Luftbüchse

Autor Rüdiger Etzold
Veröffentlichungsdatum 1970
Veröffentlicht in Gute Fahrt
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Der VW 181 ist ein Mehrzweckauto, das man zugeknöpft und hochgeschlossen oder tief dekolletiert fährt. Mit Verdeck oder auch ohne. Mit Windschutzscheibe und im vollen Luftstrom. Mit Türen oder ohne diese. Wir fuhren ihn im Winter. Und harten Männern oder – wie man sieht – auch Kindern macht das Spaß.

Es ist ein schönes, rauhes, lautes und rundum luftgekühltes Vergnügen, mit dem man auf den allerletzten und steilsten Wegen vorstößt, bis dorthin, wo die Pfade nicht mehr weiterführen und der Schnee gar zu tief ist oder der Schlamm grundlos. Wo dieser Wagen festen Grund zu packen kriegt, da kommt er durch.

König Gustav von Schweden war der erste Monarch, der im VW 181 eine Erkundungsfahrt unternahm. Er wird sicherlich nicht der letzte bleiben, denn alle, die noch rustikales Gelände zu befahren haben, finden in dem VW-Geländewagen ein Auto, das rauhen Pfaden die nötige Robustheit entgegenbringt. Selbst nach harter Testfahrt im Gelände ließen sich die Türen leicht öffnen und schließen, obwohl dem Wagen das Blechdach fehlt, das normalen Personenwagen erst die notwendige Stabilität verleiht.

Dem Charakter des Wagens sind Federung und Dämpfung angepaßt: hart und straff, damit sich der Aufbau im Gelände nicht aufschaukelt. Bei leichten Bodenwellen beginnt das Fahrzeug zu nicken, im Gelände (und bei geringer Belastung) schüttelt es sich, daß man automatisch auf langsameres Tempo übergeht. Auf der Straße dagegen tritt man das Gaspedal bis zum Anschlag nieder, um herauszuholen, was der Motor hergibt. Wir schafften 116 km/h. Gegenüber dem 1500er VW Käfer ist die Höchstgeschwindigkeit also rund 10 km/h niedriger. Das liegt u. a. an der extrem kurzen Übersetzung, die die Motordrehzahl in notwendiges Bergsteigevermögen umsetzt. Am Berg schafft der Wagen denn auch, ist der Boden hart, im 1. Gang eine Steigung von 55%. Das ist ein Höhenunterschied von 55 Metern auf einer Länge von 100 Metern. Beachtlich, da der 181er keinen Allradantrieb hat. Dafür hatte unser Testwagen das als Mehrausstattung angebotene Sperrdifferential. Es sorgt dafür, daß beide Hinterräder greifen und ist im Gelände, solange die Räder auf der Piste Halt finden, eine wirksame Unterstützung.

1970-2_Luftbüchse_pdf_thumbAuf unserem verschneiten Test-Gelände zeigte sich, daß die Reifen zu feinstollig profiliert sind. Zu schnell setzte sich das Profil voll Schnee, und die gesperrten Antriebsräder wirbelten den Schnee zu riesigen . Fontänen hoch. Erst Schneeketten machten den 181er wieder flott. Und im Morast ergab sich der gleiche Effekt: Das Reifenprofil – eine Konzession an den normalen Straßenbetrieb – setzte sich zu, und die Räder rutschten durch. Sicherlich wird man aus diesem Grund eines Tages ein Reifenprofil anbieten, das vornehmlich für den Einsatz im Gelände vorgesehen ist.

Mit einer Länge von 3,78 m ist der 181er gegenüber dem Käfer um 25 cm kürzer. In Verbindung mit den kurzen Achs-überhängen, der relativ großen Bodenfreiheit von 20 cm und der straffen Federung, marschiert der Wagen praktisch über alle Bodenunebenheiten, ohne aufzusetzen.

