Gebrauchte nur mit Garantie

Autor Rüdiger Etzold
Veröffentlichungsdatum 1983
Veröffentlicht in Süddeutsche Zeitung
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Damit es keine Überraschungen gibt

Von den rund 24 Millionen Personenwagen, die auf unseren Straßen zugelassen sind, werden jährlich um die zwei Millionen wegen Altersschwäche aus dem Verkehr gezogen und durch fabrikneue ersetzt. Weitaus mehr Gebrauchte, nämlich rund fünf Millionen, wechseln im gleichen Zeitraum den Besitzer.

Mindestpreis: 3000 Mark

Geht man von der Statistik aus, werden 50 Prozent der Gebrauchten von Privat an Privat veräußert, 41 Prozent werden vom Neuwagenhandel verkauft und nur klägliche neun Prozent veräußert der reine Gebrauchtwagenhandel, der ohnehin etwas an Auszehrung leidet. Das liegt zum Teil an einem zu geringen Angebot, aber auch an einer eher negativen Ausstrahlung: Der reine Gebrauchtwagenhandel hat sich hierzulande in der Mehrzahl nie so richtig vom Hinterhof-Image lösen können.

Obwohl der Kauf eines gebrauchten Fahrzeugs hohe Risiken in sich birgt, vertraut die überwiegende Anzahl der Käufer ihren eigenen Fachkenntnissen, beziehungsweise dem Gefühl. Schon nach einer kurzen Probefahrt ist der Handel meistens perfekt, und der Ärger vorprogrammiert.

Damit der Kauf eines Gebrauchtwagens nicht zum Russischen Roulette wird, haben einige Fahrzeughersteller dafür gesorgt, daß ihre Händler eine Garantie auf den verkauften Gebrauchtwagen geben. Von den deutschen Automobilherstellern sind es beispielsweise Ford, Opel und VW/Audi. Bei BMW und Porsche gibt es diese generelle Garantie-Regelung nicht, doch kann man eine individuelle Versicherung beim Händler abschließen.

Die Garantie-Bestimmungen für Gebrauchtwagen sind bei den drei großen deutschen Automobilherstellern ähnlich. Sie umfaßt in der Regel alle ein bis sechs Jahre alten Gebrauchtwagen mit einem Verkaufspreis ab 3000 Mark. Die Garantie beginnt für den Kunden am Tag der Auslieferung des Gebrauchtwagens und gilt für ein Jahr ohne Kilometerbegrenzung. Der Garantieumfang erstreckt sich auf alle wichtigen Baugruppen wie Motor, Getriebe, Hinterachse, Antriebswellen, Lenkung, Bremszylinder, Bremskraftverstärker, Kraftstoffanlage, Lichtmaschine und Anlasser. Bis zu einer Laufleistung von 50 000 Kilometer übernehmen die Werkstätten die Material- und Lohnkosten.

Bei Fahrzeugen mit höherer Laufleistung werden auch die Lohnkosten ersetzt, doch muß sich der Käufer an den zu ersetzenden Teilen beteiligen. Denn es wäre unbillig, wollte man beispielsweise für einen Motor mit 90 000 Kilometer Laufleistung ein nagelneues Triebwerk ohne eigene Kostenbeteiligung erwarten.

Kunde mit Beteiligung

Die Höhe der Kunden-Beteiligung an den Materialkosten ist nach der Kilometerleistung des Fahrzeugs prozentual gestaffelt. So erhält der Kunde bei einer Laufleistung von mehr als 100 000 Kilometer immerhin noch neben den reinen Lohnkosten 40 Prozent der Material-Aufwendungen erstattet.

Da eine Garantie Geld kostet, haben sich die großen Automobilfirmen gegen das Risiko versichert. Pro Fahrzeug werden dafür rund 250 Mark aufgewendet, die natürlich der Kunde über den Gebrauchtwagenpreis mitbezahlt. Mit diesem Betrag erkauft sich jedoch der Gebrauchtwagen-Interessent die Sicherheit, für ein volles Jahr gegenüber unliebsame finanzielle Überraschungen gefeit zu sein.. Er kann mit seinem Gebrauchten auch ohne Angst in den Urlaub fahren, denn die Garantie erstreckt sich über das ganze Bundesgebiet einschließlich dem europäischen Ausland. Im Schadensfall zeigt man nämlich nur seinen Garantieschein vor, der von allen in- und ausländischen (Europa) jener Automarke akzeptiert wird, bei dem das Fahrzeug gekauft wurde. Wer also beispielsweise einen gebrauchten Ford oder Audi in einer V.A.G-Werkstatt gekauft hat, fährt im Schadensfall in irgendeiner VA.G.-Werkstatt vor und läßt dort den Schaden beheben.

Neben dieser sinnvollen Garantie der großen deutschen Automobilhersteller führen die meisten Fachwerkstätten auch das sogenannte Vertrauenssiegel vom Zentralverband des Kraftfahrzeuggewerbes e. V. (ZDK).

Hilfe bei Ärger: DieSchiedsstelie

Die angebotenen Gebrauchtwagen eines Vertrauenssiegel-Händlers sind beispielsweise mit einem Prüfgutach-ten versehen. Darin ist die Funktionstüchtigkeit der wichtigsten Teile des Fahrzeugs garantiert. Wenn ein solches Auto nicht dem im Gutachten angegebenen Zustand entspricht, kann der Käufer eine Nachbesserung verlangen. Und sollte sich der Käufer vom Händler in irgendeinerweise benachteiligt fühlen, kann er eine Schiedsstelle anrufen, die von unabhängigen Sachverständigen geleitet wird.

Das Vertrauenssiegel des ZDK ist zwar keine Garantie für Gebrauchtwagen im üblichen Sinne, der Käufer hat aber eine zusätzliche Sicherheit bei möglichen Meinungsverschiedenheiten über die Ware und muß nicht gleich die Gerichte bemühen.

Deshalb empfiehlt es sich vor dem Kauf eines Gebrauchtwagens beim Neuwagenhändler eingehend die Garantie-Bestimmungen zu studieren. Fehlen das Vertrauenssiegel und die Garantie, ist zumindest Vorsicht beim Abschluß des Kaufvertrages geboten.

HANS-RÜDIGER ETZOLD