Nur für harte Männer: VW als Jeep

Autor Rüdiger Etzold
Veröffentlichungsdatum 1968
Veröffentlicht in Gute Fahrt
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Noch hat es zur kommenden Urlaubsreise einige Zeit. Doch wer einen Trip in die Tropen, in skandinavische oder osteuropäische Länder mit ihren kernigen Naturstraßen vorhat, der sollte jetzt die Zeit nützen und sein Fahrzeug aufrüsten, damit es gegen Strapazen auf schlechter Wegstrecke gewappnet ist. Wir haben zusammengestellt, was uns wesentlich erscheint, um aus einer VW-Straßen-limousine einen vollauf tauglichen Komfort-Jeep zu machen.

Heißen Wüstensand aussperren

Gleitblech mit Schutzgitter für den Motor

Gleitblech mit Schutzgitter für den Motor

Der VW, der läuft und läuft, ist ja schon sprichwörtlich geworden. Er läuft auch auf anatoli-schen Ackerwegen und in der Wüste Sahara. Und gerade in der Wüste zeigt er noch den großen Vorteil, daß er selbst die heißeste Luft zum Kühlen nutzt. Dort allerdings ist es empfehlenswert, den Motor und vor allem die Zylinder und Zylinderköpfe frei von Sand und Schmutz zu halten. Wie macht man das? Man achtet darauf, daß der Motor dicht ist und kein öl austreten läßt, auf dem der glühendheiße Wüstensand festklebt.

Auch mag’s der Motor nicht, wenn er die Ansaugluft mit Sand durchsetzt zu schlucken kriegt. Der gröbste Unrat wird zwar vom Luftfilter abgefangen. Damit aber aus dem Ölbadluftfilter kein Sandbad wird, bauen sich Wüstenfüchse einen vorgeschalteten Zyklonfilter ein oder machen beim normalen Luftfilter tägliche Sandstandmessungen, überhaupt, der Sand:  Er kriecht, obwohl ohne Beine, in alle nur erdenklichen Ritzen. Das muß ihm verwehrt werden. Wichtig ist es an der Lenkradlagerung der Käfer und der 1500/1600er Modelle. Man besorge sich also einen 10 mm starken Filzring, der von unten feste über das Lenkrohr gezogen — und nach dem Einführen in das Mantelrohr (etwa 15 mm) — mit einem Universalkleber festgeklebt wird. Lahmgewordene Abdichtgummis an Türen und Haubendekkel werden erneuert. Für den Motorraum gibt es ein extra Wüstengummi bei VW. Auf staubiger Strecke werden, wo immer Preßluft vorhanden, der Motorraum und die Bremsen kräftig ausgeblasen. Doch sollte keine Preßluft vorhanden sein, tut eine mitgenommene Luftpumpe beim Ausblasen dieselben guten Dienste.

Mit dem Klingelwasser leben

Vorderachsabstützung für Käfer ab August 65

Vorderachsabstützung für Käfer ab August 65

Wenn auch alle Hunde Schappi mögen, nicht jeder Volkswagenmotor ist mit einfachem Sprit zufrieden. So verlangt der VW 1300 Benzin mit einer Oktanzahl von mindestens 87 ROZ, der 1500/1600 90 ROZ und der 1500 S 95 ROZ.

In Afrika reicht die Benzinqualität zumeist aus. Auch in den Ostblockländern ist stete Besserung zu verzeichnen. Sollten die Oktanzahlen gering unter den benötigten Werten liegen, läßt sich der Sprit mit dem mitgeführten Superkraftstoff (oder gar mit Benzol) veredeln. Ist der alle, kann der Zündzeitpunkt bis auf 2,5° vor OT verstellt werden. Dies aber nur solange, wie Kraftstoff mit jener geringeren Oktanzahl gefahren wird.

Hat das Reiseland Benzin mit Oktanzahlen, die 3—5 ROZ unter den benötigten Werten liegen, und dauert die Reise monatelang, dann hilft es nur, vorsorglich die Verdichtung herabzusetzen. Man bestellt sich bei VW eigens dafür konstruierte Kolben (Muldenkolben) und fährt nun mit geringer Verdichtung, ohne zu klingeln, durch die Lande. Ein klingelnder Motor ist das Zeichen für geringe Oktanzahlen oder zu frühe Zündung. Beides mag der Motor nicht, das er-‚ hitzt ihn zu sehr, und Schäden werden auf die Dauer nicht ausbleiben.

Öl mitnehmen und abwischen

So manches Tropenland, das man befährt, hat zwar in seinem Bauch viel öl. Doch lohnt es nicht, danach zu buddeln. Man wird also den Stauraum auffüllen müssen mit: mehreren Dosen Motoröl SAE 30, Getriebeöl SAE Hyp 90, einer Fettpresse mit 1 kg Lithiumfett, einer Dose Bremsflüssigkeit,einer Flasche destillierten Wassers (für den Durst der Batterie) und mindestens einem Kanister Super-Benzin. Selten wird man in fernen Landen termingerecht den Ölwechsel vornehmen können. Da ist es schon nützlich, zusätzlich eine Nebenstromölfilteranlage einzubauen, denn das Filter erhält die Schmierfähigkeit des Öles über einen längeren Zeitraum. Alles öl, was nicht innerhalb von Motor und Getriebe fließt, sollte fein säuberlich abgewischt werden. Bei der Motorentölung dürfen die Vergasergelenke nicht vergessen werden. Nach gewissenhafter Reinigung wird mit einer Paste auf Molybdän-disulfid-Basis geschmiert.

