Nun dieselt auch der Fiesta

Autor Rüdiger Etzold
Veröffentlichungsdatum 1984
Veröffentlicht in Süddeutsche Zeitung
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Ford bietet 54 Diesel-PS für Fiesta, Escort, Orion und Sierra

Ein agiler Selbstzünder zu Preisen zwischen 14 450 und 17 990 Mark

Von allen großen Autoproduzenten hat Ford im vergangenen Jahr prozentual am stärksten zugelegt. Der Marktanteil stieg von 11,0 auf 11,8 Prozent; in Stückzahlen gerechnet sind das hierzulande fast 50 000 mehr verkaufte Ford-Fahrzeuge als im Vorjahr. Um den Marktanteil weiter zu steigern, hat Ford zum Frühjahr dieses Jahres in verschiedenen Bereichen neue Modelle auf den Markt gebracht: ein Escort-Cabrio, einen sportlichen Fiesta (XR2), einen Dieselmotor für Fiesta, Escort, Sierra und Orion und einen verbrauchsoptimierten Economy-Motor für den Sierra.

Dieses Frühjahrsprogramm 84 macht deutlich, daß Ford mm auch jene Nischen besetzen will, die die Konkurrenz schon belegt hat und die Heine großen Stückzahlen erwarten lassen. Im Kampf um den Kunden kann man es sich jedoch nicht mehr leisten, nur die lukrativen Geschäfte durchzuziehen. Daß es für die Automanager immer schwieriger wird, zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Entscheidungen zu treffen, macht unter anderem auch Fords erster Selbstzünder für Personenwagen deutlich: Als vor drei Jahren der Startschuß für dieses Projekt fiel, geriet das Dieselgeschäft noch zur Freude jener, die schon einen im Programm hatten.

NUN MIT DIESELMOTOR: Ford Escort, Fiesta und Orion - alle drei sind jetzt mit dem 1,6 Liter Vierzylinder-Dieselmotor mit 54 PS (40 k W) lieferbar: Photo: Ford

NUN MIT DIESELMOTOR: Ford Escort, Fiesta und Orion – alle drei sind jetzt mit dem 1,6 Liter Vierzylinder-Dieselmotor mit 54 PS (40 k W) lieferbar: Photo: Ford

Inzwischen hat fast jeder größere Auto-Anbieter einen kleinen Diesel im Programm, doch die Käufer halten sich zurück. Da mag es die Ford-Manager tröstlich stimmen, daß die Shell-Langzeitprognose davon ausgeht, daß sich der Dieselwagenanteil von derzeit 11,1 Prozent bis zum Jahr 2000 auf 20 Prozent erhöhen wird.

Bei der Ford-Diesel-Konstruktion hat man sich nicht nur auf die hauseigenen Techniker verlassen, sondern auch Spezialisten von Klöck-ner-Humboldt-Deutz hinzugezogen. Herausgekommen ist ein Diesel, wie er heute in der Kompaktwagenklasse allgemein üblich ist, also 1,6 Liter Hubraum und 54 PS. Die Nockenwelle liegt oben im Zylinderkopf und wird, wie allgemein üblich, über einen Zahnriemen angetrieben. Im Gegensatz zur Konkurrenz, die aus Gewichtsgründen gern dem Alumi-nium-Zylinderkopf den Vorzug gibt, setzt Ford auf Grauguß für Zylinderkopf und Zylinderblock. Das hält den Verbund steif, so daß die bei Dieselmotoren zuweilen auftretenden Defekte an Zylinderkopfdiehtungen hier nicht auftreten dürften.

Gegenüber den beiden anderen großen Autoproduzenten Opel und VW hat Ford beim Dieselgeschäft einen Angebotsvorteil, denn der Diesel läßt sich sowohl im kleinen Fiesta wie auch im Escort und Orion verwenden. Im kleinen Fiesta dürfte der Dieselmotor dann auch einige Verbrauchsrekorde auf stellen, da das geringe Fahrzeuggewicht (835 Kilogramm) beim Sparen deutlich behilflich ist.

Für den Stadtverbrauch gibt Ford fünf Liter auf 100 Kilometer an, bei Tempo 100 sind es 5,6 Liter auf 100 Kilometer. Die Spitzengeschwindigkeit liegt, wie auch beim Escort und beim Orion, bei rund 150 km/h, in der Beschleunigung (0 auf 100 km/h in 17,3 Sekunden) schlägt der leichte Fiesta natürlich seine größeren Geschwister.

Gefahren haben wir den Diesel im Orion und im Fiesta, der auf den schmalen Straßen Spaniens einen agilen Eindruck hinterließ. Auch waren die Brumm-Frequenzen im Fiesta eine Spur geringer als im Orion. Das sind übliche Abstimmungs- und Einführungsprobleme, die sich in der Serie sicherlich noch beheben lassen.

Der Basispreis für den zweitürigen Fiesta liegt bei 14 450 Mark, für den Escort ist es ein Tausender mehr, während der Sierra knapp unter 18 000 Mark (17 990 Mark) liegt.

Eine Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs ist hinfort auch mit einem im Wirkungsgrad optimierten l,6-Liter/75-PS-Motor im Sierra möglich. Grundlage der Kraftstoffreduzierung ist die Verwendung der Kurbelwelle vom 2,0-Liter-Mo-tor, die ein fast quadratisches Hub-/Bohrungsverhältnis bietet. Darüber hinaus haben die Techniker die Ansaugwege und die Brennkammer im Zylinderkopf überarbeitet und zudem einen modernen Registervergaser ausgewählt

Alle Maßnahmen kosten dem Kunden 210 Mark. Dafür verspricht Ford eine Kraftstoffeinsparung im Stadtverkehr von rund einem Liter (10,1 zu 8,91/100 km) auf 100 Kilometer, während die Einsparung bei konstanter Geschwindigkeit (90 beziehungsweise 120 km/h) bei einem halben Liter auf 100 Kilometer liegt. Diese Werte werden erreicht, obwohl Ford die Getriebeübersetzung nicht verändert hat. So muß der Kunde weder mit einer geringeren Höchstgeschwindigkeit noch mit einer reduzierten Beschleunigung gegenüber dem normalen 75-PS-Motor rechnen.

HANS-RÜDIGER ETZOLD