Langlauf

Autor Rüdiger Etzold
Veröffentlichungsdatum 1977
Veröffentlicht in Gute Fahrt
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Zahlreiche Golf haben die ersten 100.000 Kilometer hinter sich

Innerhalb weniger Produktionsmonate wurde der VW Golf zum Renner auf dem bundesdeutschen Automarkt. Oer Erfolg ist auf das Golf-Konzept zurückzuführen: Kompakte Karosserie, große Heckklappe, variabler Stauraum, Frontantrieb, hohe Fahrleistungen, sicheres Fahrverhalten, geringe Unterhaltskosten.

Hier ist der Golf-Report von zweiunddreißig GUTE FAHRT-Lesern, die zusammen innerhalb von zwei Jahren über drei Millionen Kilometer in ihrem Volkswagen zurücklegten. Die angefallenen Reparaturen, Kosten und Pannen wurden aufgelistet, so daß die Schwächen und Stärken dieses Modells deutlich werden. Alle Fahrer erstanden 1974 ihren VW Golf und fuhren in zwei Jahren mindestens 100 000 Kilometer. Das ist eine Kilometerleistung, für die normalerweise eine bundesdeutsche Durchschnittsfamilie sieben Jahre benötigt. Verständlicherweise wurden die meisten Kilometer im Auftrag einer Firma abgespult. Doch gibt es nicht wenige Golf-Besitzer, die ihr Fahrzeug nur privat nutzten und dabei pro Jahr 50 000 Kilometer zurücklegten.

Erstaunlich: 120 000 Kilometer mit den ersten Reifen

Herr Lipp besitzt eine kleine Drogerie in Bensberg und fährt täglich von seinem Wohnort Rödingen rund 50 Kilometer ins Geschäft. Als alter Käfer-Fahrer schätzt er an seinem neuen Fahrzeug die Zuverlässigkeit, „denn wenn das Geschäft geschlossen bleibt, mache ich keine Umsätze“. Bisher ist Herr Lipp mit seinem 70 PS Golf sehr zufrieden, denn auf den 120 000 Kilometern, die er zwischen Wohnung und Geschäft zurückgelegt hat, gab es keine gravierenden Pannen. Allerdings, gleich zu Anfang riß viermal hintereinander der Gaszug, und auch der Schalldämpfer ging einmal verloren. Beide Defekte sind für die ersten Golf typisch, treten jedoch nicht mehr auf, da Wolfsburg konstruktiv bessere Lösungen eingeführt hat.

1977-2_Langlauf-5Die bisher angefallenen Reparaturkosten errechnete Herr Lipp mit rund 300 Mark, den Benzinverbrauch auf 8,5 1/100 km. Herr Lipp, „der vom Käfer weg wollte“, rühmt an seinem zwei Jahre alten Golf, der noch heute wie neu aussieht, Schnelligkeit, Geräumigkeit und die Sparsamkeit. Zur Wirtschaftlichkeit zählt nicht zuletzt der geringe Reifenverschleiß, der für den VW Golf typisch zu sein scheint. Herr Lipp fährt bei Kilometerstand 120 000 noch immer den ersten Satz Reifen.

Bei allen an die GUTE FAHRT zurückgeschickten Fragebogen ragt immer wieder die hohe Lebensdauer der Reifen heraus. Und viele Golf-Fahrer werden geradezu als Lügner verdächtigt, wenn sie am Stammtisch erzählen, den ersten Satz Reifen erst nach 90 000 Kilometern gewechselt zu haben, wie zum Beispiel Herr Mertens aus Hamburg. Der 36jährige Physiker besitz einen 50 PS starken Golf und hat mit wissenschaftlicher Akribie alle anfallenden Kosten aufgeschlüsselt: Mit Kaufpreis (11 200 Mark), Inspektionen (2030), Reparaturen (563), Pflegekosten (133), Benzin (8738), öl (438), Steuer (244) und Versicherung (1419) kommt Herr Mertens auf eine Gesamtsumme von rund 25 000 Mark. Bei hundertprozentiger Abschreibung sind das 21 Pf/km, addiert man nur die reinen Unterhaltungskosten, fallen 12 Pf/km an.

Auch Herr Mertens ist als ehemaliger Käfer-Fahrer erstaunt über den geringen Kraftstoffverbrauch (8,6 I / 100 km); er lobt an seinem neuen Fahrzeug die Sitze und den variablen Kofferraum.

Verbessert werden müßten nach Meinung von Herrn Mertens die Schaltung (inzwischen gibt es die Tauchdruckschaltung), der Rostschutz an den Blechfalzen und die Geräuschisolierung.

Kennzeichnend: Geringer Benzinverbrauch

Positiv beurteilt wird von allen Golf-Fahrern der Kraftstoffverbrauch, der in der Regel zwischen 8 und 10 Litern auf 100 Kilometer liegt, wobei die Mehrzahl der Fragebogen-Einsender mit 9 1/100 km auskommt, wie zum Beispiel der 21-jährige Polizeibeamte Dietmar Schindelwig.

