Der Ascona kommt mit Frontantrieb

Autor Rüdiger Etzold
Veröffentlichungsdatum 1981
Veröffentlicht in Süddeutsche Zeitung
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Opel versucht gegen den VW Passat und den VW Santana Marktanteile zu gewinnen

Besonders positiv ist der wartungsfreundliche Motor, der die Inspektionspreise sinken läßt

Opel krempelt das Modellprogamm um. Nachdem im August 1979 der neue Kadett gestartet wurde und dieser sich auf Anhieb in der bundesdeutschen Zulassungsstatistik auf den ersten Plätzen etablieren konnte, werden schon in nächster Zeit weitere Modelle mit Frontantrieb und neue Motoren angeboten.

Schon im August dieses Jahres steht für den Kadett ein neues 1,6-Liter-Triebwerk zur Verfügung, das in seiner ersten Leistungsstufe 90 PS leistet. Der Motor entspricht modernster Technik. Die Nockenwelle rüht über den Zylindern (OHC-Prinzip) und bedient direkt über kurze Stößel die Ventile. Angetrieben wird die Nockenwelle von einem geräuscharmen Zahnriemen, der auch die Wasserpumpe antreibt.

Besonders positiv für den Kunden sind die durchgeführten Maßnahmen zur Reduzierung der Wartungsarbeiten, denn der Motor hat hydraulische Ventilspielausgleicher, so daß die Ventile nicht mehr eingestellt werden müssen (Ersparnis pro Wartung rund 30 Mark). Und die kontaktlos gesteuerte Transistorzündung erfordert weder regelmäßig neue Unterbrecherkontakte noch ein Einstellen der Zündung, so daß der Kunde auch hier bei jeder Wartung mit einer Ersparnis von 30 Mark rechnen kann.

Das 1,6-Liter-Triebwerk ist konstruktiv so ausgelegt, daß eine höhere Leistungsausbeute durch Veränderung von Hub und Bohrung möglich ist. Vorgesehen sind zwei Leistungsstufen, und zwar ein 1,8-Liter-Einspritzmotor mit 115 PS und ein 2,0-Liter-Triebwerk mit 125 PS. In Brasilien gibt es von diesem Motor übrigens auch eine 1,4-Liter-Version. Der 1,8-Liter-Motor dürfte jedoch nicht vor August 82 für den Kadett zur Verfügung stehen. Zuvor wird nämlich mit Hochdruck am neuen Dieselmotor gearbeitet, der von dem 1,6-Liter-Benzi-ner abgeleitet wurde und mit einer Leistung von 55 PS (wie im VW Golf) im Frühjahr 82 im Kadett sein Debüt geben wird.

Die Präsentation der neuen Frontantriebsmodelle von Opel ist für die Internationale Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt vorgesehen. Dann nämlich zeigen die Rüsselsheimer ihre neue Ascona-Generation, die gleich mit zwei Modellvarianten startet, und zwar einer Stufenheck- und einer Fließheck-Version. Im Prinzip sind diese Modelle allerdings schon aus Amerika bekannt. Denn das, was von der Muttergesellschaft General Motors vor einigen Wochen unter dem Begriff „J-Cars“ (Cadillac Cimarron, Chevrolet Cavalier, Pontiac J-2000) präsentiert wurde, entspricht technisch und formal weitgehend dem neuen Ascona. Die Verwandtschaft kommt nicht von ungefähr, denn schließlich waren es die Rüsselsheimer, die bei diesem „Weltauto“ die Federführung für den Konzern übernommen hatten.

Pikanterweise taucht in Amerika auch ein Coupé namens Cavalier auf, das eigentlich 1978 hierzulande den Manta ablösen sollte. Das Projekt wurde jedoch seinerzeit kurz vor dem Serienbeginn von den Rüsselsheimern aus zwei Gründen gekippt: Man wollte die Frontantriebsära bei Opel nicht mit einem Coupé beginnen, und das Styling entsprach nicht dem hiesigen Publikumsgeschmack. Die neue Ascona-Generation ist vom Konzept her voll gegen den neuen Passat und den VW Santana (steht ebenfalls auf der IAA) gerichtet. Doch während im Ascona der Frontmotor quer eingebaut ist, sitzt er in den VW-Modellen längs. Das erlaubt es Wolfsburg wiederum, eine stärkere Motorisierung anzubieten, denn der Audi-Fünfzylinder (von 1,9 bis 2,2 Liter) paßt deshalb vorne unter die Haube.

Der neue Ascona ist in der Stufenheck-Version 4,37 Meter lang (Passat 4,44 m), 1,67 Meter breit (Passat 1,68 m) und 1,39 Meter hoch (Passat 1,37 m); das Ascona-Fließheck ist rund 10 Zentimeter kürzer als die Limousine und damit 20 Zentimeter kürzer als das Wolfsburger Gegenstück. Das Leergewicht beträgt beim Ascona Stufenheck und zweitüriger Ausführung 970 Kilogramm und beim Schrägheck und vier Türen etwa 1000 Kilogramm (Passat 950 Kilogramm). Obwohl also der Passat einige Zentimeter mehr in der Länge aufweist, ist es den Wolfsburgern gelungen, in dieser Disziplin den Ascona zu schlagen.

Die Außenmaße des neuen Ascona sind fast identisch mit den Maßen des jetzigen Ascona. Dennoch kann der Kunde bei der neuen Kreation mit wesentlich mehr Innenraum rechnen, und zwar in der Größenordnung des Opel Rekord. Das ist auf das Frontantriebskonzept und den quer eingebauten Motor zurückzuführen. Beide Maßnahmen erlauben es, bei fast gleichen Außenabmessungen mehr Platz für Passagiere und Gepäck zur Verfügung zu stellen. Mit den neuen As- ‚ cona-Modellen ist die offensive Modellpolitik von Opel allerdings noch nicht beendet, denn geplant ist auch ein Mini, der auf die schon etablierten Modelle Polo (von VW) und Fiesta (von Ford) angesetzt werden soll. Allerdings steht ein neuer Polo schon im Herbst dieses Jahres bei den Händlern, während der „Opelino“ erst für August 82 vorgesehen ist.

Für den kleinen Opel stehen der moderne 1,3-Liter-Motor (60 PS) wie auch die schon etwas betagtere Motorenversion mit 1,0 und 1,2 Liter Hubraum (50 und 60 PS) zur Disposition. Der Manta bleibt weiterhin im Programm, doch wird man um ein Facelifting nicht herumkommen. Und der Rekord muß mindestens noch bis 1985 durchhalten. Das ist den Technikern gar nicht so unlieb, denn bislang ist man sich noch nicht einig, ob der neue Rekord dann mit dem Antrieb an den vorderen oder hinteren Rädern um die Marktanteile kämpfen soll.

HANS-RÜDIGER ETZOLD