Audi 80 GLS Dauertest

Autor Rüdiger Etzold
Veröffentlichungsdatum 1977
Veröffentlicht in Gute Fahrt
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Der Ingolstädter Renner nach ersten 25000 Kilometern

Der 1972 zum Auto des Jahres gekürte Audi 80 hat trotz seiner sechsjährigen Produktionszeit noch nichts von seiner frischen Ausstrahlung eingebüßt. Entscheidend für die noch immer aktuelle Erscheinung sind die im vergangenen Jahr erfolgte Karosserie-Überarbeitung und das technische Grundkonzept, an dem sich Grundlegendes in den vergangenen Jahren nicht geändert hat.

Mit dem neuen, etwas kantigen Gesicht, den in die Kotflügel verlegten Blinkern sowie den Breitbandscheinwerfern erlebte der Audi 80 einen merklichen Aufwind. Arbeitstäglich werden zur Zeit 510 Stück produziert.

Der als Mittelklassewagen konzipierte Audi 80 wird in verschiedenen Leistungsklassen angeboten, so daß von der Motorisierung her keine Wünsche offen bleiben. Mit 55 PS, der untersten Leistungsstufe, ist der 870 Kilogramm schwere Wagen hinreichend motorisiert, wenngleich natürlich 75 oder gar 85 PS höhere Reisegeschwindigkeiten und für den Caravanbetrieb die bessere Zugkraft bieten. Spitzenmodell der Audi 80-Reihe ist der GTE, der mit seinen 110 PS eine Endgeschwindigkeit von 181 km/h erreicht.

Für den Dauertest wählten wir aus dem Viererprogramm den 75 PS starken Audi 80 aus, der mit 47,1 Prozent in der Gunst der Käufer an erster Stelle steht, ihm folgt der 55 PS-Modell mit 32,9 Prozent. 18 Prozent erreicht die 85 PS-Variante, während der GTE mit mageren zwei Prozent am Ende der Skala liegt.

1977-6_Audi 80 GLS Dauerstest-1

 

 Wenig Änderungen am Grundkonzept

Im internen Sprachgebrauch des VW-Audi-Konzerns spricht man von der Modellpflege und meint damit die ständigen Verbesserungen, die ein Modell im Lauf der Zeit seiner Produktionsjahre sowohl im technischen Bereich als auch im Aussehen durchmacht. Es ist selbstverständlich, daß man ständig Mängellisten und Kundenbeschwerden auswertet, um möglichst schnell und gezielt etwaige Schwachstellen ausmerzen zu können.

In den sechs Jahren, die der Audi 80 inzwischen von den Bändern läuft, gab es im technischen Bereich keine wesentlichen Neuerungen. Das Konzept stimmte von Anfang an, und der Start des Autos war so gut, daß eine konstruktive Neugestaltung nur in wenigen Fällen notwendig war, wie zum Beispiel bei der Schaltung. Zunächst hatte das Schalten Schwierigkeiten bereitet, weil sich die Gänge nicht exakt genau fixieren ließen. Mit der neuen Tauchdruckschaltung (seit 1974) lassen sich die Gänge sauber und leicht einlegen. Einige Eingriffe mußte sich auch der Vergaser gefallen lassen, der seit den verschärften Abgasgesetzen zu den empfindlichsten Teilen im Auto geworden ist. In einigen Fällen scheint er einfach überfordert zu sein, so daß Audi 80-Fahrer wiederholt Probleme mit dem Übergang und dem Kaltlaufverhalten haben.

Inzwischen ist der Vergaser mit einer elektrischen und wasserbeheizten Startautomatik ausgerüstet, die wiederum mittels Thermozeitschalter abhängig von der Wassertemperatur die Startautomatik steuert. Dennoch scheint hier noch immer nicht eine voll befriedigende Lösung gefunden worden zu sein. Denn auch beim GUTE FAHRT-Dauertestwagen gestaltete sich der morgendliche Anlauf bei kaltem Fahrzeug mitunter problematisch: Es dauerte einige Meter, bis das Triebwerk rund lief und sauber Gas annahm. Neben diesen beiden grundlegenden Änderungen konstruktiver Art gab es noch eine Fülle kleiner Detail-Verbesserungen, die allerdings meistens aus rein produktionstechnischen Gründen vorgenommen worden sind.

Wesentlich aufwendiger war die Umgestaltung der Karosserie zum Modelljahr 77, die den Mittelklassewagen jünger und dynamischer aussehen läßt. An dem nunmehr sieben Monate alten Dauertestwagen sind noch keine Spuren von Rost aufgetreten, und die Metallic-Lackierung erstrahlt wie am ersten Tag. Beides ist auch von dem mit PVC geschützten Unterboden und den konservierten Hohlräumen zu berichten, die im Werk serienmäßig gegen Rost geschützt werden. Dennoch ist es empfehlenswert, hin und wieder den Unterboden unter die Lupe zu nehmen und etwa alle zwei Jahre die Hohlraumkonservierung kontrollieren zu lassen.

