Vorsicht beim Schneekettenkauf

Autor Rüdiger Etzold
Veröffentlichungsdatum 1980
Veröffentlicht in Zeitungsartikel
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Ketten sind auf Eis und Schnee immer noch die besten Traktionshilfen. Bevor man sich jedoch zum Kauf von Ketten entschließt, sollten einige Punkte beachtet werden, da die verschiedensten Systeme mit Vor- und Nachteilen im Handel sind. Bei der Leiterkette verlaufen die Kettenglieder quer zur Fahrbahn. Diese Kettenart bietet nur bei Geradeausfahrt ausreichend Traktion, denn die quer zur Reifenlauffläche führenden Profilglieder können die Seitenkräfte nicht aufnehmen. Und wegen der allzu großen Abstände zwischen den einzelnen Kettenstägen ist die Bremsverzögerung auf glattem Untergrund nicht besonders gut. Auch wenn die Leiterkette verhältnismäßig preiswert angeboten wird, ist vom Kauf abzuraten.

Bei der Spurkreuzkette sind die einzelnen Kettenfelder durch einen senkrechten Steg miteinander verbunden. Dieses Kettensystem wie auch die Spurzickzackausführung zeichnet sich durch ruhiges Laufverhalten und gute Spurtreue aus. Guten Abrollkomfort und gute Greifwirkung bei geringen Abstrichen in der Seitenführung bietet auch die Aufteilung der Kettenfelder in Form eines Y. Ketten aus Kunststoff, die immer wieder auf den Markt drängen, konnten sich bislang noch nicht durchsetzen. Zwar sind sie in der Regel angenehmer im Abrollkomfort als Stahlketten, doch greifen im Zweifelsfall die Stahlglieder in Tiefschnee oder auf Eis besser. Gute Stahlketten sollten auf trockener Straße mindestens 300 Kilometer halten. In einem Test, den die Stiftung Warentest durchführte (11/78), schafften manche Ketten keine 100 Kilometer.

1980-10-26_Vorsicht beim Schneekettenkauf-2Natürlich liegt es im Interesse langer Lebensdauer, die Ketten auf schnee- und eislosem Untergrund abzunehmen. In der Regel lassen sich Stahlketten wenden, so daß sich die Lebensdauer dadurch erhöht. Defekte Ketten schickt man am besten an den Hersteller, der die durchgescheuerten Glieder fachmännisch ersetzt. Besonderes Augenmerk sollte man vor dem Kauf auch auf die Montagefreundlichkeit legen. Denn wer jemals im Tiefschnee oder an einem Hang Ketten montieren mußte, weiß, wie schweißtreibend, ärgerlich und zeitraubend diese Arbeit ausarten kann. In der Regel sehen die Hersteller den Fortschritt in der Endloskette, die gegenüber der geteilten Kette leichter zu montieren ist. Als besonders montagefreundlich hat sich die Ring-Milz-Kette herauskristallisiert.

Natürlich ist die anlegefreundliche Endloskette wesentlich teurer als die einfache, geteilte Kette. Für welche Kette man sich auch entschließt, im jedem Fall empfiehlt sich eine Montageübung vor dem ersten Schneefall. Und damit es im Ernstfall auch klappt, sollten im Kofferraum vorsorglich neben der Kette auch folgende Gegenstände eingelagert werden: solide Montagehandschuhe, eine kleine Schaufel und ein Unterlegbrett für den Wagenheber. Denn viele Autofahrer schwören darauf, die Kette bei angehobenem Rad aufzulegen. Und damit dann der Wagenheber den richtigen Halt findet, bietet ein kleines Brett eine wesentliche Montageerleichterung. H.-R. -E.