Form vollendet

Autor Rüdiger Etzold
Veröffentlichungsdatum 1976
Veröffentlicht in Gute Fahrt
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Mit geschickter Hand haben die Stilisten das Äußere der gesamten Audi 80 – Modellpalette verändert. Die Schönheitsoperation, die vornehmlich der Frontpartie galt, ist formal gelungen und steht dem erfolgreichen Mittelklassewagen gut zu Gesicht. Durch die in den Scheinwerferverlauf einbezogenen Blinkerflächen, die großen Breitbandscheinwerfer und den über die ganze Wagenbreite verlaufenden Kühlergrill wirkt der Audi 80 harmonischer und eleganter. Unterstrichen wird dieser Eindruck von den verlängerten Stoßfängern und den großflächigen Schlußleuchten, die in Verbindung mit der unterhalb des Heckabschlußteils verlaufenden Zierleiste das Aussehen des überarbeiteten Hecks prägen. Auch von hinten sind die Neuen leicht von den bisherigen Jahrgängen zu unterscheiden: Jetzt steht das Markenzeichen Audi allein auf der linken Seite, während rechts die Typenbezeichnung mit der jeweiligen Ausstattungsvariante angebracht ist.

Zum neuen Modelljahr 77 präsentiert sich der Audi 80 im neuen Gewand

Zum neuen Modelljahr 77 präsentiert sich der Audi 80 im neuen Gewand

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Vergrößerte Heckleuchten, eine Zierleiste unterhalb der Schlußlichter, neue Farben für das Interieur und Stoßfänger, die bis zu den Radausschnitten reichen, kennzeichnen den neuen Audi 80-Jahrgang. Auch von hinten sind die Neuen leicht von den bisherigen Jahrgängen zu unterscheiden: Jetzt steht das Markenzeichen Audi allein auf der linken Seite, während rechts die Typenbezeichnung mit der jeweiligen Ausstattungsvariante angebracht ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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 Audi 80-Ausstattung: Fünf Möglichkeiten

Obwohl zu den vorhandenen Audi 80-Modellen (von 55 bis 110 PS) in diesem Jahr kein weiteres hinzukam, konnte die Palette durch Anreichern der Ausstattungsvarianten erweitert werden. Insgesamt stehen fünf zur Verfügung, von denen vier mit eigenem Signet auf dem Heck aufwarten können: L, LS, GLS und GTE.

Das Konzern-Konzept, die Audi-Modelle schon in der Grundausstattung üppiger auszustaffieren, ist im neuen Modelljahr noch deutlicher geworden. So können die Wagen, die ohne Zusatz auf dem Heck auskommen, etliches Zubehör mehr aufweisen, das bislang nur über die L- oder Mehrausstattung zu haben war. Dazu zählen zum Beispiel die nunmehr ohne Aufpreis gelieferten Automatik-Sicherheitsgurte und verstellbaren Kopfstützen, mit denen das vordere Gestühl versehen ist.

Ein Wasch-Wisch-Intervallwischer, eine heizbare Heckscheibe und ein völlig neu konstruiertes HeizFrischluftgebläse bieten überdies verbesserten Bedienungskomfort. Das Gebläse sorgt für intensiveren Luftdurchsatz (5,8 Kubikmeter pro Minute in der dritten Stufe) und ist aufgrund seiner radialen Anordnung gegenüber dem bisherigen wesentlich leiser, so daß man es in den ersten beiden Stufen kaum wahrnimmt.

Durch getrennte Luftausströmer für Fußraum und Scheibendefroster lassen sich Richtung und Stärke der Luft besser dosieren, zumal auch für die Luftlenkung nunmehr zwei Regler zur Verfügung stehen. Das gilt auch für die Heizung, die sich mittels eines Flachbahnreglers wesentlich feinfühliger und exakter einstellen läßt.

Neu in der Grundausstattung sind auch so nützliche Dinge wie ein abschließbarer Tankdeckel und Ablagekasten, ein Drehflügelschloß am Kofferraumdeckel, Gummileisten auf den Stoßfängern, Haltegriffe für die Mitfahrer und Radkappen. Die schwarzen Türaußengriffe sind silberglänzenden gewichen; und der Fahrer eines Audi 80 wird die Annehmlichkeiten eines abblendbaren Innenspiegels ebenso zu schätzen wissen wie die zusätzliche Ablage. Die eigentlich recht praktische Gummimatte wurde gegen einen Bodenbelag aus Strukturvlies ausgewechselt, der zwar dem Fahrzeug einen wohnlicheren Charakter verleiht, aber wesentlich pflegeintensiver ist.

