Tauschhandel

Autor Rüdiger Etzold
Veröffentlichungsdatum 1971
Veröffentlicht in Gute Fahrt
Original ansehen

Austauschteile machen die Reparatur am Auto preiswerter und vor allem schneller. Aber nicht immer lohnt es sich, Tauschteile zu verwenden. Die GUTE FAHRT hat die gängigsten AustauschAggregate aus dem VW-Programm mit sämtlichen Preisen zusammengestellt und rät, wann man zum Tauschteil greifen sollte und wann nicht.

Für alle Volkswagenmodelle gibt es in den Werkstätten ein reichhaltiges Austausch-teile-Programm. Diese Teile werden im Werk Kassel von Grund auf überarbeitet, so daß der Kunde eine sechsmonatige Garantie (oder 10000 km) auf alle Tauschteile erhält. Damit bekommt er praktisch die gleiche Sicherheit wie beim Kauf eines Neuwagens. Aber nicht alle Teile, die im Tauschprogramm enthalten sind, werden von der Werkstatt anstandslos getauscht.

Denn immer, wenn durch Unfall oder andere Gewalt das Teil demoliert wurde, ist es vom Tausch ausgeschlossen. Anders sieht es freilich aus, wenn — zum Beispiel — ein Ventil durch den Kolben schlägt und den Weg sogar durch die Ölwanne ins Freie findet. Dann wird getauscht. Merke: Teile mit einem Schaden, der von innen her auftrat, sind tauschwürdig; Teile, denen durch rohe Gewalt von außen ein Schaden zugefügt wurde, sind vom Tausch ausgeschlossen.

In den Werkstätten werden gerne Tauschteile verwendet, denn sie haben entscheidende Vorteile: Zum einen kann wesentlich schneller repariert werden (zuweilen auch ein Vorteil für den Kunden) und zum ändern sind die vom Werk instandgesetzten Teile problemlos, der Kunde erhält ja eine Garantie, die die Werkstatt nicht vertreten muß. Es gibt aber auch Tauschteile, die in der Werkstatt gar nicht repariert werden können — wie das Steuergerät für die elektronische Einspritzanlage. Hier kann die Werkstatt nicht feststellen, welcher Transistor oder welches andere Teil seinen Geist aufgegeben hat.

Zylinder, Kolben und -ringe werden nur als Einheit getauscht.

Zylinder, Kolben und -ringe werden nur als Einheit getauscht.

VW-Motoren sind - auch im Tausch - komplett ausgestattet mit Kupplung, Auspufftopf, Heizung, Vergaser und elektrischer Anlage.

VW-Motoren sind – auch im Tausch – komplett ausgestattet mit Kupplung, Auspufftopf, Heizung, Vergaser und elektrischer Anlage.

Ob es sich für den Kunden immer lohnt, auf Tauschteile zurückzugreifen, muß von Fall zu Fall entschieden werden. Bei den meisten Teilen ist jedoch eine Diskussion hierüoer völlig überflüssig, u. a. bei Bremsbelägen. Wenn der Monteur die alten Beläge abnieten und wieder neue draufzimmern soll, ist der Weg zum Lager weniger zeitraubend. Und da die Dinger im Tausch ohnehin nur rund drei Mark das Stück kosten und sogar im Tausch in verschiedenen Größen vorhanden sind, ist der Tausch der wirtschaftlichste Weg.

Lichtmaschine, Anlasser, Kupplung, Achsschenkel und Schwungrad sind klassische Austauschteile, bei denen eine Reparatur – in den meisten Fällen – teurer wird. Bei Aggregaten wie Motor, Hinterachse und Getriebe ist es sinnvoll, bevor man sich für den Austausch entschieden hat, einige Überlegungen anzustellen, ob dies tatsächlich der billigste Weg ist. Wesentliches Kriterium ist das Alter des Wagens und die Überlegung, wie lange man ihn noch zu fahren gedenkt. Denn wenn man einen Uralt-Käfer besitzt, bei dem das Getriebe versagt und der Wagen ohnehin bald zum Autofriedhof soll, ist es falsch, ihn vorher noch mit einem Austausch-Getriebe zu veredeln. Die Werkstätten sind, wenn man’s verlangt, wohl ohne weiteres in der Lage, eine exakte Diagnose über die Art des Defektes zu erstellen. Anhand dieser Diagnose läßt sich leicht der Kostenaufwand für die Reparatur ermitteln.

