Brodelnder Suppentopf

Autor Rüdiger Etzold
Veröffentlichungsdatum 1988
Veröffentlicht in Zeitungsartikel
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3er-BMW als Elektro-Versuchsmobil mit 300 Grad heißen Batterien an Bord

Der erste 3er-BMW mit Frontantrieb wurde durch eine Zwangslage geboren: Um nämlich die neue, kühlschrankgroße Antriebsbatterie unterbringen zu können, mußten die Kardanwelle und die Hinterachse mit Ausgleichsgetriebe entfernt werden. Der Umbau zum Fronttriebler war dagegen recht einfach. Man mußte nur ins Regal greifen und die entsprechenden Teile vom Allrad-BMW einbauen.

Der Umbau dieses Benzinautos in ein Elektroauto macht das Dilemma der Techniker deutlich: Egal, welche alternative Antriebsenergie (Alkohol, Strom, Wasserstoff) sie auch wählen, sie ist gegenüber dem Benzin grundsätzlich teurer und erfordert einen wesentlich höheren Bauaufwand. Deshalb gibt es die Fahrzeuge mit alternativer Energie auch noch nicht in Serie.

Auch die nun von BBC vorgestellte Antriebsbatterie ist trotz des täglichen Einsatzes von über 150 Technikern und Forschern frühestens in den 90er Jahren serienreif. Das schwergewichtige Ungetüm (265 kg) stellt allerdings derzeit auf dem Sektor der Stromspeicherung das Optimum dar. Bei der Hochenergiebatterie sind mehrere Natrium-Schwefelzellen zusammengebündelt, wobei jede Zelle eine Spannung von zwei Volt hat. Jede Zelle besteht aus zwei Metallbechern, die von einer Keramikplatte getrennt sind. Der eine Becher epthält Natrium, der andere Schwefel, beides in flüssiger Form. Und damit Strom gespeichert und wieder abgegeben werden kann, muß die Flüssigkeit heißer als jeder Backofen sein: 300° C. Mithin wird also immer ein Teil der Batterieleistung für die Aufheizung des Speichers benötigt.

Mit Frontantrieb und 300 Grad Celsius heißen ; Na-trium-Schwe-fel-Batterien von BBC an Bord bis zu 120 km/h schnell: Elektro-Versuchsauto auf Basis des 3er-BMW

Mit Frontantrieb und 300 Grad Celsius heißen ; Na-trium-Schwe-fel-Batterien von BBC an Bord bis zu 120 km/h schnell: Elektro-Versuchsauto auf Basis des 3er-BMW

Das Problem der Sicherheit, wer fährt schon gerne mit einer 300° C heißen Suppenschüssel durch die Gegend, glauben die BBC-Techniker im Griff zu haben. Sie haben die Batterie gegen eine Wand katapultiert und auf die Hälfte zusammengequetscht. Trotz dieser Torturen hielt der Metallmantel und ließ keine Flüssigkeit austreten. Gegenüber der uns bekannten Bleibatterie ist die BBC-Hoch-leistungsbatterie wartungsfrei, leichter und natürlich leistungsfähiger.

Bevor sie wieder an die Steckdose muß, und das für sieben Stunden bei Normalladung, kann sie ein mittelschweres Fahrzeug wie den BMW, rund 200 km weit tragen. In einer Zeit, in der die Kraftstofftanks in den Autos immer größer werden und die Reichweiten der modernen Benzinautos zwischen 600 und 1000 km liegen, kann man mit Reichweiten von 200 km jedoch allenfalls unter den Forschern Beifall ernten.

Dennoch ist die Forschungsarbeit auf diesem Gebiet nützlich, denn auch im Jahr 2000 und viele Jahre später wollen die Menschen sicherlich auch mobil sein. Durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe (Öl, Kohle) nimmt zudem die Kohlendioxidbelastung in der Atmosphäre drastisch zu, mit den Folgen klimatischer Veränderungen auf der Erde. Um dies zu ändern, würde sich das Elektromobil anbieten, sofern der Strom nicht aus fossilen Brennstoffen gewonnen wird.

Bislang haben alle Automobilhersteller bei ihren Elektromodellen ein vorhandenes Fahrzeug nachträglich mit Elektromotor und Batterie ausgestattet. So auch beim 3er-BMW, bei dem der Elektromotor mitsamt der erforderlichen elektronischen Schaltung den Motorraum ausfüllt und die Batterie einen Teil des Innen- und Kofferraums beansprucht.

Der BMW schnurrt wie eine Trambahn davon, muß jedoch trotz des Elektromotors geschaltet werden. Das zweistufige Getriebe ist erforderlich, um eine ausreichende Anfahrsteigfähigkeit zu gewährleisten und die Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h zu erzielen.

Auch Mitte der 90er Jahre wird es keine wesentlich bessere Antriebsbatterie geben als die von BMW und BBC vorgestellte. Was sich ändern wird, ist die Fahrgastzelle, die verstärkt auf die spezifischen Belange des Elektroantriebs zugeschnitten werden soll. Und sicherlich wird den BMW-Technikern bis dahin eingefallen sein, wie sic das Problem der Fahrzeugheizung lösen wollen. Vielleicht wieder mit Benzin?

HRE