Der schon in der Grundausstattung recht kommod ausgestattete Audi 80 läßt sich gegen Aufpreis mit der sogenannten L-Ausstattung verfeinern, was ein „L“ am Heck dokumentiert. In dieser Version sind die Sitzbezüge mit farblich abgestimmtem Velours bezogen und die ansonsten nackten Tür- und Seitenholme verkleidet. Hinzu kommen außerdem eine elektrische Zeituhr, ein Tageskilometerzähler, und Halogen-Scheinwerfer ebenso wie ein Make-up-Spiegel in der Beifahrer-Sonnenblende und ein von innen verstellbarer Außenspiegel. Angeformte Armlehnen, blanke Umrandungen für Scheinwerfer, Kühlergrill, Tür- und Seitenfenster und seitliche Zierleisten mit eingezogenem Stoßprofil aus PVC unterstreichen den verbesserten L-Komfort. Zierleisten an den Radausschnitten, eine Auspuffblende, große Radkappen und — vor allem — getönte Scheiben signalisieren die neue Ausstattungs-Variante GL, die neben diversen Details auch die komplette L-Ausstattung beinhaltet.

Im Wageninnern zeichnet sich die GL-Ausführung durch Sitzbezüge aus Webplüsch und farblich abgestimmten Bodenbelag aus. Darüber hinaus gibt es einen Zigarrenanzünder, eine Bremskontrolleuchte und Beleuchtungen für die Bedienungselemente sowie ein Voltmeter in der serienmäßig vorhandenen Instrumen-tenkonsole. Schließlich weisen Zierleisten auf der Tür-und Seitenverkleidung sowie ein speziell gestylter Schalthebel und eine Teppicheinlage in der Türverkleidung auf die neue Glausführung hin.

In Kombination mit dem 1,6 Liter-85-PS-Motor sind ein Drehzahlmesser, stärkere Batterie und Lichtmaschine sowie Stahlgürtelreifen der Dimension 175/70 SR 13 obligatorisch. Noch üppiger zeigt sich die GTE-Ausstat-tung in Verbindung mit dem 1,6-Liter/110-PS-Motor. Neben der L- und GL-Ausstattung hat der GTE-Fahrer Liegesitze und verschiedene sportliche Attribute serienmäßig: Drehzahlmesser, Zweiklangfanfare, Ölthermometer und Sportlenkrad. Der beim GTE wesentlich höheren Endgeschwindigkeit wird durch Stahlgürtelreifen in der Größe 175/70 HR 13, eine Verbundglaswindschutzscheibe und einen Bugspoiler Rechnung getragen.

Ein neuer Trend zeigt sich in der Farbgestaltung. Die bislang propagierten Signalfarben sind dezenten Pastelltönen gewichen, die geschickt mit der eleganten Linie des Audi 80 harmonieren. Gemeinsam ist allen ModellVarianten auch die Abkehr vom schwarzen Armaturenbrett. Für die achtziger Jahre erstrahlt es in sattelbraun und wird durch eine Blende aus genarbtem Kunstleder im Farbton „negro“ aufgelockert.

Das Fahrwerk: Keine Änderungen

Wie gut sich das Konzept mit Frontantrieb und Koppellenker-Hinterachse durchgesetzt hat, zeigt sich schon daran, daß selbst nach vier Produktionsjahren keine Modifikationen notwendig sind. Der mit vier Federbeinen bestückte Audi 80 zählt nach wie vor zu den Mittelklassewagen, die sich durch hohe Fahrsicherheit und guten Federungskomfort auszeichnen.

Nicht zuletzt ist dies auf das Konzept Frontantrieb/Torsionskurbelachse und eine geschickte Abstimmung der Hinterachse zurückzuführen, für die allerdings noch eine Niveauregulierung wünschenswert wäre. Denn vor allem bei vollgepacktem Kofferraum oder im Hängerbetrieb knickt das Heck stark ein, und der Gegenverkehr wird trotz richtig eingestellter Scheinwerfer geblendet.

Neu im Armaturenbrett sind die Flachbahnregler für Lüftung und Heizung sowie die Blende aus genarbtem Kunstleder.

Neu im Armaturenbrett sind die Flachbahnregler für Lüftung und Heizung sowie die Blende aus genarbtem Kunstleder.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit einem Fassungsvermögen von 430 Liter bietet der Audi 80-Kofferraum ausreichend Platz für das Urlaubsgepäck.

Mit einem Fassungsvermögen von 430 Liter bietet der Audi 80-Kofferraum ausreichend Platz für das Urlaubsgepäck.

