Toyota greift zu den automobilen Sternen

Autor Rüdiger Etzold
Veröffentlichungsdatum 1989
Veröffentlicht in Rhein-Main-Presse
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Mit dem Lexus wird die Oberklasse angepeilt / Neue Nobellimousine ais Japan

Prestige kann man als Autohersteller weder kaufen noch auf Anhieb produzieren. Man muß es sich über viele Jahre erarbeiten. Der Lexus hat noch kein Prestige. Toyota ist zwar auf der Welt der drittgrößte Automobilhersteller, in der Nobelklasse war er bislang jedoch noch nicht vertreten.Doch wie uns die Erfahrung gelehrt hat, die Japaner haben einen langen Atem und wissen wie man einen Markt aufreißt.

Gesetzte Ziele wurden bislang immer erreicht. In Amerika ist der Verkauf des Lexus schon angelaufen. Wohlwissend, wie der Käufer von Prestige-Autos behandelt werden möchte, hat man dort extra einen eigenen Vertrieb aufgebaut und verleugnet gegenüber der neuen Klientel die Modell-Vaterschaft: Der Hersteller Toyota tritt auf dem Nobel-Modell nicht in Erscheinung.

In Deutschland wird es nur ausgesuchte Toyota-Händler geben, ein eigenes Vertriebsnetz ist aufgrund der angepeilten Verkäufe nicht realistisch. Der Verkaufsstart ist für 1990 vorgesehen. Noch wird der Verkaufspreis hierzulande als Geheimnis gehandelt, realistisch sind um die 90000 Mark, je nachdem, was man in die Grundausstattung packen wird — oder auch nicht.

Von deutschen Nobellimousinen nicht zu unterscheiden: der Lexus.

Von deutschen Nobellimousinen nicht zu unterscheiden: der Lexus.

Von welcher Seite man den Lexus auch betrachtet, er hat etwas von Audi, BMW und Mercedes. Vielleicht ist das ja eine Referenz an die schon vorhandene, automobile Oberklasse, möglicherweise hat man jedoch ganz einfach keine Experimente gewagt und jene Stilelemente vereinigt, die in dieser Klasse Erfolg haben.

Technisch weist der Lexus keine Extravaganzen auf: Sein 4-Liter-V8-Vierventilmotor leistet 250 PS/ 180 kw/PS und bringt den 1,7 Tonner trotz Katalysator und Automatikgetriebe in nur 7,9 Sekunden auf 100 km/h. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 245 km/h beweist der Japaner, daß man in Europa gut mithalten kann.

Alle vier Räder sind an Federbeinen einzeln aufgehängt und werden durch zusätzliche Schubstreben und Querlenker sicher geführt. Auf Wunsch und gegen Aufpreis wird es für den Lexus eine Luftfederung geben. Zur Serienausstattung zählen unter anderem ein modernes 4-Gang-Automatikgetriebe, eine Klimaanlage und ABS, das Brems-Antiblockiersystem. Die Sitze lassen sich elektrisch in Position bringen, und für die interne Beschallung sorgt serienmäßig eine aufwendige Stereoanlage mit CD-Plattenwechsler und insgesamt neun Lautsprechern.

Mit den ersten sieben Lexus für Europa kam der neue Toyota-Technik-Chef Shiro Sasaki nach Deutschland, um zu erfahren, wie hierzulande der Wagen beurteilt wird. Für ein abschließendes Urteil sind zwangsläufig aufwendigere Testfahrten notwendig. Bei ersten Probefahrten fiel besonders angenehm der kraftvolle Motor und die insgesamt ruhige Atmosphäre im Lexus auf. Der Aufwand, den die Toyota-Techniker bei der Abschottung von Lärmquellen aus dem Motorraum getrieben haben, hat sich gelohnt. Das lauteste Geräusch im Stand war die Klimaanlage.

In der Innenraumgestaltung verzichtet Toyota auch nicht auf die in dieser Klasse üblichen Wurzelholz-Applikationen an Türen und Konsole, die allgemein einen Hauch von Luxus verbreiten sollen. Dennoch wünscht man sich bei der in Blau gehaltenen Armaturentafel und den Bezugsstoffen noblere Akzente. Positiv fällt die übersichtlich angeordnete Instrumentierung auf und die dort angewandte „Kathodentechnik“. Anstelle herkömmlicher Zeiger und Zahlen erleuchten schlanke Kathoden die Armaturen, unmittelbar nachdem der Fahrer den Zündschlüssel betätigt hat.

Im kommenden Jahr soll der Lexus in Europa durchstarten, in guten Jahren will man jährlich weltweit 50000 Stück absetzen, die zwangsläufig zu Lasten der europäischen Nobel-Hersteller gehen werden.

Von unserem Mitarbeiter RÜDIGER ETZOLD