Vaterfreuden

Autor Rüdiger Etzold
Veröffentlichungsdatum 1970
Veröffentlicht in Gute Fahrt
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Neues vom Karmann GF

Unser GF-Prototyp wirft Junge: über 600 Karmann GF-Buggies wurden inzwischen aufgebaut und zugelassen. Vornehmlich in der Bundesrepublik, aber auch in Spanien, Skandinavien, der Schweiz und selbst in Israel gibt es begeisterte GF-Buggy-Freunde. Sie sind die Vorreiter einer Buggywelle, die in diesem Sommer dafür sorgen wird, daß der GF-Buggy zum gewohnten Stadtbild gehört. Unser Buggy hat sich, dank seiner soliden Verarbeitung, seinem gelungenen Aussehen und seiner universellen Einsatzmöglichkeit schnell durchgesetzt. Für die VW-Betriebe war er das willkommene Auto, Werbesonderaktionen zu starten und neue Käuferkreise auf das VW-Programm aufmerksam zu machen. Denn eines hat sich schnell herumgesprochen: Der Karmann-GF-Buggy ist ein Auto, das jung und alt aufmerksam macht und den VW-Betrieben plötzlich wieder Interessenten zuführt, die längst an VW vorübergingen. In diesem Fun-Car werden die 70jährigen wieder munter, und für die Jugend ist der GF-Buggy einfach in. Er signalisiert Vitalität, Frohsinn, Pop und Pep. Das haben nicht nur die VW-Betriebe erkannt, vom Bonbonfabrikanten bis hin zum Reisemanager setzt man auf das Werbemittel GF-Buggy!

So ist es denn auch beinahe selbstverständlich, wenn die Frauenzeitschriften „Praline“, „Freundin“ und „Brigitte“ für ihre Modeseiten unseren Buggy brauchen. Als man jüngstfür die Aufnahmen nach Nizza flog, befand sich im Reisegepäck selbstverständlich ein Karmann-GF, der den Aufnahmen erst das richtige Fluidum gab. Nizza allein macht es nicht mehr, seitdem es einen GF-Buggy gibt.

Ähnlich dachte man auch bei Polandfilm, als man begann, Hänsel und Gretel, neudeutsch und ziemlich unbekleidet, in Szene zu setzen. Wer hüpft da mit der bösen nackten Hexe durch den Wald? – Natürlich der GF-Buggy. Einen Blickfang für Maxi-, Midi- und Minimode brauchte auch das Kaufhaus Horten in Mannheim, über Nacht ließ man vom VW-Händler Vogel aus Ladenburg einen Karmann GF-Buggy aufbauen, und zusammen mit unserem Prototyp bewies er, daß man selbst ma-xibemantelt in den Buggy einsteigen kann.

Für viele, die sich noch keinen eigenen Buggy aufbauen wo! len, ihn aber trotzdem fahren möchten, bietet Hummel-Reisen eine Buggy-Rallye für jedermann. Der Startschuß zur ersten Rallye fällt am 6. 5. 70 in Köln. Anschließend starten alle zwei Wochen 20 Karmann-GF-Buggies (jeweils mit zwei Personen besetzt) in Richtung Frankreich, über 3000 Kilometer werden abgespult, Kosten pro Person 795 DM. Der Preis schließt Benzin, Versicherung, Frühstück und Übernachtung in Doppelzimmern ein. Der Clou der Rallye: Wer nach Abschluß der Tour Gefallen am Buggy gefunden hat, kann diesen gegen Barzahlung gleich mit nach Hause nehmen und hat damit das Pop-Auto der 70er Jahre.

600 Karmann GF-Buggies, die inzwischen schon ihre Käufer gefunden haben, sind eine ganze Menge, wenn man bedenkt, daß der Buggy kein Fließband-Auto ist. Noch nie wurden in der Bundesrepublik so viele Kunststoffkarosserien von einem Typ gefertigt. Wir hatten dazu das nötige know how und routinierte Lieferfirmen, die das zuwegebringen konnten. Und natürlich die VW-Betriebe; denn sie waren es in erster Linie, die GF-Buggies aufgebaut haben. Nach unserer Schätzung dürften bislang etwa 20 Prozent der privaten Käufer ihren Buggy selbst aufgebaut haben, 80 Prozent wurden in VW-Werkstätten fertiggestellt. GF-Buggies am kleinen Fließband stellt inzwischen VW-Wittig aus Remscheid her. Inzwischen rund 50 Stück. Er hat extra einen FLOH-Vertrieb gegründet und eine Halle gebaut, um dem Ansturm Herr zu werden. Und das mitten in einer Industrielandschaft!