Die Karosserie ist frei von Geräuschen

Bei einer äußeren Länge von 4,22 Metern und einem Radstand von fast 2,50 Metern eignet sich der Wagen ausgezeichnet für die viertürige Version. Zwei Türen mehr können andererseits auch eine zusätzliche Störquelle sein. Die vier sich weit öffnenden Türen im Testwagen sind absolut klapper- und störungsfrei geblieben. Das gilt im übrigen auch für die ganze Karosserie. Zwar knistert es hin und wieder im kunststoffummantelten Armaturenbrett; doch die in Leichtbauweise hergestellte Karosserie ist selbst auf schlechten Wegen völlig frei von Klappergeräuschen.

Geringfügigen Wassereinbruch gab es, als sich die hintere Stoßstange losgerüttelt hatte und aufgewirbeltes Regenwasser in den Kofferraum eindrang. Sonst zeigte sich auch in diesem Punkt eine reife und gute Verarbeitung des Produkts. Weder im Regen noch in der Waschhalle zeigten sich an der Karosserie irgendwelche undichten Stellen.

Obwohl das Auto als Fließbandprodukt immer den gleichen Standard aufweisen müßte, ergibt sich doch immer wieder, daß die Werker eine gewisse Einarbeitungszeit benötigen, ehe jeder Handgriff hundertprozentig sitzt. Beim Audi 80 ist dieser Zustand seit langem erreicht, so daß sich im Punkt Verarbeitung nur gute Noten verteilen lassen: Sauber eingepaßte Türen, exakt sitzender Teppichboden, keine Lackierfehler und rundherum eine gute Verarbeitung zeugen von einem Fertigungsstandard, der einst den Käfer groß machte.

Mit dem Modelljahr 77 wurde nicht nur die Karosserie überarbeitet, es zogen auch neue Farben in den Audi 80 ein. Sitz und Türbespannung, in einem freundlichen Braunton gehalten, ebenso wie das in dunklerem Braun gehaltene Armaturenbrett und die aufwendig gepolsterten Sitze geben diesem Mittelklassewagen die behagliche Atmosphäre. Die Sitze bieten genügend Seitenhalt, ohne die Sitzenden einzuengen. Sowohl auf der hinteren Sitzbank wie auch auf dem vorderen Gestühl, das noch keinerlei Verschleißspuren aufweist, ist ausreichend Platz. Zumal die vorderen Sitze bieten bei einer Sitztiefe von 57 Zentimetern (Golf 49 Zentimeter) dem Oberschenkel genügend Unterlage. Geprägt wird die Sitzhaltung im Audi 80 nachhaltig von dem großen Lenkrad, das uns einige Nummern zu groß erscheint. Allerdings muß bei kleinerem Durchmesser mit größerem Kraftaufwand der nicht Servo-unterstützten und dennoch leichtgängigen Lenkung gerechnet werden.

An den leicht abzulesenden Instrumenten und der Handhabung von Schaltern und Schaltung gibt es nichts auszusetzen; lediglich das in der Mitteikonsole untergebrachte Radio ist vom Fahrer weit entrückt.

Neben der GL-Ausstattung, die durch ihre Reichhaltigkeit besticht und kaum noch Wünsche offen läßt (was fehlt, ist eine Verbundglaswindschutzscheibe), war der Dauertestwagen mit einer Klimaanlage ausgestattet, die hierzulande nur wenige Abnehmer findet. Dieser Umstand wird auch durch das mit englischer Schrift versehene Armaturenbrett dokumentiert, in das der zusätzliche Schalter für die Klimaanlage eingelassen ist. Vor allem wird es wohl der Preis sein (rund 2000 Mark), der die deutschen Autofahrer vom Kauf dieser Anlage abschrecken läßt, die wohltuend auf die Insassen einwirkt. In langen Staus und hochsommerlicher Hitze bleiben sie gelassener, und nach einer langen Fahrt kommen sie frischer im Ziel an.

Temperamentvoller, solider Motor

Das Rückgrat aller Mittelklassemodelle im VW-Kon-zern ist der 1,6 Liter-Reihenmotor, der 1972 mit dem Audi 80 als völlige Neukonstruktion vorgestellt wurde und heute in fast allen Konzernmodellen anzutreffen ist. Anfangs hatte er nur einen Hubraum von 1,5 Litern, der 1975 auf 1,6 Liter erhöht und gleichzeitig in der Verdichtung zurückgenommen wurde, so daß bis einschließlich dem 85 PS-Mo-tor nur Normalbenzin erforderlich ist.

