Wie viel Benzin spart Leichtlauföl?

Autor Rüdiger Etzold
Veröffentlichungsdatum 1980
Veröffentlicht in Zeitungsartikel
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Hoffnungen nicht übertreiben / Hohe Preise

Die Mineralölindustrie propagiert in zunehmendem Maß sogenannte Leichtlauföle, die aufgrund ihrer Viskosität und Zusammensetzung Kraftstoff einsparen sollen. Sie sind meist synthetischer Herkunft oder, wie von Shell, nach einem besonderen Verfahren (Hydrocracking) hergestellt. Um Kraftstoff über das Motoröl einsparen zu können, gibt es hauptsächlich zwei Möglichkeiten: durch Absenken der Viskosität (anstelle eines Öls SAE 20 wird ein 10 er-Grundöl verwendet) oder durch reibungsmindernde Zusätze (Friction Modifier). In unseren Breiten und bei den hohen Anforderungen, die hier an ein Öl gestellt werden, ist ein Senken der Viskosität unter SAE 10 auch bei synthetischen Ölen nicht sinnvoll. Es hat zwar einmal ein synthetisches Motorenöl mit der Spezifikation SAE 5 W 20 auf unserem Markt gegeben, doch hat es der Hersteller inzwischen in 10 W 30 umgeändert. Das Öl der ersten Generation ließ nämlich den Ölfilm mitunter abreißen.

Wieviel Kraftstoff mit einem Leichtlauföl gespart werden kann, ist selbst innerhalb der Mineralölindustrie umstritten. Etwas zu rosig scheint die Aussage von Veedol zu sein, die in großformatigen Anzeigen eine Senkung der Kraftstoffkosten von bis zu 10,3 Prozent verspricht. Mit fünf deutschen Personenwagen erzielte man, so Veedol, „bei Kaltstart und Stadtfahrten eine Kraftstoffersparnis von durchschnittlich fünf Prozent. Der VW Golf Diesel schnitt mit sogar 10,3 Prozent am besten ab. Damit wäre jede zehnte Tankfüllung gratis.“ Schon aus rein statistischen Gründen ist diese Aussage mit Vorsicht zu genießen, da die Fahrzeugflotte für eine generelle Aussage zu klein war. Und auch die Auswahl der Fahrzeuge kann nicht kritiklos hingenommen werden, da sich beim Golf Diesel aufgrund der hohen Ladedrücke die dünnen Leichtlauföle besonders günstig auswirken.

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Auch Shell propagiert zwar die Möglichkeit der Kraftstoffeinsparung durch ihr Leichtlauföl, doch ist die Aussage nicht so euphorisch abgefaßt: „Drei Prozent Kraftstoff können im praktischen Fährbetrieb eingespart werden.“ Dieser Wert ergibt sich aus einer Untersuchung, bei der 200 bis 400 Fahrzeuge während sechs Monaten beobachtet wurden. Diesen hohen Aufwand hat Shell unternommen, da die derzeitigen Meßverfahren noch sehr ungenau sind und der Minderverbrauch im Rahmen der Meßungenauigkeit liegt.

Grundsätzlich ist Shell jedoch der Ansicht, daß durch Reibminderung im Motor eine Kraftstoffersparnis um bis zu acht Prozent möglich ist. Als realisierbar wird für die nahe Zukunft eine Größenordnung von fünf bis sechs Prozent angesehen. Zusätzlich ist durch neue Getriebe- und Hinterachsöle eine Einsparung von ein bis zwei Prozent denkbar. Für den Verbraucher ist natürlich die Kosten/Nutzen-Rechnung wichtig.

Immerhin gehören die Leichtlauföle zu den Spitzenprodukten der Mineralölindustrie und sind entsprechend teuer: Je Liter müssen zwischen 13 und 16 Mark bezahlt werden. Aber, so Werner Däbelstein von der Deutschen Shell, „wenn wir insgesamt nur drei Prozent durch das richtige Motoröl einsparen, so ist das für die Volkswirtschaft schon eine ganze Menge“.

Noch ist der Begriff „Leichtlauföle“ nicht eindeutig definiert. Hier zumindest hat VW immerhin festgelegt, welche Eigenschaften ein Leichtlauföl aufweisen muß. Steht auf dem Gebinde „entsprechend VW-Norm 500 00“, so darf man sicher sein, daß es sich um ein richtiges Leichtlauföl handelt.

Hans-Rüdiger Etzold