Rost am Auto

Autor Rüdiger Etzold
Veröffentlichungsdatum 2013
Veröffentlicht in Zeitungsartikel
Original ansehen

Was man bei der Lackierung und Lackpflege beachten muss

Eine Datenbank für Oldtimer-Lacke

Der Rost kommt meistens von innen. Wenn die Rohkarosserie vor der Lackierung nicht sachgemäß bearbeitet und gereinigt wurde können Rostnester entstehen, die mitunter erst nach Jahren am Fahrzeug sichtbar werden. Obwohl die Automobilindustrie langjährige Erfahrung mit den Lackierprozessen hat ist es auch heutzutage gar nicht so selten, dass urplötzlich die Karosseriebleche aufblühen und die Korrosionsschäden nicht zu übersehen sind. Eine der besten Maßnahmen gegen Rostbefall ist die Vollverzinkung der Bleche. Erfreulicherweise setzen immer mehr Automobilfirmen diese Technik ein, so dass eine zehnjährige Garantie gegen das Durchrosten von innen nach außen garantiert wird.

Der Autobesitzer selbst kann relativ wenig unternehmen, um Rostschäden zu vermeiden. Natürlich ist es im Winter sinnvoll, dem Fahrzeug verstärkt eine Vollwäsche zu spendieren, um die Karosserie von möglichen Streusalzablagerungen zu befreien. Ansonsten kann der Autobesitzer nur eine intensive Lackpflege betreiben. Nachdem in fast allen Gemeinden das Waschen des Fahrzeugs auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen verboten ist, fährt man zweckmäßigerweise in eine Waschanlage, zumal hier auch die Wagenunterseite gewaschen werden kann. Außerdem wird der Lack durch eine zusätzliche Wachsschicht geschützt. Die reicht allerdings für eine nachhaltige Lackpflege nicht aus. Mithin ist es sinnvoll, zweimal im Jahr selbst Hand anzulegen, um den Lack mit einem guten Wachsmittel zu konservieren. Wachs schützt den Lack, schließt die Poren und füllt kleine Kratzer. Außerdem wird die Oberfläche durch Wachs widerstandsfähiger gegen Umwelteinflüsse, und der Glanz erhöht sich.

Die beste Pflege, die man seinem Autolack angedeihen lassen kann: zweimal im Jahr den Lack mit einem guten Wachs konservieren und vorher kleine Lackschäden beseitigen.

Die beste Pflege, die man seinem Autolack angedeihen lassen kann: zweimal im Jahr den Lack mit einem guten Wachs konservieren und vorher kleine Lackschäden beseitigen.

Bei dieser Lackpflege sollten gleichzeitig kleinere Lack- und Steinschlagschäden behoben werden, damit der Korrosionsprozess rechtzeitig gestoppt wird. Müssen größere Lack- oder Rostschäden beseitigt werden, muss ein Fachmann ran. Das ist auch schon deshalb erforderlich, um aus über 600.000 Farbtonmischungen den richtigen Farbton für das betreffende Auto herauszufinden. Natürlich verfügen alle modernen Autos über eine Farbtonnummer, die auf dem Typschild vermerkt ist. Allerdings gibt es selbst in jeder Farbcharge Farbton-Unterschiede. Außerdem ergeben sich durch Alterung und Umwelteinflüsse Farbtonveränderungen, die der Lackierer berücksichtigen muss. Vor allem auch dann, wenn er eine sogenannte Spot-Reparatur ausführen will. Das bietet sich bei kleineren Lackschäden vor allem aus Kostengründen an. Lackiert wird also beispielsweise nicht der komplette Kotflügel, sondern nur die beschädigte Lackfläche. Bei größeren Farbabweichungen kann es wiederum sinnvoll sein, mehrere Flächen (Kotflügel/Tür) zu lackieren, um einen harmonischen Farbübergang zu erreichen, denn der deutsche Autobesitzer akzeptiert es nicht, wenn nach der Lackierung Unterschiede im Farbton deutlich werden.

Bevor ein  Auto teilweise lackiert werden kann muss der exakte Farbton bestimmt werden, damit es zwischen den nicht lackierten und den frisch lackierten Karosserieteilen keine Farbtonunterschiede gibt.

Bevor ein Auto teilweise lackiert werden kann muss der exakte Farbton bestimmt werden, damit es zwischen den nicht lackierten und den frisch lackierten Karosserieteilen keine Farbtonunterschiede gibt.

Die großen Lackierbetriebe verfügen über eine Lackmischanlage, so dass vor Ort aus rund 60 Basislacken, der richtige Farbton für das betreffende Auto gemischt werden kann. Zuvor muss der Lackierer mit Hilfe der Lacknummer und einer Lackkarte den exakten Farbton bestimmen. Dann wird mit einer Genauigkeit von 0,1 Gramm aus den verschiedenen Farbtöpfen der Farbton für das zu lackierende Auto angemischt. Diese individuelle vorgehensweise erfreut vor allem auch die Besitzer eines Youngtimers oder Oldtimers, denn sie legen großen Wert auf Originalität. Unter „www.classiccarcolors.com“ gibt es von Glasurit eine praktische Suchmaske mit der abgeklärt werden kann, ob die passende Farbtonlösung (Lackmischformel) für den Oldtimer archiviert wurde. Ist das nicht der Fall, oder der Originallack ist längst nicht mehr im Angebot, tritt der Lackspezialist in Aktion und mischt die Farbe an.

