Er ist da

Autor Rüdiger Etzold
Veröffentlichungsdatum 1969
Veröffentlicht in Gute Fahrt
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Ab August wird der GUTE-FAHRT-FLOH produziert. Die erste Serie ist ausverkauft.

In der Regel benötigt man, um ein Auto zu konstruieren, drei Jahre, manchmal auch fünf. — Wir schafften es in vier Monaten. Dabei kam uns zugute, daß wir uns bei der Technik im wesentlichen auf den kleinen VW stützen konnten, denn der Unterbau all unserer FLÖHE stammt vom guten alten Käfer. In der Formgestaltung hatten wir bei unserer FLOH – Konstruktion völlig freie Hand, die nur durch die Vorschriften der StVZO eingeengt wurde. Sie ließ uns jedoch genügend Spielraum, eine Autoform zu entwerfen, die in ihrer Art neu für Deutschland ist, und die durch ihr freundlich-freches Aussehen Alt und Jung begeistert.

Man nehme einen alten VW-Käfer, entleibe diesen der Karosserie und verkürze den Rahmen um genau 273 mm. Dann lasse man sich von der guten farht einen stark vergrößerten Schuhkarton kommen, in dem die FLOHKarosserie, der überrollbügel, ein Segeltuchverdeck, verkürzte Seilzüge, der Windschutzrahmen mit Scheibe, zwei Auspufftöpfe und die Lampen enthalten sind.  Diese Teile fügt man, wie es die mitgelieferte Bauanleitung beschreibt, zusammen.  Kauft man sich dazu noch zwei breite Felgen und zwei große Reifen, dann hat man einen FLOH, wie er hier abgebildet ist.

Man nehme einen alten VW-Käfer, entleibe diesen der Karosserie und verkürze den Rahmen um genau 273 mm. Dann lasse man sich von der guten farht einen stark vergrößerten Schuhkarton kommen, in dem die FLOH-Karosserie, der Überrollbügel, ein Segeltuchverdeck, verkürzte Seilzüge, der Windschutzrahmen mit Scheibe, zwei Auspufftöpfe und die Lampen enthalten sind. Diese Teile fügt man, wie es die mitgelieferte Bauanleitung beschreibt, zusammen. Kauft man sich dazu noch zwei breite Felgen und zwei große Reifen, dann hat man einen FLOH, wie er hier abgebildet ist.

Unser FLOH wird im deutschen Autoangebot eine Marktlücke schließen, die durch die Autogiganten nicht gefüllt wird. Der Buggy ist voll einsatzfähig und bietet dem Besitzer durch seine eigenwillige Form die Möglichkeit, aus dem gewohnten Bild der Fließband-Autos auszubrechen und aufzufallen. — Dies nicht wenig.

Wo und wie unser FLOH eingesetzt werden soll, haben uns unsere Leser in vielen Briefen wissen lassen:

Ein Landpfarrer möchte damit entlegene Bauernhöfe besuchen, der Bauer über unwegsames Gelände die Felder abfahren, der Jäger sein Wild heimbringen, die Hausfrau die Kinder zur Schule karren, der Ingenieur auf der Baustelle nach dem Rechten sehen, der VW-Händler damit werben, der Pensionär sein Angelgerät zu den Jagdgründen bringen, der Lesezirkelmann seine Zeitungen ausfahren und last not least, der junge Autofahrer, er kann endlich ein Auto sein eigen nennen, das nicht teurer als ein Sparkäfer ist und trotzdem den Hauch von Exklusivität bietet: Er hat einen Boulevard-Geländewagen. So unterschiedlich auch der Einsatz sein mag, dem die einzelnen Käufer dem FLOH zugedacht haben, sie alle wollen ein Auto, das sich in der Technik bewährt hat und durch seinen speziellen Charakter für die ihm zugedachte Aufgabe prädestiniert ist.

Daß wir unseren FLOH allen Interessierten zum Kauf anbieten können, war von uns nicht beabsichtigt. Nachdem wir aber erstmals unsere FLOH – Idee publik gemacht hatten, wurden wir von gute FAHRT-Lesern und VW-Händlern bestürmt, so daß wir unsere Entwicklung auf eine Serienproduktion umpolen mußten.

Welcher FLOH-Enthusiasmus in der kurzen Zeit, von der ersten FLOH-Meldung bis heute, von unseren Lesern entfacht wurde, mag nur eine Episode widerspiegeln, die ein VW-Händler mit einer Kundin hatte: Sie war auf der Suche nach einem neuen Auto, konnte sich aber mit dem Käfer nicht anfreunden und wollte deshalb auf ein anderes Fabrikat umsteigen. Nachdem die Kundin, es war eine Lehrerin, unseren FLOH in Heft 5 erspäht hatte, unterschrieb sie auf der Stelle bei ihrem Händler einen FLOH-Kaufvertrag, ohne zu wissen, wie teuer der Buggy wird und ab wann er zu haben ist. Welche Marktchancen dem FLOH von den VW-Händlem eingeräumt werden, zeigt die Offerte eines VW-Händlers, der sich vertraglich 1000 FLÖHE sichern möchte. Beeindruckt von derart überwältigenden Zahlen, lassen wir aber nicht den eigentlichen Antrieb zum Bau unserer Serie außer acht, der FLOH soll billig sein und bleiben! Schließlich sollen sich unsere vielen Buggy-begeisterten Leser ihren FLOH zu einem vernünftigen Preis selbst aufbauen können.