Hat er sich einmal richtig festgewühlt, so liegt er auf dem Bauch, der glatt wie bei einer Schildkröte ist. Selbst dem Motorgehäuse macht die Grundberührung nichts aus, da es durch Schutzblech und -gitter geschützt wird. Will man den aufliegenden Wagen mit eigener Kraft wieder flott machen, drehen die Hinterräder willig durch, nur fehlt ihnen der Grund, an dem sie das Auto rausziehen können. Für solche Fälle hat die Stoßstange Ösen, durch die sich allerdings kein herkömmliches Abschleppseil durchziehen läßt. Wir legten es um die stabilen Stoßstangenhalter und zerrten den Wagen aus dem Morast.

Die kurze Übersetzung erfordert es, daß man im Stadtverkehr den Schalthebel mehr als üblich bewegt. Und wer ihn schnell handhaben kann, schafft es in knapp 7 Sekunden von 0 auf 50 km/h, von 0 auf 80 km/h vergehen 16,3 Sekunden. Um jedoch auf 100 km/h zu kommen, braucht man den vierten Gang, der dazu beiträgt, daß bis dahin 32,4 Sekunden verstreichen.

Schaltung und Lenkung arbeiten mit der bekannten Präzision; auch im Gelände erfordert das Lenken kaum merklich größeren Kraftaufwand. Die Kupplung ist gegenüber der Käfer-Kupplung bissiger; dies liegt daran, daß der Kupplungsscheibe — zum besseren Anfahren am Berg – die Torsionsfedern fehlen. Der 1500er 44 PS-Motor hat eine Nenndrehzahl von 4000 U/min, die man auf der Straße praktisch immer abruft, um im Verkehr mitzuhalten. Das macht sich im Motorgeräusch bemerkbar, das in der gänzlich unverkleideten Karosserie den richtigen Resonanzboden findet. Schaltet man dann noch die benzingespeiste Heizung dazu, bekommt man einen Vorgeschmack von dem, was uns erwartet, wenn einst in Personenkraftwagen Düsentriebwerke installiert würden. Aus einem 80 mm starken Rohr pustet die Heizung über 50° C heiße Luft auf den Fuß, den rechten, der das Gaspedal niedertritt. Auf den vorderen Sitzen herrscht dann bei winterlicher Kälte und schneller Autobahnfahrt eine Temperatur von rund 13° C und auf der hinteren Sitzbank sackt das Thermometer gar auf 7° C ab. Das ist zuviel, um zu erfrieren, aber zu wenig, um sich wohl zu fühlen. Zwar hat das Eberspächer Heizgerät die notwendige Leistung, doch müßte der heiße Luftstrahl konstruktiv so umgelenkt werden, daß er besser den Innenraum aufheizt. Schaltet man die Heißluft um, so daß sie die Frontscheibe bestreicht, fällt auf, daß oberhalb des Scheibenwischermotors, also im Sichtbereich des Fahrers, die Scheibe nicht vom Beschlag befreit wird. Vielleicht sollte man den Scheibenwischermotor unter das Armaturenbrett verbannen, und den Antrieb zu den Wischern mit einer biegsamen Welle vornehmen, damit die Frontscheibe sich noch klappen läßt.

Sieht man davon ab, daß man beim Einsteigen die Beine ziemlich hochziehen muß, kommt man durch die kleinen Türen ohne große Verrenkungen in das Auto. Die mit hellem, glattem Kunststoff bezogenen Sitze wünschten wir uns schalenförmiger ausgeprägt, um im Gelände dem Körper die nötige Abstützung zu gewähren.

Im kargen Armaturenbrett sind die notwendigen Schalter funktionell angebracht, so daß ein Verwechseln nicht möglich ist. Anstatt einer Innenraumleuchte ist im offenen Handschuhfach eine Kartenlampe installiert,Warnblinkanlage und Benzinuhr gehören zur Serienausstattung, wie auch eine Steckdose für Ladegerät oder Zusatzlampe. Der Blick des Fahrers fällt durch eine plane Verbundglasfrontscheibe, deren Wischerfeld nicht optimal ist: Links in der unteren Ecke verbleibt ein ziemlich großes Stück Fensterfläche ungewischt.

Mit Schneeketten gewappnet erklimmt der Geländewagen ohne Schwierigkeiten steile Höhen.

