Passat 50.000 km

Autor Rüdiger Etzold
Veröffentlichungsdatum 1974
Veröffentlicht in Gute Fahrt
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GUTE FAHRT unterzog den 55-PS-Passat, die meistgekaufte Version dieses Fahrzeugmodells, einem Dauertest von 50000 Kilometern. Der Wagen absolvierte die Fahrleistung, im Stadtverkehr und auf wenigen langen Strecken, innerhalb eines knappen Jahres und zeichnete sich durch Zuverlässigkeit aus.

Der Passat, als erstes der neuen Volkswagenmodelle, ist auf Anhieb ein bemerkenswert gutes Auto, geworden, dem der Erfolg nicht versagt bleiben konnte. Innerhalb eines knappen Jahres verließen 320000 Exemplare dieses Mittelklasse-Modells die Wolfsburger Bänder. Das Auto mit dem auffälligen Schrägheck setzte sich in kürzester Frist im deutschen Straßenbild durch und eroberte für Volkswagen ein Terrain zurück, das über allzu langem Festhalten am grundsoliden, doch von einer Mehrheit offenbar als zu bieder empfundenen VW 1600 verloren schien.

Daß sich der Passat so schnell an die Spitze der Verkaufsstatistik schieben konnte, ist auf drei Faktoren zurückzuführen, die heute mehr denn je gefragt sind: Wirtschaftlichkeit, Solidität, guter Service. Hinzu kommt, daß der Passat zeitgemäß karos-siert ist und durch sein modernes Fahrwerk ein sicher und problemlos zu fahrendes Auto ist.

Die ansprechende Passat-Form, von dem italienischen Blechschneider Giugiaro stark beeinflußt, hat vor allem auch jene früheren VW-1600-Fahrer wieder zurückgewonnen, die mit dem Kleid ihres Wagens nicht mehr zufrieden waren. Doch kommen die Käuferschichten des Passat nicht nur aus dem VW-Lager. Erstmals gelang es Wolfsburg, mit einem neuen Wagen in verstärktem Maß auch jene Käufer anzusprechen, die sich schon lange von VW abgewandt oder diese Marke noch nie gefahren hatten. Vor allem das markante Schrägheck bestimmt das Aussehen dieser flotten Mittelklasselimousine, deren Proportionen durch den großen Radstand und die kleinen Karosserieüberhänge bestimmt wird.

1974-9_Passat 50000 km-1Mit einer Länge von 4,10 m und einer Breite von 1,60 m zählt der Passat überdies zu jenen Autos, die sich durch eine geringe Verkehrsfläche auszeichnen und dennoch den Insassen genügend Bewegungsspielraum bieten. Nach nunmehr 50 537 Testkilometern, die wir innerhalb von zwölf Monaten in unserem Passat zurücklegten, zeigen sich Karosserie und Lack in besonders guter Verfassung. Weder Steinschlag noch Witterungsschäden haben es notwendig gemacht, bestimmte Partien neu zu lak-kieren. Die Karosserie ist, trotz Leichtbauweise, klapperfrei und hat während der 50 000 Kilometer zu keinen Beanstandungen geführt, sieht man von einem Wassereinbruch im Bereich des Handschuhkastens ab. Nachdem die Windschutzscheibe an dieser Stelle abgedichtet wurde, war der Wassereintritt auf Dauer beseitigt.

Nicht ändern ließ sich dagegen die zu schwache Wagenbelüftung, da dieser Fehler konstruktiv bedingt ist. Vor allem natürlich in den Sommermonaten machte sich der zu geringe Luftaustausch negativ bemerkbar, zumal auch in den Türen die Ausstellfenster fehlen.

Zum neuen Modelljahr hat man jedoch die Belüftungsschlitze in die vorderen Türen verlegt, so daß dieser Mangel, der von allen Testern moniert wurde, behoben sein dürfte. Besonders positiv beurteilten dagegen die verschiedenen Fahrer der Redaktion den Passat-Innenraum, der aufgrund des längeren Radstands natürlich größer ist als im Golf und Käfer und fünf Personen ausreichend Beinfreiheit gewährt.

Im Passat fühlt man sich sofort heimisch. Alle Instrumente sind sinnvoll untergebracht, und die Bedienungshebel für Heizung, Frischluft und Bremse können nicht handgerechter angeordnet sein. So ist es völlig unproblematisch, die Frischluft an die richtige Stelle zu lenken, oder die Heizluft, die schon nach wenigen Fahrkilometern in voller Stärke zur Verfügung steht, einwandfrei zu dosieren. In Verbindung mit der L-Ausstattung ist der Passat ein ansehnlich und ausreichend ausgerüstetes Auto, das nicht nach weiterer Ausstattung verlangt, bis auf die heizbare Heckscheibe, die bei einer Bestellung nicht vergessen werden sollte. Um die schräggestellte Scheibe auch bei langsamer Fahrt schnee- und regenfrei zu halten, montierten wir nachträglich einen Heck-Scheibenwischer (GF 5/ 74), der sich bestens bewährt hat.

