Gründlich überholt

Autor Rüdiger Etzold
Veröffentlichungsdatum 1983
Veröffentlicht in Süddeutsche Zeitung
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Ford hat den Fiesta formal und technisch überarbeitet

Der neue Fiesta-Diesel soll unter fünf Liter auf 100 Kilometer brauchen

Ford hat seinen Fiesta renoviert. „Man kann schon fast von einem neuen Auto sprechen“, so Pressesprecher Rainer Nistl. Und in der Tat, die Ingenieure haben sich viel Mühe gegeben, den Kleinsten von Ford formal und technisch aufzufrischen.

Was sie jedoch nicht getan haben: Der Fiesta ist in der Länge um keinen Zentimeter gewachsen. Er bleibt also in seiner Klasse, in der er viele Jahre den Ton angegeben hat und in der Beliebtheitsskala immer erste Plätze belegte. In seiner nunmehr achtjährigen Produktionszeit hat es der Fiesta auf rund 2,8 Millionen Einheiten gebracht, die in Deutschland, Großbritannien und Spanien produziert wurden.

Um einerseits den neuen Ford-Dieselmotor unter die vordere Haube zu bekommen und gleichzeitig den Luftwiderstandsbeiwert (jetzt 0,40) zu verbessern, wurde der Vorderwagen komplett geändert. Die vordere Haube ist jetzt wesentlich niedriger gezogen und umschließt fast formschlüssig die großen Breitbandscheinwerfer. Hinzu kamen breitere, kunststoffummantelte Stoßfänger, die dem Fahrzeug ein gewichtigeres Aussehen verleilhen. Die ganze Frontpartie mit ihren kleinen Lufteintrittsöffnungen für die Motorkühlung unterstreicht die Familienzugehörigkeit zu den anderen Ford-Modellen.

BEINAHE EIN NEUES AUTO: Der Ford Fiesta wurde gründlich überarbeitet und ist nun sparsamer md-komfortabler. Die Außenlänge blieb gleich, neu hinzugekommen ist ein 54 PS starker Dieselmotor. Diese Version ist aber erst ab Spätherbst lieferbar.    Photos: Ford

BEINAHE EIN NEUES AUTO: Der Ford Fiesta wurde gründlich überarbeitet und ist nun sparsamer md-komfortabler. Die Außenlänge blieb gleich, neu hinzugekommen ist ein 54 PS starker Dieselmotor. Diese Version ist aber erst ab Spätherbst lieferbar. Photos: Ford

Auch im Innenraum geht es aufgeräumter zu. Eine umgestaltete Armaturentafel mit griffgünstig gelegenen Bedienungselementen und beleuchteten Schaltern fügen sich harmonisch in die Fahrgastzelle ein. Wobei allerdings das noch sportlicher gehaltene Armaturenbrett für die Ghia- und XR 2-Version größeren Zuspruch finden dürfte.

Ein überarbeitetes Heizungs- und Belüftungssystem sorgt überdies für einen kräftigeren Luftstrom und eine wirksamere Aufheizung des In-, nenraumes. Was man leider bei den Renovierungsarbeiten versäumt hat, ist die Anlenkung der Sicherheitsgurte an den vorderen Sitzen.

Für den kleinen Fiesta stehen einschließlich des neuen Dieselmotors (ab Dezember) fünf Triebwerke mit unterschiedlicher Leistung zur Verfügung, und zwar von 45 PS bis hinauf zu 96 PS, die aus dem bekannten Escort-Triebwerk gewonnen werden. Mit dieser großen Motorenpalette werden Fahrleistungen von 140 km/h bis zu 180 km/h geboten.

Der auch für den Fiesta ab Spätherbst zur Verfügung stehende Diesel-Motor (1,6 Liter / 54 PS) pachte eine Überarbeitung der Vorderachse erforderlich. Neue Anlenkpunkte und eine um 33 Millimeter verbreiterte Spur sollen Komfort und Straßenlage verbessern. Dieses sparsamste Modell (ECE – Verbrauch: 3,8/4,6/5,0 1/100 km) erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 147 km/h.

MIT RUNDLICHER FRONT: Der neue Fiesta.

MIT RUNDLICHER FRONT: Der neue Fiesta.

Erfreulicherweise hat man bei der Überarbeitung des Fiesta nicht nur an kosmetische Eingriffe gedacht, sondern eine ganze Reihe konstruktiver Feinarbeit geleistet und in die Serie einfließen lassen, um bei Reparaturen die Arbeitszeiten wesentlich zu verringern.

Je nach den pekuniären Verhältnissen und den persönlichen Komfortansprüchen kann man sich beim Fiesta vom Grundmodell über die L-, Ghia-und S-Version bis hin zum Topmodell XR 2 steigern. Betont wird natürlich, daß schon das Grundmodell hinreichend ausstaffiert sei. Doch seien zwei Punkte vermerkt, die auch dieser Ausstattungsvariante gut angestanden hätten. Zum einen sollte der innenverstellbare Außenspiegel grundsätzlich zur Ausstattung gehören, und die geteilte und teilweise umklappbare Rücksitzlehne würde sicherlich auch im Grundmodell Freude bereiten.

Gefahren haben wir die 1,0- und 1,1-Liter-Ver-sion, die sich in den Motorleistungen kaum unterscheiden. Der schwächere Bruder bringt es auf 45, der andere auf 50 PS (Superbenzin). Und obwohl der Leistungsunterschied nur so knapp ausfällt, bietet der Superbenziner das kräftigere Durchzugsvermögen. Er ist in 16,5 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit mit dem Fünf ganggetriebe von 143 km/h.

Der Fiesta fährt und schaltet sich problemlos. Nur bei Querrillen könnte man sich einen verfeinerten Abrollkomfort der Hinterachse vorstellen. Der gut verarbeitete, dreitürige Fiesta ist grundsätzlich mit einem Bremskraftverstärker ausgestattet und kostet in seiner preiswertesten Version 11985 und als XR 2 16900 Mark. Für den Diesel wird ein Aufgeld von 2435 Mark verlangt. Das ist für einen Selbstzünder in dieser Fahrzeugklasse nicht gerade wenig.

HANS-RÜDIGER ETZOLD