Zum nachträglichen Einbau in Käfer mit geteilter Heckscheibe: Großes Heckfenster von Joch.

Zum nachträglichen Einbau in Käfer mit geteilter Heckscheibe: Großes Heckfenster von Joch.

Der  Spoiler hieß damals »Tiefensteuer« und sah so aus, als wollte man mit seiner Hilfe den Fußgängern die Beine abrasieren.

»Auf dem Weg nach Genf habe ich die positive Wirkung des Tiefensteuers gespürt.« In Genf angekommen, spürte Karl Meier nur noch eine ablehnende Haltung, man nahm den »Spinner« nicht ernst.

Enttäuscht über seinen internationalen Auftritt in Genf hat sich Karl Meier jahrelang nicht mehr mit dem Thema Spoiler beschäftigt. Heute zieren die aerodynamischen Hilfen fast jeden Mittelklassewagen und Kamei gehört zu den wichtigsten Spoiler-Produzenten.

Neben Karl Meier haben natürlich auch eine große Anzahl anderer Firmen Zubehör zum nachträglichen Einbau für den Käfer produziert. Dazu zählen unter anderem die großen Hersteller Bosch, Hella, VDO und viele Kleinstfirmen, die heute längst vergessen sind.

Zu den kleineren Firmen, die mit nur einem Produkt ihr Glück versuchten, gehört beispielsweise die Firma Schenk. Paul Schenk war Mitarbeiterder Firma Ambi Budd, die in Berlin für das Volkswagenwerk die Vorserien-Fahrzeuge fertigte. Später arbeitete Schenk im Volkswagenwerk, bis er sich mit einem Aschenbecher als Unternehmer empfahl. Der Aschenbecher bestand aus einer Kunststoffschale, die auf den Schalthebel aufgesteckt wurde.

Die Firma Schäfer stellte eine Kralle her, mit der sich die VW-Radkappen abziehen ließen und Ingenia bot ein Lenk- und Zündschloss an, mit dem sich das Lenkrad blockieren ließ. Die Firmen Dehne und Herpa wiederum boten Kraftstoffmeßgeräte feil.

All diesen Firmen war gemeinsam, dass sie zwar spezielles Käfer-Zubehör anboten, doch nur die Firma Kamei hatte ein Komplettangebot für den Käfer im Programm.

Wie intensiv sich manche Firma mit dem Käfer verbunden fühlte und sich auf Käfer-typisches Zubehör einstellte, machte die Firma Joch deutlich, die sich einen Bausatz einfallen ließ, mit dessen Hilfe sich das kleine Heckfenster in ein größeres verwandeln ließ. Um den dabei entstandenen Abfall auch noch sinnvoll nutzen zu können, ließ sich Joch einen weiteren Bausatz einfallen, der sich allerdings nur an jene Käfer-Besitzer verkaufen ließ, die einen Volkswagen mit geteilter Heckscheibe besaßen. »Denn, haben Sie die zweigeteilten Heckscheiben in Ihrem VW, so bitte nicht wegwerfen! Daraus werden im Nu zwei reizende palettenähnliche Blumentischchen. Wir liefern das nötige Zubehör.«