„Führerschein auf Probe“ soll bald kommen

Autor Rüdiger Etzold
Veröffentlichungsdatum 1982
Veröffentlicht in Zeitungsartikel
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Bußgeld für Gurtmuffel und Fahrtenschreiber werden abgelehnt / Fahrschulausbildung

Neben dem Führerschein auf Probe für Autofahrer, dem Stufenführerschein für motorisierte Zweiradfahrer, der Anhebung der Eintragungsgrenze für das Verkehrszentralregister in Flensburg auf 80 Mark, sollen Mofafahrer zukünftig neben der Prüfung auch eine theoretische und praktische Ausbildung erfahren. Dies geht aus einer Stellungnahme von Bundesverkehrsminister Dollinger zum Bericht der Kommission für Verkehrssicherheit (Höcherl-Kommission) hervor. Auch sei erwägenswert, die Fahrräder bei Dunkelheit besser sichtbar zu machen, indem die Ausrüstungspflicht mit Speichenrückstrahlern und/oder reflektierenden Weißwandreifen auch auf bereits in Benutzung befindliche Fahrräder ausgedehnt werden soll. Eine entsprechende Regelung soll schon in der nächsten Straßenverkehrsordnungs-Änderung übernommen werden. Die Ausrüstung von Fahrrädern mit Standlicht werde wegen der Stromversorgung dieser Ausrüstungen in der Praxis als problematisch betrachtet.

Auch seien Versuche in Vorbereitung, durch zusätzliche bauliche Maßnahmen die Autofahrer zu einem entsprechenden Geschwindigkeitsverhalten bei innerörtlichen Beschränkungen auf Tempo 30 zu zwingen, da das alleinige Auf stellen von Verkehrszeichen leider nicht ausreiche. Dagegen wird ein Bußgeld für Gurtmuffel abgelehnt, da es zweifelhaft sei, ob damit tatsächlich eine dauerhafte Erhöhung der Anlegequoten erreicht würde und weil entsprechend der Erklärung der Bundesländer eine solche Maßnahme nicht von zusätzlichen Kontrollen begleitet werden könnte. Negativ äußerte sich das Bundesverkehrsministerium auch zur Forderung nach einem Kurzwegschreiber (Fahrtenschreiber). In den Feststellungen und Forderungen der 150 köpfigen Verkehrsexperten-Kommission heißt es unter anderem: „Die Ausbildungsinhalte in den Fahrschulen müssen den Realitäten und den Risiken des Straßenverkehrs angepaßt werden.”

Das bedeutet u. a.: ein weiterer Ausbau der Gefahrenlehre, keine Prüfung mehr an verkehrsschwachen Orten und eine Verlängerung der Prüfzeit über 30 Minuten. Im Hinblick auf die erschreckend hohe Zahl von Unfällen, die junge Führerscheinbesitzer verursachen, forderte man die „Einführung des Führerscheins auf Probe”. Aus psychologischen Gründen könne es durch eine solche Regelung zu einer erheblichen Verminderung des Verkehrsrisikos auf den Straßen kommen, da der Fahranfänger, der befürchten muß, daß er bei Verkehrsvergehen die Fahrerlaubnis entweder entzogen oder nicht verlängert bekommt, Risiken vermeiden und die Regeln stärker beachten wird.

Eine solche Bewährungszeit könnte auf etwa drei Jahre begrenzt sein. Aus der Erkenntnis, daß „der Besitz und die exakte Handhabung der Straßenverkehrsordnung durch den einzelnen Verkehrsteilnehmer die Ausnahme darstellt”, wies die Kommission darauf hin, daß die Vermittlung der Regeln durch die Fahrschulen nicht den aktuellen Bedürfnissen entspricht. Dieses Defizit müsse durch eine intensivere Aufklärungsarbeit aufgehoben werden. Ferner empfahlen die Verkehrsfachleute, neben der bestehenden Straßenverkehrsordnung eine Ausgabe zu erarbeiten, die in volksnahen Formulierungen dieses Regelwerk dem Verkehrsteilnehmer nahebringt, wobei man die Regeln nicht nach Fahrsituationen, sondern nach Verkehrsteilnehmergruppen ordnen sollte. Aber nicht nur die Kenntnisse des Regelwerkes sind ungenügend, die Regeln werden von den Verkehrsteilnehmern auch nicht genügend akzeptiert.

In diesem Zusammenhang wies man auf den nahezu ganz fehlenden Verkehrsunterricht in weiterführenden Schulen hin. Eindeutig war für diesen Arbeitskreis, daß die Überwachung bestimmter, auf sehr gefahrenträchtige Situationen gerichteter Verkehrsregeln nicht ausreichend sei. Auch der ständig wachsende Schilderwald wurde von den Verkehrsexperten kritisiert. Die Gründe für den großen Umfang und die Unübersichtlichkeit dieses Schilderwaldes lägen eindeutig im kommunalpolitischen Bereich und in der Rechtsprechung. In nicht wenigen Fällen würden Schilder nur aus Haftungsgründen aufgestellt, damit bei etwaigen Unfällen der verantwortliche Beamte sagen könne, er habe vorgesorgt. Ein Weniger an Schildern würde ein Mehr an Sicherheit bedeuten.

R. E.