Mehr Leistung und dennoch sparsam

Autor Rüdiger Etzold
Veröffentlichungsdatum 1980
Veröffentlicht in Zeitungsartikel
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Premieren: Mitsubishi Galant Turbo Diesel / Volvo 343 / Renault 18 Turbo

Der Turbolader ist auf dem Vormarsch, und die Schweden rüsten ihre Modelle mit stärkeren Motoren aus

Mitsubishi Turbo Diesel

Bislang haben die Japaner ihre Kunden vornehmlich in der Kompaktwagenklasse gesucht, inzwischen beschicken sie auch verstärkt jene Absatzmärkte, die keine allzu großen Verkaufsstückzahlen erwarten lassen. Ein Beispiel dafür ist der Mitsubishi Diesel, der mit seinem 2,3-Liter-Turbomotor in der gehobenen Mittelklasse antritt und dort auf so eingeführte Konkurrenten trifft wie Audi 100, Daimler Benz 300 D, Opel Rekord D und Peugeot 505 SRD.

Dennoch glauben die Mitsubishi-Marktstrategen, in diesen Markt eindringen zu können, zumal sie einen recht munteren Dieselmotor unter der Galant-Haube anbieten können. Der Motor ist neu entwickelt worden und weist in seiner Klasse als einziger serienmäßig eine Turboanlage auf, die dem Aggregat zu satten 84 PS (62 kW) verhilft. Und in der Tat, in dem 1240 Kilo schweren Galant vermittelt der Selbstzünder einen recht guten Eindruck. Selbst im fünften Gang und bei Stadtgeschwindigkeit zieht der Motor den Mittelklassewagen zügig davon und erreicht bei vollem Ausdrehen eine Höchstgeschwindigkeit von 156 km/h, so daß zumindest in diesem Punkt der Galant-Diesel allen Konkurrenten davonfährt.

Je nach Fahrweise und bei häufiger Benutzung des fünften Ganges kommt der Galant mit rund 10 Liter Diesel aus. Mit einem technischen Trick haben die Mitsubishi-Techniker es überdies verstanden, das lästige Ruckein beim Schalten eines Dieselmotors zu unterbinden. Beim Galant-Diesel dämpft nämlich eine zwischen Motorschwungscheibe und mechanischer Kupplung installierte hydraulisch wirkende Flüssigkeitskupplung die  Motorbremsmomente. Eine wirklich gute Idee, die in der Dieseloberklasse sicherlich Schule machen wird.

Während der mit Ausgleichswellen ausgestattete und vibrationsarme Motor ohne weiteres Pluspunkte sammelt, sorgt die servounterstützte Lenkung für Minuspunkte in diesem Fahrzeug. Zwar ist sie fast mühelos zu dirigieren, doch läßt sie auf Grund ihrer Soft-Auslegung jeden Kontakt mit der Straße vermissen. Mag sein, daß eine solche Auslegung auf amerikanischen Highways gefragt ist, hier wird die Abstimmung kaum Freunde finden. Das gilt auch für das Fahrverhalten, denn in schnellen Kurven verwandelt sich der mit starrer Hinterachse ausgestattete Galant vom Untersteuerer zum Übersteuerer, was manchen Fahrer überfordern dürfte.

Auch der Galant zählt zu jenen japanischen Autos, die mit einer Komplettausstattung zum Verkauf gelangen und zudem recht preisgünstig sind. Denn mit einem Einstandspreis von 18 490 Mark kann in dieser Klasse allenfalls der Opel Rekord mithalten.

Volvo 343

Jahrelang wurde das Volvo-Image in der Öffentlichkeit von der Sicherheitsphilosophie der schwedischen Automobilfirma geprägt. Inzwischen hat die Fahrzeugsicherheit beim Käufer nicht mehr den Stellenwert früherer Jahre. Gefragt ist Leichtbau, und in dieser Disziplin wiegen die Eigengewichte der Schwedenfahrzeuge im Vergleich zu den Konkurrenten besonders schwer. So bringt der Volvo 343 mit 95 PS (70 kW) 1116 Kilo (VW Golf 750 kg, Audi 80 950 kg) auf die Waage und der Volvo 264 ist mit einem Eigengewicht von 1,45 Tonnen auch nicht gerade zum Schwedenhappen geraten.

Was man allerdings den Volvos nicht absprechen kann, ist die gediegene und ordentliche Verarbeitung und das gewisse Flair, das sie ausstrahlen.. Die Eigner haben ein inniges Verhältnis zu ihrem fahrbaren Untersatz und lieben das eher konservative Understatement.

Zum neuen Modelljahr bietet Volvo im 343 einen 95 PS starken 2-Liter-Motor an, der vor allem wegen seines elastischen Drehverhaltens positiv auf fällt. Äußerlich erkennt man den kleinen Schweden aus dem Modell jahr 81 an den jetzt um die Karosserieecken herumgezogenen Stoßfänger aus schwarzem Kunststoff und an der leichten Erhöhung in der mittleren Partie der Motorhaube, die erforderlich wurde, um das stärkere Triebwerk unter die Haube zu bekommen.

Unter dem Blechkleid fällt vor allem das Transaxlerohr auf, durch das der im Wagenbug befindliche Motor starr mit dem vor der Hinterachse plazierten Getriebe zu einer festen Antriebseinheit verschraubt ist. Innerhalb des Transaxlerohrs rotiert die dreifachgelagerte Kardanwelle.

Um eine gute Gewichtsverteilung zu erhalten, wurde das bislang vorn untergebrachte Ersatzrad samt Wagenheber und Werkzeug in einer Mulde im Kofferraum untergebracht. Zudem wurde der 57-Liter-Tank vor die Hinterachse und damit näher an den Fahrzeugschwerpunkt verlagert.

Das mit Federbeinen an der Vorderachse und mit einer DeDion-Hinterachse (konstruktiv aufwendige Starrachse), ausgestattete Fahrwerk vermittelt einen guten Fahrbahnkontakt, wenngleich auf welliger Fahrbahn die Grenzen des Schluckvermögens dieser Achskonstruktion deutlich werden. Diesen Eindruck können auch nicht die sofaweichen Sitze mindern.

Den Verbrauch gibt Volvo nach der ECE-Norm mit 12,0 1 für die Stadtfahrt und mit 7,4 1 bei 90 km/h bzw. 10,2 1 bei 120 km/h Superbenzin an. Das präzis zu schaltende Vierganggetriebe und die mit geringen Lenkkräften auf wartende Lenkung wie auch das Interieur hinterlassen einen’sympathischen Eindruck in dem Schweden.

Je nach Ausstattung gibt es den 343 DLS zum Einstandspreis von 15 990 Mark und den reichhaltiger ausgestatteten GLS ab 16 590 Mark.

 

HANS-RÜDIGER ETZOLD