Verlängerter Kompakter mit viel Raum

Autor Rüdiger Etzold
Veröffentlichungsdatum 1992
Veröffentlicht in Süddeutsche Zeitung
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Fünf Motoren stehen zur Auswahl / Bald sind auch Fahrer- und Beifahrer-Airbag erhältlich

In der Käufergunst dominieren eindeutig die Kompaktwagen Golf, Astra und Escort. Dennoch gibt es in dieser Fahrzeugklasse einen deutlichen Schwenk hin zur Karosserie mit Stufenheck: Von 1990 bis 1991 stiegen die Stufenheck-Verkäufe hierzulande um mehr als 60 Prozent auf rund 170 000 Einheiten. Der neue Boom wurde vornehmlich im Osten der Republik ausgelöst, denn dort hat die Familie in der Regel nur ein Fahrzeug und ist auf einen großen Kofferraum angewiesen.

Da trifft es sich gut, daß die beiden Massenhersteller Volkswagen und Opel mit neuen Modellen aufwarten können. Um die Gunst des Käufers für sich zu gewinnen, gehen die beiden Automobilhersteller allerdings unterschiedliche Wege: Denn während Volkswagen extra einen neuen Modellnamen – Vento – kreiert hat, spricht man bei Opel ganz einfach von der Stufenheck-Limousine. Das hat handfeste Vorteile. In der Verkaufsstatistik verbessern die Stufenheck-Limousinen automatisch das Astra-Polster, und in der Werbung wie auch in der gesamten Logistik kann man die Kosten, die für ein eigenständiges Modell zwangsläufig anfallen, problemlos einsparen.

Generell ist das Marktsegment in diesem Bereich auch nicht so groß, daß sich ein völlig eigenständiges Modell lohnen würde. Mithin ist das Stufenheckmodell ein verlängerter Kompaktwagen. Und das sieht man ihm auch an. Wobei das gerundete Heck des Astra etwas harmonischer zum Grundkörper paßt.

VIEL PLATZ FÜR PASSAGIERE UND GEPÄCK: Der Opel Astra Stufenheck bietet in seiner kompakten Karosserie eine gute Raumausnutzung.    Photo:    Opel

VIEL PLATZ FÜR PASSAGIERE UND GEPÄCK: Der Opel Astra Stufenheck bietet in seiner kompakten Karosserie eine gute Raumausnutzung. Photo: Opel

Mit einem Kofferraum-Volumen von 500 bis 800 Litern und einer geteilt umklappbaren Rücksitzbank gibt es im Astra die vielfältigsten Möglichkeiten, den Gepäckraum voll auszuschöpfen. Bei einer erlaubten Zuladung von knapp 500 Kilogramm bleiben, sind vier Norm-Menschen an Bord, 200 Kilogramm für das Gepäck übrig. Das ist reichlich. Einziger Wermutstropfen: Das Gepäck muß über eine kleine Bordwand gehoben werden, und die Heckklappe ist relativ klein.

Volkswagen spricht bei seinem neuen Vento von einer viertürigen Limousine, „die sich in das volumenstarke Segment der zentralen Mittelklasse einordnet“. Opel meint dazu, das sei viel aufgeblähtes Blech und zuviel Wind, denn „mit einer Karosserielänge von 4,23 Metern ist die Astra Limousine zwar 14 Zentimeter kürzer als der Mitbewerber aus Wolfsburg. Doch seine wahre Größe dokumentiert der Astra im Innenraum: Trotz seiner kompakten Außenmaße muß der Astra den Innenraum-Vergleich mit der Konkurrenz nicht scheuen. Die Passagiere im Fond verfügen beispielsweise über eine um 23 Millimeter größere Kopffreiheit. Der hintere Fußraum der Astra Limousine fällt sogar um 58 Millimeter größer aus.

Zusammengefaßt: Alle entscheidenden Innenraummaße sind günstiger als jene des deutschen Hauptwettbewerbers.“ Das sind klare Worte aus dem Mund des Opel-Technikers Spielmann, der damit auch den Wolfsburgern signalisieren will: Opel will in Deutschland die Nummer eins werden. Für den Vortrieb stehen im Astra Stufenheck insgesamt drei Benzin- und zwei Diesel-Triebwerke in einem Leistungsspektrum von 42 kW (57 PS) bis 66 kW (90 PS) zur Verfügung, so daß Höchstgeschwindigkeiten von 153 km/h bis 180 km/h und Verbräuche zwischen 5,61/100 Kilometer (Diesel) und 8,0 1/100 Kilometer (90-PS-Version) realisiert werden können.

Auch Opel verlangt für den größeren Kofferraum mehr Geld: Der preiswerteste, viertürige Schrägheck-Astra kostet 21 695 Mark, die billigste 1,4-Liter-Stufenheck-Version mit vier Türen schlägt mit 23 095 Mark zu Buche. Der 1,7-Liter-Diesel mit Stufenheck kostet 25 300 Mark und das Stufenheck-Spitzenangebot mit 90-PS-Motor liegt bei 28 170 Mark.

Zur Serienausstattung gehören unter anderem Gurtstraffer, Stahlrohr-Verstärkungen in den Türen, Fünfganggetriebe und eine geteilt umklappbare Rücksitzbank. Schon bald soll es außerdem Fahrer- und Beifahrer-Airbag als Option geben. Und auch in diesem Punkt möchte Opel seinen Hauptkonkurrenten schlagen, denn im Gegensatz zu den Wolfsburgern wollen die Rüsselsheimer große Prallsäcke zu volkstümlichen Preisen liefern.

HANS-RÜDIGER ETZOLD