Keine Alternative zum Auto

Autor Rüdiger Etzold
Veröffentlichungsdatum 1982
Veröffentlicht in Zeitungsartikel
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Zehn Jahre Forschungsvereinigung der Automobilwirtschaft

Hier sollen Probleme gelöst werden, die alle Hersteller betreffen

Schon seit Jahren gibt es eine Gemeinschaftsforschung der Automobilwirtschaft (FAT, Forschungsvereinigung der Automobilwirtschaft e. V.), die in der Öffentlichkeit kaum bekannt ist. In diesem Verein haben sich insgesamt 29 Firmen aus der Automobilindustrie (Zubehörfirmen, Automobilhersteller) zusammengefunden, um allgemein interessierende Forschungsvorhaben zu initiieren, und zu vergeben, vornehmlich an Hochschulinstitute oder unabhängige Forschungsorganisationen.

In den zehn Jahren, die die Forschungsvereinigung inzwischen besteht, standen zwar keine großen Summen zur Verfügung, dennoch konnten elf Millionen Mark für Forschungsvorhaben aufgewendet werden. Das Geld stammt übrigens vornehmlich von der Automobilindustrie.

Anläßlich des zehnjährigen Bestehens der Forschungsgemeinschaft ging Werner Breitschwerdt (Vorstand Forschung und Entwicklung der Daimler Benz AG) in einem Vortrag auch auf die Zukunft und die Alternativen zum Automobil ein. „Als Entwicklungsingenieure müssen wir bekennen, daß nichts anderes in Sicht ist, nichs Besseres bisher vorgeschlagen wurde, keine Alternative erfunden und offenbar auch nicht in dunklen Vorstellungen schon beschrieben ist, die diese Aufgabe gleich gut oder sogar besser, besser in ihrer Funktion, in ihrer Verfügbarkeit und in ihrer Erwerbbkrkelt als das Kraftfahrzeug erfüllen könnte.

AUF STRASSEN MIT RADWEGEN ereignen sich fast ebenso viele Radverkehrsunfälle wie auf Straßen ohne Radwege. Besondere Gefahrenpunkte sind dabei Grundstücksein- und -ausfahrten und die Stellen, an denen Fahrzeuge auf oder am Rand des Radwegs geparkt werden.

AUF STRASSEN MIT RADWEGEN ereignen sich fast ebenso viele Radverkehrsunfälle wie auf Straßen ohne Radwege. Besondere Gefahrenpunkte sind dabei Grundstücksein- und -ausfahrten und die Stellen, an denen Fahrzeuge auf oder am Rand des Radwegs geparkt werden.

Es gibt gar keinen Zweifel darüber, daß in dem Augenblick, in dem etwas Besseres erdacht worden ist, das Automobil seine Vorherrschaft verlieren wird, wie das mit der Postkutsche durch die Eisenbahn und mit der Eisenbahn durch das Auto geschah. Aber das, was heute als Alternative zur Erfüllung von Verkehrsaufgaben angboten wird, ist genau das Gegenteil, nämlich der Rückgriff auf alte Transporttechnologien, die alle dadurch gekennzeichnet sind, daß sie gerade durch die überlegenen Fähigkeiten des Automobils zurückgedrängt wurden, nämlich: zu Fuß gehen, das Radfahren und der schienengebundene Sammelverkehr.

Solche Vorschläge sind nostalgische Regungen, die sich eine Gesellschaft nur leistet und auch leisten sollte, wenn ihre wirklichen Bedürfnisse nach Mobilität erfüllt sind. Es gibt also heute und in der übersehbaren Zukunft keine bessere Alternative zum Automobil.“

Dennoch gibt es rund ums Auto noch viele offene Fragen. Einige davon wurden durch Forschungsvorhaben der FAT inzwischen beantwortet, da sich diese Forschungsvereinigung jener Themen zuwendet, die von einer Automobilfirma allein kaum aufgegriffen würden. Gerade aber für die Allgmeinheit sind manche dieser Forschungsergebnisse von besonderem Interesse. Hier eine Auswahl aus dem FAT-Forschungsprogramm:

• Belastbarkeitsgrenzen und Verletzungsmechanik angegurteter Fahrzeuginsassen.

• Rückführung und Substitution von Kupfer im Kraftfahrzeugbereich.

• Fahrverhalten von Lastzügen und hierbei insbesondere von Anhängern. Untersucht wurde das Ausscheren des Anhängers in Kurven, um diese die Verkehrssicherheit gefährdenden Vorgänge in den Griff zu bekommen.

• Bremsgeräusche: Häufig treten beim Abbremsen Bremsgeräusche auf, die als lästig empfunden werden. Bislang gibt es nur empirisch gewonnene Abhilfen; allgemein gültige Grundlagen für eine Abhilfe existieren noch nicht. In einem Forschungsvorhaben der FAT sollen Grundsatzversuche durchgeführt werden, die als Grundlage für eine rechnergestützte Allgemeinaussage dienen können.

Zur Zeit prüft die Forschungsgemeinschaft die elektromagnetische Verträglichkeit der im Fahrzeug zunehmend verwendeten elektronischen Systeme. Dffese verhalten sich nämlich der Umwelt gegenüber wie eine Antenne. Es werden also elektromagnetische Felder abgestrahlt und empfangen. Beide Erscheinungen sind unerwünscht und müssen im Interesse der Allgemeinheit innerhalb angemessener Grenzen gehalten werden. HANS-RÜDIGER ETZOLD