Leichte Ermüdungserscheinungen weisen dagegen nach 50 000 Kilometern Sitzarbeit die vorderen Stuhlfedern auf, während der Bezugstoff, von guter Qualität, kaum abgenutzt ist. Gleiches gilt für den Bodenteppich, der allerdings deutlich macht, daß Fortschritt mitunter Rückschritt bedeutet. Das fiel uns vor allem immer dann auf, wenn der Wagen innen gereinigt werden mußte. Früher, zum Beispiel beim Käfer, nahm man einfach die Gummimatte heraus. Heutzutage ist der Teppich feinsäuberlich mit der Karosserie vernagelt und verklebt und erschwert so die Reinigung. Vielleicht überprüfen die Werks-Kalkulatoren einmal, ob ein eingeknöpfter Teppich nicht genauso teuer kommt!

Große Mühe haben wir uns allerdings mit der Wagenpflege nicht gemacht. Hin und wieder eine Wagenwäsche und ganz selten etwas für die Kosmetik. Unter der Karosserie bewährte sich bestens der werksmäßig aufgetragene Unterbodenschutz, so daß auch hier keineweiteren Maßnahmen zur Werterhaltung ergriffen werden mußten.

Der Motor überzeugt voll und ganz

Naturgemäß zeigen sich an Teilen, die ständig in Bewegung sind, die meisten Fehlerquellen und Verschleißerscheinungen. Das gilt beim Auto vor allem für den Motor, der ohnehin die Seele des Ganzen ist. Wenn er nicht richtig läuft oder wegen irgendwelcher Wehwehchen ständig in die Werkstatt muß, sind das für den Besitzer Alpträume, die schwerer wiegen als manches andere Ungemach.

Passat-Besitzer müßten, der Leserpost nach zu urteilen, demnach recht ausgeglichene und glückliche Menschen sein, denn der Motor erweist sich bislang als wenig anfällig una hinreichend stabil. Unterstrichen werden die von vielen Passat-Fahrern gemachten Erfahrungen durch die von uns aufgelisteten Mängel am Passat-Testmo-tor: Es gab keine. Neben den üblichen Wartungsarbeiten ließen wir nur einmal den Vergaser zerlegen, da sich die Drosselklappe verklemmt hatte und das Gaspedal nicht mehr zu betätigen war. Ein Fehler, der Seltenheitswert hat.

Etwas störender fielen die Beschleunigungslöcher auf, die sich noch immer besonders mysteriös verhalten: Sie kommen und gehen wie die Wechseljahre, nur in den Griff bekommt man sie nicht. Tröstlicherweise treten sie aber nur dann auf, wenn man von konstanter Geschwindigkeit aus plötzlich Gas gibt. Beschleunigt man dagegen von unten heraus, bereitet die schnelle Kraftstoffversorgung keine Schwierigkeiten. Der Motor nimmt spontan Gas an und spurtet sofort los.

Ähnlich seltsam wie beim Beschleunigen verhält es sich mit dem Nachdieseln des Motors. Zeitweise gehört es zum normalen Alltag, dann scheint der Passat für mehrere Wochen nur Sonntage zu kennen. Schäden sind durch das Nachdieseln nicht aufgetreten, wie unter anderem das Kompressionsschaubild deutlich macht, das wir zuletzt bei Kilometerstand 50 537 anfertigen ließen. Alle vier Zylinder zeigen sich einschließlich der Ventile in geradezu vorbildlicher Verfassung. Dieser Eindruck wird auch von den Fahrleistungen unterstrichen, die wir zum Schluß des Tests nochmals überprüften.

Mit einer Spitzengeschwindigkeit von 150 km/h und einer Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 15,3 sec war der Testwagen sogar noch schneller und spritziger als zu Anfang unseres Tests. Der gute Gesamteindruck des wassergekühlten Reihenmotors wird auch dadurch nicht getrübt, daß hin und wieder etwas Öl nachgefüllt werden mußte. Dabei ist der Ölverbrauch jeweils von der Fahrweise abhängig. Je schärfer gefahren wurde, um so mehr öl mußte nachgefüllt werden. Insgesamt verbrauchten wir außerplanmäßig 10 Liter öl, so daß sich im Durchschnitt ein Verbrauch von 0,2 I auf 1000 Kilometer einstellte. Auffallend sparsam geht das moderne Passat-Triebwerk mit dem Normalbenzin um. Nicht einmal 10 Liter wurden für das 150 km/h schnelle Fahrzeug in Schnitt benötigt. Der Gesamtdurchschnittsverbrauch von 9,2 1/100 km ist um so erstaunlicher, da der Passat von den verschiedenen Fahrern pilotiert wurde und die Hälfte der gefahrenen Kilometer im Kurzstreckenverkehr eingesetzt wurde.