Inzwischen liebäugelt man wieder mit einem 1,5-Liter-Triebwerk, das dann allerdings als Kurzhuber ausgebildet wird, da dieses Prinzip schwingungstechnisch eleganter ist und noch weniger Geräusche verspricht. Das inzwischen über zweimillionenmal gefertigte Triebwerk ist in jeder Hinsicht ausgereift und störunanfällig, bis auf die schon erwähnte Abstimmung des Vergasers. Zeitweise traten Schwierigkeiten mit den Ventilen in Verbindung mit den weit gespreizten Mehrbereichsölen 10 W 50 und hoher Ölverbrauch auf, der auf die Bauart der Kolbenringe zurückzuführen war. Beides ist längst ausgestanden. Im übrigen fällt das Triebwerk vornehmlich wegen seiner geringen Reparaturanfälligkeit und seiner langen Lebensdauer auf: 150 000 Kilometer und mehr ohne große Reparaturen sind keine Seltenheit.

Der Dauertestwagen fand sich nur zu den üblichen Pflege- und Wartungsdiensten in der Werkstatt ein, außer gleich zu Anfang des Tests, als der Motor wegen der klemmenden Drosselklappe stotterte.

Mit 75 PS lassen sich hohe Reisegeschwindigkeiten erzielen, die das Fahren in dieser Limousine so erfreulich angenehm gestalten. Immerhin ist der Normalbenzinverbraucher echte 165 km/h schnell und beschleunigt von 0 auf 100 km/h in 13,2 Sekunden. Damit ist man praktisch jeder Verkehrssituation gewachsen und hat auch bei voll ausgelastetem Fahrzeug genügend Reserven zur Verfügung.

Beanstandungen

km 3 600 Radio defekt
km 6 000 Motorstottern nach Kaltstart, Drosselklappe klemmt
km 9 400 Stoßstange locker, Wasser im Kofferraum
km 9 800 Scheibenwischer links defekt
km 10 257 Blockierneigung der Hinterachse
km 12 965 Scheinwerfer zu hoch eingestellt
km 23 400 Rechte Luftdüse klemmt
Technische Daten und Meßergebnisse
Motorleistung 75 PS (55 kW)
Hubraum 1588 cm3
Verdichtung 8,2
Leergewicht, 4türig 870 kg
zul. Gesamtgewicht 1300 kg
Kraftstoffverbrauch
Der Audi 80 GLS verbrauchte 2925 Liter Normalbenzin auf 25 000 Kilometer, im Schnitt 11,7 1/100 km. Ölverbrauch 0,06 I / 1000 km.
Beschleunigung Elastizität
0 bis 60 km/h in 5,5 sec 40 bis 60 km/h in 5,7 sec
0 bis 80 km/h in 8,5 sec 40 bis 80 km/h in 11,3 sec
0 bis 100 km/h in 13,2 sec 40 bis 100 km/h in 17,5 sec
Höchstgeschwindigkeit 165 km/h

 

Über eine Strecke von 25 000 Kilometern konsumierte der Mittelklassewagen 2925 Liter, mithin auf 100 Kilometer 11,7 Liter. Das ist in Anbetracht der in diesem Fahrzeug möglichen hohen Reisegeschwindigkeit nicht viel, wenngleich der 75 PS starke Audi 80 auch weitaus sparsamer gefahren werden kann, wie die für jeden Dauertestwagen der GUTEN FAHRT angelegte Verbrauchskarte aufzeigt.

Mancher Fahrer begnügte sich über längere Distanz mit ganzen 8,5 1/100 km, anderen fällt es leicht, den Konsum auf 13,5 1/100 km hochzuschrauben, womit deutlich wird, wie abhängig der Verbrauch von Fahrstil, Fahrstrecke und Einsatz ist. Allerdings geht bei diesem Fahrzeug eine geringfügige Verbrauchszunahme auch auf die erfolgte Hubraumvergrößerung zurück, denn im direkten Vergleich verdaute der frühere, mit 1,5 Liter Hubraum ausgewiesene Motor etwas besser.

Das Fahrwerk ist völlig reparaturfrei

Gegenüber früheren Jahren, in denen die Käufer vornehmlich viel PS und hohes Beschleunigungsvermögen beim Neukauf eines Fahrzeugs verlangten, zeichnet sich jetzt immer mehr der Wunsch nach mehr Komfort ab. Röhrende Hirsche sind nicht mehr gefragt.

