Wie bereite ich mein Auto auf den Frühling vor

Autor Rüdiger Etzold
Veröffentlichungsdatum 1981
Veröffentlicht in Zeitungsartikel
Original ansehen

Rechtzeitige Vorsorge – Eine gründliche Überprüfung sorgt für mehr Sicherheit

Da in der Regel die Fahrzeugpflege und -Wartung in den Wintermonaten nicht mit der nötigen Intensität durchgeführt werden, sollte man jetzt dem Fahrzeug eine Frühjahrskur gönnen. Alle Pflege- und Wartungspunkte, die der geschickte Laie selbst durchführen kann, sind hier zusammengestellt. Vor allem nach den Wintermonaten ist eine intensive Fahrzeugunterwäsche und -oberwäsche erforderlich, damit alle Salzrückstände abgewaschen werden. Gleichzeitig sollte man der Maschine eine Motorwäsche gönnen, da hochgewirbeltes Salz auch hier sein zerstörerisches Werk fortsetzt. Vergessen darf man bei der Wagenwäsche nicht die Stege in den Türen, die Motorhaube von innen und sämtliche Falze. Motorhaube und Motorraum werden anschließend mit einem Wachs aus der Sprühdose versiegelt. Die beste Pflege für den Autolack ist immer noch ein gutes von Hand aufgetragenes Fahrzeugwachs. Wichtig ist auch die Kontrolle des Unterbodenschutzes. Ausgerissene oder brüchige Unterbodenschutzstellen müssen sofort ausgebessert werden.

Richtiger Ölstand

Auch die Batterie wurde während der Wintermonate sehr strapaziert. Deshalb jetzt den Flüssigkeitsstand überprüfen und gegebenenfalls destilliertes Wasser nachfüllen. Die Flüssigkeit soll etwa fünf Millimeter über den Platten stehen. Sind Säurestandsmarken vorhanden, so ist der Flüssigkeitsstand danach auszurichten. Die Batteriepole werden gereinigt und mit Säureschutzfett eingestrichen. Haubenscharniere, Haubenschlösser und Türfeststeller mit einem Tropfen Öl schmieren. Auf keinen Fall darf man jedoch das Türschloß mit Motoröl schmieren. Das Schloß würde verkleben und nicht mehr funktionieren. Zum Schmieren darf, wenn überhaupt, nur Graphitpulver verwendet werden. Ein Blick in den Bremsflüssigkeitsbehälter kann auch nicht schaden. Der Bremsflüssigkeitsspiegel soll zwischen der „Min“- und „Max“-Markierung liegen. Zu geringer Flüssigkeitsstand deutet auf abgenutzte Scheibenbremsbeläge hin. Bei stark abgesunkenem Bremsflüssigkeitsstand Bremsanlage von einer Fachwerkstatt überprüfen lassen.

Der Keilriemen liegt in der Statistik der Pannenhelfer an erster Stelle. Man prüft durch kräftigen Daumendruck die Spannung. Er soll sich in der Mitte etwa 15 Millimeter durchbiegen. Ist die Durchbiegung stärker, muß der Keilriemen nachgespannt werden. Gleichzeitig durch Augenschein die Flanken des Keilriemens prüfen. Sind sie ausgefranst, Keilriemen erneuern.

Ölstand kontrollieren und überprüfen, ob noch Winteröl (Einbereichsöl) eingefüllt ist. Das dünnflüssige Winter-Einbereichsöl (zum Beispiel SAE 20) muß gewechselt werden, da sonst bei hohen Außentemperaturen Motorschäden auftreten können. Wer im Winter fast ausschließlich kurze Strecken in der Stadt gefahren ist, sollte auch das Öl wechseln. Denn wenn der Motor nie richtig heiß geworden ist, kommt es zur Ölverdünnung durch unverbrannten Kraftstoff. Dieser setzt die Schmierfähigkeit des Öles herab und verdunstet bei der ersten Überlandfahrt. Dann kann es passieren, daß der Ölstand unter die Minimum-Marke absinkt.

Reifenfülldruck auf den vorgeschriebenen Wert einregulieren. Bei zu geringem Luftdruck erhöht sich der Rollwiderstand und dadurch der Kraftstoffverbrauch. Außerdem steigt bei zu geringem Reifenfülldruck der Reifenverschleiß rapide an. Sollten noch WinterHaftreifen montiert sein, so gehören diese sofort gegen Sommerreifen ausgetauscht.

