Elektronik läßt das Armaturenbrett schrumpfen

Autor Rüdiger Etzold
Veröffentlichungsdatum 1982
Veröffentlicht in Zeitungsartikel
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Display-Technik eröffnet völlig neue Möglichkeiten / Mechanische Instrumente verschwinden

Die Elektronik verdrängt in zunehmendem Maße die Mechanik von ihren angestammten Plätzen. Recht deutlich wird das unter anderem im Fahrzeugbau. So hat beispielsweise jahrzehntelang und in hun-derten von Millionen Fahrzeugen ein mechanischer Tachometer die Geschwindigkeit angezeigt und den Kilometerstand festgehalten. Nun hat er bald ausgedient, die Elektronik macht es möglich. Der Tachometer wird zu einer doppelten Glasscheibe (Display-Technik), in deren Mitte Flüssigkeitskristalle die Arbeit der Tachonadel übernehmen. Doch damit nicht genug. Die neue Technik bietet dem Fahrer wesentlich mehr Informationen und erlaubt es überdies, die Instrumententafel völlig umzugestalten.

Um die neue Technik in Großserie herstellen zu können, stampft VDO gerade eine neue Fabrik aus dem Boden, die Anfang kommenden Jahres ihre Arbeit auf nehmen! soll. Doch bevor der klobige Schalttafelein-; satz auf das Maß einer Brotstulle reduziert werden kann, werden noch einige Jahre ins Land ziehen, zumal die neue Technik völlig neue Arbeitsschritte verlangt. Bei der Herstellung der Displays (Anzeige-Instrumente) mit Flüssigkeitskristallen (Liquid Crystal) geht es zu wie in einem Operationssaal: Alles klinisch sauber, die Techniker und Werker agieren im Operations-Look.

Derzeit werden für die Anzeige-Informationen vornehmlich mechanisch arbeitende Instrumente benutzt, allerdings wird auch schon von der Mischtechnik (Quarzuhr, mechanischer Tacho) Gebrauch gemacht. In einem weiteren Schritt, so stellen es sich jedenfalls die VDO-Techniker vor, sollen verschiedene LC-Bausteine das Anzeigefeld für den Autofahrer beherrschen, die in servicefreundliche Module aufgeteilt werden.

1982-09-22_Elektronik laesst das Armaturenbrett schrumpfen-1Als nächste Entwicklungsstufe ist dann an ein Großdisplay gedacht, das etwa 1984 in der gehobenen Mittelklasse anzutreffen sein wird und nur noch elektronische Bauteile aufweisen wird. Gegenüber der Modultechnik wird der Bauaufwand beträchtlich kleiner und die Einbautiefe des Schalttafeleinsatzes von 55 auf 45 Millimeter verringert.

Das eigentliche Ziel der VDO-Entwickler ist jedoch ein großes Display mit einer Einbautiefe von 15 bis 20 Millimeter. Hier erst wird dann auch jener technische Fortschritt voll ausgespielt, den die Elektronik bietet. Um jedoch das dünne Anzeigefeld herstellen zu können, sind spezielle Schaltkreise erforderlich, die es erst ermöglichen, die gesamte Elektronik auf das Glas zu bringen und die bisher noch erforderliche Leiterplatte einzusparen.

Der Autofahrer, der bislang mit den zur Verfügung stehenden Anzeige-Informationen vollauf zufrieden war, stellt sich natürlich die Frage, welchen Fortschritt für ihn die vorerst noch teurere Technik haben wird. Die Mikroelektronik erlaubt es in Verbindung mit der Displaytechnik nicht nur, die herkömmlichen Ausführungen von Anzeigegeräten durch andersgeartete zu ersetzen, sondern auch völlig neue Aufgaben zu übernehmen. Dazu gehören beispielsweise Informationen über den richtigen Schaltpunkt, die Reichweite, Ankunftszeit und Fahrdaten. Außerdem die Überwachung von Wartungsintervallen und Diagnosemeldungen.

Die technische Komplexität der Fahrzeuge und die Verlängerung der Wartungsintervalle machen zudem eine selbständige Überwachung aller wichtigen Systeme im Fahrzeug erforderlich. Selbst bei neueren Fahrzeugen wird dem Fahrer aber immer — bei einigen wenigen Ausnahmen — noch nicht gemeldet, wann sich der Ölpegel dem Ende zuneigt oder die Bremsbeläge verschlissen sind beziehungsweise der Reifenfülldruck zu niedrig liegt. Aufgaben, für die die Elektronik geradezu prädestiniert ist.

Um nun nicht den Fahrer mit einer Informationsflut zu erschlagen, stellen sich die VDO-Techniker vor, daß die Informationen in drei Kategorien unterteilt werden müssen:

• Ständig anzuzeigende Größen, wie zum Beispiel Fahrgeschwindigkeit.

• Abrufbare Informationen, wie zum Beispiel Tankinhalt, Durchschnittsgeschwindigkeit, Durchschnittsverbrauch usw.

• Bereitstellung von Informationen. Erst wenn also der Ölstand zu niedrig ist oder die Wartung anfällt beziehungsweise die Bremsbeläge verschlissen sind, wird das auf dem Display signalisiert. Schließlich ist auch noch an eine brauchbare Navigationshilfe im Straßenverkehr gedacht, damit der Autofahrer immer den richtigen Kurs einhalten kann.

Von unserem Fachmitarbeiter Hans-Rüdiger Etzold