Ernte 69

Autor Rüdiger Etzold
Veröffentlichungsdatum 1969
Veröffentlicht in Gute Fahrt
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  • Neu ist im VW-Programm der 411 Variant
  • Neu ist die Frontpartie vom 411
  • Neu ist der 80-PS-Einspritzmotor im 411
  • Neu ist die Frontpartie vom 1600
  • Neu ist die Heckpartie vom 1600 TL
  • Neu ist der offene Safari-Wagen

VW 411

Der neue VW 411 ist schneller, leiser und attraktiver. Auffällig wirken auf den ersten Blick die beiden Doppel-Halogen-Scheinwerfer, die lichttechnisch gesehen das Optimum fürs Auto bieten. Außerdem hat man mit stilistischen Mitteln den Bug aufgelockert: Das VW-Zeichen wurde von der Haube weggenommen und samt einer hinzugefügten Zierleiste an der Frontpartie angebracht.

Der Motor, der im ersten 411-Jahr nur 68 PS hatte, bringt jetzt gesunde 80 PS auf die Bremse. Erreicht wurde dies durch eine Überarbeitung aller Motor-Eingeweide, insbesondere durch ein neues Motorgehäuse, das aus Aluminium-Druckguß besteht und dadurch höheren Drücken und Temperaturen standhält. So konnte das Verdichtungsverhältnis von 7,8:1 auf 8,2:1 und die Drehzahl von 4500 auf 4900 U/min angehoben werden. Gefüttert wird der Motor – serienmäßig -über eine elektronisch gesteuerte Einspritzanlage, deren System vom VW 1600 bekannt ist. Bedingt durch höhere Leistung und Verdichtung, verträgt der 80-PS-Motor nur Superbenzin (98 ROZ). Dafür wird aber ein Motor geboten, der im Drehzahlbereich zwischen 2600 und 4200 U/min ein Drehmoment hat, das über 13 mkg liegt, so daß der 411 hat, was ein größerer Wagen braucht: Kraft und Schwung.

Bei einer Höchstgeschwindigkeit von gut 155 km/h und einer Beschleunigung, die von 0 auf 100 km/h bei ca. 16 sec liegt, dürfte der 411 nun den größeren Zuspruch finden.

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Serienmäßig bekommt der VW 411 einen 80-PS-Einspritzmotor, Doppel-Halogenscheinwerfer und einen Stabilisator. Der Preis wird trotz der vielen Verbesserungen nur geringfügig angehoben und zwischen 7900 und 8000 DM liegen.

Und obwohl die Motorleistung von 68 PS auf 80 PS angehoben wurde, ist der Benzin-DIN-Verbrauch nicht angestiegen und liegt bei ca. 10,7 1/100 km.

Mit dem neuen Motor kam auch eine abgeänderte Motor- und Getriebeaufhängung, die in Verbindung mit anderen technischen Detailänderungen den 411 insgesamt leiser machten. Für ein ausgewogeneres Fahrverhalten bekam die Hinterachse einen Stabilisator, der vornehmlich die in schnell gefahrenen Wechselkurven auftretende Seitenneigung verhindert. Wir haben schon vor einigen Monaten einen 411 mit zusätzlich eingebautem Stabilisator gefahren (GUTE FAHRT 5/69 „Für harte Männer“) und waren von den verbesserten Fahreigenschaften angenehm überrascht.

Im Zuge der Detailverbesserungen am 411 wurden die Leitungsquerschnitte der Innenraum-Belüftung größer und auch das Motorgebläse mit einer anderen Beschaufelung versehen, die nun dem Motor verstärkt Luft zuführt. Und selbst an den Tankwart hat man gedacht, der öfters den Ölstand kontrolliert: Der Ölmeßstab wurde so verlegt, daß er sich besser einfädeln läßt.

Die verstellbare Lordosenstütze in der Rückenlehne der Vordersitze wird nicht mehr angeboten, dafür wurden Sitz und Sitzlehne überarbeitet und körpergerechter profiliert. Serienmäßig hat die Benzinheizung (System Eberspächer) eine Schaltuhr, die die Heizung 10 Minuten läufen läßt und dann automatisch abschaltet.

Weiterhin wird die 411-Automatic-Version geliefert, allerdings ab sofort mit einer wesentlichen Verbesserung: Der 411 Automatic kann Wohnanhänger ziehen, mit einem Gesamtgewicht (gebremst) von 900 kg.

Neu im VW-Programm ist der 411 Variant, der technisch dem 411 gleicht, nur in der Nutzlast um 75 kg höher liegt.

 VW 1600

Langsam aber stetig hat sich der VW 1600 zu einem gut verkäuflichen Auto hochgearbeitet. Diesem Wagen, den man schon des öfteren totgesagt hat, ist im 8. Produktionsjanr eine echte Renaissance widerfahren. Täglich werden derzeit über 1000 Stück verkauft, im gesamten Produktions-Zeitraum über 1.600.000. Und er dürfte, da er in seiner Technik und seinem Finish ganz entschieden ausgereift ist, sicherlich eine Produktionsziffer von mehr als zwei Millionen erreichen. Auch im neuen Modelljahr werden das Stufenheck, das Fließheck und der Variant – wahlweise -mit 45/54 PS-Motor, elektronischer Einspritzung und Automatic angeboten.

