Porsche 72

Autor Rüdiger Etzold
Veröffentlichungsdatum 1971
Veröffentlicht in Gute Fahrt
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Die erfolgreichen Sportwagen von VW und Porsche bleiben im neuen Modelljahr in der Form unverändert, geringfügige Detailüberarbeitungen verbessern vor allem den Fahrkomfort und die Sicherheit.

Mit kleinen Retuschen an Fahrwerk und Aufbau präsentieren sich die sportlichen Modelle – Jahrgang 72 – aus den Häusern Porsche und VW. Interessantestes Detail der PorscheNeuerungen ist zweifellos der auf 2,4 Liter Hubraum (früher 2,2 Liter) aufgestockte Motor. Diese Hubraumanreicherung wurde nicht zum Zwecke der Leistungssteigerung vorgenommen, man sah sich vielmehr dazu gezwungen, um die immer strenger werdenden Abgasvorschriften einhalten zu können. Einfachste und billigste Möglichkeit ist es derzeit, den Hubraum zu vergrößern, um im gleichen Atemzug die Verdichtung herabzusetzen. Damit zeichnet sich das Ende hochgekitzelter Motore ab, die aus wenig Hubraum – über hohe Drehzahlen und starke Verdichtung – die letzten PS herausquetschen.

Praktisches Abfallprodukt der Porsche-Hubraumvergrößerung: Das Drehmoment steigt an, während die Benzin-Oktanzahlen sinken. Von nun an können die sportlichsten deutschen Wagen mit bleifreiem Normalbenzin gefahren werden. Im Zuge der Hubraumvergrößerungen fielen natürlich auch etwas höhere PS-Leistun-gen an. Die neuen Leistungsdaten (in Klammern die bisherigen PS) sind: 911T 130 PS (125); 911 E 165 PS (155); 911 S 190 PS (180). Während die Spitzengeschwindigkeiten aufgrund der PS-Anhebung nicht steigen, kann durch das verbesserte Drehmoment ein neu konstruiertes Vierganggetriebe eingesetzt werden. Das Vierganggetriebe wird nun nach dem H-Schema geschaltet, wodurch vor allem der 1. Gang schneller eingelegt werden kann. Wer jedoch den fünften Gang nicht nur nach dem Tanken spüren möchte, bekommt auch weiterhin ein Getriebe mit fünf Gängen.

1971-10_Porsche 72-6

Der Porsche-Motor hat einen auf 2,4 Liter erhöhten Hubraum und kann mit Normalbenzin betrieben werden

1971-10_Porsche 72-9

Den faltbaren Ersatzreifen gibt es bei Porsche gegen Aufpreis

Kleine Änderungen auch beim Fahrwerk: Die beim 911 E bislang verwendeten hydropneumatischen Federbeine wurden gegen die von den anderen Typen her bekannten Dämpferbeine ausgetauscht.

Mit dem Spoiler wird die Bodenhaftung der Vorderräder verbessert

Mit dem Spoiler wird die Bodenhaftung der Vorderräder verbessert

Der Öleinfüllstutzen liegt jetzt beim Porsche seitlich in der Karosserie

Der Öleinfüllstutzen liegt jetzt beim Porsche seitlich in der Karosserie

Allerdings bleiben die hydropneumatischen Federbeine im Programm -für jene Fahrer, die sich eine etwas komfortablere Federung wünschen. Auch die nunmehr etwas verlagerte Stoßdämpferaufhängung hat den Zweck, durch längere Dämpferwege, den Komfort zu erhöhen. Völlig neu am 911 S (für die anderen Modelle auf Wunsch) ist unterhalb der vorderen Stoßstange eine Blechschürze (Spoiler), die vor allem bei hoher Geschwindigkeit die Bodenhaftung der Vorderräder durch verstärkten Druck auf die Achse verbessert.

Porsche-Langstreckenfahrer brauchen jetzt seltener zum Tanken anzuhalten, denn die Mehrausstattungsliste wurde um einen 85 Liter-Tank bereichert, der natürlich mehr Platz beansprucht. Dieses Manko wird durch einen faltbaren Ersatzreifen ausgeglichen. Der Mini-Reifen ist das Reserverad der Zukunft und wird, wenn er preiswerter hergestellt werden kann, bald in jedem bürgerlichen Pkw zu finden sein.

Weiter im Programm und äußerlich unverändert bleiben die beiden VW-Porsche-Modelle 914/4 und 914/6. Von diesen beiden Typen konnte sich vor allem der Vierzylinder innerhalb kurzer Zeit zum meistgekauften deutschen Sportwagen durchsetzen. Bei den 72er Modellen hat man in erster Linie an den Beifahrer gedacht, der bislang mit einem Gestühl — nach Art einer Kirchenbank — vorliebnehmen mußte. Nun kann der Beifahrer – wie auch der Fahrer — seinen Sitz in Längsrichtung und Neigung verstellen. Die gute fahrt wird den Sitzumbau bei einem älteren VW-Porsche vornehmen und über die anfallenden Umbaukosten berichten.

Wie beim neuen Käfer kann man jetzt auch im VW-Porsche mit einem Hebel am Lenkrad Scheibenwischer und Wischerautomatik betätigen. Und in dem schon recht gesättigten Armaturenbrett ließen sich noch auf beiden Seiten Luftdüsen unterbringen, die die Seitenscheiben schneller defrosten.

Wie intensiv sich die Techniker ihre Produkte Vornahmen, um sie zu verbessern, mag auch die letzte Änderung aufzeigen: Der Griff des Handschuhkastens wurde um einige Quadratzentimeter vergrößert. Diese und die anderen Verbesserungen verursachten natürlich höhere Material- und Fertigungskosten, weshalb auch die Preise leicht korrigiert werden mußten.

Hans-Rüdiger Etzold

Die neuen Preise:

VW Porsche 914/: 12250 DM

mit S-Ausstattung: 12995 DM

VW Porsche 914/6: 19980 DM

Porsche 911 T: 22980 DM

Porsche 911 E: 25980 DM

Porsche 911 S: 30 680 DM