Des Käfers Ende

Autor Rüdiger Etzold
Veröffentlichungsdatum 1985
Veröffentlicht in Süddeutsche Zeitung
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Nach 50 Jahren und 20 Millionen Exemplaren

Im Laufe der Jahre gab es 80 000 Änderungen

Der Volkswagen wurde 1939 erstmals der Öffentlichkeit auf der Berliner Automobilausstellung präsentiert. In diesem Jahr nimmt der Käfer auf der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt von der Öffentlichkeit seinen Abschied. 

Die letzten 3000 für Europa bestimmten Käfer landeten im August aus Mexiko in Emden an. Wenn sie verkauft sind, wird es den Käfer nur noch in Brasilien, Mexiko und Nigeria geben. Doch auch hier ist das Ende der Käfer-Ära schon eingeleitet, denn spätestens gegen Ende dieses Jahrzehnts wird die Produktion eingestellt.

Von der hundert Jahre alten Automobilgeschichte hat der Käfer fünfzig Jahre aktiv mitgestaltet. Er ist in 20 Ländern montiert und offiziell in 151 Staaten exportiert worden, von Albanien über Dschibutti bis hin zur UdSSR. Insgesamt sind von ihm bislang über 20,6 Millionen Stück produziert worden.

Die nunmehr fünfzig Jahre alte Konstruktion stammt von Porsche, der 1934 mit dem Reichsverband der Automobilindustrie einen Vertrag zum Bau eines deutschen Volksautos schloß, nachdem der damalige Reichskanzler Adolf Hitler die Idee eines Volksautos aufgegriffen hatte und in Porsche jenen Konstrukteur sah, der seine vagen Vorstellungen in die Tat umsetzen konnte.

Auf der Großglockner-Hochalpenstraße: Einer der ersten 1939 gebauten KdF-Wagen.

Auf der Großglockner-Hochalpenstraße: Einer der ersten 1939 gebauten KdF-Wagen.

Das Volksauto sollte nur 1000 Mark kosten. Über 300 000 Bürger sparten mit wöchentlich mindestens fünf Mark auf einen Volkswagen. Doch sollten die Sparer den Käfer so schnell nicht bekommen, denn nachdem das Produktionswerk auf der Gemarkung Fallersleben fertig war und die Produktion anlaufen konnte, brach der Zweite Weltkrieg aus.

Trotz Mängeln erfolgreich

In den Kriegsjahren wurden in der KdF-Stadt (heute Wolfsburg) vornehmlich Kübel- und Schwimmwagen produziert. Es ist dem britischen Offizier Hirst zu verdanken, daß das größtenteils zerstörte Volkswagenwerk nicht demontiert wurde und sogar die Volkswagen-Produktion nach dem Krieg wieder anlaufen konnte.

1949 wurde Heinrich Nordhoff als Generaldirektor des Volkswagenwerks bestätigt. Sein ungeheurer Tatendrang und sein Festhalten an der Käfer-Grundkonstruktion sorgten dafür, daß der Käfer alle automobilen Rekorde schlug. In seinen besten Jahren wurden von dem blechernen Krabbeltier jährlich über eine Million Stück produziert und allein in die USA pro Jahr über 400 000 Stück exportiert.

Unter der Regie von Nordhoff wurden an der Käfer-Konstruktion ständig Änderungen durchgeführt. Mal vergrößerten die Techniker den Tank-Einfüllstutzen von 40 auf 80 Millimeter im Durchmesser, oder sie erhöhten die Motorleistung von 25 auf 30 PS, beziehungsweise brachten rundherum schmale Zierleisten an der Karosserie an. Insgesamt ist es ihnen gelungen, im Lauf der Jahre 80 000 Änderungen am Käfer durchzuführen. 

Allerdings konnten die Käfer-typischen Grundmängel nicht behoben werden: schlecht zugänglicher Kofferraum, schwache Heizung, ungenügende Karosserieausnutzung und ein Motor, der für eine höhere Leistungsausbeute wenig taugte.

Trotzdem war der Käfer über viele Jahre hinweg das Sinnbild für wirtschaftlichen Aufschwung, Solidität und Zuverlässigkeit. Für viele Bundesbürger war er das erste eigene Auto überhaupt, und die meisten haben in und mit ihm ihren Führerschein erworben. Allein in der Bundesrepublik wurden 5,4 Millionen Käfer neu zugelassen, und noch immer sind weltweit täglich sechs Millionen im Einsatz.

Doch nun hat die fünfzig Jahre alte Konstruktion ausgedient und der Käfer einen Platz im Museum verdient.

Von Hans-Rüdiger Etzold