Problemloses Fahrwerk

Der Frontantrieb erlaubt es, eine konstruktiv recht billige und simple Hinterachse einzubauen, die dennoch die guten Fahreigenschaften nicht schmälert und für den AutoBesitzer den Vorteil hat, problemlos und wartungsfrei zu sein. So gibt es bei der Passat-Hinterachse weder Schmiernippel noch Gelenke, die dem Verschleiß unterliegen. Nur ein paar wartungsfreie Kugellager müssen irgendwann einmal ausgetauscht werden, doch gab es bis zum Kilometerstand 50000 hierzu keinen Anlaß.

Etwas aufwendiger gestaltet ist da schon die FederbeinVorderachse, deren Achswellen mit homokinetischen Gelenken ausgestattet sind, damit die vorderen Räder in jeder Stellung ruckfrei angetrieben werden können. Natürlich sind auch diese Lager, wie auch die Spurstangenköpfe, völlig wartungsfrei. Sie haben bislang bei unserem Passat keinerlei Unterhaltskosten verursacht. Rund 180 DM mußten wir dagegen für das Abdrehen der vorderen Bremsscheiben aufwenden. Eine Arbeit, die nicht unbedingt notwendig war, doch konnten wir mit dieser Maßnahme und neuen Bremsklötzen das Quietschen der Scheibenbremsen eindämmen.

Zu den problemlosen Aggregaten darf auch das gut abgestufte Vierganggetriebe gezählt werden, dessen Schaltung allerdings noch einige Wünsche offenläßt. Schon zu Anfang unseres Tests ließen wir die komplette Schaltung ersetzen, da die Sperre für den Rückwärtsgang fehlte (Schalthebellager gebrochen) und die Gänge sich bei heißer Maschine nur recht hakelig einlegen ließen. Dann nämlich dehnt sich das Schaltgestänge aus, da das Auspuffrohr zu nahe an der Schaltung entlang geführt ist. Mitunter legen die Werkstätten deshalb eine Asbestmanschette um das Schalldämpferrohr oder justieren die Schaltkulisse neu ein. Diese Arbeiten sollen, so ist man in Wolfsburg zuversichtlich, nunmehr nicht mehr notwendig sein, da seit dem Modellwechsel 74/75 eine überarbeitete Schaltung zum Einsatz kommt.

Der moderne Vierzylinder- Reihenmotor des Passat hat uns während des Dauertests keinmal im Stich gelassen.

Der moderne Vierzylinder-Reihenmotor des Passat hat uns während des Dauertests keinmal im Stich gelassen.

Sicherlich wird dann auch ein weiterer Fehler der Schaltung behoben sein, der bei unserem Passat hin und wieder auftritt: Auf stark welliger Fahrbahn gibt sich das Getriebe mitunter halbautomatisch. Der Gang fliegt raus — aber nicht wieder rein. Völlig unter Wert würde man übrigens das tadellose Fahrwerk einkaufen, würde man es bei den serienmäßig vorgegebenen Normalreifen belassen und nicht gleich beim Neukauf Gürtelreifen mitbestellen. Aufgezogen waren auf unserem Testwagen Stahlgürtelreifen von Michelin, die natürlich an der Antriebsachse ihren stärksten Verschleiß zeigten. Bei Kilometerstand 28 575 wurden deshalb die vorderen Reifen erneuert, während die hinteren noch immer ihren Dienst tun. Und das bei einer derzeitigen Profiltiefe von 3 mm.

Preiswerter Kundendienst

Neu für VW-Fahrer sind beim Passat die langen Ölwechselintervalle, denn nur alle 7500 km muß das öl im Motor erneuert werden. Dafür sorgt auch der im Hauptstrom liegende ölfilter, dessen engmaschiges Netz kleinste Verunreinigungen zurückhält. Mit dem Ölwechsel wird gleichzeitig ein kleiner Pflegedienst durchgeführt, dessen Arbeitspositionen sich auf die Überprüfung der Kühl- und Bremsflüssigkeit, der Batteriesäure und Bremsbelagstärke beschränken. Dafür kostet der Pflegedienst einschließlich öl nur rund 35 DM.

