Das unbekannte Fahrzeug-Museum: Patina in Ebersbach

Autor Rüdiger Etzold
Veröffentlichungsdatum 2014
Veröffentlicht in Zeitungsartikel
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Während die etablierten Fahrzeug-Museen ihre Fahrzeuge auf Hochglanz polieren bevor sie in die Ausstellung dürfen, bleibt das kleine Fahrzeug-Museum Patina in Ebersbach (Fils) seinem Namen treu: Präsentiert wird was gelebt hat, gefahren wurde, ob defekt, geschunden, zerbeult, verrostet oder als Fragment.

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A 9 B 2Angefangen hat alles, wie so oft im Leben vieler Technik-Freaks, mit einem VW-Käfer. Als Markus Paschke endlich den Führerschein und seinen ersten Käfer besaß, hatte ihn die Technik-Faszination so intensiv erfasst, dass der Käfer zum Mittelpunkt seines Alltags wurde. Insbesondere auch durch den VW-Käfer-Klub in Göppingen. Denn hier konnte und kann man sich jederzeit über sein Hobby austauschen, seine Technik-Träume ausleben sowie seiner Sammel-Leidenschaft frönen. 

 

 

 

 

A 9 B 3Von der Sammlersucht berauscht

Wann immer Geld übrig war und sich eine Occasion lohnte, schlug Paschke zu. Das Sammeln von Fahrzeugen, egal in welchem Alter und Zustand, wurde zu Sucht. Und wenn man süchtig ist, kennt man keine Hürden. Bei Markus Paschke gab es zwangsläufig eine natürliche Barriere, denn als alle eigenen Stellplätze mit motorisierten Zwei- und Vierrädern vollgestopft waren, musste zwingend etwas geschehen: Entweder die Sammel-Leidenschaft aufgeben oder ein entsprechendes Etablissement auftreiben.

Erfreulicherweise fand sich in Ebersbach, im Wohnort des Unternehmers, ein geeignetes Refugium für seine Fahrzeug-Sammlung, und zwar eine Textilfabrik, die schon über 20 Jahre nach einem Käufer Ausschau hielt. Sie erwies sich als hinreichend groß und hat zudem den gewissen Patina-Touch, um den über die Jahre hinweg angesammelten morbiden Exponaten einen gebührenden Auftritt zu ermöglichen.

 

A 9 B 4Selbst Hand anlegen ist ausdrücklich erwünscht

Eher unkoventionell sind über 40 motorisierte Zweiräder in den weitläufigen Räumen aufgestellt. Und so werden vor allem Liebhaber von Zweirädern auf Exponate stoßen, die in der Öffentlichkeit längst vergessen sind. Hinzu kommen auch einige Auto-Modelle. Auch diese in einem Zustand, als hätte man sie vor der Schrottpresse gerettet. Platz für die Restauration ist jedoch hinreichend vorhanden. In sogenannten Reparatur-Boxen können sogar Autobesitzer selbst Hand anlegen, um ihren Oldie wieder auf Vordermann zu bringen.

 

 

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Vor wenigen Monaten fand die Museums-Generalprobe statt, über 1000 Besucher und gut 400 Autos kamen zu Premiere. Derzeit legt Museumsdirektor Paschke allerdings eine Winterpause ein; doch im April des nächsten Jahres werden die Pforten wieder geöffnet.

A 9 B 6Sollten Sie einen Besuch planen und vielleicht auch noch über ein motorisiertes Vehikel verfügen, für das Sie schon immer nach einem würdevollen Aufbewahrungsort gesucht haben, dann nehmen Sie es einfach mit. Entsprechende Gaben werden von Markus Paschke gerne angenommen und im Patina-Museum respektvoll präsentiert.

 

Rüdiger Etzold