Der VW 1600 bekommt einen größeren Kofferraum und in Verbindung mit den neuen Stoßstangen abgeänderte Brems-Blinkleuchten. Die technischen Daten dieser Modelle des Typs 3 bleiben unverändert.

Der VW 1600 bekommt einen größeren Kofferraum und in Verbindung mit den
neuen Stoßstangen abgeänderte Brems-Blinkleuchten. Die technischen Daten dieser Modelle des Typs 3 bleiben unverändert.

Alle drei Modelle erhalten Stoßstangen der neuen Form, die jetzt sämtliche VW-Modelle ziert. Verbessert wurden auch die Brems-Blink-Schlußleuchten, die nun mit Rückfahrscheinwerfer und Rückstrahler kombiniert sind.

Die Karosserie aller drei Typen ist um 12 cm verlängert worden und wirkt eleganter und ausgewogener. Mit dem verlängerten Bug vergrößert sich auch der Kofferrauminhalt um etliche Liter.

Da in der Vergangenheit von vielen Automobil-Herstellern mit ungewöhnlichen Kofferraum-Litermaßen Werbung getrieben wurde (man literte wohl mit Erbsen aus), die in der Wirklichkeit kaum vorhanden waren, hat der VDA (Verband der Deutschen Automobilindustrie) einen Norm-Quader entwickelt, der allen Autoherstellern beim Auslitern ihrer Kofferräume empfohlen wird. Der VDA-Quader mißt 200 x 100 x 50 mm und paßt nicht in Hohlräume, die nur von Erbsen ausgefüllt werden können. Bei den Literangaben macht sich das stark bemerkbar. Nach alter Messung hatte der vordere Kofferraum vom VW 1600 einen Inhalt von 185 Litern. Durch die Karosserieverlängerung sind es jetzt 230 Liter; nach VDA-Quader-Norm wiederum nur 183 Liter. Man muß also beim Vergleichen von Kofferraum-Litermaßen darauf achten, ob nach alter Methode oder neuer Norm gemessen wurde.

Der hintere Kofferraum vom Fließheck, dessen Haubendeckel stilistisch verbessert wurde, hat nach der VDA-Norm 253 Liter Inhalt und der Kofferraum vom Stufenheck 167 Liter (VDA-Norm).

Bei der Überarbeitung von verschiedenen Fahrzeug-Details wurde der Automatic-Wandler verstärkt, so daß nun auch die vollautomatischen Fahrzeuge mit Anhänger gefahren werden dürfen. Die Anhängerlast beträgt für alle VW 1600 800 kg, sofern der Wohnwagen eine eigene Bremse hat. Der verstärkte Wandler lief schon ab 1.4. 1969 in die Serie ein. Wer einen 1600-Automatic vor diesem Zeitpunkt gekauft hat, kann sich von der Werkstatt den neuen verstärkten Wandler nachträglich einbauen lassen, um einen Wohnwagen an sein Auto anhängen zu können; und wer einen Defekt am Wandler hat, bekommt automatisch den verstärkten installiert.

Ob und wie sich die Preise bei den 1600-Modellen verändern, war zum Zeitpunkt dieser Zeilen noch nicht zu erfahren. Sollten die derzeitigen Preise bestehen bleiben, wird die 1600-Fließheck-Ausführung mit elektronischer Einspritzung kaum billiger sein als der 411 mit 80PS-Motor und serienmäßiger elektronischer Einspritzung. Der Preis eines elektronischen VW 1600 läge nur um rund 300 DM unter dem des 411, wenn dieser für ca. 8000 DM angeboten wird.

 Der Käfer

Der Käfer, Wolfsburgs Verkaufsschlager, wurde für das neue Modelljahr technisch nicht verändert. Abheben wird sich der 1500 von seinen Brüdern durch eine Motorhaube mit Luftschlitzen. Die Luftschlitze wurden für die amerikanische Käfer-Version notwendig, da diese mit der 1600-Transporter-Maschine (47 PS) bestückt wird und nach mehr Luft verlangt.

Der kleine Karmann Ghia wird weitergebaut.

Der kleine Karmann Ghia wird weitergebaut.

Des Käfers Ableger, der kleine Karmann Ghia, bleibt im Programm und wird – weitgehend unverändert – mit breiteren Blinkleuchten geliefert.

Alle Käfer bekommen gegen die Vergaservereisung eine thermostatisch geregelte Vergaservorwärmung; das Umlegen der Klappe im Luftfilter entfällt damit.

