VW-K 70

Autor Rüdiger Etzold
Veröffentlichungsdatum 1970
Veröffentlicht in Gute Fahrt
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Im September wird das VW-Programm um ein attraktives Modell bereichert. Der K 70 kommt — und trägt das VW-Zeichen auf dem Kühlergrill. Die viertürige Limousine gibt’s in zwei Leistungsversionen: Mit 75 und mit 90 PS.

Selten wurden einem Auto vor seinem Erscheinen so viele Vorschußlorbeeren zuteil wie dem K 70 – obwohl keiner der Kritiker ihn je gefahren hatte. Spätestens Ende September kann die Probefahrt nachgeholt werden; wenn die Konzernmutter VW, die den K 70 unter ihre technischen und finanziellen Fittiche nahm, den um gut ein Jahr verlängerten Reifeprozeß beendet hat. Der K 70, dessen Form Anklänge an den futuristischen Ro 80 aufweist, besticht durch seine klare Linienführung. Mit seiner tiefgezogenen Gürtellinie, seinen großen Fensterflächen und ohne jeden überflüssigen Zierat, ist der K 70 ein nüchternes Auto, dessen unaufdringliche Eleganz in unsere Zeit paßt. Bei einer Länge von 4,42 m, einem großen Radstand von 2,69 m den kurzen Überhängen und einer Breite von 1,68 m ist der Wagen in seinen Proportionen formal geglückt.

Unter einer großen vorderen Haube, die sich in Sicherheitsrichtung öffnen läßt, befindet sich das kompakte Antriebsaggregat. Die hintere Haube öffnet zur Koffergruft -mit einem Fassungsvermögen von 700 Litern (nach VDA-Norm 600 Liter). Unter dem ebenen Kofferraum-Boden schlummert in einer Mulde das Reserverad.

Motor

Die Maschine, die huckepack auf dem Differential, zur günstigeren Lastverteilung genau über der Vorderachse angeordnet ist, wird in zwei Leistungs-Versionen angeboten: Eine zivile Ausführung mit 75 PS und eine sportliche mit 90 PS. Der wassergekühlte Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, mit obenliegender Nockenwelle, fünffach gelagerter Kurbelwelle, einer Zylinder-Bohrung von 82 mm und einem Hub von 76 mm, zählt zur Gattung der Kurzhuber, der man ein recht drehfreudiges Verhalten konzidieren darf. Beide Motorversionen, mit einem Hubraum von 1605 ccm, erreichen ihre Höchstleistung bei 5200 U/min und ihr höchstes Drehmoment von 13,7 mkg bei 4000 U/min (für den 90-PS-Motor) bzw. 12,5 mkg bei 3500 U/min (für die 75-PS-Maschine). Während der 90-PS-Motor 9,5:1 verdichtet ist (Superbenzin), begnügt sich der schwächere Bruder mit Normalbenzin, bei einer Verdichtung von 8,0:1.

1970-8_VW-K 70-3Ein im Hauptstrom liegender Ölfilter befleißigt sich, das Motoröl — insgesamt 4 Liter -immer wieder aufs neue zu reinigen, wodurch ein Ölwechsel erst nach 10 000 km notwendig ist. Gefüttert wird der Reihenmotor über einen Doppelvergaser, dessen Ansaugluft für gleichbleibende Gemischaufbereitung vorgewärmt wird. Und damit sich das fertige Gemisch nicht zu sehr abkühlt, hat man auch vom Vergaser bis zum Zylinderkopf für eine thermostatisch geregelte Vorwärmung gesorgt.

Derart mit guten Voraussetzungen versehen, beschleunigt das 90-PS-Triebwerk den Wagen in 13,9 sec auf 100 km/h, die kleinere Version läßt dabei 2,1 sec mehr verstreichen. In der Höchstgeschwindigkeit (Werksangaben) liegt der 90-PS-Mo-tor mit 158 km/h etwas über dem 411 E (155 km/h) und der 75-PS-Motor mit einer Endgeschwindigkeit von 148 km/h etwas stärker darunter. Über kürzeste Distanz gelangt die Motorkraft zum Viergang-Synchron-Getriebe, das – in Fahrtrichtung gesehen – hinter dem Motor angeblockt ist. Nach Übersetzung der Motorkraft wird diese dem Differential zugeleitet, welches im Souterrain unter dem Motor hockt. Hier nun befindet sich auf jeder Seite eine Halbwelle, die auf der Differentialseite ein homokinetisches Schiebegelenk hat und auf der Radseite nochmals mit einem homokinetischen Gelenk (Gleichlaufgelenk) versehen ist. Erst die homokinetischen Gelenke, die den Frontantrieb salonfähig machten (früher nahm man Kreuzgelenke), ermöglichen eine saubere, permanente Kraftübertragung auf die Vorderräder; völlig unabhängig vom Lenkeinschlag wie von den Federbewegungen.

