Käferfestival

Autor Rüdiger Etzold
Veröffentlichungsdatum 1975
Veröffentlicht in Gute Fahrt
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Die geteilte Heckscheibe galt als Eintrittskarte beim ersten Treffen alter VW-Käfer in Fuldatal bei Kassel.

„Wer hat Lust“, fragte Jungunternehmer und Alt-Käferbesitzer Otto Weymann in einem Kleininserat der GUTEN FAHRT, „an einem zwanglosen Treffen Freunde alter Volkswagen teilzunehmen?“

Aus Chicago kam postwendend Antwort vom VW-Club, der um Verständnis bat, daß keiner von den 3 000 Mitgliedern kommen könne: die Entfernung sei zu groß. Aus Holland reisten zwei Herren von der Nederlandse VW-Brillen-Vereniging an und versprachen, beim nächsten Treffen mit 30 Brillen-Käfern (Brille gleich geteilte Heckscheibe) dabeizusein. Aus der Bundesrepublik fühlten sich 40 Alt-Käferbesitzer angesprochen, beim ersten europäischen Split-Window-Treffen („geteiltes Fenster“) in Fuldatal Simmershausen mitzumachen.

Sinn und Zweck des Treffens war es, im Ursprungsland des Käfers all jene Liebhaber zusammenzuführen, deren Hobby es ist, Käfer mit geteilter Heckscheibe (bis März 1953) zu sammeln, zu fahren und zu restaurieren.

Vor allem das Restaurieren bereitet den meisten VW-Liebhabern die größten Schwierigkeiten, da Original-Ersatzteile immer schwieriger zu bekommen sind.

Auf dem Treffen wurden allerdings diverse neue Ersatzteile zu recht zivilen Preisen angeboten. Dazu auch die GUTE FAHRT aus den sechziger Jahren, die damals 1,50 DM kostete und inzwischen mit antiquarischem Aufschlag für 2 DM das Stück gehandelt wird.

1    Vierzig „Brillen“-Käfer kamen zum ersten Alt-Käfer-Treffen.

1 Vierzig „Brillen“-Käfer kamen zum ersten Alt-Käfer-Treffen.

Unter den Käfer-Kuriositäten war aus dem VW-Museum der Uralt-KdF-Wa-gen von 1938 dabei, außerdem ein viertüriger Rommetsch-Käfer, von dem insgesamt nur 20 Stück hergestellt wurden. Ein Hebmüller-Cabrio, das in den Jahren 1948/49 neu 7 500 DM kostete und heute als Oldtimer mit Spitzenpreisen gehandelt wird, zog die Blicke auf sich.

2    Hebmüller-Cabrios zählen zu den begehrten Sammlerobjekten.

2 Hebmüller-Cabrios zählen zu den begehrten Sammlerobjekten.

Die Alt-Käfer, gefahren von Studenten, Kaufleuten, Doktoren, Lehrern, Schülern, VW-Händlern, Schlossern und Oberregierungsräten, waren in der Regel mit viel Liebe, Sachkenntnis und Geschick wieder hergerichtet worden. Den ältesten Käfer aus dem Jahre 1948 fuhr VW-Händler Lottermann aus Camberg. Professor Dr. Klein und Frau aus Arolsen besitzen ihren Käfer inzwischen 23 Jahre und wollen ihn auch weiter fahren, denn, so Frau Klein: „Bislang benötigten wir nur einen Tauschmotor und eine Zündverteilerkappe.“ Otto Weymann, Initiator des Treffens, fährt einen Käfer, den alte GUTE FAHRT-Leser noch kennen müßten.

1952 gewann Vorbesitzer Kaiser mit ihm bei einem von der GUTEN FAHRT veranstalteten Treffen der 100 000-Kilometer-Fahrer bei der Sparsamkeitsrallye ein neues VW Cabrio. Das ist auch der Preis, den die GUTE FAHRT jetzt für einen alten Käfer aussetzt.

H.-R. E.