Etwas teurer, etwas besser

Autor Rüdiger Etzold
Veröffentlichungsdatum 1986
Veröffentlicht in Zeitungsartikel
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Ford Escort-/Orion-Modelle: Nach gründlicher Modellpflege soll der Verkauf anziehen

Zum erstenmal gibt es ein Anti-Blockier-System auch in der Kompaktklasse – Der Preis: 1020 Mark

Wenn ein Automodell einige Jahre auf dem Markt ist, gerät es leicht aus den Schlagzeilen, zumal auch neuere Angebote vorgestellt und verkauft werden müssen. Deshalb gehört es zum allgemeinen Repertoire der Verkaufsförderer, nach fünf bis sechs Jahren mit etlichen Eingriffen in die Karosserie und Technik, neue Verkaufsimpulse zu schaffen. Je nach Umfang der Restauration spricht man dann von einem Facelifting oder – wie jetzt im Falle Ford – von den neuen Modellen Escort und Orion.

Natürlich sind sie in den Hauptteilen mit ihren Vorgängern identisch, wenngleich die Kölner Ingenieure intensive Detailarbeit geleistet und insgesamt 120 Millionen Mark investiert haben, um ihr umsatzstarkes Duo Escort und Orion aufzufrischen.

Bei den Neuen fällt der Bug nach vorn flacher ab. Er wirkt durch die abgerundeten, rechteckigen Scheinwerfer und die nunmehr kunststoffummantelten Stoßfänger insgesamt geschlossener. Durch den Kunststoffauftrag bleiben übrigens kleine Touchierstöße im Bereich von bis zu vier km/h ohne kostenintensive Folgen.

Aufgesetzt wirken dagegen die beim Modell XRi auf der Stoßstange montierten, runden Zusatzscheinwerfer. Hier wäre es eleganter gewesen, man hätte sie in den vorderen Stoßfänger integriert. Durch die Neugestaltung des Bugs und den an der Heckklappe angeformten Spoiler konnte der Cw-Wert im Mittel auf 0,36 reduziert werden. Das ist für eine Karosserieverfeinerung ein recht ordentlicher Wert.

DIE TEUERSTE MÖGLICHKEIT, ESCORT ZU FAHREN: Das Escort-Ghia-Cabrio kostet knapp 30 000 Mark - das Anti-Blockier-System ist für 1020 Mark Aufpreis zu haben.    Photos:    Ford

DIE TEUERSTE MÖGLICHKEIT, ESCORT ZU FAHREN: Das Escort-Ghia-Cabrio kostet knapp 30 000 Mark – das Anti-Blockier-System ist für 1020 Mark Aufpreis zu haben. Photos: Ford

Erstmals bietet eine Automobilfirma in der Kompaktwagenklasse ein Anti-Blockier-System an. Im Gegensatz zu dem bekannten ABS-System. Sowie also ein Vorderrad zu blockieren versucht, wird gleichzeitig auch der Bremsdruck im gegenüberliegenden Hinterrad gemindert.

Ob das wesentlich preiswertere SCS-System von Ford/Girling mit ausreichender Präzision arbeitet, kann nur ein direkter Vergleich beider Bremsdruck-Regel-Systeme aufzeigen. Wichtig ist in jedem Fall, daß auf dem Gebiet des geregelten Abbremsens Fortschritte erzielt und vor allen Dingen hohe Einbauraten verzeichnet werden. Denn gerade die Möglichkeit, auch bei abgebremsten Rädern noch lenken zu können, verringert das Unfallrisiko deutlich. Das haben mittlerweile auch die Versicherungsgesellschaften erkannt – und so geben sie einen zehnprozentigen Rabatt auf die Vollkaskoversicherung, wenn das Fahrzeug mit einem ABS- oder Ford-SCS-Sy-stem ausgerüstet ist.

In den leistungsstarken Escort-Modellen XR 3i und dem RS-Turbo wird das SCS-System serienmäßig angeboten. Für die anderen Modelle kann es ab dem 1,4-Liter-Motor (außer der Diesel-Ver-sion) zum günstigen Preis von 1020 Mark geordert werden.