Damit ist auch die These widerlegt, der Buggy könnte nur am Strand leben. Selbst in dem verhältnismäßig kleinen Städtchen Gengenbach im Schwarzwald konnte zum Beispiel VW-Weber schon 6 GF-Buggies aufbauen und verkaufen. Und in der 140 000-Einwohner-Stadt Osnabrück laufen auch schon 7 GF-Buggies, aufgebaut von VW-Starke, und verkauft an Kunden, die sonst nur einen Alfa Romeo oder einen Mercedes bewegen.

Ob Freiburg oder Sylt, der GF-Buggy hat überall schon Freunde. Schon möchte VW-Bergert aus Würzburg ein Karmann-GF-Buggy-Treffen arrangieren. Gedacht ist daran, daß sich die GF-Freunde an einem Mai-Wochenende in Würzburg zu einer kleinen Rundfahrt und zu einem Slalomrennen treffen. Natürlich würden auch GF-Redakteure dabei sein, und ein Pokal für den Slalom-Sieger. (Wer Interesse an dem BuggyTreffen hat, schreibt direkt an VW-Bergert, Würzburg, Gutenbergstraße 4 a)

Was kostet ein Buggy

ln unserer Leserpost finden wir hin und wieder Briefe, in denen darauf hingewiesen wird, daß es Buggy-Bausätze zu kaufen gibt, die wesentlich billiger seien als der GF-Bau-satz. Hier wird ganz einfach das Wort „Bausatz“ strapaziert. Für den einen Hersteller beginnt der Bausatz schon bei Anlieferung der Kunststoff-Karosserie, bei dem anderen sind im Bausatz alle wesentlichen Teile enthalten.

Es nützt zum Beispiel wenig, wenn nur der Scheibenrahmen geliefert wird, eine Windschutzscheibe braucht man auf jeden Fall. Muß sie einzeln angefertigt werden, gibt es sie nur aus Verbundglas. Das wird teuer! Genauso gehört nach unserer Meinung zum Bausatz ein Verdeck. Denn in unseren Breiten gibt es hin und wieder Regen, der aus einem offenen Buggy in kurzer Zeit ein Schwimmbad macht. Wichtig erscheint uns auch, daß der nachträgliche Einbau einer Heizung gesichert ist, denn nur dann darf man den Buggy seitlich verschließen. Und der Einbau normaler Käfer-Sitze sollte möglich sein, schließlich kosten Schalensitze gleich einige hundert Mark mehr, die Käfersitze hat man sowieso.

Ein Kostenfaktor, den man beim Kauf eines Buggy-Bau-satzes nicht erkennt, ist der unterschiedliche Arbeitsaufwand beim Aufbau der einzelnen Buggy-Modelle. Zwar haben alle das Käferfahrgestell als Unterbau, doch ist der Aufbau nicht der gleiche. Bei einigen Modellen muß zum Beispiel die Vorderachse abgeändert werden, das kostet Zeit und Geld. Andere brauchen zur Stabilisierung eine zentnerschwere Stahlplatte, die muß bezahlt werden. Oder es sind zur Karosserie-Abstützung komplizierte Stahlstützen notwendig, deren Herstellung nicht nur einem Bastler Probleme aufgeben. Beim Karmann GF-Buggy mußten bislang Winkel zur Tank- und Sitz-bankabstützung selbst hergestellt werden, jetzt werden sie dem Bausatz ohne Mehrkosten beigelegt.

Wer sich also einen Buggy aufbauen will, sollte nicht nur nach dem Prospekt gehen, die Bauanleitung gibt einen besseren Einblick über Arbeitsaufwand und Aufbauschwierigkeit. Eine Gegenüberstellung der einzelnen Bausatzinhalte offenbart sehr schnell, welcher der preiswerteste ist. Hinweise, ob die Verpackung im Preis enthalten ist oder nicht, ob die Mehrwertsteuer noch hinzugerechnet werden muß oder nicht, sollte man beachten. Bei Karmann kostet der komplette Bausatz inklusive Mehrwertsteuer 2950 DM. Da ist dann alles drin, was man außer einem alten VW-Käfer zum Buggy-Umbau benötigt.

