Gebrauchtwagenkauf nur mit Garantieschein

Autor Rüdiger Etzold
Veröffentlichungsdatum 1985
Veröffentlicht in Zeitungsartikel
Original ansehen

Beim Kauf eines Autos aus zweiter Hand lassen sich Risiken vermeiden / Reparaturversicherung

Von den rund 24 Millionen Personenwagen, die auf unseren Straßen zugelassen sind, werden jährlich um die zwei Millionen wegen Altersschwäche aus dem Verkehr gezogen und durch fabrikneue ersetzt. Weitaus mehr Gebrauchte, nämlich rund fünf Millionen, wechseln im gleichen Zeitraum den Besitzer.

Geht man von der Statistik aus, werden 50 Prozent der Gebrauchten von Privat an Privat veräußert, 41 Prozent werden vom Neuwagenhandel verkauft und nur klägliche neun Prozent veräußert der reine Gebrauchtwagenhandel, der sich hierzulande in der Mehrzahl nie so richtig vom Hinterhofimage lösen konnte. Obwohl der Kauf eines gebrauchten Fahrzeuges hohe Risiken in sich birgt, vertraut die überwiegende Anzahl der Käufer ihren eigenen Fachkenntnissen, beziehungsweise dem Gefühl. Schon nach einer kurzen Probefahrt ist der Handel meistens perfekt und der Ärger vorprogrammiert.

Damit der Kauf eines Gebrauchwagens nicht zum russischen Roulett wird, haben einige Fahrzeughersteller dafür gesorgt, daß ihre Händler eine Garantie auf den verkauften Gebrauchtwagen geben. Von den deutschen Automobilherstellern sind es beispielsweise Ford, Opel und VW/Audi. Bei BMW und Porsche gibt es diese generelle Garantieregelung nicht, doch kann man eine individuelle Versicherung beim Händler abschließen. Die Garantiebestimmungen für Gebrauchtwagen sind bei den drei großen deutschen Automobilherstellern ähnlich. Sie umfassen in der Regel alle ein bis sechs Jahre alten Gebrauchtwagen mit einem Verkaufspreis ab 3000 Mark. Die Garantie beginnt für den Kunden am Tag der Auslieferung des Gebrauchtwagens und gilt für ein Jahr ohne Kilometerbegrenzung. Der Garantieumfang erstreckt sich auf alle wichtigen Baugruppen wie Motor, Getriebe, Hinterachse, Antriebswellen, Lenkung, Bremszylinder, Bremskraftverstärker, Kraftstoffanlage, Lichtmaschine und Anlasser. Bis zu einer Laufleistung von 50.000 Kilometer übernehmen die Werkstätten die Material- und Lohnkosten.

Gebrauchtwagenkauf nur mit Garantieschein-1Bei Fahrzeugen mit höherer Laufleistung werden auch die Lohnkosten ersetzt, doch muß sich der Käufer an den zu ersetzenden Teilen beteiligen. Denn es wäre unbillig, wollte man beispielsweise für einen Motor mit 90.000 Kilometern Laufleistung ein nagelneues Triebwerk ohne eigene Kostenbeteiligung erwarten.

Die Höhe der Kundenbeteiligung an den Materialkosten ist nach der Kilometerleistung des Fahrzeuges prozentual gestaffelt. So erhält der Kunde bei einer Laufleistung von mehr als 100.000 Kilometern immerhin noch neben den reinen Lohnkosten 40 Prozent der Materialaufwendungen erstattet.

Da eine Garantie Geld kostet, haben sich die großen Automobilfirmen gegen das Risiko versichert. Pro Fahrzeug werden dafür rund 250 Mark auf gewendet, die natürlich der Kunde über den Gebrauchtwagenpreis mitbezahlt. Mit diesem Betrag erkauft sich jedoch der Gebrauchtwagen-Interessent die Sicherheit, für ein volles Jahr gegenüber unliebsamen finanziellen Überraschungen gefeit zu sein. Er kann mit seinem Gebrauchten auch ohne Angst in den Urlaub fahren, denn die Garantie erstreckt sich über das ganze Bundesgebiet einschließlich des europäischen Auslands. Im Schadensfall zeigt man nämlich nur seinen Garantieschein vor, der von allen in- und ausländischen Werkstätten (Europa) jener Automarke akzeptiert wird, bei der das Fahrzeug gekauft wurde.

Wer also beispielsweise einen gebrauchten Ford in einer V-A-G-Werkstatt gekauft hat, fährt im Schadensfall in irgendeiner V-A-G-Werkstatt vor und läßt dort den Schaden beheben. Neben dieser sinnvollen Garantie der großen deutschen Automobilhersteller führen die meisten Fachwerkstätten auch das sogenannte Vertrauenssiegel vom Zentralverband des Kraftfahrzeuggewerbes e. V. (ZDK). Die angebotenen Gebrauchtwagen eines Vertrauenssiegel-Händlers sind beispielsweise mit einem Prüfgutachten versehen. Darin ist die Funktionstüchtigkeit der wichtigsten Teile des Fahrzeuges garantiert. Wenn ein solches Auto nicht dem im Gutachten angegebenen Zustand entspricht, kann der Käufer eine Nachbesserung verlangen. Und sollte sich der Käufer vom Händler in irgendeiner Weise benachteiligt fühlen, kann er eine Schiedsstelle anrufen, die von unabhängigen Sachverständigen geleitet wird.

Das Vertrauenssiegel des ZDK ist zwar keine Garantie für Gebrauchtwagen im üblichen Sinne, der Käufer hat aber eine zusätzliche Sicherheit bei möglichen Meinungsverschiedenheiten über die Ware und muß nicht gleich die Gerichte bemühen. Deshalb empfiehlt es sich, vor dem Kauf eines Gebrauchtwagens beim Neuwagenhändler eingehend die Garantiebestimmungen zu studieren. Fehlen das Vertrauenssiegel und die Garantie, ist zumindest Vorsicht beim Abschluß des Kaufvertrages geboten.

Hans-Rüdiger Etzold