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Die ersten sind schon angefangen! Und zwar zwei Israelis, die sich ohne Bauanleitung an das Zerschneiden und Zusammenschweißen des Rahmens herantrauten (lassen Sie’s bitte noch sein!). Die einzige Vorlage, die sie hatten, war eine Abbildung in Heft 4, in der wir die Blechstücke zeigten, die beim Verkürzen des Rahmens entfallen. In diesen Tagen fragten die beiden Bastler bei uns an, wie sie nun den Bausatz schnellstens nach Israel bekommen, damit sie die ersten sind, die im Wüstensand den gute-fahrt-FLOH erproben können.

Aber nicht nur aus Deutschland und Israel bekamen wir Anfragen. Unseren vielen Lesern aus Österreich, der Schweiz, Skandinavien und den Beneluxländern, die auch den FLOH haben möchten, können wir schon heute versichern, daß sie nicht auf ihn zu verzichten brauchen. Wir stehen in Verhandlung mit den größten Im- und Exporteuren, so daß auch in diesen Ländern die FLÖHE hüpfen können. Nur eines zeichnet sich heute schon ab: Lieferfristen.

Schlüsseln wir unsere FLOH-Leserpost auf, so haben sich praktisch vier Buggy-Gruppen gebildet: Die einen möchten ihren FLOH selbst aufbauen; eine andere Gruppe will diese Arbeit der Werkstatt überlassen, die dritte Gruppe wiederum möchte nur dann einen FLOH kaufen, wenn es diesen mit neuem Rahmen und Motor gibt, und die vierte Gruppe schließlich möchte es uns gleichtun und einen Buggy selbst konstruieren. Mit viel Gips und guter Laune haben sich Amateure an den Formenbau herangewagt und hoffen dabei auf unsere Hilfe. So gern wir auch diesen Bastlern unter die Arme greifen möchten, eine derartige Hilfe übersteigt bei weitem die Leistungsfähigkeit der Redaktion.

Noch in diesen Tagen, da unser Prototyp eingehend getestet wird, werden an unserem FLOH für die Serie laufend kleine Änderungen vorgenommen, die die Redaktion neben ihrer eigentlichen Aufgabe, eine Zeitung zu machen, vollauf beschäftigen. Zur Zeit sind wir dabei, die einzelnen Spezialteile, die unserem Bausatz beigelegt werden, zu überarbeiten, denn was für ein Einzelstück richtig sein mag, kann in der Serie falsch und zu teuer sein. Nehmen wir als Beispiel hierzu den Windschutzrahmen, der bei unserem Prototyp noch die Druckknöpfe zur Befestigung des Stoffverdecks hat. Sie kosten das Stück -englische Ausführung – 2 DM. Insgesamt benötigen wir am Scheibenrahmen 14 Stück, das sind 28 DM. Für Knöpfe außerordentlich viel Geld, fanden wir. Kurzerhand entwickeln wir ein Windschutzscheibenprofil, in das sich das Stoffverdeck ohne Knöpfe einklemmen läßt. 

1969-7_Er ist da-11Ähnlich verhält es sich mit dem Auspufftopf. – Natürlich kann man ohne weiteres aus verschiedenen Rohren und Töpfen einen Auspuff zusammenschustern. Er hätte allerdings den Nachteil, daß der TÜV die Nase rümpfen würde; auch müßte man bei dieser Bastelarbeit auf die Vergaservorwärmung verzichten. Wir entschlossen uns, keine unbefriedigende Lösung anzubieten und konstruierten einen Auspufftopf, der genau auf die FLOH-Verhältnisse zugeschnitten ist und als Abfallprodukt noch 6 PS mehr leistet als der serienmäßige Topf.

Bei den Handbremsseilen und dem Kupplungsseil, die wir im Bausatz mitliefern, nehmen die Amerikaner zur Verkürzung bei ihren Buggies Klemmschellen. Wir nicht, denn die Seile werden so stark belastet, daß die Schellen auf die Dauer nicht halten. Mit der nötigen Akribie fahndeten wir nach einer Firma, die uns die Seile auf FLOHMaß verkürzt. Wir fanden sie und auch einen begeisterten GUTE-FARHT-Leser, der die Zeitung schon 15 Jahre liest. Es war der Generalbevollmächtigte der Seilfirma, der uns spontan zusicherte, verkürzte Seile zu liefern. Damit haben wir alle Zutaten zusammen, die unserem Bausatz beigelegt werden.

In diesen Tagen, da Sie die gute fahrt in Händen halten, hat unser Prototyp ausgedehnte Prüffahrten absolviert, über die wir in der kommenden Ausgabe einen Test veröffentlichen werden. Er bildet die Abschlußprüfung für die Serienanfertigung, die im August anlaufen soll.

Nach dem Beginn der Serienfertigung will sich das 3 – Mann – gute fahrt – Konstruktionsteam eine Verschnaufpause gönnen, um dann das Planziel für das kommende Jahr in Angriff zu nehmen: Spätestens im Herbst soll der FLOH das Schwimmen gelernt haben.

Hans-Rüdiger Etzold

  • – Die auf 6 1/2 Zoll verbreiterten Felgen werden nicht dem Standard-Bausatz beigelegt.
  • – Die Prodution für unseren Floh wird im August anlaufen.
  • – Der Floh-Bausatz wird nur komplett geliefert.
  • – In diesen Tagen wird die Floh-Bauanleitung fertig. Sie kann gegen eine Schutzgebühr, die beim Kauf eines Floh angerechnet wird, von der GUTEN FAHRT bezogen werden.
  • – Der Preis für den kompletten Floh-Bausatz stand bei Drucklegung dieses Heftes noch nicht fest.