Da wir inzwischen auch die normalen Käfer-Reifen für die Hinterachse am Buggy vom TÜV haben prüfen lassen, ist es noch nicht einmal notwendig, die großen Hinterreifen aufzuziehen. Damit steht dem Billig-Buggy nichts mehr im Wege, wenn man selbst Hand anlegt. Die Rahmenverkürzung kostet bei VW-Händlern ca. 200 DM, rechnet man den Bug-gy-Bausatz und einen wohlerhaltenen alten Käfer für ca. 1000 DM dazu, kommt man auf einen Preis von 4500 bis 5000 DM.

Fertig aufgerüstete Karmann GF-Buggies gibt es, ohne Vorleistung, bei einigen VW-Händlern schon ab 5500 bis 6000 DM, je nach Ausstattung und Motorleistung. Da der Buggy wohl das einzige Auto ist, bei dem es keinen fixierten Endpreis gibt, sind den Preisen nach oben keine Grenzen gesetzt. Komplette Buggies, Neufahrzeuge, mit neuem Fahrgestell und 40-PS-Motor bietet zur Zeit VW-Wittig für 9360 DM an. Und auch andernorts werden kleinere Bänder eingerichtet, von denen demnächst nagelneue Karmann GF-Buggies rollen; sie dürften allerdings teurer sein als sie bisher, aus aufgearbeiteten Alt-Teilen, bei VW-Betrieben gebaut werden.

Der GF-Buggy mit Sommer- und Wintergarnitur

Als wir seinerzeit den GF-Buggy konstruierten, dachten wir in erster Linie an einen Zweitwagen, der vornehmlich im Sommer gefahren wird. Inzwischen wissen wir, daß der Buggy-Käufer das ganze Jahr über sein Pop-Auto bewegen möchte. Dazu ist eine Heizung notwendig. In naher Zukunft wird deshalb die Firma Karmann einen Heizungsbausatz liefern können, der nachträglich eingebaut werden kann. Später wird es auch Karosserien mit oder ohne vorinstallierten Heizungsbausatz zu kaufen geben. Geheizt wird wie beim Käfer über die normalen Wärmetauscher. Im Sommer kann man dann wieder auf die großartigen und viel schnittigeren Eberspächer-Buggy-Auspuff-töpfe umrüsten, die ja nur dann Platz am Motor haben, wenn die Wärmetauscher abmontiert sind.

Wer einen Buggy mit elektrischer 12-Volt-Anlage hat, kann ab August dieses Jahres einen Eberspächer-GF-Buggy-Hei-zungsbausatz erstehen. Der flache Heizungskörper, mit Benzin gespeist, läßt sich raumsparend vorn unter dem Armaturenbrett anbringen. Kauft man sich dazu noch die beiden einknöpfbaren Seitenteile (Stückpreis 93 DM), dann ist der GF-Buggy rundherum wetterfest.

Wie sich das für ein richtiges Auto gehört, gibt es nunmehr auch ein umfangreiches GF-Buggy-Mehrausstattungsan-gebot. Im Programm sind: Kar-mann-Schalensitz (mit Konsole 235 DM), hintere Sitzbank mit Rückenlehne (komplett 104 DM), Sonnenblende mit Innenspiegel (27,40 DM), Lederlenkrad (126 DM). Ferner liefert die Firma Karmann über den VW-Handel auch Dunlop-Reifen in der dicken Größe Gr 70 HR 15 für die Hinterräder, komplett mit Felge zum Stückpreis von 295 DM. Und Reifen-Schelk-mann aus Witten ist jederzeit bereit, abgefahrene Pneus dieser ungewöhnlichen Größe wieder zu besohlen.

In verschiedenen Testberichten in- und ausländischer Zeitungen wurde das hervorragende Fahrverhalten unseres GF-Buggys schon gerühmt. Jetzt läßt sich der Buggy noch slalomfester herrichten. In Zusammenarbeit mit der Firma Bilstein haben wir einen geschlagenen Tag auf dem Nürburgring zugebracht und herausgefunden, daß Stoßdämpfer der Ausführung Rallye Schweden (von Bilstein) dem GF-Buggy die Straßenlage eines Formel-Wagens geben.

Knapp ein Jahr ist’s her, seitdem die GF-Redakteure mit dem Buggy-Konstruieren begannen. Die Konstruktion ist nach Ansicht eines Fabrikanten so durchdacht gelungen, daß er uns bat, einen Einmannhubschrauber zu konstruieren. Wir haben’s, vorerst, abgelehnt.

H.-R. Etzold