Frühjahrsputz

Autor Rüdiger Etzold
Veröffentlichungsdatum 1983
Veröffentlicht in Süddeutsche Zeitung
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Nach dem Winter sollte das Auto überprüft und überholt werden!

Was für die Wohnung üblich ist, sollte für das Auto selbstverständlich sein: der Frühjahrsputz. Gerade im Winter wird nämlich das Auto hart beansprucht – und Karosserie, Fahrwerk und Motor benötigen danach dringend eine Frischzellenkur. Hier ein paar Tips, die teüweise allerdings nur von technisch versierten Autofahrern befolgt werden sollten.

  • Winterreifen jetzt abmontieren. Sie haben auf trockener Fahrbahn schlechtere Fahreigenschaften und verschleißen dann auch schneller. Die abgenommenen Räder mit heißem Wasser säubern, Rostschäden an den Felgen ausbessern. Die Reifen mit vorgeschriebenem Reifenfülldruck möglichst in einem kühlen, trockenen Raum lagern. Um die Reifen im nächsten Winter an gleicher Stelle und in gleicher Laufrichtung montieren zu können, mit Kreide Laufrichtung und Sitz (Beispiel VR = vorne rechte) kennzeichnen.
  • Bremsleitungen bei abgenommenen Rädern kontrollieren. Dazu Bremsschläuche hin und her bewegen und auf Versprödungen oder Scheuerstellen untersuchen. Weist der Bremsschlauch Scheuerstellen auf, muß er sofort von einer Fachwerkstatt erneuert werden. Die metallenen Bremsleitungen werden auf Druckstellen und Rostspuren überprüft. Da die modernen Bremsleitungen mit einem Kunststoffüberzug versehen sind, sollten sie nicht mit einer Drahtbürste oder einem Schaber gereinigt werden. Bei Rostspuren oder Eindrücken Bremsleitung von einer Fachwerkstatt erneuern lassen.

Bremsflüssigkeit zieht im Laufe der Zeit Wasser an und kann dann in Extremfallen nicht mehr den nötigen Druck aufbauen. Sie soll deshalb alle zwei Jahre von einer Fachwerkstatt erneuert werden. Der Laie prüft vor allem den Flüssigkeitsspiegel. Er soll im Bremsflüssigkeitsbehälter zwischen der Min.- und Max.-Mar-kierung liegen. Durch den Verschleiß der Scheibenbremsbeläge ist ein leichtes Absinken der Bremsflüssigkeit normal. Bei sehr niedrigem Bremsflüssigkeitsstand sofort Fachwerkstatt aufsuchen.

SOFA IN VOLLER FAHRT. Die Durchlademöglichkeit bei geteilter Rückenlehne, hier bei einem VW Variant, beschränkt sich nicht nur auf sperrige Güter, sondern bringt auch Erleichterung im menschlichen Bereich. So ist es möglich, daß, wie im Bild zu sehen, die Beifahrerin auf einer längeren Reise ein Ruhestündchen einlegt, ohne daß dazu ein Aufenthalt nötig wäre.  Foto: autopress

SOFA IN VOLLER FAHRT. Die Durchlademöglichkeit bei geteilter Rückenlehne, hier bei einem VW Variant, beschränkt sich nicht nur auf sperrige Güter, sondern bringt auch Erleichterung im menschlichen Bereich. So ist es möglich, daß, wie im Bild zu sehen, die Beifahrerin auf einer längeren Reise ein Ruhestündchen einlegt, ohne daß dazu ein Aufenthalt nötig wäre.
Foto: autopress

Scheibenwischerblätter mit Seife und einer harten Wurzelbürste reinigen. Ausgefranste Scheibenwischerblätter erneuern. In einigen Werkstätten gibt es auch die wesentlich preiswerteren Scheibenwischergummis einzeln zu kaufen.

Die Ansaugluft für den Motor wird in Abhängigkeit der Außentemperatur vorgewärmt oder nicht. Bei den moderneren Motoren geschieht das automatisch. Bei älteren Modellen muß die Ansaugluft am Luftfilter meistens von Hand umgelenkt werden. Wie man dabei vorgeht, steht in der Betriebsanleitung.

Das Motoröl muß nur dann im Frühjahr gewechselt werden, wenn sich Winteröl (Einbereichsöl SAE 20) im Motor befindet oder der Ölwechselintervall ohnehin ansteht. Es empfiehlt sich im Frühjahr auch dann ein Ölwechsel, wenn das Fahrzeug während der Wintermonate vornehmlich in Kurzstrecken gefahren wurde.