Der Audi 80, mit Federbeinen an beiden Achsen ausgestattet, ist ein auf Komfort hingetrimmtes Auto. Man gleitet über schlechte Wegstrecken und genießt das hohe Schluckvermögen des Fahrwerks. Dennoch scheint hier noch nicht die ideale Abstimmung von Federung und Dämpfung gefunden zu sein. Denn auf langen Straßenwellen ist die im Soft-Stil ausgelegte Dämpfung einen Touch zu weich abgestimmt. Der Wagen nickt und schwingt zu lange nach, was sich sicherlich mit einer geringfügig strammeren Federungs- und Dämpfungscharakteristik eliminieren ließe.

Dank des Frontantriebs werden Seitenwindeinflüsse kaum spürbar, Lenkkorrek-toren sind nicht nötig, das Lenkrad liegt ruhig in der Hand. Man fährt also im Audi 80 ausgesprochen kommod und entspannt. Die Geräusche halten sich bis etwa 130 km/h in Grenzen, oberhalb dieser Geschwindigkeit könnte man sich eine weitere Geräuschdämpfung gut vorstellen. Schließlich kauft man sich den Audi 80 außer wegen seines großzügigen Raumangebots für Insassen und Gepäck vornehmlich als solide, komfortable Reiselimousine, wobei natürlich die Fahrsicherheit nicht ausgespart bleiben soll, die im Audi 80 vorzüglich verwirklicht werden konnte. Das ebenso simple wie geniale Fahrwerk stellt den Fahrer auch in Grenzsituationen nicht vor Probleme und vermittelt jederzeit ein Gefühl der Sicherheit.

Geringer Aufwand

25 000 Kilometer — das ist im bundesdeutschen Normalhaushalt das Fahrpensum von zwei Jahren — schaffte der Dauertestwagen in knapp sieben Monaten. Obwohl der Wagen von verschiedenen Redakteuren getreten und im Testbetrieb nicht geschont wurde, gab es keine Anstände. Zweifellos ist das auf den hohen Reifegrad zurückzuführen, den der Audi 80 nach nunmehr sechsjähriger Produktionszeit erreicht hat. Verständlich, daß nicht nur die Mängelliste klein geriet, auch die angefallenen Reparaturen sind äußerst gering: Nach 9800 Kilometern bedurfte es eines neuen Wischerblattes und nach 22 500 Kilometern waren vorn neue Bremsklötze erforderlich. Diese wenigen Reparaturen am Dauertestwagen und die geringe Anzahl technischer Anfragen aus der Leserschaft der GUTEN FAHRT in Bezug auf den Audi 80 beweisen, daß es sich um ein ausgereiftes Fahrzeug handelt. Das zeigt sich schließlich auch in der Kostenbilanz. Für Reparaturen mußten bisher 63,22 Mark (pro Kilometer 0,25 Pfennig) und für Wartungs- und Pflegedienste 238,12 Mark (0,95 Pfennig) aufgewendet werden. Addiert man schließlich zu diesen Kosten noch den Kraftstoff und das nachgefüllte öl (1,5 Liter) hinzu, ergibt sich ein Betrag von 2711,54 Mark; das bedeutet einen Kilometerpreis von 10,8 Pfennig.

Mit dem Audi 80 erwirbt man also ein ausgereiftes, kostengünstiges Fahrzeug, daß wegen seines sicheren Fahrwerks, seines guten Platzangebotes für Insassen und Gepäck und der geringen Unterhaltskosten das Prädikat empfehlenswert verdient.

Hans-Rüdiger Etzold

Reparaturkosten

km 9 800 1 Wischerblatt 9,06 DM
km 25 100 Bremsen vorn, Beläge erneuert 54,16 DM
Gesamtkosten 63,22 DM
pro Kilometer 0,25 Pf

Pflegedienst- und Wartungskosten

km 7 500 Pflegedienst mit Öl/Material 40,74 DM
km 15 000 Wartung mit Öl/Material 145,42 DM
km 22 500 Pflegedienst mit Öl/Material 51,96 DM
Gesamtkosten 238,12 DM
pro Kilometer 0,95 Pf
Kosten
Betriebskosten auf 25 000 km
Benzin, 2925 Liter 2398,50 DM
öl, 1,5 I nachgefüllt 11,70 DM
Wartung mit öl und Material 238,12 DM
Reparaturen 63,22 DM
Gesamtkosten 2711,54 DM
pro Kilometer 10,84 Pf
Feste Kosten pro Jahr
| Kfz-Steuer 231,- DM
Haftpflicht-Versicherung, 100 %, Großstadt 788,- DM
Grundpreis
Audi 80 GLS, zweitürig 13 695,- DM
Audi 80 GLS, viertürig 14 245,- DM