Scheibenwischerblätter kontrollieren. Ist die Gummilippe ausgefranst, kann sie die Scheibe nicht mehr einwandfrei säubern. Man muß übrigens nicht immer das komplette Wischblatt erneuern. Die Fachwerkstätten bieten auch nur die preiswerteren Wischgummis an.

Für gutes Anspringen des Motors und einen kräftigen Zündfunken dürfen die Elektroden der Zündkerzen nicht abgebrannt sein. Verbrauchte Zündkerzen  erneuern, noch gute Kerzen reinigen und den Elektrodenabstand auf 0,7 Millimeter einregulieren.

Die Ansaugluft

In Abhängigkeit von der Außentemperatur benötigt der Motor vorgewärmte oder kalte Ansaugluft. Im Winter ist er mit warmer Luft besser bedient, im Sommer mit kalter. Bei einigen Fahrzeugen muß dazu die Ansaugluft jeweils entsprechend der Jahreszeit umgelenkt werden. Die Betriebsanleitung des betreffenden Fahrzeugmodells gibt Auskunft darüber, ob und wie man den Ansaugschlauch umstecken muß.

Unterbrecherkontakte zählen auch zu den störanfälligen Teilen in der Statistik der Pannenhelfer. Zündverteilerkappe abnehmen, Unterbrecher mit einem Schraubenzieher vorsichtig abheben. Sind am Kontakt Abbrandstellen vorhanden, Kontakt erneuern. Anschließend Zündzeitpunkte einstellen.

Die Lackpflege

Eine regelmäßige Lackpflege ist zum Schutz vor Korrosion und Verwitterung unumgänglich. Vor allem natürlich nach den Wintermonaten, denn Industrieabgase und das Streusalz sind aggressive Lackzerstörer.

Die beste Lackpflege, die man seinem Autolack angedeihen lassen kann, ist das häufige Waschen mit klarem Wasser. Wichtig ist beim Waschen, daß viel Wasser zur Verfügung steht und dieses nicht im scharfem Strahl auf den Lack gerichtet wird. Bei der Wagenwäsche mit dem Schwamm muß darauf geachtet werden, daß der Schwamm ständig in klarem Wasser gereinigt wird, denn schon wenige Sandkörner können beim Reiben mit dem Schwamm den Lack zerstören.

Vergessen werden bei der Wagenwäsche vielfach die Falze in den Türen und an den Hauben. Zudem sollte vor allem nach der Streusalzperiode auch der Wagenunterboden abgespritzt werden. Auch ist eine Motor- und Motorraumwäsche sinnvoll, da sonst das Streusalz auch hier seine Spuren hinterläßt. Nach der Motorwäsche wird der komplette Motorraum mit einem speziellen Wachs aus der Sprühdose konserviert.

Eine einfache Möglichkeit, den Lack zu konservieren, bieten Wasch-Konservierer, die einfach dem Wasser beigegeben werden, doch hält die Schutzwirkung nur rund zwei Wochen. Wer also seinen Wagen wöchentlich wäscht, sollte bei jedem zweitenmal Waschkonser-vierer zufügen. Nach der Wäsche muß dann nur noch die Karosserie abgeledert werden.

Eine längere Schutzwirkung erzielt man mit Autohartwachs, das flüssig, als Wachs oder in Spraydosen angeboten wird. Mit einem guten Hartwachs wird der Lack mindestens für zwei Monate mit einer dauerhaften Schutzschicht überzogen. Gegenüber dem Waschkon-servierer ist die Behandlung des Lackes allerdings aufwendiger, da das Wachs auf dem Lack verrieben werden muß. Das Konservieren muß wiederholt werden, wenn Wasser nicht mehr vom Lack abperlt, sondern großflächig verläuft. Fachleute gehen davon aus, daß ein mit Wachs konservierter Lack etwa alle zwei Monate wieder konserviert werden muß.

Das Polieren der Lackierung ist nur dann erforderlich, wenn der Lack infolge mangelhafter Pflege oder unter der Einwirkung von Straßenstaub, industriellen Abgasen, Sonne und Regen unansehnlich geworden ist und durch eine Behandlung mit Konservierungsmitteln kein Glanz mehr erzielen läßt.

Lackreiniger werden schließlich dann eingesetzt, wenn selbst die Politur nicht mehr ausreicht. Da diese Mittel den Lack besonders aggressiv zu Leibe rük-ken, sollten sie nicht allzuoft angewandt werden. Neben diesen Standard-Polier- und Konservierungsmitteln gibt es neuerdings auch Lackversiegelungen, die ein Jahr und länger Schutz bieten sollen.

HANS-RÜDIGER ETZOLD