Und so bessert man selbst kleine Steinschlagschäden aus:

♦  Zum Nachlackieren wird unbedingt dieselbe Lackfarbe benötigt, denn selbst kleinste Farbunterschiede fallen nach Abschluss der Arbeiten sofort ins Auge. Der jeweilige Fahrzeug-Farbton wird vom Hersteller durch die Lacknummer auf dem Typschild vermerkt. Das Typschild befindet sich in der Regel am Türholm der Beifahrertür unterhalb des Türschließbügels.

Um die Reparaturkosten niedrig zu halten, wird bei der Spot-Reparatur nur die schadhafte Stelle lackiert.  Handwerklich ist das eine besonders anspruchsvolle Lackierarbeit, denn die Übergänge zum alten Lackbereich dürfen nicht sichtbar werden.

Um die Reparaturkosten niedrig zu halten, wird bei der Spot-Reparatur nur die schadhafte Stelle lackiert. Handwerklich ist das eine besonders anspruchsvolle Lackierarbeit, denn die Übergänge zum alten Lackbereich dürfen nicht sichtbar werden.

♦  Die Lackierung besteht aus 2 Schichten, dem Grundlack und der farblosen Decklackierung. Beim Lackieren wird der Klarlack über den feuchten Grundlack gespritzt. Die Gefahr von Farbdifferenzen bei der nachträglichen Lackierung ist besonders groß, da hier schon die unterschiedliche Viskosität des Reparaturlackes gegenüber dem Originallack zu Farbverschiebungen führt.

♦  Es ist sinnvoll, auch kleinste Lackschäden umgehend zu beseitigen, denn dadurch können Rostschäden sowie größere Reparaturarbeiten vermieden werden.

♦  Für kleine Kratzer und Steinschläge, die lediglich den Decklack abgesplittert haben, also nicht bis aufs blanke Blech vorgedrungen sind, reicht im allgemeinen der Lackstift oder Tupflack. Dabei handelt es sich um eine kleine Lackdose, in deren Deckel ein Pinsel integriert ist. Der Lackstift wird im Auto-Zubehörhandel angeboten.

Damit die Lackierung dauerhaft hält müssen die Vorarbeiten besonders sorgfältig ausgeführt werden. Für eine gute Lackier-Qualität ist wiederum der Lackaufbau von entscheidender Bedeutung: die Grundierung sorgt für Korrosionsschutz und Haftung, der Füller gleicht Unebenheiten aus, und  der Decklack sorgt für die optische Qualität.

Damit die Lackierung dauerhaft hält müssen die Vorarbeiten besonders sorgfältig ausgeführt werden. Für eine gute Lackier-Qualität ist wiederum der Lackaufbau von entscheidender Bedeutung: die Grundierung sorgt für Korrosionsschutz und Haftung, der Füller gleicht Unebenheiten aus, und der Decklack sorgt für die optische Qualität.

♦  Tiefere Steinschlagschäden, die schon kleine Rostnarben gebildet haben, mit einem „Rostradierer“ beziehungsweise einem Messer oder einem kleinen Schraubendreher auskratzen, bis das blanke Blech erscheint. Wichtig ist, dass keine auch noch so kleine Roststelle mehr sichtbar ist. Bei „Rostradierern“ handelt es sich um kleine Kunststoffhülsen, die zum Auskratzen des Rostes kurze Drahtborsten besitzen.

♦  Die blanken Stellen müssen einwandfrei trocken und fettfrei sein. Dazu Reparaturstelle sowie umgebenden Lack mit Silikonentferner reinigen.

♦  Auf die blanke Metallfläche mit einem dünnen Pinsel etwas Lackgrundierung („Primer“) auftragen. Da das Grundiermittel meist in Sprühdosen erhältlich ist, etwas Grundiermittel in den Deckel der Dose sprühen.

♦  Nachdem die Grundierung trocken ist, Stelle mit Tupflack ausbessern. Bei den Tupflackdosen ist ein Pinsel bereits im Deckel integriert. Falls nur eine Spraydose mit der entsprechenden Farbe zur Verfügung steht, etwas Farbe in den Deckel der Dose sprühen und Lack mit einem dünnen Wasserfarbenpinsel auftragen. Dabei in einem Arbeitsgang immer nur eine dünne Lackschicht anbringen, damit der Lack nicht herunter laufen kann. Anschließend Farbe gut trocknen lassen. Vorgang so oft wiederholen, bis der Krater ausgefüllt ist und die ausgebesserte Stelle gegenüber der umgebenden Lackfläche keine Vertiefung mehr bildet.

Rüdiger Etzold