DIN-Verbrauch realistisch?

Autor Rüdiger Etzold
Veröffentlichungsdatum 1982
Veröffentlicht in Zeitungsartikel
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Langfristig gesehen kommt er dem Praxisverbrauch recht nahe

Seit der Ölkrise Ende 1973 ist der Kraftstoffverbrauch von Personenkraftwagen immer mehr in den Blickpunkt des Interesses gerückt. Für die Ermittlung des Verbauchs als Kundeninformation der Hersteller bildet in der BRD die „DIN 70 030 Teil 1” die allgemein angewandte Vergleichsbasis. Im Gegensatz zur alten Norm, die nur eine Angabe kannte, erfaßt sie drei Werte: den Verbrauch im Stadtverkehr sowie bei konstant 90 und 120 km/h.

Der Wert für den Stadtverkehr wird nach dem Fahrzyklus des sogenannten „Europatests für Abgasemissionen” auf dem Prüfstand ermittelt. Die Schaltpunkte sind hierbei genau festgelegt. Der „Stop-and-go-Verkehr” wird durch einen eingerechneten Leerlaufanteil von 30 Prozent berücksichtigt. Die beiden Messungen mit gleichbleibender Geschwindigkeit können wahlweise auf der Straße oder auf einem Rollenprüfstand (dann jedoch unter Berücksichtigung des zusätzlichen Leistungsbedarfs, der zum Überwinden des Luftwiderstandes nötig wäre) durchgeführt werden.

Falls der Verbrauch bei konstanten Geschwindigkeiten nicht auf dem Rollenprüfstand, sondern auf der Straße getestet wird, erlaubt die „DIN 70 030 Teil 1” gewisse Toleranzen. Sie betreffen Streckenbeschaffenheit und Wetterbedingungen. Problematisch und nicht sehr praxisgerecht ist die Meßmethode des Stadtverkehrs. Ein lang übersetzter vierter Gang oder gar ein Fünfgang-Getriebe mit Schongang-Cha-rakteristik kommen nicht zur Geltung. Denn der Stadtzyklus wird lediglich in den ersten drei Gängen abgespult.

Genau festgelegt sind in der DIN-Norm die Zusammensetzung der Kraftstoffe, das Gewicht des Fahrzeuges, der Reifenluftdruck sowie Randbedingungen (Luftdichte, Luftdruck und Umgebungstemperatur). Getestet werden nur solche Autos, die mindestens 3000 km gefahren wurden. Alle Bedingungen sind so gewählt, daß der erzielte Wert jederzeit von einem Serienfahrzeug reproduziert werden kann. Die Verbrauchsmessungen für Exportfahrzeuge stehen nach wie vor unter Aufsicht des TÜV Essen. Die Gründe: zum einen schreiben Italien, Frankreich und Großbritannien eine Überprüfung des Kraftstoffkonsums durch eine neutrale Institution zwingend vor, zum anderen strebt man einheitlich erteilte EG-Zulassungen für deutsche Automobile an.

Wird aus den drei DIN-Werten (Stadtverkehr, 90 km/h, 120 km/h) durch arithmetische Mittelung der sogenannte „Euromix” gebildet, so ergibt sich daraus eine globale Verbrauchsangabe. In der täglichen Fahrpraxis kann es jedoch gelegentlich zu erheblichen Abweichungen kommen. Prof. Bert Breuer (TH Darmstadt) hat das vor zwei Jahren mit umfangreichen „Untersuchungen zum Einfluß des Fahrzeugführers auf den Kraftstoffverbrauch im Stadtverkehr” nachgewiesen. Abhängig von der Fahrweise erzielte ein BMW 535i bei unterschiedlicher Verkehrsdichte stark voneinander abweichende Ergebnisse: der Maximalverbrauch lag bis zu einem Fünftel über dem offiziellen Prüfwert, das Minimum bis zu einem Drittel darunter.

Daß die DIN-Werte, vor allem langfristig gesehen, dem tatsächlichen Kraftstoffverbrauch sehr nahe kommen, zeigt ein Vergleich zwischen der Menge an verkauftem Benzin und Diesel und dem „Euromix”-Kon-sum aller Personenkraftwagen in der Bundesrepublik Deutschland. Unter Berücksichtigung der jeweiligen Kilometerleistungen in den verschiedenen Fahrzeugklassen wurden nur 3,5 Prozent mehr Treibstoff verkauft, als sich auf rechnerische Weise bei der theoretischen Größe „Euromix” ergeben haben.

Obwohl sich also im täglichen Fährbetrieb bisweilen deutliche Abweichungen ergeben können, erfüllt die „DIN 70 030 Teil 1” im Zusammenspielt mit dem „Euromix” ihren Zweck. Für unterschiedliche Automobile liefert sie eine realistische Vergleichsbasis.