Kuriose Autobasteleien

Autor Rüdiger Etzold
Veröffentlichungsdatum 1969
Veröffentlicht in Zeitungsartikel
Original ansehen

Nichts ist vollkommen, auch ein Auto nicht. Dies muß ich — Redakteur hei einer Automobilzeitschrift — immer wieder feststellen; denn fast täglich landen auf meinem Schreibtisch Autoverbesserungsvorschläge. Viele davon sind großartig, manche reizen zum Schmunzeln.

Da ist zum Beispiel die geniale Idee eines Professors, der die Volksklimaanlage für das Auto erfand. Sie ist so simpel in ihrem Aufbau, daß ein jeder sie nachbauen kann. Man benötigt dazu eine Kühltasche, Stangeneis (gibt’s auf dem Schlachthof), einen Schlauch vom Staubsauger und einen kleinen elektrischen Lüfter. Von der Kühltasche wird der Staubsaugerschlauch durch den Kofferraum ins Wageninnere verlegt. Nun muß der Lüfter eingeschaltet werden, und, wie der Professor versichert, die Autoklimaanlage funktioniert. Schließt man dieser Anlage noch einen Kühlschrank zu, dann läßt sich gleich das geschmolzene Wasser wieder zu Eis aufbereiten. Wie nützlich ein Kühlschrank für den Rundfunkempfang sein kann, beweist der Tip eines anderen Lesers: „In den Sommermonaten hatte ich zeitweilig keinen Ton. Als dann die Nächte etwas kälter wurden, spielte der Empfänger plötzlich wieder. In der Mittagszeit war dann alles wieder stumm. Da habe ich einfach das Radio in die Gemüseschale gelegt, und seitdem spielt es wieder wie neu.“ Sollten Sie sich vielleicht in nächster Zeit einen neuen Kühlschrank zulegen, dann wählen Sie ihn gleich ein paar Nummern größer. Denn allzuoft kommt es gerade bei Fernsehgeräten vor, daß der Ton ausbleibt. Ein kurzer Kälteschock, und der Krimi läuft weiter.

Nicht weniger genial ist der Vorschlag, wie man ein vereistes Autotürschloß auftaut. Raucher haben’s da ganz einfach. Sie zünden sich eine Zigarette an, machen ein paar Lungenzüge und blasen die entfachte Glut ins Türschloß. Nichtraucher nehmen den Handballen (der ist immer dabei) und reiben und reiben. Mag dies beim Türschloß sinpvoll sein, beim eiskalten Motor, der nicht anspringen will, versagt das Patent. Dafür gibt’s Besseres. Man nimmt ein Bügeleisen, stellt es auf heiß und legt es unter den Motor. Sollte der Motor nach einer Stunde immer noch zu kalt sein, dann reklamieren Sie das Bügeleisen.

Haben Sie das Türschloß auf und den Motor am Laufen, dann ist vielleicht der Sitz zu kalt. Aber auch hierfür haben findige Köpfe den richtigen Tip parat. Sicherlich hat Ihre Frau oder Ihre Schwiegermutter noch einen Pelz, der nur im Schrank hängt und nach Mottenpulver riecht. Entmotten Sie ihn und machen Sie daraus Autositzpelze! Sollte kein Pelz mehr in der Familie vorhanden sein, dann hilft Styropor. In richtige Größe geschnitten, mindestens 8—15 Millimeter stark, hält es den Rücken wohltemperiert.

Bevor Sie nun den Fuß auf Kupplungs- oder Bremspedal setzen, denken Sie daran, er könnte abrutschen. Rutschfest wird der Schuh, klebt man Schmirgelleinen auf die Pedalgummis.

Bei all diesen Bastelarbeiten bekommt man natürlich schmutzige Hände. Wie soll man sie säubern, wenn kein Wasserhahn in der Nähe ist? Der Edelbastler führt zu diesem Zweck neben Seife und Handtuch einen wassergefüllten Kunststoffbeutel im Kofferraum mit. Und damit das Handtuch schnell wieder trocknet, wird es vorn — ebenfalls ein Leservorschlag — über die Kühlerhaube gespannt. Experten berichteten, daß es schon nach 5 Kilometern Fahrstrecke trocknet (die angesammelten toten Mücken und Fliegen lassen sich vom Handtuch mit dem Autostaubsauger entfernen). Wie nützlich sich der mitgeführte Wasserbeutel erweisen kann, zeigt dieser ausgefeilte Tip: „Wer seinen Wagen im Winter wäscht, wird feststellen, daß sich nach getaner Arbeit der Plastic-schlauch sehr schlecht aufrollen läßt. Wer dies weiß, legt vorher den Wasserbeutel auf den warmen Motor. Das Wasser erwärmt sich und wird durch den kalten Schlauch gegossen. Jetzt läßt sich der Schlauch ohne Mühe in geordnete Bahnen legen.“

Ein Metzger verfiel auf die Idee, ein Bolzenschußgerät in seinem Auto zu installieren; nur kam es wegen Funkionsunfähigkeit nie zum Blattschuß. Ebenfalls berufsbezogen dachte ein Feuerwehrmann und bastelte diese Diebstahlsicherung: „Die Statistik besagt, daß 70 Prozent der Diebe durch die Beifahrertür eindringen. Davon ausgehend, habe ich vorne unter dem Armaturenbrett senkrecht einen Feuerlöscher montiert. Ueber ein Gestänge ist der mit der Beifahrertür verbunden. Das Gestänge hänge ich immer in die Tür ein, wenn ich das Auto verlasse. Wenn nun die Beifahrertür geöffnet wird, geht der Feuerlöscher los.“ Zwei Wochen nach dem ersten Schreiben bekam ich die Erfolgsmeldung: „Meine Frau hat versehentlich bei eingeschalteter Diebstahlschutzanlage die Beifahrertür geöffnet. Frau und Wageninneres ganz in Weiß.“

Sollte auch dieser Bastelvorschlag kein Echo bei Ihnen finden, so möchte ich Ihnen zum Schluß noch verraten, wie Sie diese Zeitung nutzbringend verwerten können. Nehmen Sie die Kokosmatten aus Ihrem Wagen und legen Sie die Zeitung auf den Fußboden und die Matte wieder darüber. Jetzt rieselt der Schmutz von den Schuhen durch die Matte und bleibt auf der Zeitung liegen. Und beim wöchentlichen Wagenputzen brauchen Sie nur die Zeitung auszutauschen.