Elektronik auch im Armaturenbrett

Autor Rüdiger Etzold
Veröffentlichungsdatum 1983
Veröffentlicht in Süddeutsche Zeitung
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Die alte Mechanik verschwindet – Neue Technologien kommen

Die Vorteile: Servicefreundlichkeit und die Möglichkeit, dem Fahrer mehr Informationen zu bieten

Die Elektronik verdrängt in zunehmendem Maße die Mechanik von ihren angestammten Plätzen. Besonders deutlich wird das beim Fahrzeugbau: So hat beispielsweise jahrzehntelang und in Hunderten von Millionen von Fahrzeugen ein mechanischer Tachometer die Geschwindigkeit angezeigt und den Kilometerstand festgehalten. Nun wird er allerdings bald ausgedient haben, die Elektronik macht es möglich. Der Tachometer wird zu einer doppelten Glasscheibe (Display-Technik), in deren Mitte Flüssigkeitskristalle die Arbeit der Tachonadel übernehmen. Doch damit nicht genug. Die neue Technik bietet dem Fahrer wesentlich mehr Informationen und erlaubt es überdies, die Instrumententafel völlig umzugestalten.

Um die neue Technik in Großserie herstellen zu können, baut VDO gerade eine neue Fabrik, die Anfang dieses Jahres ihre Arbeit auf nehmen soll. Doch bevor der klobige Schalttafeleinsatz auf das Maß einer Brotstulle reduziert werden kann, werden noch einige Jahre ins Land ziehen, zumal die neue Technik völlig neue Arbeitsschritte verlangt. Bei der Herstellung der Displays (Anzeige-Instrumente) mit Flüssigkristallen (Liquid Crystal) geht es zu wie in einem Operationssaal: Alles ist klinisch sauber, die Techniker und Werker agieren im Operationslook.

DIE ZUKUNFT? So könnte ein in Display-Technik erstelltes Armaturenbrett von Morgen aussehen, bei dem Flüssigkeitskristalle die Arbeit der Tachonadel und der anderen derzeit verwendeten mechanischen Instrumente übernehmen. Der Prototyp auf dem Photo wurde von Technikern der Firma VDO gebaut  Photo: SZ-Archiv

DIE ZUKUNFT? So könnte ein in Display-Technik erstelltes Armaturenbrett von Morgen aussehen, bei dem Flüssigkeitskristalle die Arbeit der Tachonadel und der anderen derzeit verwendeten mechanischen Instrumente übernehmen. Der Prototyp auf dem Photo wurde von Technikern der Firma VDO gebaut
Photo: SZ-Archiv

Derzeit werden für die Anzeige-Informationen vornehmlich mechanisch arbeitende Instrumente benutzt, allerdings wird auch schon von der Mischtechnik (Quarzuhr, mechanischer Tacho) Gebrauch gemacht. In einem weiteren Schritt, so stellen es sich jedenfalls die Techniker vor, sollen verschiedene LC-Bausteine das Anzeigenfeld für den Autofahrer beherrschen, die in servicefreundliche Modu-le auf geteilt wurden.

Als nächste Entwicklungsstufe ist dann an ein Großdisplay gedacht, das etwa 1984 in der gehobenen Mittelklasse anzutreffen sein wird und nur noch über elektronische Bauteile verfügt. Gegenüber der Modultechnik wird der Bauaufwand beträchtlich kleiner und die Einbautiefe des Schalttafeleinsatzes von 55 auf 45 Millimeter verringert.

Das eigentliche Ziel der VDO-Entwickler ist jedoch ein großes Display mit einer Einbautiefe von 15 bis 20 Millimeter. Hier erst wird dann auch jener technische Fortschritt voll ausgespielt, den die Elektronik bietet. Um das dünne Anzeigefeld jedoch her stellen zu können, sind spezielle Schaltkreise erforderlich, die es erst ermöglichen, die gesamte Elektronik auf das Glas zu bringen und die bisher noch erforderliche Leiterplatte einzusparen. Der Autofahrer, der bislang mit den zur Verfügung stehenden Anzeigeinformationen vollauf zufrieden war, stellt sich natürlich die Frage, welchen Fortschritt die vorerst noch teurere Technik für ihn haben wird.

Die Mikroelektronik erlaubt es in Verbindung mit der Displaytechnik nicht nur, die herkömmlichen Ausführungen von Anzeigegeräten durch anders geartete zu ersetzen, sondern auch völlig neue Aufgaben zu übernehmen. Dazu gehören beispielsweise Informationen über den richtigen Schaltpunkt, die Reichweite, Ankunftszeit und Fahrdaten. Außerdem die Überwachung von Wartungsintervallen und Diagnosemeldungen. Die technische Komplexität der Fahrzeuge und die Verlängerung der Wartungsintervalle machen zudem eine selbständige Überwachung aller wichtigen Systeme im Fahrzeug erforderlich.

Selbst bei neueren Fahrzeugen wird dem Fahrer immer noch nicht gemeldet, wann sich der Ölpegel dem Ende zuneigt oder die Bremsbeläge verschlissen sind beziehungsweise der Reifenfülldruck zu niedrig liegt. Aufgaben, für die die Elektronik geradezu prädestiniert ist. Um nun nicht den Fahrer mit einer Informationsflut zu erschlagen, stellen sich die Ingenieure vor, daß die Informationen in drei Kategorien unterteilt werden müssen:

□ Ständig anzuzeigende Größen, wie beispielsweise die Fahrgeschwindigkeit.

□ Abrufbare Informationen, wie zum Beispiel Tankinhalt, Durchschnittsgeschwindigkeit, Durchschnittsverbrauch.

□ Bereitstellung von Informationen: Erst wenn der Ölstand zu niedrig oder die Wartung fällig ist beziehungsweise die Bremsbeläge verschlissen sind, wird das auf dem Display signalisiert.

Schlußendlich ist auch noch an eine brauchbare Navigationshilfe im Straßenverkehr gedacht, damit der Autofahrer immer den richtigen Kurs halten kann.   

 HANS-RÜDIGER ETZOLD