Mit dem Serena steigt Nissan bei den Minivans ein

Autor Rüdiger Etzold
Veröffentlichungsdatum 1992
Veröffentlicht in Zeitungsartikel
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Neuss (DK) Der Minivan – auch Minibus genannt – erfreut sich in Deutschland zunehmender Beliebtheit. Marktforscher haben errechnet, daß der Bedarf Mitte der 90er Jahre bei jährlich rund 80000 Fahrzeugen liegen wird.

Deutsche Automobilfirmen haben den Trend bislang verschlafen, doch wollen Volkswagen und Ford schon in wenigen Jahren mit einem gemeinsam entwickelten Produkt Marktanteile erobern. Schon im Geschäft sind Renault mit dem Espace (38 Prozent Marktanteil), Chrysler mit dem Voyager (23 Prozent), Toyota mit dem Previa (20 Prozent) und Nissan mit dem Prairie (6 Prozent).

Ein Minivan zeichnet sich vor allem dadurch aus, daß er auf der Verkehrsfläche eines Mittelklassewagens mehr Platz für Personen und Gepäck bietet. Sein charakteristisches Aussehen erhält er durch die größere Fahrzeughöhe, steiles Heck und Stummelschnauze.

Mit dem neuen Modell Serena will nun auch Nissan am Boom teilhaben. Der Wagen wird seit einigen Monaten schon in Japan gefertigt, jetzt läuft er, leicht überarbeitet, in Europa vom Band. Die Produktionsstraße steht in Barcelona, die Blechteile werden aus spanischen Nissan-Werken angeliefert, der Motor aus dem britischen Nissan-Werk.

Platz für sechs in bequemen Sesseln: Nissan Serena.

Platz für sechs in bequemen Sesseln: Nissan Serena. (Werkfoto)

In Länge (4,31 m) und Breite (1,71 m) hat der Serena Limousinenformat, baut aber beträchtlich höher (1,82 m). Platz wird für sechs Personen geboten, bei solcher Besetzung schrumpft aber der Kofferraum auf spärliche 350 Liter. Zudem dürfen dann pro Kopf nur noch 20 Kilo zugeladen werden.

Die Passagiere sitzen alle auf gut ausgeformten Einzelsesseln. Die mittleren Stühle lassen sich um 180 Grad drehen. Was fehlt, ist ein aufklappbarer Tisch, um Skatblatt oder Coladose ablegen zu können. Durch eine breite Schiebetür steigen die hinteren Passagiere ein. Wird der Serena mehr als Transportgefahrt eingesetzt, lassen sich die letzten zwei Sitze mühelos falten und zur Seite klappen, so daß der Gepäckraum auf stattliche 1900 Liter anwächst.

Der Vorteil eines Minivan liegt also in seiner Wandlungsfähigkeit. Diesen Vorzeug läßt sich Nissan allerdings auch kräftig bezahlen – der Serena kostet 39 995 Mark.

Um das Konzept eines kompakten Minivans umsetzen zu können hat Nissan den Motor unter den beiden vorderen Sitzen plaziert. Das Triebwerk erreicht man nur nach dem Wegklappen eines Sitzes einschließlich der Motorraumabdeckung. Diese Prozedur ist auch dann erforderlich, wenn man etwa Motoröl nachfüllen will. Die wartungsintensiven Nachfüllmöglichkeiten für Kühlwasser und Bremsflüssigkeit befinden sich deshalb unter der kurzen Fronthaube, wo auch das Reserverad plaziert ist.

Der 2,0-Liter-Motor mit 126 PS treibt die Hinterachse an, die serienmäßig mit einem Sperrdifferential ausgerüstet ist. Sollte auf glatter oder schlechter Straße ein Hinterrad durchdrehen, packt automatisch das andere mit an.

Serienmäßig sind dem Serena ABS, Zentralverriegelung, elektrische Fensterheber und Servolenkung mitgegeben. Der Minivan beschleunigt in 13 Sekunden auf 100 km/h und ist immerhin 170 km/h schnell.

Hans-Rüdiger Etold