Fahrwerk

Normalerweise begnügt man sich beim Fronttriebler mit einer billigen Hinterachskonstruktion. Beim K 70 hingegen sparte man keine Kosten, man griff zum Besten, was die Automobiltechnik derzeit anzubieten hat: Einzelradaufhängung an langhubigen Federbeinen, die in sich eine progressive Schraubenfeder, eine Gummizusatzfeder und einen Teleskopstoßdämpfer vereinen. Geführt werden die hinteren Federbeine mittels Schräglenker. Sie garantieren weitestgehende Spur- und Sturzkonstanz und zwingen die Räder bei schärferer Kurvenfahrt zu leichter X-Spreizung, wodurch die Reifen satt auf der Straße liegen. Zusätzlich gab man der Hinterachse einen Querstabilisator, der bei schnellem Kurvenfahren oder plötzlichen Ausweichbewegungen die Seitenneigung des Aufbaus begrenzt und die Räder auf die Fahrbahn drückt. So werden schwankungsempfindliche Insassen vor dem Unwohlsein bewahrt; doch vor allem erhöht das straffere Verhalten die Fahrsicherheit.

Auch an der Vorderachse finden raumsparende Federbeine Verwendung, deren Führung Dreieckslenker übernehmen. Und selbst hier hat man einen Querstabilisator installiert, der die Räder unter allen Umständen dort hält, wo sie hingehören. So ist das K 70-Fahrwerk kompromißlos für sportliche Fahrweise ausgelegt: Der lange Radstand (2,69 m) dämpft Nickschwingungen, die breite Spur (vorn 1,39, hinten 1,42 m), die exakte Führung der Räder, gewähren ruhigen Geradeauslauf und saubere Kurvenführung, die langen Federbeine bieten eine ausgeglichene Federungsabstimumng.Aufwendig wie das Fahrwerk ist auch die Bremsanlage konstruiert, die auch Damenwaden keine allzu großen Kräfte abfordern dürfte, da die Fußkraft durch einen Unterdruck-Bremskraftverstärker Unterstützung findet. Mit der Innenlage der vorderen Scheibenbremsen, sie sind vom Rad zum Differential gewandert, verringern sich die ungefederten Massen, was das Federungsverhalten verbessert. Ein lastabhängiger Bremskraftregler für die hinteren Trommelbremsen läßt nur so starken Druck an die Bremsen kommen, wie zum Abbremsen – ohne zu blockieren – notwendig ist. Die Familien-Racing-Limousine rollt auf kleinen 14-Zoll-Rädern (kleine Radkästen, großer Fußraum), die mit Gürtelreifen der Größe 165 SR 14 bestückt sind.

Zum Leergewicht von 1050 Kilo dürfen 460 Kilo zugeladen werden; genug, um vier Insassen und rund 140 Kilo Gepäck zu befördern. Freundlich abgestimmte Farben beherrschen den Passagierraum, der mit Stoff und Kunstleder vollständig ausgekleidet ist. Ein großer, beleuchteter Handschuhkasten, eine Ablage links neben der Lenksäule, bieten die Möglichkeit, all die kleinen Dinge griffgünstig unterzubringen, die man im Auto ständig mit sich führt. Ein funktioneil gut gestaltetes Armaturenbrett (Drehzahlmesser für den 90-PS-Motor serienmäßig) mit Rundinstrumenten vermittelt Cockpit-Atmosphäre.

Im September ist K 70-Premiere, dann werden auch die endgültigen Preise bekanntgegeben, die sich nach unseren Schätzungen zwischen 9 000 und 10 000 DM bewegen dürften.    et.