Den beim Ford Escort oft kritisierten Geradeauslauf wie auch die heftigen Lenkreaktionen beim Anfahren haben die Kölner Techniker nunmehr mit einem ganzen Bündel von verschiedenen Maßnahmen in den Griff bekommen, wie sich bei ersten Fahrten zeigte.

Geänderte Stabilisatoren, überarbeitete Querlenker vorn und vor allem Gummibuchsen mit reibungsarmen Kugelgelenken sowie eine abgewandelte Anlenkung für Vorder- und Hinterachse haben den im sechsten Produktions jahr stehenden Escort fahrwerkstechnisch ein gutes Stück vorangebracht. Neu gelagert wurde auch der Motor, der jetzt auf hydraulisch gedämpften lysatorversion (90 PS) und der bekannte Diesel mit 1,6 Liter Hubraum und 54 PS.

Zusätzlich gibt es ein 1,4-Liter-Triebwerk, das von einem Doppelvergaser gespeist wird und 75 PS leistet. Ford preist es als „Magermotor der zweiten Generation“ an und will damit ausdrük-ken, daß die Verbrennung nicht im stöchiometri-scheh Verhältnis von 1 zu 14 vollzogen wird, sondern mit wesentlich höheren Luftanteilen. Im Mittel verbrennt der völlig überarbeitete Motor auf ein Teil Kraftstoff 18 Teile Luft. Er kann also sparsamer als eine geregelte Katalysator-Version gefahren werden – rund zehn Prozent, sagen die Techniker, werden bei deiAberarbeiteten Es-cort-/Orion-Modellen eingespart, wobei fünf Prozent Einsparung auf den Motor zürückzuführen sind. Erreicht wurde die Magergemischverbrennung durch entsprechend ausgeformte Brennräume und einen völlig neu gestalteten Zylinderkopf.

Je nachdem, wie sich nun schlußendlich die Abgasgesetze darstellen, wird Ford diesen Motor auch noch mit einem ungeregelten Katalysator anbieten. Denn nur dann bleiben bei gleichzeitiger Reduzierung der Schadstoffe die Verbrauchsvorteile der Magergemischverbrennung erhalten.

Je nach Leistung und Geschwindigkeit unterscheiden sich natürlich auch die Verbrauchswerte. Der 50-PS-Escort dürfte sich im Mittel mit 7,5 Liter auf 100 Kilometer zufriedengeben. Der über 200 km/h schnelle RS Turbo wird zwischen zehn und zwölf Liter konsumieren.

Eine komplette Umgestaltung mußte sich auch die Armaturentafel gefallen lassen, deren stilistische Grundelemente eine deutliche Scorpio-Verwandtschaft aufzeigen. Als zentrales Instrument ist genau in der Mitte des Armaturenträgers der Geschwindigkeitsmesser placiert. Um ihn herum gruppieren sich weitere Zusatzinstrumente. Alle Schalter und die kleinen Stummel-Bedienungshebel sind neu gestaltet worden und in griffgünstiger Nähe.

Ähnlich wie bei den größeren Ford-Modellen läßt sich auch im Escort die Rückenlehne im Verhältnis V3 zu 2/s teilen und damit für individuelle Transportprobleme umklappen. Ebenso breit gefächert wie das Escort-Orion-Programm zeigt sich auch die Preisgestaltung: Üer Einstieg beginnt mit 14 460 Mark für den 1,1-Liter-(50-PS)-, beziehungsweise l,3-Liter-(60-PS)-Motor. Für die Diesel-Variante sind gut 2000 Mark mehr anzulegen.

Die einzige Katalysator-Variante, der Escort 1,6 i in CL-Ausstattung und mit 90 PS kostet 19 855 Mark, der XR 3i 23 325 Mark und der RS Turbo 27 425 Mark. Daß es schon immer etwas teurer war, offen zu fahren, ist auch bei Ford nicht zu verhehlen: Mit 28 225 Mark bildet das Cabrio den Abschluß in der Preisskala der neu modellierten Escort-/Orion-Reihe.

HANS-RÜDIGER ETZOLD