Floh

Autor Rüdiger Etzold
Veröffentlichungsdatum 1969
Veröffentlicht in Gute Fahrt
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Unser Prototyp kurz vor der Vollendung. Kleinserie vorbereitet. Preis sensationell.

Es ist erreicht! Der von der guten fahrt entwickelte FLOH steht vor der Vollendung. Erste Fahrversuche werden in diesen Tagen darüber Aufschluß geben, ob unsere Buggy-Serie anlaufen kann. Es war ein kurzer, imposanter Entwicklungsweg. Von der Buggy-Idee bis zum fahrfertigen FLOH benötigten wir knappe vier Monate. Und jetzt, da unser Spaß-Auto vor uns steht, glauben wir, daß sich unser Einsatz gelohnt hat. Daß unser FLOH in Deutschland viele Freunde gewinnen wird. Schon kurz nachdem unsere April-Ausgabe ausgeliefert war, wurde unsere Redaktion mit Zuschriften und Telefonaten überhäuft. Und fast alle hatten das FLOHThema zum Inhalt. Man wollte wissen, wie teuer er wird, ob man ihn selbst bauen kann, wo es ihn zu kaufen gibt. Ob er tatsächlich hübscher ist als alles, was man bisher in Deutschland an Buggys sah. Er ist es!

Daß wir es uns bei der Formfindung nicht leicht gemacht haben, zeigen unsere fünf Entwürfe, die wir Ihnen nicht vorenthalten möchten. In unserem ersten Entwurf versuchten wir, die Karosserie so zu gestalten, daß sie den Vorschriften der StVZO entspricht. Das wurde ohne Umstände erreicht, doch fehlte dem Entwurf der richtige Pfiff. Wir machten einen zweiten, bei dem wir die Kotflügel stärker in die Karosserie einbezogen. Dadurch wirkte die Form zu klobig.

In unserem dritten Anlauf wurde die Linienführung weicher, der Buggy freundlicher. Und der als neues Stilelement eingeführte überrollbügel gefiel uns so gut, daß wir ihn bei unserem Serien-FLOH auch verwenden wollen. Die darauffolgende Entwicklungsstufe barg schon viele Konturen von unserem besten Entwurf in sich. Die Form hatte den nötigen Schwung. Leider war sie unrealistisch; Tank und Vorderachse hätten unter der flachen Flunder kaum noch Platz gefunden.

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Freddy Quinns Buggy ist bei uns nicht zugelassen. Da muß er auf unseren warten.

Unser Designer Armin Gnadt griff noch einmal zum Zeichenstift und entlockte diesem einen fünften Entwurf. Er löst die Probleme mit dem TUV und hat trotzdem das nötige Flair eines Spaß-Autos. Die Form war gefunden, jetzt mußten technische Zeichnungen angefertigt werden, Schnitte, nach denen zunächst einmal das Modell gebaut werden konnte. Zwei Wochen waren dazu notwendig. Während der gleichen Zeit wurden Frontscheibenrahmen konzipiert, verworfen, neu konstruiert, Auspuffanlagen in verschiedenen Versionen hergestellt und das Problem mit den 61/? Zoll breiten Hinterrad-Felgen gelöst.

Für den reinen Formenbau waren ganze vier Wochen notwendig. Zwei Modelltischler hatten in dieser Zeit alle Hände voll zu tun, um die Schnittzeichnungen in ein Holzmodell im Maßstab 1:1 umzusetzen. Von diesem Modellauto wurde die endgültige Form abgenommen, die wir in diesen Tagen ausgiebig testen. Wenn wir zufrieden sind, rollt die GF-FLOH-Serie an. – Wieviel wird Ihr FLOH kosten?

