Das winterfeste Auto

Autor Rüdiger Etzold
Veröffentlichungsdatum 1982
Veröffentlicht in Zeitungsartikel
Original ansehen

Der Winterfahrplan für Laternenparker

Alle Jahre wieder müssen sich Laternenparker im Winter mit zugeschneiten Autos, vereisten Scheiben, eingefrorenen Türschlössern und streikenden Batterien herumärgern. Der ADAC gibt deshalb rechtzeitig Tips, mit denen sich der Ärger soweit wie möglich vermeiden läßt.

Schloß eingefroren: Mit einem herkömmlichen Türschloßenteiser und etwas Geduld läßt sich so gut wie jedes Schloß wieder auftauen. Das Fläschchen gehört allerdings in die Manteltasche bzw. hinter die Tankklappe und nicht ins Handschuhfach, wo es im Notfall unerreichbar ist. Noch besser ist es, das Türschloß schon vorbeugend zu behandeln. Batteriebetriebene Stab- oder Schlüsselheizer sind zwar komfortabler, funktionieren aber nicht immer zuverlässig.

Scheiben vereist: Scheiben vollständig enteisen, also nicht nur ein kleines Guckloch freikratzen. Es lohnt sich; schon einige Zeit vor dem Winter einen stabilen Eiskratzer anzuschaffen: mit Sägezahnkante für hartnäckige Eisschichten, glatter Kante für Reifschichten und einer Gummilippe für feuchte Scheiben. Festgefrorene Wischerblätter nicht gewaltsam von der Scheibe reißen, sonst wird das Gummi beschädigt. Am besten, man hebt sie schon am Abend von der Scheibe ab. Um sich die morgendliche Kratzerei zu ersparen, kann man auch gleich mit einem Pappkarton die Windschutzscheibe abdek-ken.


Kaltstart
: Zuerst Choke ziehen oder durch Tritt aufs Gaspedal Startautomatik bedienen und dann anlassen. An sich muß der Motor jetzt auch bei klirrender Kälte problemlos anspringen. Tut er es nicht, die Batterie nicht durch Dauerorgeln überlasten. Besser sind Startversuche von ca. zehn Sekunden Dauer mit anschließenden Pausen von etwa einer halben Minute. Beim Starten unbedingt darauf achten, daß keine zusätzlichen Stromverbraucher (Licht, heizbare Heckscheibe) eingeschaltet sind. Sobald der Wagen läuft, gleich losfahren. Warmlaufen lassen im Stand ist nicht nur verboten, sondern kann sogar dem Motor schaden. Dieselfahrer sollten bei strengem Frost (unter — 15°C) dem Kraftstoff entsprechend der Betriebsanleitung einen Fließverbesserer (Normalbenzin oder spezielles Mittel) zufügen, damit das Versulzen verhindert wird.

Batterie leer: Eine zu schwache Batterie durch Starthilfe von freundlichen Helfern anlassen. Dazu zwei Starthilfekabel (3.5 m lana mit 16 mm2 starkem Kupferdraht und kräftigen Zangen) an die Batterie des Hilfsfahrzeugs, dessen Motor laufen sollte, anschließen. Zuerst mit dem roten Kabel die beiden Pluspole verbinden, dann mit dem schwarzen Kabel die beiden Minuspole. Motor starten und danach zuerst das schwarze, dann das rote Kabel entfernen. Ist die Batterie total leer, die Minuszange aus Sicherheitsgründen beim liegengebliebenen Fahrzeug nicht am Batteriepol, sondern an einem stabilen Motorteil anklemmen. Anschließend die Batterie aufladen, entweder durch eine lange Fahrt oder mit einem Ladegerät.

Scheiben beschlagen: Scheiben nicht nur außen, sondern auch innen ständig freihalten. Reifbelag genauso wie außen entfernen. Wenn der Motor läuft, .Gebläse auf volle Touren schalten und alle Luft auf die Frontscheibe leiten (Defrostersteilung). Friert die Scheibe bei großer Kälte trotzdem wieder zu, Fenster öffnen bis das Gebläse voll wirkt, Feuchtigkeit im Wageninnern möglichst vermeiden, d. h. Gummifußmatten öfters ausschütteln und Zeitungspapier unterlegen.

Waschanlage eingefroren. Hier hilft nur viel heißes Wasser, der Dampfstrahler an einer Tankstelle oder längeres Abstellen in einem Parkhaus. Damit es gar nicht erst soweit kommt, die Spritzdüse schon vorbeugend mit Türschloßenteiser behandeln. Noch besser sind allerdings heizbare Düsen, die es inzwischen für alle Autos zum Nachrüsten gibt. Als Frostschutzmittel ist Brennspiritus sehr geeignet (20-%-Anteil bis — 20°C; 50-%-Anteil bis -25°C). Allerdings hat Spiritus allein keine Reinigungswirkung.