Karosserie waschen, abledem und sämtliche Roststellen behandeln. Bei der Wagenwäsche ist es wichtig, daß auch die Türfalze und Schweller greinigt werden, da sich hier salzhaltiges Wasser sammelt und zu Rostschäden führen kann. Nach der Wagenwäsche und der Behebung der Rostschäden wird die komplette Karosserie mit einem guten Autowachs geschützt.

Die Wagenunterwäsche läßt man am besten von einer Tankstelle durchführen. Dabei werden dann gleichzeitig das Fahrzeug von unten inspiziert und Schäden am Unterbodenschutz behoben.

Die Motorwäsche ist nicht aus kosmetischen Gründen erforderlich. Sie empfiehlt sich vor allem, um das in den Motorraum eingedrungene Salzwasser abzuwaschen. Nach der Motorwäsche, die man sinnvollerweise von einer Fachwerkstatt durchführen läßt, empfiehlt es sich, den Motorraum einschließlich aller Karosserieteile und der Motorhaubeninnenseite mit einem Wachs aus der Sprühdose zu behandeln.

Die Kühlmittelflüssigkeit muß bei Fahrzeugen mit Ausgleichbehälter zwischen der Min.-und Max.-Markierung liegen. Bei Fahrzeugen ohne Ausgleichsbehälter befindet sich im Kühler eine Wasserstandsanzeige. Grundsätzlich nur eine Mischung aus Wasser, Kühlerfrostschutzmittel einfüllen.

Die Belagdicke der Bremsbeläge kann bei einigen Fahrzeugen ohne Demontage der Räder festgestellt werden, sonst Vorderräder abnehmen und mit einer Lampe in den Bremssattel leuchten. Pro Millimeter kann man übrigens -unter ungünstigen Bedingungen – mit einer Fahrleistung von 1000 Küometer rechnen. Bei einer Belagdicke von neun Millimeter (einschließlich der Rückenplatte) beträgt die Restnutzbarkeit der Beläge also noch rund 2000 Kilometer. Zum Überprüfen der Hinterradbremsbeläge Verschlußstopfen aus der Ankerplatte herausziehen und mit einer Lampe in das Loch strahlen. Bei einer Belagdicke von rund drei Millimeter müssen die Bremsbeläge erneuert werden.

Der Unterbrecherkontakt sorgt durch Schließen und Öffnen für den Zündimpuls. Da der Unterbrecherkontakt elektrisch und mechanisch stark beansprucht wird, muß er in bestimmten Intervallen kontrolliert, nachgestellt oder ausgewechselt werden. Zur Kontrolle des Unterbrecherkontaktes Zündverteüerkappe abnehmen. Mit Schraubendreher Unterbrecherkontakthebel anheben. Sind Abbrandstellen vorhanden, müssen die Kontakte erneuert werden. Anschließend ist der Zündzeitpunkt einzustellen.

Keilriemen durch kräftigen Daumendruck in der Mitte des Riemens prüfen. Dabei soll sich der Riemen etwa 15 Millimeter durchbiegen. Ist die Durchbiegung zu groß, Lichtmaschine lösen und mit Montierhebel von Motor abdrücken. Anschließend Schrauben wieder festziehen und Spannung nochmals prüfen.

Sind die Stoßdämpfer außen feucht oder wippt das Fahrzeug nach dem Herunterdrücken stark nach, müssen die Stoßdämpfer ausgebaut und überprüft werden. Dazu Stoßdämpfer in Einbaulage halten und auseinanderziehen und zusammendrücken. Der Dämpfer muß sich dann über den gesamten Hub gleichmäßig schwer und ruckfrei bewegen lassen.

Verrußte und abgenutzte Zündkerzen führen zu schlechter Motorleistung und vergeuden Kraftstoff. Zudem können Startschwierigkeiten auftreten. Zündkerzen alle 7500 Kilometer herausschrauben und überprüfen. Bei abgebrannten Elektroden Zündkerzen erneuern (etwa alle 20000 Küometer). Der Elektrodenabstand soll zwischen 0,6 bis 0,7 Millimeter liegen. Gegebenenfalls Elektroden auf das angegebene Maß nachbiegen. Dabei darf auf keinen FaH der Schraubendreher auf der Mittelelektrode abgestützt werden.

Und jetzt eine gute Fahrt in den Frühling!

Hans-Rüdiger Etzold