Das war die Frage, die uns am häufigsten in der letzten Zeit gestellt wurde. Nun, wir können sie heute noch nicht eindeutig beantworten, da ein Prototyp zwangsläufig teurer sein muß als ein Serien-Buggy. Nach unserer vorläufigen Kalkulation dürfte der Bausatz nicht teurer als 2500 DM werden. Wer sich also den FLOH selbst aufbauen will, benötigt neben 2500 DM in bar noch einige Utensilien vom VW-Käfer wie Rahmen, Motor, Achsen. Alle anderen SpezialAufbauteile, die es nicht in der nächsten VW-Werkstatt zu kaufen gibt, sind im Bausatz enthalten. Die einzige Schwierigkeit, die sich für den Selfmademan ergibt, ist das Verkürzen des Rahmens. Das kann nur von einem Fachmann in der Werkstatt gemacht werden. Die VW-Werkstätten bieten dazu die besten Voraussetzungen, sie sind — von Unfallreparaturen – geübt im Zerschneiden und Zusammenschweißen des VW-Rahmens. Deshalb stehen wir schon mit einigen VW-Werkstätten in Verbindung, die entweder nur den Rahmen verkürzen oder auch den ganzen Buggy aufbauen werden. Man braucht dann, gewissermaßen, bei der Werkstatt nur einen betagten Käfer abzugeben oder ein Unfall-Auto zu kaufen und die Farbe des FLOH zu bestimmen. Nach Ablauf einer Woche bekommt man den „Käfer“ verwandelt zurück. Der FLOH steht.

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Wir haben für den Prototyp kurzerhand einen 66er Unfallkäfer gekauft, der nur einen Blechschaden hatte. Da die Karosserie ohnehin nicht für einen Buggy-Aufbau benötigt wird, kann man auf sie verzichten. Der Preis für unseren Unfall-VW betrug 1000 DM. Dabei hatte die Maschine erst 20000 km gelaufen, so daß wir es wagen konnten, sie auf 1600 ccm und 47 PS umzubauen (wie unseren GF). Geht man von einem solchen Preis aus – 1000 DM für einen neueren Unfall-VW, an dem noch alle Teile heil sind, die man für einen FLOH benötigt – dann muß man weitere 2500 DM für den Bausatz und die Rahmenverkürzung rechnen und kommt dann, bei Eigenarbeit, auf einen Preis von 3500 DM. Läßt man die Werkstatt arbeiten, dann wird ein Preis von 4500 DM für den fertigen FLOH möglich.

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Reges Interesse an unserem FLOH bekundeten die VW-Händler selber Zahlreiche VW-Werkstätten ließen uns wissen, sie würden, wenn’s soweit ist, nach unserem Muster solch einen Floh bauen -zu Werbezwecken, zum lehrreichen Spaß für ihre Lehrlinge und jungen Mitarbeiter, zum Entsetzen der Konkurrenz und, last not least, zum Verkauf: Es reizt, solch ein exquisites Auto im Programm zu haben. — Wir werden natürlich in Kürze die Anschriften der VW-Händler veröffentlichen, die dem FLOH-Zirkus beitreten.

Unser FLOH kann so preiswert sein, da die gesamte Entwicklungsarbeit von dem Redaktionsteam der guten fahrt gemeistert wurde, die Redaktion aber keinen finanziellen Gewinn aus der AutoEntwicklung ziehen will. Drei Monate glich unser Büro einem Konstruktionssaal, in dem sich Zeichenrollen und Modell-Attrappen stapelten. Die Sache hat uns Spaß gemacht und, nebenbei, die feine Erkenntnis oeschert, daß eine Motorredaktion nicht nur mit dem Maul und mit der Schreibmaschine Autos konstruieren kann. Wir haben, mit Verlaub gesagt, in wenigen Wochen ein Auto von der Idee bis zur Serienreife entwickelt.

Und wir werden nun sehen, ob uns mit unserem FLOH ein guter Wurf gelungen ist. – Fahrbericht im nächsten Heft.

Hans-Rüdiger Etzold

Diesen Buggy können Sie demnächst bauen oder kaufen. Fix und fertig wird unser FLOH etwa 4500 DM kosten. Wer den FLOH selber aufbauen will, bekommt den Bausatz schon für etwa 2500 DM.

Diesen Buggy können Sie demnächst bauen oder kaufen. Fix und fertig wird unser FLOH etwa 4500 DM kosten. Wer den FLOH selber aufbauen will, bekommt den Bausatz schon für etwa 2500 DM.