 

Dieser Effekt dürfte sich noch etwas verstärken, da sich das zulässige Gesamtgewicht von 1260 auf 1300 Kilo erhöht. Gleichzeitig erhöhte sich die erlaubte Nutzlast — je nach Modell — um bis zu 30 Kilo. Erforderlich wurde die Gewichtsneueinteilung, weil der um 25 mm vorgezogene Bug, die großen Scheinwerfer und Heckleuchten insgesamt 10 Kilo mehr auf die Waage bringen.

Zwecks Kostenersparnis und zur Erhöhung der Sicherheit erhalten alle Konzern-Modelle ein neu konstruiertes Tür-Sicherheitsschloß, welches eine um 50 Prozent höhere Aufreißfestigkeit bietet und einen hohen Sicherheitsfaktor gegen das Aufspringen der Tür beim Überschlag hat. Außerdem ist es kundendienstfreundlich, da es ohne Demontage der Türverkleidung aus- und eingebaut werden kann.

Motoren zur Wahl: von 55 bis 110 PS

Für den Audi 80 stehen vier Motoren mit recht unterschiedlicher Leistung zur Verfügung, so daß praktisch alle Wünsche in dieser Klasse abgedeckt werden können.

Schon mit der 1,3-Liter-Maschine ist der 845 Kilo schwere Audi 80 hinreichend motorisiert. Der recht drehfreudige Vierzylinder erreicht mit seinen 55 PS eine Höchstgeschwindigkeit von 144 km/h, beschleunigt von 0 auf 100 km/h in 17 Sekunden und verbraucht im Mittel 9,2 Liter Normalbenzin auf 100 Kilometer. Besonders harmonisch ist die Kombination mit dem 1,6-Liter-75-PS-T riebwerk, das die gleichen Konstruktionsmerkmale wie der 1,3-Liter-Motor aufweist und ebenfalls nur Normalbenzin konsumiert. Mit 75 PS sind jene Kraftreserven vorhanden, die man bei vollbeladenem Fahrzeug oder zum Beschleunigen zu schätzen weiß. Außerdem gestalten sie das Fahren in diesem Mittelklassewagen angenehm, schnell und dennoch

Der längs eingebaute Vierzylinder des Audi 80 wird in vier Leistungsvarianten angeboten: von 55 bis 110 PS.

Der längs eingebaute Vierzylinder des Audi 80 wird in vier Leistungsvarianten angeboten: von 55 bis 110 PS.

wirtschaftlich.Mit einer Spitzengeschwindigkeit von 162 km/h (Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 12,6 s) läßt es sich auf Schnellstraßen gut mithalten. Und selbst bei zügiger Fahrweise verbraucht der 1,6 Liter-75. PS nur 10,6 Liter Normalbenzin auf 100 Kilometer.

Nicht wesentlich mehr an Höchstgeschwindigkeit (167 km/h) bietet die 85-PS-Variante mit Doppelregistervergaser und passendem Luftfilter. Das 85-PS-Trieb-werk hat einen etwas günstigeren Drehmomentverlauf und bietet dadurch vor allem beim Beschleunigen (von 0 auf 100 km/h in 10,9 s) gegenüber der 75 PS-Version leichte Vorteile. Auch ist der Benzinverbrauch dank besser verdauendem Registervergaser im Teillastbereich etwas günstiger. Da man jedoch meistens geneigt ist, die anstehende Leistung voll zu mobilisieren, ist im Mittel mit 11,2 Liter Normalbenzin zu rechnen.

Eine Sonderstellung nimmt zweifellos der Audi 80 GTE ein, der mit seinem 110-PS-Einspritzmotor eine so hervorragende Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit bietet, wie man sie sonst nur in der Oberklasse antrifft. Der 1,6 Liter-Motor läuft auch in dieser Ausgabe mit erstaunlich geringem Geräuschniveau, ist vibrationsarm und besticht, wie alle seine Geschwister, durch seine Wirtschaftlichkeit. Zwar benötigt der Einspritzer Superbenzin, doch genügen davon im Mittel 11,7 Liter. In der Beschleunigung bleibt der GTE mit 9,5 Sekunden bis 100 km/h deutlich unter der 10-Sekundenmarke und darf bei einer Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h zu den Schnelläufern auf unseren Straßen gezählt werden. Daß die Audi 80-Modellpalette verbrauchergerecht ist, hat sie in den vergangenen vier Produktionsjahren bewiesen, denn immerhin konnten in diesem Zeitraum über 650 00 Audi 80 produziert und verkauft werden. Mit dem nunmehr breitgefächerten Motorenprogramm, den vielen Ausstattungsmöglichkeiten und der überarbeiteten Karosserie ist der Audi-Mittelklasse-wagen auch für die achtziger Jahre vortrefflich gerüstet.

H. R. Etzold