Ein schmucker Spanier betritt die Arena

Autor Rüdiger Etzold
Veröffentlichungsdatum 1991
Veröffentlicht in Zeitungsartikel
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Giugaro half beim Design, der Konzern bei der Technik

Seat konnte sich beim Toledo aus dem VW-Baukasten bedienen / Stufenheck mit großer Klappe

Seat, der spanische Ableger von Volkswagen, erweitert mit dem neuen Toledo sein Modell-Programm. Neben den Typen Marbella, Ibiza und Malaga soll das nach der Stadt Toledo genannte Modell das Programm nach oben abrunden. Die Spanier sprechen von einem neuen Mittelklassemodell. Das mag in jener Region auch richtig sein, in unseren Breiten ist der Toledo jedoch größenmäßig eher im Kompaktwagenbereich angesiedelt, zumal auch der Karosserieunterbau vom VW Jetta abstammt.

Als Volkswagen-Tochter nutzte Seat die Möglichkeit, viele Aggregate aus dem Konzern, von Audi und VW, im neuen Toledo zu vereinen. Dazu zählen neben der Bodengruppe vor allem Motoren und Achsen. Dank dieser Konzernhilfe war es möglich, den Toledo innerhalb der recht kurzen Entwickungszeit von unter vier Jahren zur Serienreife zu bringen.

Mit Hilfe des italienischen Designers Giuguaro ist eine schmucke viertürige Limousine entstanden, die durch ihre Linienführung positiv auffällt. Den Zeitgeist entsprechend, aber auch um den Auftrieb zu verringern, ist das Heck bei den schnelleren Modellversionen mit Hilfe eines Heckspoilers nicht unbedingt verschönt worden. Markantes Merkmal des Toledo sind die schmalen Frontscheinwerfer, die trotz ihrer geringen Bauhöhe für gutes Licht sorgen.

Seat setzt große Hoffnungen in seinen neuen Star Toledo

Seat setzt große Hoffnungen in seinen neuen Star Toledo

Im Gegensatz zu vielen anderen Stufenheckautos bietet der Toledo einen entscheidenden Vorteil: Er lässt sich auch als Lastenesel nutzen. Die breite Heckklappe erlaubt mit ihrem großen Öffnungsbereich das Zuladen auch sperriger Güter. Darüber hinaus lässt sich die geteilte hintere Sitzbank umklappen, so dass genügend Stauraum zur Verfügung steht. Der Kofferraum fasst 550 Liter, das ist mehr, als die neue Mercedes S-Klasse zu bieten hat.

Mit einer Außenlänge von 4,32 Meter und einem Radstand von 2,47 Meter entsprechen die Innenmaße Jetta- beziehungsweise Golf-Format. Wünschenwert wären eine größere Oberschenkelauflage auf den vorderen Sitzen und ein größerer Sitzverstellbereich. Durch die vier Türen mit großem Öffnungswinkel ist der Einstieg in das freundlich ausgekleidete Fahrzeug völlig unproblematisch.

Das Fahrwerk mit den von Volkswagen her bekannten Achskonstruktionen ist millionenfach bewährt und bietet seine bekannt positiven Eigenschaften hinsichtlich Spurhaltung, Abroll- und Federungskomfort. Verantwortlich dafür ist auch die Karosseriesteifigkeit, die trotz großer Ladeluke erfreulich hoch ausgefallen ist.

Der Griff in das prall gefüllte Konzernregal erlaubt es, den Toledo mit einem kompletten Triebswerksangebot ins Verkaufsrennen zu schicken: Insgesamt stehen vier Benzin- und zwei Dieselmotoren zur Auswahl. Die Motorisierung beginnt mit dem 1,6 Liter Vierzylinder mit 72 PS. es folgen der 2,0 Liter mit 115 PS sowie die beiden 1,8 Liter-Triebwerke mit 90 PS und als Vierventiler mit 128 PS. Außerdem gibt es die beiden bekannten 1,9 Liter VW Diesel mit 68 PS und als Turbo mit 75 PS.

Mit diesem Motorenprogramm sind dem rund 1100 Kilo schweren Toledo Geschwindigkeiten von 165 km/h bis 208 km/h möglich und Verbräuche, die sich im Mittel zwischen 6 und 10 Liter auf 100 Kilometer einpendeln. Die Serienausstattung entspricht üblichem Standard.

Seat hatte früher Probleme mit der Qualität. Seitdem Manager aus Wolfsburg die Richtung bestimmen, ist die Qualität von Jahr zu Jahr verbessert worden. Beim Toledo konnten erstmals von Grund auf Wolfsburger Maßstäbe angesetzt werden. Der Toledo wirkt solide verarbeitet, kleine Ungenauigkeiten sind eventuell auf die ersten Serienstücke zurückzuführen.

Seat hat sich in den letzten Jahren hierzulande einen Ruf als Anbieter preisgünstiger Fahrzeuge mit VW-Finish erworben. Es gibt Monate, da verkauft Seat mehr Fahrzeuge in Deutschland als in Spanien. Deutschland ist also für die Tochter von Volkswagen ein wichtiger Markt. Noch sind die Preise nicht bekannt, da der Toledo in Deutschland erst zur IAA zur Verfügung steht. Sie sollen allerdings über dem Preisniveau des VW-Jetta liegen. Ob das die richtige Politik ist, bleibt abzuwarten.

Hans-Rüdiger Etzold