Ein anderer Fall: Bei einem Kilometerstand von 60000 km schmort ein Ventil durch. Dies ist an und für sich eine Reparatur mit verhältnismäßig geringem Arbeits- und Kostenaufwand: Der Motor muß raus, der Zylinderkopf runter. Nun kann man nur das eine verschmorte Ventil erneuern oder den kompletten Kopf auswechseln. Auch in diesem Fall sollte man erst überlegen, wie lange man das Auto noch fahren möchte. Soll es noch weitere 40000 km bewegt werden, empfiehlt es sich, gleich beide Köpfe zu erneuern. Schließlich hat man dann die Gewißheit, daß der gleiche Defekt nicht in naher Zukunft auch auf der anderen Seite auftritt, und der Motor ist ohnehin schon raus.

Für Vergaser gibt es komplette Reparatursätze; der Tausch des Vergasers ist auch ohne weiteres möglich.

Für Vergaser gibt es komplette Reparatursätze; der Tausch des Vergasers ist auch ohne weiteres möglich.

Auch wenn nur ein Ventil durchgeschmort ist, lohnt sich der Zylinderkopf-Tausch mitsamt Ventilen.

Auch wenn nur ein Ventil durchgeschmort ist, lohnt sich der Zylinderkopf-Tausch mitsamt Ventilen.

Man muß allerdings noch einen anderen Aspekt berücksichtigen, weshalb die Werkstatt mitunter gleich zum Tauschmotor rät. Für den Kunden ist das zuweilen unverständlich; er meint, der schlechte Motorlauf hinge ja nur von einem defekten Ventil ab. Wird aber ein Motor demontiert, auch wenn es sich nur um einen Zylinderkopf handelt, und wird der Motor wieder zusammengeschraubt, treten ganz andere Spannungen im Gehäuse auf. Das kann so extrem sein, daß plötzlich, nach der Ventil-Reparatur, ein Kurbelwellenlager festläuft, weil ganz einfach der Ölkreislauf versagte. Verständlich, daß der Kunde dann sauer wird. Um vor derartigen Überraschungen sicher zu sein, muß vor der Motor-Demontage der Öldruck gemessen werden (sofern der Motor noch läuft). Liegt er an der untersten Toleranzgrenze und will man sein Auto weitere zigtausend Kilometer fahren, dann lieber gleich zum Tauschmotor greifen! Im Endeffekt wird’s billiger.

In unserer Austauschteile-Tabelle haben wir die gängigsten Aggregate aufgeführt, die im VW-Programm angeboten werden. Es fehlen vorerst allerdings sämtliche Teile für den K 70, da diese verständlicherweise noch nicht im Tausch zu haben sind. Anhand unserer Tabelle kann man nun sehr schnell abwägen, ob eine Reparatur mit Tauschteilen am preiswertesten ist. Die Kosten für den Aus- und Einbau fallen jedesmal an, egal ob repariert oder getauscht wird. Allerdings sollte man berücksichtigen, daß bei Reparatur eines Aggregates noch verschiedene Unkosten hinzukommen können, die man vorher nicht einkalkuliert hat. Wenn sich zum Beispiel bei der MotorDemontage herausstellt, daß der Auspufftopf und auch die Kupplung überholungsbedürftig sind.

In unserer zweiten Tabelle haben wir einmal die Kosten einer Motor-Reparatur (defektes Auslaßventil, Kurbelwelle lagern) und die Kosten für einen Austauschmotor gegenübergestellt. Rund 160 DM liegt der reparierte Motor günstiger, dafür hat er aber weder einen überholten Vergaser bzw. eine überholte Lichtmaschine, noch einen neuen Auspufftopf oder eine überholte Kupplung — und natürlich auch keine Garantie.

Auch bei den kleineren Dingen liegt der Fall zuweilen ähnlich. Einen Achsschenkel beispielsweise kann man neu lagern lassen, aber ein Tausch wird billiger. In diesem Sinne meinen wir, es wäre wünschenswert, wenn man das Austauschprogramm noch umfangreicher gestalten und auch auf die kleinen Dinge ausdehnen könnte, von denen bisher zu viele weggeworfen werden.  H.-R. Etzold

tab1tauschhandel

 

 

* Tauschteile noch nicht im VW-Programm ** Verschiedene Ausführungen mit unterschiedlichem Preis

* Tauschteile noch nicht im VW-Programm ** Verschiedene Ausführungen mit unterschiedlichem Preis