Die Individualität fehlt weiter

Autor Rüdiger Etzold
Veröffentlichungsdatum 1987
Veröffentlicht in Süddeutsche Zeitung
Original ansehen

Toyota Corolla: Derselbe Name – aber ein neues Modell

Vier Karosserievarianten zu Preisen von 16250 bis 25800 Mark

Toyotas Erfolgsmodell heißt Corolla. Seit 1966 wurde es immerhin 13 Millionen Male verkauft. Ein Erfolg, der nicht vielen Modellen gegönnt ist. Während der 21-jährigen Produktionszeit wechselte die Corolla mehrmals ihr Äußeres und ihre Technik. Aus dem ehemaligen Hecktriebler wurde ein moderner Frontantriebswagen. Trotz des großen Corolla-Erfolges dürfte das Vorgängermodell nur vier Jahre bei den Händlern stehen. Von Modellkonstanz also keine Spur. Wie sich das auf die noch recht jungen Gebrauchtwagen im Wiederverkauf auswirkt, wird der Markt schnell entscheiden.

Die Corolla – das ist eine große Modell-Familie mit insgesamt vier Karosserievarianten: Corolla Compact, dabei handelt es sich um eine Limousine mit Golf-Heck. Neben dem Compact gibt es auch einen Kombi mit größerem Ladevolumen sowie die klassische Limousine mit Stufenheck und schließlich den Liftback, der schon durch seinen großen Heckspoiler den sportlichen Charakter dieser Modellvariante verdeutlicht.

Selbstverständlich gib es alle Modelle mit zwei und vier Türen. Daß die Modellvielfalt und das Abwandeln der Karosserie auf mehrere Modelle ihre Grenzen findet, wird besonders beim viertürigen Compact deutlich: In dem breiten Seitenholm wirkt das schmale Fenster wie ein Designer-Offenbarungseid. Bei der Corolla, die ihre Ecken und Kanten verlor, dominieren weiche Rundungen und großkalibrige Heckleuchten. Was man bei diesem Massenauto bei aller Perfektion, die das japanische Erfolgsmodell erreicht hat, vermißt, ist das gewisse Etwas, das Flair. So ist wieder ein Auto entstanden, das sich der Masse angleicht.

DIE COROLLA-FAMILIE: Die sechste Corolla-Generation umfaßt vier Baureihen. Die stärkste Variante ist der GT-i mit 16-Ventil-Motor und 116 PS (im Vordergrund). Der Compact wird als Drei- und Fünftürer sowohl mit dem 1,3-Liter-Zwölfventil-Motor als auch mit einem 1,8-Liter-Diesel-Motor angeboten. Diese Triebwerke werden auch im Liftback zur Wahl stehen. Sowohl Liftback als auch die Limousine sind auch mit einem 16-Ventiler Kat-Motor mit 90 PS Leistung zu erhalten.    Photo: Toyota

DIE COROLLA-FAMILIE: Die sechste Corolla-Generation umfaßt vier Baureihen. Die stärkste Variante ist der GT-i mit 16-Ventil-Motor und 116 PS (im Vordergrund). Der Compact wird als Drei- und Fünftürer sowohl mit dem 1,3-Liter-Zwölfventil-Motor als auch mit einem 1,8-Liter-Diesel-Motor angeboten. Diese Triebwerke werden auch im Liftback zur Wahl stehen. Sowohl Liftback als auch die Limousine sind auch mit einem 16-Ventiler Kat-Motor mit 90 PS Leistung zu erhalten. Photo: Toyota

Ebenso reichhaltig wie die Karosserievielfalt erweist sich das Motorenangebot: Basismotor ist das 1,3-Liter-Triebwerk mit 74 PS (54 kW), gefolgt von dem 1,6-Liter mit 90 beziehungsweise 116 PS (66 bzw. 84 kW). Schon beim 1,3-Liter-Motor sind drei Ventile pro Zylinder für bessere Beatmung selbstverständlich, und der 1600er ist grundsätzlich als Vierventiler ausgelegt. Abgerundet wird die Motorenpalette von einem 1,8-Liter-Diesel, der 64 PS (47 kW) leistet. Je nach Ausstattung und Motorleistung ist die Corolla zwischen 160 und 190 km/h schnell. Auffallend ist, daß Toyota das zweifellos vorhandene Leistungspotential vor allem beim Vierventiler nicht ausreizt und sich mit maximal 116 PS begnügt.

Alle Benziner, bis auf die Automatik-Modelle, werden mit ungeregeltem oder geregeltem Katalysator ausgeliefert. Der Verbrauch dürfte im Mittel bei acht Liter/100 km (74 PS) und bei neun Liter/100 km (90 PS) liegen. Vor allem diese Motorvariante mit Vierventiltechnik und 90 PS gefällt durch ihren guten Antritt und ein kräftiges Durchzugsvermögen.

Daß sich der Motor in der Geräuschentwicklung zurückhält, ist neben reichlichen Dämmaß-nahmen auch auf einen neuen Fahrschemel zurückzuführen, der den quergestellten Frontmotor trägt und zusätzlich die Führung der vorderen Federbeine aufnimmt.

Ebenso aufwendig ist die Federbein-Hinterachse gestaltet, die auch einen eigenen Hilfsrahmen aufweist, an dem die Querlenker angelenkt sind. Die sinnvollen und aufwendigen Fahrwerksmaßnahmen werden von den ersten Fahreindrücken bestätigt: Der Wagen läuft sauber geradeaus, ist gut abgefedert und gibt sich im Handling unproblematisch. Was allerdings weniger gefiel, war im mittleren Geschwindigkeitsbereich die extrem leichtgängige, servounterstützte Lenkung (1,6-1-Modell).

Im Innenraum der in dieser Klasse heute übliche Standard: Armaturentafel und Teile der Türen mit genarbtem Kunststoff überzogen, die gut gepolsterten Sitze und die Türschilde im Tweedlook.

Auch bei den Toyota-Modellen wird in der Ausstattung inzwischen stärker variiert. Allein drei DIN-A4-Seiten sind erforderlich, um deutlich zu machen, welches Modell mit welchen Accessoires ausgestattet ist.

Ebenso breit gefächert wie die Ausstattung ist auch die Preispalette: von 16 250 für das Basismodell bis 25 800 Mark für das Gti-Spitzenmodell.

HANS-RÜDIGER ETZOLD