Umfangreichere Wartungsarbeiten sind alle 15 000 beziehungsweise 30 000 km notwendig. Die dafür bezahlten Preise hielten sich im angemessenen Rahmen, wie auch die letzte Rechnung für die 45 000 km-Wartung offenbart. Nur 97,38 DM zahlten wir für die Wartung einschließlich der Ersatzteilpreise für Zündkerzen, Unterbrecherkontakte, ölfilter und öl. Zusätzlich wurde noch die Bremse eingestellt und der CO-Gehalt neu einreguliert.

Die günstigen Wartungs-Preise spiegeln sich natürlich positiv in der Gesamt-Kosten-bilanz wider. Genau 2,58 Pfennig wendeten wir beim Passat pro Kilometer fürWartung und Reparatur auf. Ein Preis, der für ein Fahrzeug dieser Größe extrem niedrig liegt und hoffen läßt, daß auch die weiteren 50 000 km nicht wesentlich teurer werden.

Hans-Rüdiger Etzold

Wartung und Reparaturen
Der Test-Passat fiel durch besonders geringe Werkstattkosten auf. Nur 2,58 Pfennig pro Kilometer zahlten wir bislang für Wartung, Reparaturen und Reifen. Erfreulich war auch, daß der Passat während der 50000 Testkilometer stets einsatzbereit war und außer den üblichen Wartungsintervallen nur viermal außerplanmäßig die Werkstatt aufsuchen mußte.
1 000 km 21.7.73 Wartung DM 46,50
1115 km 25.7.73 Schaltgestänge erneuert, Schalthebellager gebrochen; Sperre zum Rückwärtsgang defekt Garantie
7700 km 21.9.73 Pflegedienst, Ölwechsel DM 36,69
15024 km 12.12.73 15000 km Wartung, Ölwechsel, Windschutzscheibe abgedichtet, Bremsklötze vorn ersetzt, Kühlflüssigkeit ergänzt, Zündkerzen ersetzt DM 184.67
22840 km 7.1.74 Pflegedienst, Ölwechsel, Unterbrecherkontakte ersetzt, 1 Scheinwerfer repariert, Tankdeckelschloß defekt, Bremse hinten eingestellt DM 95,77
26456 km 11.3.74 Gaszug hakt, Vergaser repariert DM 103,88
27910 km 20.3.74 Getriebeölablaßschraube verloren DM 18,89
28575 km 25.3.74 2 Reifen vorn erneuert, Michelin zX DM 274,85
29477 km 28.3.74 30000 km Wartung, Ölwechsel, Bremsklötze vorn erneuert, Bremsscheiben geschliffen, öl-kontroll-Lampe brennt nicht, Loch beim Beschleunigen, Lenkunruhe, Motor dieselt nach DM 295,-
36381 km 15.5.74 1 Glühlampe für Scheinwerfer ersetzt, linke Fensterkurbel befestigt DM 11.66
38165 km 30.5.74 Pflegedienst, Ölwechsel, Karosserie abgedichtet, Zündung geprüft DM 128,83
45 500 km 27.7.74 45000 km Wartung, Ölwechsel, Fußbremse eingestellt, Handbremse eingestellt, Unterbrecherkontakte erneuert, Bremse geprüft, Co-Gehalt geprüft und eingestellt DM 97,38
Gesamtkosten nach 50000 Kilometer Kosten pro Kilometer DM 1294,12 2,58 Pfennig

Benzinverbrauch

Der Passat besticht durch seinen geringen Benzinverbrauch. Nach 50 000 Kilometer zogen wir Bilanz und errechneten aus 4600 Liter vertanktem Normalbenzin einen Schnitt von 9,2 1/100 km. Während der gleichen
Distanz wurden 10 Liter ö l (0,2 I aut 1000 Kilometer) nachgefüllt, Öl und Benzin ergeben einen Gesamtbetrag von 3746 DM, pro Kilometer 7,49 Pfennig. Rechnet man die Wartungs- und Reparaturkosten (2,58
Pfennig) hinzu, so kostete uns ein Kilometer im Passat (ohne Steuer und Versicherung) 10,07 Pfennig.

Fahrleistungen
Beschleunigung in sec Test-Anfang Test-Ende
0 bis 80 km/h 10,5 10,1
0 bis 100 km/h 17,1 15,3
Höchstgeschwindigkeit in km/h 146 150

Preise

Richtpreis: 9615 DM

L-Ausstattung: 560 DM

heizbare Heckscheibe 107 DM

Stahlgürtelreifen: 215 DM

Steuer für 1 Jahr: 107 DM

Haftpflicht für 1 Jahr (Großstadt, SF1, 1 Mio.): 643,20 DM