Alles für den neuen 7er-BMW

Autor Rüdiger Etzold
Veröffentlichungsdatum 1986
Veröffentlicht in Zeitungsartikel
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Das Entwicklungs-Ressort zeigt die ersten technischen Details

Mit geschwindigkeitsabhängiger Servolenkung und Ellipsoid-Scheinwerfer zu mehr Komfort und Sicherheit

„High-Tech“ ist im Automobilbau angesagt Obwohl im Ottomotor die Kolben seit nunmehr hundert Jahren immer noch herauf- und heruntergleiten, wird in der Peripherie in verstärktem Maße die Elektronik eingesetzt. Ob Zündung, Motormanagement, Fahrwerk, Brems- oder Einspritzanlage -, überall breitet sich die „Black-Box“ aus. Jenes elektronische Bauelement also, das wichtige Steuerfunktionen übernimmt. In Zukunft gibt es auch eine elektronische Steuereinheit für die Lenkung, denn schon seit geraumer Zeit sind die BMW-Techniker mit ihrer hydraulisch-unterstützten Lenkung nicht mehr zufrieden.

Grundsätzlich gilt es bei den heutigen Automobilen zwei Lenkungsarten zu unterscheiden: Die Lenkung mit ausschließlich manueller Betätigung und Lenkung mit Hilfskraft – wobei die hydraulische Unterstützung stark verbreitet ist.

Diese in schweren Limousinen übliche Lenkungsart hat jedoch einen entscheidenden Fehler: Zwar kann in der Entwicklungsphase das Verhältnis von aufzubringender Handkraft zu hydraulischer Unterstützung frei gewählt werden, doch bleibt dieses einmal gewählte Verhältnis nahezu bei allen Fahrgeschwindigkeiten gleich. Mithin kann diese Lenkung nicht die unterschiedlichen Fahrzuständen-Einparken oder nones Tempo – berücksichtigen. Um dennoch zu einer befriedigenden Lösung zu kommen, gibt es die drehzahlabhängige Lenkunterstützung. Dabei wird mit zunehmender Motordrehzahl der Ölstrom in der Hydraulik reduziert, so daß die Lenkkräfte ansteigen und der Fahrer über die Lenkung einen besseren Kontakt zur Straße hat.

Doch auch mit dieser in BMW-Fahrzeugen üblichen Lenkungsart gaben sich die Münchner nicht zufrieden, da sie drehzahlabhängig arbeitet und deshalb nicht in allen Bereichen das Optimum bieten kann. Bei der neuen „Servotronic“ von BMW, die in Zukunft in alle neuen Modelle eingebaut werden soll und erstmals beim „neuen“ 7er ab September zum Einsatz kommen wird, gibt es neben der bekannten Hydraulik einen elektronischen Baustein, die „Black-Box“ für die Lenkung und ein zusätzliches Ventilgehäuse.

In Abhängigkeit von der Fahrgeschwindigkeit (nicht der Motordrehzahl) werden vom elektronischen Tachometer dem elektronischen Steuergerät Signale übermittelt Der Microcomputer überprüft und verarbeitet die Signale und gibt sie in Form einer bestimmten Stromstärke an das Ventil weiter, das in Abhängigkeit der Fahrzustände – Einparken oder hohes Tempo – den Steuerventil-Öldruck bestimmt. Der Trick bei dieser Anordnung ist die sogenannte hydraulische Rückwirkung. Den der auf den Ventilrückseiten wirkende Öldruck bewirkt die Größe der Kraft, die der Fahrer am Lenkrad aufbringen muß.

Den Fahrer interessiert von dieser aufwendigen Technik natürlich vor allem die Wirkung. Und die ist, wie wir in einem Modell der 5er-Baureihe feststellen konnten, hervorragend. Im Stand läßt sich das Lenkrad mit zwei kleinen Fingern dirigieren, mit zunehmendem Tempo vergrößert sich die aufzubringende Kraft nahezu um den Faktor vier. Genau das ist erwünscht, denn nur so bekommt der Fahrer ein Gefühl für die Geschwindigkeit im Verhältnis zum Kurvenradius.

Daß die überkommene Technik im Zeitalter der Computer in vielen Fällen nicht mehr mithalten kann, wird auch bei dem Scheinwerf erlicht deutlich. Bislang galt der Grundsatz: Je größer und tiefer der Scheinwerfer-Durchmesser und je höher die Einbauhöhe, desto besser ist das Licht Dieser Grundsatz kollidiert allerdings heute mit der Forderung nach einer aerodynamischen Autoform, die für den Scheinwerfer immer kleinere Flächen und immer flacher werdende Einbauhöhen vorsieht

Mithin galt es auch hier Neues zu schaffen, zumal der Paraboloid-Reflektor – eben jener, wie er derzeit noch üblich ist – technisch nahezu ausgereizt ist.

Um das Licht trotz kleiner Einbaufläche und geringer Einbauhöhe zu verbessern, mußte deshalb ein komplett neues Scheinwerfer-System entwickelt werden. Aufgmnd seiner Grundform sprechen die Techniker von einem Ellipsoid-Scheinwerfer. Dieser Reflektor ist so geformt, daß die Strahlen nicht, wie im herkömmlichen System parallel, sondern in einem zweiten Brennpunkt außerhalb des Reflektors gesammelt werden. Die hier versammelten Lichtstrahlen werden dann durch eine Sammellinse geschickt und auf die Fahrbahn gestrahlt. Durch eine im zweiten Brennpunkt eingeführte Blende läßt sich die Hell-Dunkel-Grenze (wichtig für das Abblendlicht) exakt bestimmen. Und durch die vorgeschaltete und besonders gestaltete Schutzscheibe konnten die Ausleuchtungseigenschaften weiter optimiert werden.

Der Ellipsoid-Scheinwerfer gibt aufgrund seiner Sammellinse ein besonders starkes Licht ab. Er sorgt für eine wesentlich bessere Ausleuchtung der Fahrbahn und für eine betonte Seitenausleuchtung. Allerdings eignet der Scheinwerfer sich nicht für die Kombination von Abblend- und Fernlicht, da das optische System auf die Abblendlichtverteilung ausgelegt ist und keine Zweifadenlampe verwendbar ist.

Das kommt BMW gelegen: Denn immerhin ist diese Automobilfirnia dem Rundscheinwerfer treu geblieben. So ist der jetzt mit der Firma Hella entwickelte „Rotationssymmetrische Ellipsoid-Scheinwerfer“ für die neue 7er-Baureihe vorgesehen. Es bleibt also bei dem charakteristischen BMW-Gesicht mit vier Rundscheinwerfern.

HANS-RÜDIGER ETZOLD