Viele segeln unter falscher Flagge

Autor Rüdiger Etzold
Veröffentlichungsdatum 1985
Veröffentlicht in Zeitungsartikel
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Von Tuningspezialisten „aufgemotzte” Autos dürfen nicht immer das Firmenzeichen tragen

H. R. E. – Tuningspezialisten, die ihr Können an aufgemotzten Daimler-Benz-Model-len zur Schau stellen, dürfen nur in einigen bestimmten Fällen das Stern-Zeichen auf dem Kühler lassen. Mit Argusaugen wachen Hausjuristen des schwäbischen Automobilherstellers auf die strikte Einhaltung. Grund: oftmals seien die Autos derart verändert worden, daß sie mit dem Basismodell nur noch wenig gemein hätten. Und mit solchen Autos, die das Werk als „neue Produkte” wertet, könne sich Daimler-Benz nicht identifizieren.

Günter Molter, Pressesprecher der Daimler-Benz AG, meint denn auch: „Immer dann, wenn ein Fahrzeug so verändert wird, daß es erheblich von der Serie abweicht, darf es nicht mehr unser Markenzeichen tragen. Das Auto wird ja nicht verbessert. Wir glauben, so, wie wir die Autos den Kunden anbieten, sind alle Faktoren, wie etwa Sicherheit, Leistung und Komfort, optimal aufeinander abgestimmt.”

Auf den ersten Blick ist es fast nicht zu erkennen, das unter dieser eleganten Karosserie solide Mercedes-Technik steckt Ob dieses Auto jedoch den „Stern" tragen darf ist fraglich. Bild: rei

Auf den ersten Blick ist es fast nicht zu erkennen, das unter dieser eleganten Karosserie solide Mercedes-Technik steckt. Ob dieses Auto jedoch den „Stern“ tragen darf ist fraglich. Bild: rei

Doch nicht alle Mercedes-Tuner beugen sich dieser Philosopie und üben artige Stern-Abstinenz. Augenzwinkernd erklärt einer der Unfolgsamen: „Der Stern hängt nur an einem Schräubchen, der Schraubenzieher liegt bereit. Wenn jemand von Daimler kommt und sich beschwert, wird der Stern .von unserem Firmenemblem ersetzt.” Um hier jedoch Erfolge verbuchen zu können, gehen Mercedes-Juristen mittlerweile rigoros vor. Im Fall der Fälle bekommt der Ertappte neben einer Abmahnung gleich auch die Prozeßandrohung schriftlich ins Haus.

Trotzdem lassen sich einige Tuningspezialisten hiervon nur bedingt abschrecken. Sie liefern ihrer vornehmlich arabischen Kundschaft den Stern mit aufgemotztem Auto gleichsam mit, allerdings nicht auf der Kühlerhaube montiert, sondern als Zubehör sorgfältig verpackt im Handschuhfach. Eine kurze Anleitung gibt Aufschluß darüber, wie der Stern mit wenigen Handgriffen bei Bedarf montiert werden kann. Selbstsicher meint denn auch Chris Hahn von der Styling-Garage bei Hamburg, daß die Macht der Daimler-Benz-Hausjuristen im „Wüstenwind des Orients” wirkungslos verpufft. Er sei so gesehen dann auch „aus dem Schneider”.

Mercedes-Modelle sind schon seit Jahrzehnten beliebte Objekte bei Tuningspezialisten. Die größten heute auf dem Markt befindlichen sind: Franco Sbarro, Schweiz; Du-chatelet, Belgien, sowie die drei bundesdeutschen Mercedes-Veredler: AMG, Affalter-bach; Zender, Mühlheim; Styling-Garage, Hamburg.