Obwohl er in Berlin wohnt und dort nur wenig Möglichkeiten für lange Ausritte hat, fuhr er innerhalb von zwei Jahren über 100 000 Kilometer.

Auf der Landstraße ermittelte Polizist Schindelwig einen Verbrauch von 5,5 bis 6.5 l/100 km, im Schnitt kommt er mit 8,5 1/100 km aus. Herr Schindelwig hatte anfangs Ärger mit den Gaszügen und den Bremslichtschaltern. Und schließlich mußte bei Kilometerstand 98 000 die Kupplung erneuert werden. Auch Herr Schindelwig würde sich wieder einen Golf kaufen, am liebsten dann aber gleich den GTI, der jedoch „besser verarbeitet sein sollte“, wie der Jungpolizist, geübt als kritischer Beobachter, zu Protokoll gibt.

1977-2_Langlauf-3Getrennt hat sich inzwischen Herr Girlach von seinem Golf, den er bei Kilometerstand 117 000 zum Festpreis von 5500 Mark verkaufen konnte. Herr Girlach, der sein Auto ausschließlich privat bewegt hat, ist mit seinem Golf niemals liegen geblieben. Auch er rühmt die Wirtschaftlichkeit dieses kompakten Wagens. Im Schnitt brauchte der 50 PS starke Golf nur 7.5 l/100 km und mußte trotz der hohen Kilometerleistung nur selten in die Werkstatt gebracht werden. Gleich viermal hintereinander bedurfte es eines neuen Bremslichtschalters, dann traten nach 90 000 Kilometern die ersten Verschleißerscheinungen auf: Hauptschalldämpfer, Gelenkwelle, Zylinderkopfdichtung und Ventile mußten erneuert werden. Dennoch hat sich Herr Girlach nicht aus Gram über die Reparaturen von seinem Golf getrennt, sondern weil ihm der Passat mit der großen Heckklappe so gut gefiel und er mehr Platz im Auto benötigte.

Die einzige Dame, die sich auf unseren Aufruf hin meldete, ist Frau Hilsamer aus Meckel. Sie benutzt ihren 50 PS Golf privat und geschäftlich und hat inzwischen ohne nennenswerte Pannen 140 000 Kilometer zurückgelegt. Frau Hilsamer lobt die gute Beschleunigung, dazu die Wendigkeit und hat erkannt, daß der Golf „viel Innenraum bietet und besonders parkfreundlich ist“. Als negativ vermerkt Frau Hilsamer den fehlenden Bremskraftverstärker (M-Ausstattung) und den hohen Ölverbrauch infolge einer wiederholt undichten Zylinderkopfdichtung (VW hat eine neue entwickelt). Da der Golf kaum Reparaturkosten verursacht hat (400 Mark) wird er weiter gefahren, „bis der Diesel zur Verfügung steht“.

„Bei einem Kilometerstand von 146 000 wird diese Woche der Motor ausgewechselt. Mit dieser Fahrleistung bin ich sehr zufrieden“, schreibt Uwe Simokat aus Lehrte, der in dieser Ortschaft eine Fahrschule betreibt und neben einem VW Käfer drei VW Golf mit Automatik im Fuhrpark hat, die sämtlich auch schon über 100 000 Kilometer auf dem Buckel haben. Die Fahrschule Simokat kommt im Schnitt mit 10 l/100 km aus und muß alle 30 000 bis 50 000 Kilometer die Reifen wechseln.

Hin und wieder blieb der Fahrschul-Golf ström- und kraftlos stehen, „da Heckscheibenheizung, Scheibenwischer, Gebläse und Radio zuviel Strom aus der Batterie saugten“. Um diesen Ärger auszuschalten, hat Herr Simokat seine neueren Golf mit einer stärkeren Lichtmaschine geordert.

Gelobt: Geringe Reparaturanfälligkeit

Positiv vermerkt der Fahrschulinhaber die geringe Reparaturanfälligkeit (auf 140 000 km nur 1000 Mark Reparaturkosten) und das in diesem Fahrzeug „sehr angenehme Fahren“. Die Belüftung sollte besser sein (Ausstellfenster) und ein Heckwischer generell zur Grundausstattung gehören.

1977-2_Langlauf-4Selbstverständlich will auch Herr Simokat wieder einen Golf kaufen, da er mit den Automatik-Fahrzeugen „nur gute Erfahrungen sammelte“ und seine Werkstatt (Petzold in Lehrte) ihn bestens bediente.

Positiv ist auch Herr Hülsmann eingestimmt, der in Bottrop eine Fahrschule betreibt. Er fährt schon seit 16 Jahren Volkswagen und kommt geradezu ins Schwärmen, wenn er über den VW 1600 berichtet, „der in der Wirtschaftlichkeit und Zuverlässigkeit kaum zu schlagen war“. Doch auch mit den Golf-Fahrzeugen — sechs Stück laufen in der Fahrschule — ist Herr Hülsmann hoch zufrieden. Es sind alles Automatikfahrzeuge, „da sie für den Anfänger ideal sind“.