Türen eingefroren: Fast schon das Schlimmste, was einem passieren kann. Auch hier ist warmes Wasser, das bei scharfem Frost allerdings schnell wieder anfriert, die einzige wirksame Soforthilfe. Vorbeugen ist deshalb wesentlich besser als heilen: die Gummidichtungen schon vor der Frostperiode mit Glyzerin oder einem Hirschtalgstift einreiben.

Selbst das Parkplatzsuchen bringt im Winter mehr Probleme als im Sommer. Grundsätzlich sollte man den Wagen so abstellen, daß man vor Dachlawinen geschützt ist und beim Wegfahren möglichst wenig rangieren muß. Bleibt das Auto über Nacht stehen, schon am Abend eine Spur freifahren oder freischaufeln; denn am nächsten Morgen kann der Schnee hart gefroren sein. In sehr kalten Nächten die Handbremse nicht anziehen, da sie einfrieren könnte, sondern den Gang einlegen.

Nebellampen müssen richtig sitzen

Nebel hat die unangenehme Eigenschaft, in seiner Dichte überraschend und schnell zu wechseln. Die Bodennebel hängen nicht nur von der Wetterlage ab, sondern auch von dem Untergrund, über dem sie sich bilden. Da der Straßenbelag oft wechselt, kann sich auch die Nebeldichte plötzlich ändern. Nebel ist praktisch eine am Boden liegende Wolke. Wie diese können auch dicke Nebelschwaden vom leichten Wind unversehens auf die Fahrbahn geweht werden. Wer leichten Nebel mit hoher Geschwindigkeit durchfährt, findet sich daher unter Umständen unversehens in einer dichten Wolke wieder, die dann keinen Überblick über Fahrbahnänderungen oder veränderte Verkehrssituationen erlaubt. Deshalb bei aufkommendem Nebel immer die Geschwindigkeit reduzieren und zumindest das Abblendlicht einschalten. Das Standlicht reicht nicht aus und ist sogar verboten.

1982-09-16_Das winterfeste Auto-1Am sinnvollsten ist das Einschalten der Nebelscheinwerfer. Nebelscheinwerfer strahlen das Licht breit und tief ab. Breit, um die Fahrbahnrandmarkierungen zu beleuchten und tief, um die fast nebelfreie Zone direkt über der Straßenoberfläche zu treffen. Autofahrer, die ihren Wagen mit Nebelscheinwerfern ausrüsten wollen, sollten beim Kauf darauf achten, dass die Scheinwerfer eine Kalotte (Strahlenblende) besitzen. Markenscheinwerfer (Bosch, Hella) sind immer mit dieser Kalotte ausgerüstet. Diese kleine Blechklappe vor der Halogenglühlampe verhindert, dass das Streulich abgestahlt wird.

Ob man sich beim Kauf für runde oder eckige Nebelscheinwerfer entscheidet, ist in erster Linie eine Frage des Geschmacks. Rechteckige Nebelscheinwerfer eignen sich besser zum hängenden Anbau unter der Stroßstange. Dieser Anbau hat den Vorteil, dass das tief angeordnete Licht den Nebel besser unterwandert, zumal er meist erst einen halben Meter über dem Boden einsetzt.Andererseits liegen diese Scheinwerfer stärker im Verschmutzungs- und Steinschlagbereich. Man kann sich behelfen, indem man die Scheinwerfer während der nebellosen Jahreszeit mit Kappen abdeckt.

Werden die Scheinwerfer oberhalb der Stroßstange montiert, muss darauf geachtet werden, dass der Lufteintritt für den Kühler nicht behindert wird, sonst kann es vokommen, das bei sommerlichen Temperaturen die Kühlflüssigkeit zu heiß wird. Ein technisch begabter Autofahrer kann die Nebelscheinwerfer ohne große Probleme selbst montieren, zumal die Hersteller für die einzelnen Fahrzeugmodelle Einbausets anbieten.

 Tips für Montage und Gebrauch der Nebelscheinwerfer:

  1. Die Nebelscheinwerfer müssen eine Prüfnummer tragen
  2. Es müssen immer zwei Nebelscheinwerfer montiert werden.
  3. Die Nebelscheinwerfer nicht höher als das Hauptlicht montieren
  4. Werden die Nebelscheinwerfer mehr als 40 cm vom Karosserierand zur Fahrzeugmitte hin gebaut, ist die Schaltung mit dem Abblendlicht vorgeschrieben.
  5. Nebelscheinwerfer müssen um zwei Grad nach vorn geneigt sein. Nach der Montage Nebelscheinwerfer einstellen lassen.

 

Hans-Rüdiger Etzold