Breit und schnell

Autor Rüdiger Etzold
Veröffentlichungsdatum 1989
Veröffentlicht in Süddeutsche Zeitung
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Der sportlichste Fiesta – ein Modell für Minderheiten

Ein halbes Jahr nach seiner Markteinführung hat der Ford Fiesta wieder die Spitzenstellung in der Klasse der kleinen Kompaktwagen übernommen. Zur Abrundung des Modellprogramms gibt es jetzt den kleinen Ford auch in der XR2i-Aus-führung mit einem leistungsstarken 1,6-Liter-104-PS(76 kW)-Einspritzmotor.

Der XR2i, der in der Fiesta-Modellpalette nur einen Anteil von rund vier Prozent ausmachen wird, soll die sportlich orientierte Klientel ansprechen. Deshalb auch hat man sein Outfit entsprechend hergerichtet: Große, herabgezogene und in Wagenfarbe lackierte Stoßfänger neben den serienmäßig eingebauten Kotflügelver-Oreiterungen erlauben die Verwendung i/on Breitreifen in der Größe 185/60 HR 13. Ein zusätzlicher Heckspoiler und seitliche Schweller komplettieren den Sportlook.

 

UF KURVENREICHEN STRECKEN IN SEINEM ELEMENT: Der Fiesta XR 2i wird einen Marktanteil von rund vier Prozent besitzen.

AUF KURVENREICHEN STRECKEN IN SEINEM ELEMENT: Der Fiesta XR 2i wird einen Marktanteil von rund vier Prozent besitzen.

 

 

Der kraftvolle Motor unterstreicht den sportlichen Habitus des XR2i. Aus einem 1,6 Liter großen Hubraum entwickelt er 104 PS, die bei 6000 Umdrehungen pro Minute anfallen. Um die hohe Leistung realisieren zu können, mußte der vorhandene Motor gründlich überarbeitet werden. Durch einen neuen Ansaugkrümmer and geänderte Einlaßkanäle wird das Kraftstoffluftgemisch nunmehr in eine stärkere Drallbewegung versetzt, die eine reduzierte Abgaswerte bei hoher Leistung und ein verringerter Verbrauch sind die positiven Ergebnisse des neuen Dralls. Zündung und Kraftstoffaufbereitung werden von einem elektronischen Steuergerät geregelt. Das Zündsystem arbeitet darüber hinaus ohne Zündverteiler, also vollelektronisch, so daß sich der Zündzeitpunkt nicht mehr verstellt uncT’eine Wartung entfällt. Natürlich ist der Motor des XR2i serienmäßig mit einem geregelten Katalysator ausgestattet.

Das Fahrwerk des neuen Fiesta mit vier aufwendig geführten Federbeinen ist schon in der Grundkonzeption für höhere Motorleistungen ausgelegt worden, für die stärkere Maschine sind deshalb nur noch etwas härtere Federn und leistungsfähigere Gasdruckstoßdämpfer verwendet worden.

Natürlich sind auch die Bremsen der Motorleistung angepaßt. Vorn sorgen innenbelüftete Scheiben- und hinten ausreichend große Trommelbremsen für eine sichere Verzögerung des schnellen XR2i. Unverständlich ist allerdings, warum das mechanische Antiblockiersystem beim Escort mit 102-PS-Motor serienmäßig mitgeliefert wird, während es beim stärksten Fiesta zusätzlich geordert und bezahlt werden muß (Aufpreis: 1100 Mark).

Äußeres verspricht: Der kleine Flitzer läßt sich flott und sicher bewegen und ist auf engen, kurvenreichen Strecken in seinem Element. Das Fahrwerk ist zwar straff abgestimmt, aber dennoch so komfortabel, daß auch auf längeren Strecken die Härte nicht unangenehm auffällt.

Der Motor dreht bis 4000 Umdrehungen in der Minute hinreichend leichtfüßig hoch, dann wirkt er im Drehverhalten eher etwas zäh. Auch läßt er die Insassen bei hohen Drehzahlen akustisch nicht im unklaren darüber, daß er Schwerstarbeit zu leisten hat. Optisch wird der Kraftakt überdies durch einen stark vibrierenden Schalthebel deutlich. Beim Beschleunigen im langen Gang aus niedrigen Drehzahlen werden die dann auftretenden Ruckelbewegungen des Motors von der zu weichen Motoraufhängung nicht ausreichend gedämpft.

Trotz seiner sportlichen Auslegung, der XR2i beschleunigt in 10,1 Sekunden auf Tempo 100 und ist 187 km/h schnell, hält sich der Kraftstoffverbrauch in niedrigen Grenzen. Mehr als 8,0 Liter auf 100 Kilometer werden nicht konsumiert.

Der schnelle Fiesta ist bei einem Kilopreis von 25 Mark nicht teurer als ein guter Kaffee. Gegenüber dem preiswertesten Fiesta-Einstiegsmodell zum Preis von 14 760 Mark (Euro-Norm) muß der Käufer des XR2i (Preis 22 565 Mark) fast 8000 Mark mehr aufwenden. Dafür fährt er vor allem umweltfreundlicher und schneller.

G. SKROBANEK/H.-R. ETZOLD