Mit Schneeketten gewappnet erklimmt der Geländewagen ohne Schwierigkeiten steile Höhen.

Von der Wagenvorderfront sieht man die spitz zulaufende Haube, die tieferliegenden Kotflügel erkennt man nicht, und so läßt sich die Autobreite beim Rangieren nur erahnen. Der rechte Seitenspiegel, zu tief angeordnet, ließ sich trotz langwieriger Einstellerei nie in eine Position bringen, um dem Fahrer den nötigen Rückblick zu gewähren. Praktisch sind die hinteren Klapp-Lehnen, im umgeklappten Zustand ergibt sich dadurch eine blechbeplankte Ladefläche (Breite 120 cm, Tiefe 100 cm, Höhe 80 cm), auf der sich Milchkannen, Geschossenes und ähnliches transportieren läßt.

Das Verdeck, in wenigen Sekunden zurückgeklappt, ist aus kräftigem Kunststoffmaterial, klapperfrei und von stabiler Natur. Den Insassen wird viel Kopffreiheit gegönnt, und selbst die langen Schrotflinten der Jäger dürften, senkrecht stehend, noch ausreichend Platz finden.

Alle vier seitlichen Steckfenster lassen sich mit wenigen Handgriffen aus der Verankerung ziehen und in eine mitgelieferte Schutzhülle vorn unter der Haube lagern. Dort liegt auch das Reserverad. Viel mehr läßt sich dann auch nicht unter der Fronthaube verstauen. Wem nach mehr Luft im Wagen ist, kann zusätzlich noch alle vier Türen aushängen, für die sich im Auto aber nur Platz auf den hinteren Sitzen findet. Mit den ausgehängten Türen muß man gleichzeitig auf die Seitenspiegel verzichten.

Basis für den 181er ist bewährte VW-Technik: Das Rahmenblech stammt vom kleinen Ghia, Motor, Getriebe (allerdings mit anderer Übersetzung) und Vorderachse vom Käfer. Achsschenkel, Tragarme und Stoßdämpfer wurden für den Geländeeinsatz verstärkt. Inspektionen wie üblich, nur in der Autopflege ergibt sich ein Unterschied: Während der Pkw-Besitzer sein Auto mit Politur auf Hochglanz bringt, wird der Geländewagen-Eigner abgeschabtes Blech mit Farbe überpinseln. H.-R. Etzold

 

Technische Daten VW 181

Hubraum 1493 ccm
Verdichtung 7,5:1
Leistung 44 PS bei 4000 U/min
max. Drehmoment 10,2 mkp bei 2000 U/min
elektrische Anlage 12 Volt/36 Ah
Tankinhalt 40 Liter
Benzin Normalbenzin
Vorderachse Einzelradaufhängung an Kurbellenkern
Hinterachse Längslenker / Torsionsstab
Spur vorn 1324 mm
Spur hinten 1416 mm
Radstand 2400 mm
Länge 3780 mm
Breite 1640 mm
Höhe 1620 mm
Bremsen vorn Trommel
Bremsen hinten Trommel
Bereifung 165 R – 15 M + S mit Schlauch
Leergewicht 900 kg
Nutzlast 440 kg
zul. Gesamtgewicht 1340 kg
Anhängelast ungebremst 400 kg
Anhängelast gebremst 650 kg
zul. Dachlast keine

Bergsteigefähigkeit

4. Gang 9 %
3. Gang 15 %
2. Gang 29 %
1. Gang 55 %

Empfehlenswerte Mehrausstattung

Sperrdifferential 434,01 DM

GF-Meßergebnisse

Höchstgeschwindigkeit 116 km/h
Beschleunigung 0 – 80 km/h 16,3 sec
Beschleunigung 0 auf 100 km/h 32,4 sec
Benzinverbrauch: Mittelwert auf 100 km 11,6 Liter
Benzinverbrauch mit Heizung 12,1 Liter

Kosten

Preis 8500 DM
Versicherung für 1 Jahr (Deckungssumme 1.000.000) 444 DM
Steuer für 1 Jahr 216 DM