Vom Volkswagen zum VW Käfer -1-

Autor Rüdiger Etzold
Veröffentlichungsdatum 2016
Veröffentlicht in Unveröffentlicht
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Aus den Anfängen der Volkswagen-Entwicklung

                                   Dr. Rüdiger Etzold

Inhalt

1935-36 (Teil 1)          1939 (Teil 3)               Typ 87 (Teil 5)

1937 (Teil 2)               Typ 64 (Teil 4)            Typ 128 (Teil 5)

1938 (Teil 3)               Typ 82 (Teil 4)            Typ 166 (Teil 5)

 

Der Legende nach soll es sich so begeben haben: „Der Führer“ ließ sich von seinem Fahrer nach einer Veranstaltung nach Hause kutschieren. Es war schon dunkel und heftige Regenbögen peitschten gegen das Führer-Auto. Da tauchte vor dem Führer-Auto ein Motorrad mit Seitenwagen auf.

BUK_001_S_1Auf dem Sozius-Sitz saß eine Frau, ein Kind im Seitenwagen. Daraufhin sprach der Führer sinngemäß: „Es muss doch möglich sein, für eine deutsche Familie einen Personenwagen zu bauen, der nicht mehr als 1.000 Mark kostet.“ So viel, wie man damals für ein gutes Motorrad mit Seitenwagen ausgeben musste. Ob es sich damals tatsächlich so begeben hat, lässt sich nicht mehr klären. Eines ist jedoch aktenkundig: Der Volkswagen, der vom Führer angeschoben wurde, sollte nicht mehr als 1000 Mark kosten. Für extrem utopisch befanden die Vorstände von Opel, Ford oder DKW diese Vorgabe. Ihre preiswertesten Modelle kosteten damals mindestens 1.600 Reichsmark. Und selbst wenn man den Preis senkte, um die Verkäufe zu steigern, ein Preis für einen vollwertigen Personen-wagen von 1.000 Mark war nicht realistisch. Dennoch wurde dieser Verkaufspreis festgezurrt und Ferdinand Porsche mit der Entwicklung des Volkswagens beauftragt.

Ein wirtschaftliches und preislich günstiges Auto für das Volk, das war die Grundidee für die Entwicklung des Volkswagens. Die Tragik der Geschichte  ist, dass jene Zweihundertsiebzig-tausend Volkswagen-Liebhaber, die einen Kaufvertrag für den Kdf-Wagen unterschrieben hatten, ihr angezahltes Auto nie bekommen haben. Denn als die Serie 1940 anlaufen konnte herrschte Krieg, und es wurden vornehmlich Fahrzeuge für den Kriegseinsatz produziert, unter anderem rund 55.000 Geländewagen auf Volkswagen-Basis. Zum Volks-Wagen wurde der KdF-Wagen erst in den sechziger Jahren des vorherigen Jahrhunderts, als die Wirtschaft boomte und sich viele Bundesbürger erstmals ein Auto leisten konnten.

Wie bei jeder Neu-Entwicklung gab es auch auf dem Weg zum serienreifen Volkswagen  unterschiedlich ausgelegte Prototypen und Versuchswagen. Einige davon sowie verschiedene Derivate mit Volkswagen-Technik werden  auf den folgenden Seiten präsentiert.

 

1935 – 1936

 

Typ 60

Hersteller: Dr. Ing. h.c. Porsche KG, Stuttgart Zuffenhausen
Volkswagen, Versuchsserie VW 3
Herstellungsjahr: 1935 – 1936
 
Informationsgrundlage: Porsche-Unterlagen
 
Hinweis: 3 Stück gebaut
 
Motor: Porsche Typ E 60
Anzahl der Zylinder: 4, Boxer
Bohrung: 70 mm
Hub: 64 mm
Hubraum: 985 ccm
Kompression: 1 zu 5,8
Leistung: 22 PS bei 2600 U/min
Anordnung der Ventile: hängend
Vergaser: Solex, Graetzin
Zündfolge: 1-2-3-4
Batterie: 6 Volt, 77 Ampere
Kühlung  Luft, Gebläse
 
Fahrwerk:
Federung vorn/hinten: Drehstäbe
4 Vorwärtsgänge, 1 Rückwärtsgang
Einzelradaufhängung
Lenkung:  –
Bremsen: mechanisch
Handbremse: 4 Räder
Reifengröße vorn: 4,50-16, auch 4,50-17
                     hinten  –
Antrieb: Hinterrad
 
Abmessungen:
Spur vorn: 1250 mm
          hinten:  –
Fahrzeuglänge: 3900 mm
Fahrzeugbreite: 1500 mm
Fahrzeughöhe: 15000 mm
Radstand: 2600 mm
Bodenfreiheit: 230/200 mm
Gewicht des Fahrgestells: 320 kg
Gesamtgewicht: 600 kg, leer
Nutzlast: 300 kg
Anzahl der Sitzplätze: 4
Kraftstoffverbrauch: 7,25 l auf 100 km
Höchstgeschwindigkeit: 103,6 km/h
Hersteller, Aufbau: Daimler-Benz AG, Sindelfingen
2. Aufbau, Drauz, Heilbronn
 

Hinweis:

 

Die 3 Fahrzeuge dieser Serie waren 1936 fertig-
gestellt. Die Einzelteile wurden von erschiedenen Lieferanten geliefert, darunter auch von Daimler-Benz. Montiert wurden die Teile in der Porsche-Garage, Stuttgart, Feuerbacher Weg.

 

Bildnachweis, © : Porsche AG, Volkswagen AG, Archiv Etzold

 

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