Bauchpanzer gegen harten Fels

Gleitschutzblech unterm Käfer-Vorderteil

Gleitschutzblech unterm Käfer-Vorderteil

Mag auch die Wüste auf Fotos spiegelglatt erscheinen, die Fahrtrouten sind bessere Knüppeldämme. Sie verlangen ein gepanzertes Auto. Gegen kleine Steinchen hat sich ein Unterbodenschutz aus Kautschuk bewährt. Gegen das Aufsetzen auf großen Felsbrocken wird die Unterseite mit Schutzblechen versehen. Das VW-Werk hat eine Montageanleitung („Tropenanleitung“, vorhanden bei den VW-Großhändlern) herausgegeben, nach der man selbst — oder die Werkstatt – Schutzbleche für den Auspufftopf, den Motor, die Batterie und das Lenkgehäuse zurechtschweißen und Verstärkungen für die Vorderachse einbauen kann. Diese Bleche haben sich auch in einigen osteuropäischen Ländern mit naturbelassenen Straßen an Volkswagen bewährt.

Trotz Knüppeldamm und Wüstensand bedarf es keiner besonderen Bereifung. Da das Montieren von schlauchlosen Reifen Schwierigkeiten macht, sollten allerdings am besten Reifen mit Schlauch aufgezogen werden. Die Reifendrücke müssen genau eingehalten werden; auch ist in der prallen Sonne eine wöchentliche Kontrolle – wie bei der Batterie und dem Kraftstofffilter — unumgänglich.

Stark beansprucht werden Federung und Getriebe. Man wird deshalb guttun, die Stoßdämpfer vor der Fahrt durch verstärkte, tropenfeste auszutauschen. Die Getriebeaufhängung bekommt Gummimetalllager mit einer größeren ShoreHärte.

überdies ist zu erwägen, ob man die Fenster, zumindest die Frontscheibe, nicht durch Verbundglas ersetzt. Die schlechten Wege sind es, die zu Verwindungen der Karosserie führen und durch die großen Spannungen ganze Scheiben zum Platzen bringen können. Einschichten – Sicherheitsglas zerfällt hierbei in kleine Krümel. Und der hereinströmende Sand wird nicht nur die Augen verkleben.

Auf den Wellen reiten

Schutzblech für die Wagenheberaufnahme

Schutzblech für die Wagenheberaufnahme

Routiniers kennen die Wellblechpisten mit ihren Bodenwellen in ganz kurzen Abständen. Die Wellentäler müssen geschickt überritten werden.

Bei einer Geschwindigkeit bis 30 km/h wird jedes Wellental ausgefahren und nicht nur der Mensch, auch das Fahrwerk wird übermäßig strapaziert. Liegt die Geschwindigkeit zwischen 60—100 km/h reiten die Räder nur auf den Spitzen der Bodenwellen, ohne die Täler zu durchfahren. Nur verlieren dabei die Räder zeitweise den Kontakt mit dem Boden und die Bremswirkung wird wesentlich gemindert. Man muß hier also weit genug vorausschauen, um rechtzeitig vor Hindernissen abzustoppen.

Kein Schild wird anzeigen, in welchem Zustand sich die Piste befindet. Doch läßt sich mit etwas Erfahrung an den Spuren anderer Fahrzeuge erkennen, wie fest der Untergrund ist. Oft sind weite Strecken mit weichen Flugsand zu durchfahren. Dieser Sand trägt, wenn er feucht ist. Schon der geringste Tauniederschlag festigt den weichen Flugsand. Bei Sandverwehungen passiert es selbst alten Wüstenfüchsen, daß sie steckenbleiben. In jedem Fall sollten diese Strek-ken mit hoher Geschwindigkeit genommen werden. Geht die Geschwindigkeit spürbar zurück, wird der nächst niedrige Gang eingelegt, bis keiner mehr da ist und das Einsanden beginnt. Dann macht sich das Mitschleppen von Sandleitern und Maschendrahtbahnen bezahlt. Noch leichter läßt sich das Fahrzeug mit einer Selbst-ausschleppvorrichtung wieder flottmachen.

Wer ein wenig technisches Geschick hat, kann sich derlei selbst herstellen: Zwei Trommeln — für jedes Rad eine -die mit einigen Radbefestigungsbolzen auf die Felgen der Hinterräder geschraubt werden. Beide Enden eines kräftigen und vor allem langen Seiles werden in die Seiltrommeln eingehängt, die Seilmitte am nächstbesten Felsen oder an einem Erdanker (Pfahl) befestigt. Beim Anfahren wickelt sich das Seil auf die Trommeln und windet das Fahrzeug heraus.

Wer glaubt, daß auf seinem Urlaubstrip Morast und schweres Gelände zu durchqueren ist, der läßt sich in seiner VW-Werkstatt ein Sperrdifferential einbauen. Dann ist der Komfort-Jeep fertig.

Hans-Rüdiger Etzold