Der erste Golf, inzwischen bei 130 000 Kilometer angelangt, hatte in den ersten Wochen Schwierigkeiten mit der Auspuffanlage bereitet. Dieser wiederholt auftretende Defekt konnte inzwischen durch eine umkonstruierte Anlage ausgemerzt werden. Insgesamt notierte Herr Hülsmann Reparaturkosten in Höhe von 2500 Mark, wobei in diesem Betrag auch die Reifen enthalten sind, weil die ersten nach einer Laufleistung von 63 000 Kilometern erneuerungsbedürftig waren.

Wesentlich mehr an Reparaturkosten steckte Walter P. Klöser in seinen Golf, den er nur privat bewegt. Herr Klöser ist leidenschaftlicher Rallye- und SlalomFahrer und hat mit seinem Golf schon etliche Trophäen nach Hause gefahren. Natürlich wurde der Golf in den sportlichen Wettbewerben hart hergenommen, so daß außergewöhnlicher Verschleiß eintrat. Ersetzt werden mußten ein Pleuellager, Ölwanne und Ölpumpe, der Schalldämpfer riß ab, und die Gelenkwellen wie auch die Motoraufhängungen bedurften der Erneuerung. Zweifellos sind einige dieser Schäden auf den strapaziösen Einsatz zurückzuführen.

Geärgert hat sich Herr Klöser vor allem über die nach seiner Erfahrung schlechte Ersatzteilversorgung. Mitunter stand sein Wagen mehrere Tage in der Werkstatt, „weil ein Ersatzteil weder zu beschaffen noch vorrätig war“.

Der 70 PS Golf hat inzwischen 125 000 Kilometer auf dem Tacho und soll der Familie weiterhin als fahrbarer Untersatz dienen, zumal da er sich recht wirtschaftlich bedienen läßt. „Wenn man ihn nämlich etwas verhalten fährt“, so weiß Herr Klöser zu berichten, „kommt man tatsächlich mit 7 1/100 km aus.“

Konsequenz: Wieder einen Golf anschaffen

Winfried zur Hausen ist Landschaftsarchitekt in Krefeld und als solcher ständig mit seinem Golf unterwegs. Eigentlich wollte Herr zur Hausen seinen Golf „bis zum bitteren Ende“ fahren; doch dann tauschte er ihn bei Kilometerstand 136 000 aus wirtschaftlichen Überlegungen gegen einen neuen ein. Sehr angetan ist der Architekt von den Fahreigenschaften und dem großen Stauraum. Denn der ehemalige Käfer-Fahrer führt als Architekt ständig seine Gerätschaften mit, die sich im Golf mit der großen Heckklappe „wunderbar schnell und leicht“ verstauen lassen.

Neue Reifen bekam der Golf nach 70 000 Kilometern; verschiedene Reparaturen (Kupplung, Heizung und Lüftung) verursachten Kosten in Höhe von 1000 Mark. Im Schnitt kam Herr zur Hausen mit 8,5 1/100 km aus.

Aus Paris erreichte uns das Golf-Protokoll von Heinz Eberlein, der dort als Ingenieur tätig ist und sich „sofort“ einen Golf wieder kaufen würde, obwohl der 31jährige Ingenieur mit seinem Wagen die typischen Anfangsschwierigkeiten zu verzeichnen hatte: Allein viermal mußte der Gaszug erneuert werden, der Schalldämpfer riß zweimal ab, und die Zylinderkopfdichtung wurde undicht.

Herr Eberlein erlitt auch einen Schaden, der glücklicherweise nur selten auftritt: Bei einer Geschwindigkeit von 160 km/h platzte ein Reifen. Dennoch brachte der Wahl-Franzose sein Auto sicher zum Stehen, so daß die angefallenen Kosten in Höhe von 2300 Mark allein für Reparaturen und Reifen draufgingen.

Der Ingenieur wünscht sich eine Verbesserung „der chronischen Fehler“ (die hat VW inzwischen im Griff), stärkere Stoßstangen und eine bessere Dämpfung der Motorschwingungen.

„Eigentlich kann ich zum Golf wenig sagen, er läuft und läuft“, läßt uns Herr Röhrs von der gleichnamigen Fahrschule aus Schwal-bach wissen. Und damit drückt er das aus, was nahezu alle Golf-Fahrer festgestellt haben, die innerhalb von zwei Jahren über 100 000 Kilometer mit ihrem Golf zurückgelegt haben: Der Golf ist ein wirtschaftliches, praktisches und fahrsicheres Auto, zwar gab es Anfangsschwierigkeiten, doch haben die Wolfsburger Techniker weder Kosten noch Mühen gescheut, um die Störungen ein für allemal zu beseitigen.

Wie aus allen Protokollen hervorgeht, wird der Motor, das Herzstück des Wagens, hervorragend beurteilt. Nicht zuletzt deshalb, weil er in allen protokollierten Fällen anstandslos über 100 000 Kilometer durchhielt.

Hans-Rüdiger Etzold