Der Tacho erhält einen tiefer gelegten breiten Zierring, die Zierleiste am Tacho wird nicht mehr geliefert, der Spar-käter bekommt die Zweikreis-Brems-anlage. Für Komfortbewußte gibt es zusätzlich für ca. 120 DM ein L-Paket. Es enthält: Radzierblenden, zwei Rückfahrscheinwerfer, Stoßstangen mit Gummi, eine rechte Türtasche, einen abblendbaren Rückblickspiegel, ein gepolstertes Armaturenbrett in mattem Schwarz, einen Schlingenflor-Teppich, eine Zweikreis-Bremskontrolle und ein Schloß für den Handschuhkasten. Und damit man erkennt, wer solchen Luxus mit sich führt, gibt es zum Schriftzug ein „L“.

Gab es schon in der Vergangenheit die Möglichkeit, die einzelnen Käfer-Typen durch Mehr- und Minderausstattung individuell zusammenzustellen, so kommen jetzt noch eimqe Kreuzungen hinzu, die es dem Käufer ermöglichen, bei seinem Käfer weiteren Individualismus walten zu lassen.

Kauft man sich einen 1300, minderausgestattet (mit 1200-Motor), dann kann man sich trotzdem Scheibenbremsen mitbestellen.

Möchte man einen Sparkäfer, diesen mit Automatic, so geht das ohne Schwierigkeiten, nimmt man die 1300-Maschine dazu.

Was wir im Käfer-Programm derzeit noch vermissen, ist ein schneller Rallyekäfer, der sicherlich bei vielen jungen Käufern Anklang finden würde. Und wenn schon keine heiße Rallye-Version, dann sollte man auch in Deutschland den Käfer mit 47 PS anbieten.

 Der Geländewagen

Überraschend kommt das VW-Werk zur diesjährigen IAA mit einem Gelände- und Jagdwagen auf den Markt, der endlich eine Lücke im deutschen Autoangebot schließt. Denn bislang mußten Interessenten für einen derartigen Wagen entweder auf einen ausgedienten DKW-Jeep oder einen ausländischen Geländewagen zurückgreifen.

So völlig neu, wie der Geländewagen auf den ersten Blick erscheint, ist er jedoch nicht: Unter seinem Blechkleid, das an den legendären Kübelwagen erinnert, befinden sich viele Teile aus dem VW-Baukasten. Und auch ein altes Käfer-Prinzip blieb erhalten. Die Kotflügel lassen sich an- und abschrauben.

Am VW-Käfer wurden keine technischen Änderungen vorgenommen. Ab sofort gibt es auch den Sparkäfer mit Automatic. 

Motor (1500 ccm/44 PS), Vorderachse, Scheinwerfer und Kupplung stammen vom Käfer, die Bodenplatte vom kleinen Ghia. Das Getriebe ist gegenüber dem Käfergetriebe anders abgestuft und hat an den Hinterrädern ein Vorgelege, wie es vom alten Transporter her bekannt ist.

Der Geländewagen hat keinen Allradantrieb und keine Differentialsperre. Trotzdem ist die Bergsteigfähigkeit beachtlich: Im 1. Gang 55%, im 2. Gang 29% und im 3. Gang immerhin noch 15,5%. Vollbeladen liegt die Höchstgeschwindigkeit bei zirka 110 km/h.

Serienmäßig sind M + S-Gürtelreifen der Größe 165 R 15 auf 4’/2 Kx 15-Felgen aufgezogen. Das Reserverad befindet sich vorne unter der Haube über dem Tank.

Für eine größere Wat-Tiefe wurde der Schalldämpfer höher gelegt und eine Eberspächer – Benzinheizung installiert. Erfreulich hoch ist, bei einem Leergewicht von 900 kg, die Zuladung mit 440 kg. Ein kleiner Kofferraum befindet sich vorn unter der Haube, der größere Stauraum ergibt sich durch Herunterklappen der beiden Fond-Sitzlehnen.

Geliefert wird der Wagen grundsätzlich mit vier Türen, einem wetterfesten PVC-Klappdach und seitlichen Scheiben aus PVC-Folie, die sich in die Türen einstecken lassen. Der Windschutzscheibenrahmen ist, wie es sich für einen zünftigen Safari-Wagen gehört, klappbar. über den Preis liegen uns noch keine genauen Angaben vor, wir rechnen damit, daß der Geländewagen kaum unter 8500 DM zu haben ist.

Die GF-Redaktion freut sich über den jüngsten Sproß der VW-Familie und hofft schnellstens einen Testwagen zu bekommen. Dann wollen wir mit diesem und unserem Buggy ins Gelände ziehen, um festzustellen, welcher von beiden dieses besser verträgt. etze

 

VW-Geländewagen Technische Daten VW-Käfer
3,82 m Länge 4,08 m
2,40 m Radstand 2,40 m
20,5 cm Bodenfreiheit 15,0 cm
132,4 m Spurweite vorn 131,6 m
137,5 m Spurweite hinten 135,0 m
1,62 m Höhe 1,50 m
900 kg Leergewicht 800 kg
440 kg Nutzlast 380 kg
44 PS Motor VW 1500 44 PS
40 Liter Tankinhalt 40 Liter
38,6 cm Wat-Tiefe
165 R 15 Reifen 5,60-15
4 1/2 K 15 Felgen 4 J X 15